Lomo 90fach - 1,25 NA - reicht für die Pilzsporen, oder?

Es gibt 12 Antworten in diesem Thema, welches 503 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Wolfgang P..

  • Moin zusammen,


    kennt jemand die russischen Biolam Lomo Mikroskope? Die werden ja nicht mehr gebaut und bei Ebay gibt es die teilweise für ein Appel und ein Ei (<200 Euro). Ich frag mich, warum sie so günstig sind. Nur weil sie "alt" sind? Das Lomo hat 4 gefederte Objektive. Das beste vergrößert 90fach und hat ein 1,25 NA. Es ist nur ein Monokular, aber hat ein Full HD Okulur für den Stream auf den PC. Das klingt doch alles nicht verkehrt, oder? Kennt ihr diese Baureihe und wisst, was ggf dageben spricht? Für mich klingt es, als würde man damit die Sporen gut genug erkennen und im Preis/Leistungsverhalten sehr gut abschneiden.


    Beste Grüße

    Dominik

    Etwaige Bestimmungen meinerseits sind mit keiner "Verzehrfreigabe" verbunden. Bitte sucht hierfür einen Sachverständigen auf, der sich die Pilze vor Ort genau ansehen und sie hinsichtlich Verzehr viel besser bestimmen bzw. ihren Zustand bewerten kann.


    100-10(APR2024)+3(APR2024)=93

  • Hallo Dominik,


    nicht zufällig heißt es: LOMO = Liebhaber OMinöser Optiken g:-)


    Diese russischen Teile haben normalerweise ordentliche Optiken, sind robust und langlebig. Der Nachteil sind die großen Toleranzen, mit denen sie gebaut werden. Die Bedienung empfinde ich als recht grob. Der Abgleich der Objektive untereinander ist teils katastrophal. Die Beleuchtung will ich gar nicht erwähnen. Mikroskope, die länger nicht benutzt wurden, sind eigentlich immer verharzt, sprich: die Triebe funktionieren nicht richtig.


    Ein 90er Objektiv geht für Sporenuntersuchung genauso wie ein 100er. Blöd ist das ständige Umrechnen der Maße mit der Messplatte. Ich rate immer zum Binokular, Monokular macht keinen Spaß. Und diese "Full HD" Okulare können prima oder auch miserabel sein. Da spielt dann auch die Software eine große Rolle.


    Jetzt weißt du, warum die Teile so günstig zu haben sind.


    Gruß

    Peter

  • Hallo Dominik,

    "Biolam" heißen wohl viele Baureihen von Lomo, Du müsstest konkreter werden.


    Allgemein habe ich schon durch ein paar andere alte Monokulare gesehen. Ja, man kann damit Sporen erkennen. Letztlich hatten die "alten Meister" im ausgehenden 19. Jh auch nicht unbedingt was besseres.


    Bei Lomo bekommst Du den technischen Qualitätsstandard von Zeiss 1930.


    Der Preis ist immer ein Ergebnis von Angebot und Nachfrage, und es gibt schon Gründe, warum die Nachfrage nach alten Monokularen nicht so hoch ist (nicht nur von russischen).


    Für die Qualität eines Mikroskops gibt es ja viele weitere Merkmale wie z.B. Beleuchtungsstärke, Gängigkeit des Kreuztisches, bei den Objektiven das Sichtfeld, Kontrast, Randunschärfe, Plankorrektur etc.


    Bei gebrauchten Mikroskopen kann es auch echte Schäden geben wie verharztes Fett in der Mechanik (wohl gerade bei Lomo), oder delaminierte Linsenbeschichtung. Muss aber nicht sein, und es scheint auch Lomo-Liebhaber zu geben.


    Am Ende gilt wohl hier wie fast überall: "you get what you pay for".



    Wolfgang


    Edit: Peter war schneller mit Absenden...

  • Moin,


    ich meine, dass man ein Biolam des öfteren <100 Euro bekommt - das wohl ohne die Kamera unbekannter Qualität. Es gibt aber verschiedene brauchbare (bessere) Mikroskope in diesem Preissegment.


    Was suchst du? Nur etwas günstiges oder ist es auch die geringe Größe?

  • Was suchst du? Nur etwas günstiges oder ist es auch die geringe Größe?

    Naja, ich möcht halt Pilze mikroskopieren und wollt nicht unbedingt einen 4stelligen Betrag ausgeben. Aber vermutlich kommt man nicht drum herum.

    Was haltet ihr von dem Gminder Angebot?

    Mikroskop HPM D3, trinokular, 4x/10x/40x/100x, LED, Messokular inkl. - Andreas Gminder
    Forschungs-Mikroskop für Pilzmikroskopie Trinokularer Tubus mit Adaptionsmöglichkeit für Kameras Weitfeld-Okulare 10x/22 (!), mit Dioptrienausgleich - mit…
    www.myko-service.de

    Etwaige Bestimmungen meinerseits sind mit keiner "Verzehrfreigabe" verbunden. Bitte sucht hierfür einen Sachverständigen auf, der sich die Pilze vor Ort genau ansehen und sie hinsichtlich Verzehr viel besser bestimmen bzw. ihren Zustand bewerten kann.


    100-10(APR2024)+3(APR2024)=93

  • Andreas Gminder bietet nur gute Sachen an. Ich habe schon einmal durchgeschaut, aber noch nicht selber benutzt.


    Ich persönlich bin total glücklich mit meinen Gebrauchtkäufen. Ich habe mein erstes Olympus CH2 sowie meinen letzten Kauf, ein Wild M11 Monokular (ein "Reisemikroskop"), in super Zustand für jeweils 100 Euro erstanden. Jeweils mit elektrischer Beleuchtung und inklusive 100x Ölobjektiv. Beides spitzenmäßige und ausbaufähige Mikroskope, die im Grunde sofort einsetzbar waren. Es geht also auch günstig.


    Ich weiß ja nicht, ob du Lust auf ein gebrauchtes und älteres Gerät hast. Die beiden genannten kann ich auf jeden Fall empfehlen und die sind Recht häufig. Mir gefällt auch das M20 von Wild. Ansonsten findest du hier vielleicht noch die ein oder andere Inspiration: https://mikroskopiedernatur.de/mikroskope


    Beste Grüße

  • Ich finde es halt so krass, wie die Preise auseinander gehen.

    Für mich als Anfänger klingt das Gminder Mikroskop genauso wie das hier bei Amazon: Amazon Beispiel


    Wenn die Ausstattung erst einmal gleich klingt, liegt der Unterschied dann alleinig in der Qualität? Trabbi vs. Mercedes?

    Wenn da bei beiden z.B. ein 100x Objektiv NA 1,25 drin ist, dann ist das eine soviel besser als das andere? Und wie äussert sich das? Das Bild ist klarer, fokussierter? Linsen haben weniger Fehler? Weil - die Auflösung selbst sollte ja eigentlich die Gleiche sein..


    Man selbst hat daheim halt keine 20 Mikroskope, um überall mal durchzusehen und einen AHA Effekt bei den Unterschieden zu bekommen.

    Etwaige Bestimmungen meinerseits sind mit keiner "Verzehrfreigabe" verbunden. Bitte sucht hierfür einen Sachverständigen auf, der sich die Pilze vor Ort genau ansehen und sie hinsichtlich Verzehr viel besser bestimmen bzw. ihren Zustand bewerten kann.


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  • Hallo Dominik,


    also die Firma Lomo existiert noch und sie baut auch weiterhin Mikroskope https://www.lomo.ru/production…mikroskopy-tekhnicheskie/ (mit dem slawischen Nutzernamen kannst Du das sicher lesen, auch wenn der Name selbst das Gegenteil suggeriert :D)

    allerdings eher in der Oberklasse. Ob da auch chinesische Teile verwendet werden (vermutlich) oder gar nur eine Umetikettierung (eher nicht) stattfindet, ersehe ich nicht. Der Markt der Kleinmikroskope wurde von chinesischen Firmen übernommen, das gilt auch für viele (noch nicht alle?) westliche Marken, die dort fertigen lassen (und dann für die Umetikettierung einen Aufpreis verlangen).


    Nutzt du überhaupt die Zweiäugigkeit? Schon mal durch ein Binokular binokulär geschaut? Nutzt Du ggf. Fernglas oder Monokular?

    Ich nutze solche Geräte fast immer nur einäugig. Macht die Kamera im Trinokolar auch so.


    Das Umrechnen mit einem 90er ist trivial. Man vermisst einmal mit einer Objektglasskala die Größe des Sichtfelds. Damit hat man eine Referenzgröße, anhand man derer Entfernungen nach einer banalen Verhältnisgleichung umrechnen kann. Mathematik 4. Klasse, sollte man im Kopf können (oder an Excel auslagern). Rundung auf max. 0,5 µm Genauigkeit. Alles andere ist Hochstapelei und kann von lichtoptischer Mikroskopie nicht geleistet werden.


    LG, Bernd

  • Danke für die Infos.


    Neee - kann ich nicht lesen. Durnik war mein Underdog Held in Jugendzeiten. In einer Buchreihe voller Zauberer, war er der Schmied - und mir trotzdem am sympathischsten ;) Seither nutz ich ihn als Nick. Dass er slawisch ist und soviel wie "Dummkopf" heisst, hatte ich erst später mitbekommen. Gefällt mir trotzdem und ähnelt meinem eigentlichen Namen: Dominik


    Ich habs bös mit dem Rücken und da ist das leichte Vorgebeugen beim Mikroskopieren immer etwas schmerzhaft. Daher hab ich auf nem Monokular ein USB Okular sitzen und schau mal alles mit geradem Rücken auf dem Bildschirm an.

    Etwaige Bestimmungen meinerseits sind mit keiner "Verzehrfreigabe" verbunden. Bitte sucht hierfür einen Sachverständigen auf, der sich die Pilze vor Ort genau ansehen und sie hinsichtlich Verzehr viel besser bestimmen bzw. ihren Zustand bewerten kann.


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  • Ich finde es halt so krass, wie die Preise auseinander gehen.

    Für mich als Anfänger klingt das Gminder Mikroskop genauso wie das hier bei Amazon: Amazon Beispiel


    Wenn die Ausstattung erst einmal gleich klingt, liegt der Unterschied dann alleinig in der Qualität? Trabbi vs. Mercedes?

    Wie gut die Optiken sind weiß ich nicht, aber das vom großen A fällt schonmal damit auf, dass es nur 850 Gramm wiegt. Das erscheint mir für ein Mikroskop sehr wenig, und bedeutet wahrscheinlich, dass viel Plastik im Spiel ist.


    Qualität muss nicht immer teuer sein, aber bei 230€ für ein Mikroskop mit so viel Zubehör mussten die sicher irgendwo gehörig sparen. Sehr wahrscheinlich an der Qualität und Langlebigkeit der Komponenten.


    LG Suillus

  • Wenn Du eh nicht am Okular arbeitest, sondern alles am Bildschirm ansiehst, dann hat das Binokular gegenüber einem Monokular gar keine Vorteile mehr. Absgesehen vielleicht von den mitgelieferten Ersatzteilen im 2. optischen Kanal :D


    Im russischen Märchen (und ähnlich in den anderen Slawinen) ist Iwan Durak (Im Deutschen auch als Dummer-Jan bekannt) der dritte Bruder, der immer als Tölpel gilt und seine Zeit bevorzugt auf dem Ofen verbringt. Trotzdem (oder gerade deswegen) ist er immer der erfolgreichste, wenn es zu wichtigen Aufgaben kommt. Auch ist er derjenige, der die Prinzessin kriegt. Der Schmied ist in der slawischen Mythologie als Vertreter der damaligen High-Tech-Branche den Göttern sehr nah. Nicht ganz unähnlich wie im Germanischen, etwa Wieland der Schmied aus den Heldensagen, oder agr. Hephaistos. Wenn also Durnik der Schmied, da eine wichtige Rolle spielte, greift das tief in das Repertoire der slawischen Mythologie (~vorchristlichen Religion).


    LG, Bernd

  • Hallo durnik,


    diese "sehr günstigen..." Mikroskope wie aus deinem Beispiel sind einfachst zusammen gebaute Teile mit primitivsten Optiken. Natürlich kann man damit mikroskopieren. Irgend etwas sieht man immer. g:D


    Es geht eben um die Abwägung, was will ich sehen und was brauche ich dazu. Für Pilzmikroskopie sind vor allem die höheren Vergrößerungen wichtig. Fast immer wird mit 1000-facher Vergrößerung mikroskopiert. Da sieht man die Qualitätsunterschiede recht deutlich. Die Sporen zeigen im Bild grünliche (oder andersfarbige) Schatten oder Halos, die feinen Ornamente sind nicht zu erkennen. Wenn auf den 100x Objektiven die gleiche numerische Apertur von 1,25 drauf steht, heißt das nicht, das die gleich gut sind.


    Die Mikroskope stammen aus chinesischer Fertigung (das heißt nicht, dass sie deshalb schlecht sind - es gibt auch andere!), werden billigst produziert und auf den Markt geworfen. Werbesprüche wie 5000-fache Vergrößerung (obiges Beispiel) sind lachhaft - mehr als 1000-fach (max. 1250x) ist aus optischen Gründen gar nicht möglich. Die mechanische Qualität ist oft "saumäßig". Reparaturen und Ersatzteilversorgung sind praktisch nicht vorhanden.


    Mikroskopieren soll auch Freude bereiten. Wenn man allerdings dauernd Probleme hat mit einem wackeligen Stativ, einem holpernden Kreuztisch, mieser Beleuchtung, schlecht abgeglichenen Objektiven und dann feststellt, dass man im Mikroskop des Sitznachbarn beim Seminar die Ornamente der Sporen deutlich sehen kann, wo man beim eigenen Mikroskop immer nur raten muss, spätestens dann ist der Frust richtig groß.


    Woher ich das weiß - es ging mir vor vielen Jahren genau so. :gomg:


    Mein Tipp ist immer: Gehe zu einem Pilzverein, einem Seminar, einem Arbeitskreis, schaue dir die dortigen Mikroskope an und schaue auch durch. Dann wirst du sicher wissen, was du willst.


    Gruß

    Peter


    PS: Das Mikroskop von Andreas ist gut. Ich durfte es selbst ausprobieren. g:-)

  • Hallo Durnik,

    Das Mikroskop aus Deinem Beispiel scheint keinen Kreuztisch zu haben?

    Ein Präparat systematisch abzusuchen wäre dann praktisch unmöglich.


    Aber wo keine Feinmechanik verbaut wird, kann auch nix kaputt gehen :D


    Gruß,


    Wolfgang