Birkenporling Selbsterfahrung

Es gibt 11 Antworten in diesem Thema, welches 184 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Ria.

  • Habe diesen Winter erstmals Birkenporlinge ausprobiert. Bei Erkältungen, Grippe und Magen-Darm-Problemen. An mit selbst und an der halben Verwandtschaft.


    Und was soll ich sagen: ein derart potentes Medikament haben weder ich noch die Probanten aus der Verwandtschaft schonmal erlebt, also nicht für diese Krankheiten. Ich meine natürlich die Krankheit, nicht die Symptome. Selbstverständlich hilft Novalgin schneller gegen die Schmerzen, oder Paracetamol gegen Fieber. Aber eben nicht gegen die Krankheit - und das kriegt der Birkenporling offenbar hin.


    Weder ich noch die freiwilligen Versuchskaninchen glaubten wirklich dran. Aber es lässt sich wiederholen: Halsschmerzen beginnen, die Nase läuft, oder auch Übelkeit etc. - Birkenporling aufgebrüht, und am nächsten Tag gehts ohne Symptome zur Arbeit.


    Beweisen kann ich damit gar nichts, es könnten alles auch ganz kuriose Zufälle sein. Aber wenn mich jemand fragt, was ich denke, was am ehesten bei Erkältungen und Grippe hilft …


    Ich hatte sie getrocknet und dann im Mixer zu Flocken gehäkselt. Davon koche ich ca. 2 Esslöffel in einem Liter Wasser kurz auf, und siede das dann bei niedriger Temperatur 20 Minuten weiter, lasse es dann nochmal eine Stunde ruhen. Der Sud muss saumäßig Bitter sein. Hat mich und meine Familie durch den Winter gebracht, jedenfalls scheint es so …

  • Hallo Pilzfreund,

    Versuch macht klug und gegen ein Probieren ist nichts einzuwenden. Und ja, das Gebräu ist furchtbar bitter. Es ist bekannt,dass der Birke Porling wertvolle Stoffe enthält und wenn es dir gut geht, dann war es vielleicht der Pilz. Ich gehöre nicht zu den absoluten Befürworten der "Heilpilze", denn heilen können sie nicht, aber eine gesundheitliche Wirkung wird in guter Literatur beschrieben.

    Viele Grüße
    Veronika Weisheit - Pilzberaterin Landkreis Rostock
    Auch Pilzberater können irren, erst recht in einem Forum, deshalb gibt es keine Freigabe von mir, Pilze zu verzehren, auch, wenn diese essbar sind.

  • , denn heilen können sie nicht, aber eine gesundheitliche Wirkung wird in guter Literatur beschrieben.

    Nun, das altmodische Wort "heilen" bedeutet nichts anderes als eine "gesundheitliche Wirkung" haben. Bei den allermeisten angeblichen "Heilpilzen" glaube ich auch nicht, dass sie heilen/gesundheitsfördernd wirken, bei Birkenporling und Schmetterlingstramete glaube ich es aber doch. Einig sind wir uns also sicher darin, das beides vorerst Glaubenssätze bleiben müssen ;)

  • Ich meine mit guter Literatur, Uwe und alle Diskutierenden z.B. das Buch von Leley "Wer Pilze isst, lebt länger" und ich meine auch Guthmann "Heilende Pilze", wobei der Titel mir nicht gefällt. Aber Guthmann betont einen Grundsatz - Weder die sogenannte Schulmedizin darf an erster Stelle stehen noch die alternative Medizin und hier speziell die Gesundung durch Pilze. Beide "Heilmethoden" sollten sich gemeinsam um den Menschen als Ganzheit bemühen, um Erfolge zu erreichen. Produkte aus Pilzen, wie Extrakte u.a. sind und bleiben z.Z. nur Nahrungsergänzungsmittel und sind keine Arznei. Wenn ich in beiden Büchern lese, was bestimmtes Pilze alles in unseren Körpern positiv beeinflussen können, dann kommen nicht nur mir erhebliche Zweifel. Ich denke aber auch, nur weitere Forschungen führen zu einem Ziel, entweder gegen oder für "Pilze mit Heilkraft".

    Viele Grüße
    Veronika Weisheit - Pilzberaterin Landkreis Rostock
    Auch Pilzberater können irren, erst recht in einem Forum, deshalb gibt es keine Freigabe von mir, Pilze zu verzehren, auch, wenn diese essbar sind.

  • Die klinische Studie gilt als einziger echter Nachweis, und die kostet zwischen 50 und 200 Millionen Euro. Das heißt, der Birkenporling müsste mindestens 50 bis 200 Millionen wieder reinbringen, und diesen Kapital-Einsatz bringt zudem nur, wer wiederum viele weitere hunderte Millionen damit machen kann. Nun wächst der Birkenporling aber an jeder dritten Birke, und ist nicht patentierbar. Das heißt: es wird nie, niemals herausgefunden werden, im wissenschaftlichen Sinn, ob der wirkt oder nicht.


    Viele übersehen, dass wir ein ganz anderes Problem haben als den weltanschaulichen Streit zwischen Schul- und Alternativmedizin, nämlich die Tatsache, dass eine echte Forschung, also bloß um der altruistischen Erkenntnis willen, im Hinblick auf pharmazeutische Produkte aktuell systematisch ausgeschlossen ist. Die Kapitalisierung des Gesundheitswesens definiert nunmal automatisch, welche Art von Erkenntnis noch möglich ist - das Ergebnis muss in entsprechender Weise verwertet werden können. Damit sind wir in eine ganz fiese Falle gelaufen … wir bezahlen den Irrsinn mit den explodierenden Sozialversicherungsbeiträgen.

  • Das Wissen über Vital- und Heilpilze ist teilweise durch Studien gestützt. Allerdings sind die einzelnen Pilzarten sehr unterschiedlich gut erforscht. Einige Arten wie die Schmetterlingstramete sind vergleichsweise gut untersucht, während es zu vielen anderen Pilzen vor allem Laborstudien und nur wenige Tierversuche gibt.


    Wichtig ist, Studien richtig einzuordnen: Ergebnisse aus Zellversuchen oder Tierversuchen lassen sich nicht direkt auf den Menschen übertragen. Sie zeigen eher, in welche Richtung Wirkungen möglich sind, sagen aber noch nichts darüber aus, ob ein Pilz beim Menschen tatsächlich wirksam oder sicher ist.

    Neben der Frage, ob es Studien gibt, braucht es bei der Anwendung von Heilpilzen Wissen darüber,

    -welche Inhaltsstoffe überhaupt wirksam sein könnten,

    -wie diese aus dem Pilz gelöst werden (z. B. als Tee oder Alkohol-Auszug),

    -und ob der Körper diese Stoffe überhaupt aufnehmen kann.


    Wer mit Reishi Blutdruck senken will, braucht z.B. ein Dualextrakt, oder eine Tinktur. Pilzpulver-rohverzehr wirkt da nicht, weil die Wirkstoffe im Chitin gebunden bleiben, bzw. wirkt lediglich belastend auf die Verdauung.


    Außerdem:

    Da einige Inhaltsstoffe aus Heilpilzen das Immunsystem beeinflussen können, halte ich es für sinnvoll, bei Autoimmunerkrankungen besonders vorsichtig zu sein. Auch wenn nicht belegt ist, dass Heilpilze Autoimmunprozesse verschlechtern, ist die Datenlage hier sehr dünn, und mögliche Effekte auf ein ohnehin fehlreguliertes Immunsystem sind bislang kaum untersucht.


    Für Kinder, Schwangere und Stillende liegen keine gesicherten Daten zur Sicherheit vor. Aus Vorsichtsgründen sollte in diesen Gruppen auf die innerliche Anwendung von Heilpilzen verzichtet werden, oder nur mit Rücksprache mit Ärztinnen ausprobiert werden. Gleiches gilt bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme, solange keine verlässlichen Daten zu möglichen Wechselwirkungen existieren.


    Als Einstieg ins Thema halte ich das Grundlagenwerk von Guthmann für sinnvoll, weil es versucht, das Thema sachlich und kritisch einzuordnen. Andere Bücher, vor allem aus stark naturromantischen oder esoterischen Zusammenhängen (z. B. zu Amanita muscaria), sehe ich sehr kritisch, da Risiken oft verharmlost oder ausgeblendet werden.



    Zum Birkenporling:

    Beim Birkenporling werden bestimmte Inhaltsstoffe als potenziell wirksam diskutiert. Der Pilz gilt als für die Forschung interessant, ist aber bisher nicht in Studien am Menschen untersucht worden. Es gibt lediglich einige Laboruntersuchungen und wenige Tierversuche.

    Diese deuten darauf hin, dass der Birkenporling im Laborversuch gegen Keime wirken kann, Entzündungen beeinflusst und das Immunsystem verändern kann. Ob und in welchem Ausmaß das beim Menschen eine Rolle spielt, ist bislang offen.

    In der Volksmedizin wurde der Birkenporling u. a. bei Magen-Darm-Beschwerden, als Mittel gegen Würmer und äußerlich auf Wunden verwendet.



    Ich sehe in Heil- und Vitalpilzen grundsätzlich ein großes Potenzial. Das Wissen darüber, was direkt vor unserer Haustür im Wald wächst und traditionell genutzt wurde, kann eine wichtige Ressource sein.

    Gleichzeitig finde ich es wichtig, mit diesem Thema sehr vorsichtig, differenziert und möglichst genau umzugehen. Nicht alles, was natürlich ist, ist automatisch harmlos oder für jede Person geeignet. Und auch Dinge, die (noch) nicht wissenschaftlich belegt sind, können wahr sein.

    Ich finde es gut, wenn das Thema mehr Aufmerksamkeit bekommt.

  • Der Pilz gilt als für die Forschung interessant, ist aber bisher nicht in Studien am Menschen untersucht worden. Es gibt lediglich einige Laboruntersuchungen und wenige Tierversuche.

    Diese deuten darauf hin, dass der Birkenporling im Laborversuch gegen Keime wirken kann, Entzündungen beeinflusst und das Immunsystem verändern kann. Ob und in welchem Ausmaß das beim Menschen eine Rolle spielt, ist bislang offen ....Ich finde es gut, wenn das Thema mehr Aufmerksamkeit bekommt.

    Es ist nicht nur "bislang" offen, sondern schon sehr lange offen, und wird auch immer offen bleiben. Denn wie gesagt, die Studien am Menschen kosten dann 50 bis 200 Millionen Euro. Es wird also immer dabei bleiben, dass der Pilz "interessant" ist und es "vielversprechende" Hinweise gibt …

  • Hallo Pilzfreund,


    danke für Deinen gut dokumentierten Erfahrungsbericht.


    Dass man Heilpilze nur als Nahrungsmittelergänzungen bezeichnen darf (so Veronika), ist nicht ganz richtig. Die Gesetzgebung dazu ist, wie es mit Gesetzen num mal so ist, juristischer Natur und nicht wissenschaftlicher. Es geht dabei nur um Bezeichnungen, wenn man etwas "in Verkehr bringen will". Als Privatperson ohne geschäftliches Interesse darf man das ungehindert und gedeckt von der grundgesetzlichen Meinungsfreiheit als Heilmittel bezeichnen. Dazu kommt natürlich, dass dies im jeweiligen nationalen Recht und ggf. auch Kulturkreis, wenn man Mitteleuropa verlässt, ganz anders geregelt ist.


    Und nachdem man nun die juristische Definition von "Heilmittel" großzügig ignoriert hat, steht die Frage nach einer sauberen wissenschaftlichen / medizinischen Definition des Begriffs "Heilmittel". Und nein, ich meine damit nicht eine Definition, die der Pharmaindustrie entstammt.


    Ich halte das für eine sehr schwierige Aufgabe (wobei es da natürlich in den gängigen Lehrbüchern immer irgendwelche Definitionen gibt)

    - Abgrenzung vom Nahrungsmittel

    - Abgrenzung vom Gift (Dosis)

    - Prozentsatz an erfolgter Heilung, Verbesserung des Zustands - ist etwas ein Heilmittel, das in 1% der Fälle deutlich hilft und in den 99% keinen Schaden verursacht? ME ja. Ist etwas ein Heilmittel, dass in 50% hilft und in 50% schadet? Schwierig, wohl nur, wenn man apriori Aussagen treffen kann, welche Fälle welche sind. Ist etwas ein Heilmittel, das in 99% heilt und 1% umbringt?


    Wenn man sich schon schwertut, zu sagen, was ein Heilmittel ist, dann dürfte es nicht unbedingt deutlich leichter fallen, zu sagen, ob etwas definiv kein Heilmittel ist - wofür oder wogegen auch immer.


    LG, Bernd

  • Hallo Pilzfreund,

    Ist etwas ein Heilmittel, dass in 50% hilft und in 50% schadet? Schwierig, wohl nur, wenn man apriori Aussagen treffen kann, welche Fälle welche sind. Ist etwas ein Heilmittel, das in 99% heilt und 1% umbringt?

    Wenn man sich schon schwertut, zu sagen, was ein Heilmittel ist, dann dürfte es nicht unbedingt deutlich leichter fallen, zu sagen, ob etwas definiv kein Heilmittel ist - wofür oder wogegen auch immer.


    LG, Bernd

    Hm, ich würde sagen, ein Heilmittel muss in 100% der Fälle wie beabsichtigt wirken. Das Ergebnis kann aber auch nur in 1% der Fälle eine tatsächlich Heilung sein. Ich meine das so: weder die Krankheit, noch die Gesundheit sind monokausal. Das Medikament fördert irgendeinen Prozess in irgendeine Richtung, "macht" aber alleine nicht die Gesundheit. Wie genau das Mittel im Organismus wirkt, müsste dennoch bekannt sein. Das wäre mein Anspruch, um beim Birkenporling über subjektive Erfahrungswerte hinauszukommen. Allerdings - auch die Schulmedizin weiß von vielen ihrer Mittel nur dass, aber nicht wie genau sie wirken :)

  • Die klinische Studie gilt als einziger echter Nachweis, und die kostet zwischen 50 und 200 Millionen Euro. Das heißt, der Birkenporling müsste mindestens 50 bis 200 Millionen wieder reinbringen, und diesen Kapital-Einsatz bringt zudem nur, wer wiederum viele weitere hunderte Millionen damit machen kann. Nun wächst der Birkenporling aber an jeder dritten Birke, und ist nicht patentierbar. Das heißt: es wird nie, niemals herausgefunden werden, im wissenschaftlichen Sinn, ob der wirkt oder nicht.


    Viele übersehen, dass wir ein ganz anderes Problem haben als den weltanschaulichen Streit zwischen Schul- und Alternativmedizin, nämlich die Tatsache, dass eine echte Forschung, also bloß um der altruistischen Erkenntnis willen, im Hinblick auf pharmazeutische Produkte aktuell systematisch ausgeschlossen ist. Die Kapitalisierung des Gesundheitswesens definiert nunmal automatisch, welche Art von Erkenntnis noch möglich ist - das Ergebnis muss in entsprechender Weise verwertet werden können. Damit sind wir in eine ganz fiese Falle gelaufen … wir bezahlen den Irrsinn mit den explodierenden Sozialversicherungsbeiträgen.

    Ich habe deinen Beitrag erst nach meinem Post gesehen – das war parallel geschrieben und nicht als Gegenrede gemeint. Inhaltlich teile ich deine Kritik an den ökonomischen Rahmenbedingungen der Forschung.


    Gleichzeitig finde ich die Schmetterlingstramete eine interessante Ausnahme, weil es dazu tatsächlich mehrere größere, teure Humanstudien gibt.