Rindengeschwurbel und andere Baumbewohner

Es gibt 9 Antworten in diesem Thema, welches 759 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Wutzi.

  • Moin zusammen, den ersten regenfreien Tag des neuen Jahres mit ein bisschen Lichtblick haben wir zu einem Ausflug nach Schwarzburg genutzt, um uns ein bisschen an der Schwarza umzusehen. Um es vorweg zu nehmen: Es hat sich in jeder Hinsicht gelohnt. Die Regenmengen der letzten Wochen haben einige Pilzarten angeregt, sich in voller Schönheit zu präsentieren. Hier eine kleine Auswahl:


    1. Das Exkursionsgebiet stand ein bisschen unter Wasser. Aber man konnte die Wege schon wieder benutzen.


    2. Immer wieder schön: Orangeseitlinge - Phyllotopsis nidulans


    3. Beeindruckend finde ich immer diese gefallenen Riesen und die Vielfalt der Pilze und Moose, die sie besiedeln.


    4. Diese Pilzart ist mir in solchen Massen noch nie begegnet. Ich vermute den Laubholz-Harzporling - Ischnoderma resinosum, der sich in allen Altersstufen an fast jeder alten Buche zeigte.


    5. Der Fleischrote Gallertbecher - Ascocoryne sarcoides


    6. Ein gut 25 cm großer, flacher, kahler Porling, der mir seinen Namen partout nicht verraten wollte. Bestimmt erkennt den jemand von euch.


    7. Rotrandige Baumporlinge - Fomitopsis pinicola setzen pilzige Akzente


    7b. Auch Efeuschmuck liegt voll im Trend.



    8. Lustiges vom Rindengeschwurbel: alte Bohrlöcher von Holzwürmern wurden dekorativ verziert.


    9. Keine Ahnung, was das mal wird bzw. schon ist. Vielleicht auch eine Ischnoderma?



    10. Unmengen Winterhelmlinge - Mycena tintinnabulum. Überall. Die haben gerade eine richtig gute Zeit.


    11. Und weil sie so hübsch sind, gleich noch einmal.


    11a. und noch mal


    12. Wenn ich schon mal Austernseitlinge - Pleurotus ostreatus finde, dann sind sie garantiert schon drüber, wie diese hier an Kastanie.


    13. Die alten Kastanienäste waren überaus produktiv. Es gab hier zig Pilzarten zu entdecken. Zeigen will ich nur die besonders gelungene gelungenen: Striegeliger Schichtpilz - Stereum hirsutum.


    14. Ein uralte Eiche hatte einen ihrer beiden Stämme abgeworfen. Das bescherte mir diese prachtvollen Gemeinen Schmutzbecher - Bulgaria inquinans.


    15. Weil ich sie so selten finde, hier gleich noch ein zweites Foto.


    16. Von den Rindenbewohnern habe ich dieses Foto ausgewählt, weil dieser mir gänzlich unbekannte Pilz nicht nur die Rinde sondern auch das Moos überwuchert. Ein ziemlich gefräßiges Kerlchen.


    17. Wenn er keine Mose findet, reicht ihm auch der Baum.


    18. Stummelfüßchen - Crepidotus spec.


    19. Diesen besonders schick gefärbten Schleimer will ich euch natürlich nicht vorenthalten. Komisch, immer wenn ich Schleimer finde, muss ich an Ulla denken. Aber ich denke, lamproderma nimmt mir das nicht übel.


    20. Vier auf einen Streich - vielleicht aber auch mehr. Es ist noch unklar, was das alles mal werden will. Vielleicht seht ihr rätselerprobten ja mehr. Ich sehe da jedenfalls Kohlenbeeren, Schichtpilze, Angebrannte Rauchporlinge und Rötliche Gallerbecher


    21. Fenchelporlinge - Gloeophyllum odoratum, die so frisch waren, dass sie trotz der kühlen Temperaturen dufteten.



    22. Angebrannte Rauchporlinge - Bjerkandera adusta



    24. Ein leckerer Pilz mit Frostschutzmittel: Gemeine Samtfußrüblinge - Flammulina velutipes. Allerdings beschränkten sich meine Funde auf die paar Winzlinge und einige überständige am Hundeklo. Für die Pfanne war das alles nichts.



    25. Hier einige Pilze an Weide, bei denen ich mich über Hinweise freuen würde. Sie wirkten nicht hat mehr ganz taufrisch und ausgeblichen, hatten aber sonst einen relativ guten Erhaltungszustand. Können das verblichene Feuerschwämme sein? Die kenne ich allerdings nicht so hell.



    26. Der Weidenbewohner von unten.




    27. Einige Birken hatten sich mit Gelbstieligen Muschelseitlingen - Panellus serotinus dekoriert.




    28. Diese unbestimmten Helmlinge wuchsen an einem alten Baumstumpf, der früher mal eine Douglasie war.




    29. Flora inkognito verriet mir, dass es sich bei diesem Busch um einen Duftschneeball handelt. So frühe Blüten im Januar machen gute Laune und wecken die
    Vorfreude auf das, was das neue Jahr zu bieten hat. Möge es ein gutes, vor allem friedvolleres Jahr werden.




    Danke fürs Mitkommen.


    Nachtrag und Werbeblock: Ich war zuletzt im August in diesem Gebiet. Den Beitrag findet ihr hier. Vermutlich ist das feuchte Kerbtal verantwortlich für die große Pilzvielfalt vor Ort. Für alle die dort in der Gegend sind oder/und über einen Ausflug nachdenken: Die Ecke lohnt immer - nicht nur wegen der Pilze!






    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


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    Einmal editiert, zuletzt von Wutzi ()

  • Hallo Wutzi,

    ein prächtiges Sortiment präsentierst du uns da!

    An deinen weißen Weidenbewohnern hast du nicht zufällig Mal geschnuppert? Erinnert mich stark an Trametes suaveolens, die mir schon öfter an Weiden/Pappeln begegnet sind...


    So oder so danke fürs Rummführen :)

  • Hallo Wutzi,

    ein prächtiges Sortiment präsentierst du uns da!

    An deinen weißen Weidenbewohnern hast du nicht zufällig Mal geschnuppert? Erinnert mich stark an Trametes suaveolens, die mir schon öfter an Weiden/Pappeln begegnet sind...


    So oder so danke fürs Rummführen :)


    Moin Jungs, schön dass es euch gefallen hat und gut für mich, dass ihr bis zum Schluss durchgehalten habt🥴.

    Ich habe zwar auch am Weidenpilz geschnuppert, aber das nutzt zur Zeit nix. Ich hab über Weihnachten und Neujahr Spaß mit dem Virus gehabt, dessen Name nicht genannt werden darf. Und so richtig weg sind die Begleiterscheinungen immer noch nicht. Mein ohnehin schwach ausgeprägtes Riechvermögen hat gerade ziemliche Ausfälle. Seltsamerweise konnte ich den Fenchelporling vorher erschnuppern. Bei der Anistramete roch ich gar nix. Eigenartig.

    Lieben Gruß


    Claudia


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  • Liebe Wutzi,


    da bekomme ich richtig Lust, endlich mal wieder in der Natur zu sein. Mir fällt so langsam die Decke auf den Kopf, mein Infekt wird nach drei Wochen einfach nicht besser und meine Kondition ist noch mehr im Eimer, als sie eh schon ist.

    Wie gut, dass es so schöne Berichte wie deinen gibt. Und natürlich das APR als Trostpflaster und Beschäftigung.


    Liebe Grüße

    Rotfuß

    "Pilze sind erst einmal nicht anwesend, sie verstecken, verbergen, verschließen und tarnen sich, aber es gibt eine Wahrscheinlichkeit und eine Hoffnung, sie zu finden. Die Suche bedeutet Aufbruch, Verheißung, Abenteuer, und je vergeblicher und erfolgloser der letzte Pilzgang war, desto mehr Spannung, Erfüllung, Belohnung verspricht der nächste." (Hans Helmut Hillrichs: Pilze sammeln)


    Pilzmärchen

  • Liebe Rotfuß,

    da sind wir ja Schwestern im Virus🥴. Ich weiß, wovon du sprichst und das nervt ganz gewaltig. Ein bisschen fühle ich mich so, als hätten mich die Dementoren ausgesaugt und mein Husten hält sich schon die dritte Wochen. Das schlaucht und wenn du von Kondition sprichst, habe ich keine Ahnung, was das überhaupt ist. Deshalb verzichte ich auf Waldspaziergänge in meinem normalen recht steilen Umfeld und gönne mir Spaziergänge am Ufer der Schwarza. Da geht es weitgehend eben zu. Ein bisschen maßvolle Bewegung hebt nicht nur die Stimmung, sondern ist auch ansonsten der Gesundheit dienlich. Du schläfst und fühlst dich besser. Wenn du kein Fieber hast, geh auch ein bisschen in den Wald. Anstrengen sollst du dich ja nicht, nur ein bisschen herumschlendern und gucken, was es Schönes gibt. Jetzt ist zwar alles weiß, aber wenn sich die Sonne nachher blicken lässt, lüfte ich den Pilzspürhund und gönne mir auch ein bisschen frische Luft.

    Gute Besserung wünsch ich dir!

    Lieben Gruß


    Claudia


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  • Hallo Claudia,

    4) I. resinosum passt

    6) da sehe ich leider zu wenig bestimmungsrelevante Merkmale

    9) vergleiche mit Antrodia serialis

    24) muss mikroskopiert werden, ansonsten Flammulina spec.

    28) sieht eigentlich auch nach dem Winter-Helmling aus, aber ob der an Nadelholz gehen kann, weiß ich nicht

    Viele Grüße

    Emil

  • Hallo Emil, danke für deine Einschätzung und die Bestätigung zu 4.. Solche Unmengen des Laubholzharzporlings sind für mich etwas ganz Neues. Sonst sehe ich gelegentlich mal einen Stamm mit einigen Exemplaren


    Antrodia serialis kannte ich bisher nur flächig wachsend. Dass sie so in einer einzelnen Reihe erscheinen kann, habe ich noch nicht beobachtet. Daher hatte ich die gar nicht auf dem Schirm. Aber dein Vorschlag passt ziemlich gut. auf diesen Fund.


    Und klar, mit Flammulina spec. hast du natürlich Recht.


    Bei den Helmlingen auf der Douglasie bin ich ein bisschen ratlos. Sie erinnern durchaus an Winterhelmlinge, der Erscheinungszeitpunkt passt auch. Aber die Hüte dieser Helmlinge waren riesig im Verhältnis zu allen Winterhelmlingen, die mir bislang begegnet sind. Keiner unter 4 cm Hutdurchmesser. Ob Winerhelmlinge so groß werden können und auf Douglasie wachsen, weiß ich nicht. Eigentlich wird er immer als Pilz an Laubholz beschrieben. Der bleibt wahrscheinlich unklar.

    Lieben Gruß


    Claudia


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  • Hallo Claudia,


    Du kannst mal den Helmling 28 mit Mycena maculata vergleichen, der hat solche Farben, wächst an Nadelholz und wird ziemlich groß.

    Ich kann das jetzt nach Bild nicht 100% bestätigen, aber was Besseres fiele mir nicht ein. Wäre natürlich leicht zu bestätigen entweder mikroskopisch oder wenn die Lamellen älter braunfleckig werden.


    Viele Grüße

    Matthias

    Je intensiver man sich mit Pilzen beschäftigt, desto komplizierter wird es, sie zu bestimmen.

  • Vielen Dank Matthias, das könnte hinkommen. Blöderweise hat der Frost jetzt die Pilze dahingerafft, dass ich die Verfärbung nicht. mehr kontrollieren kann. Schade. Aber. dieses Foto habe ich unter die anderen Bilder geschummelt. Ich hab es an meinem Komposthaufen aufgenommen. sonst wüsste ich auch nicht sicher, dass der Baum eine Douglasie war. Vielleicht habe ich Glück und er erscheint nächstes Jahr wieder. Dann habe ich einen Arbeitstitel und werde ihn kontrollieren.

    Lieben Gruß


    Claudia


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