Furka 10.08.2022

Es gibt 7 Antworten in diesem Thema, welches 1.093 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Clavaria.

  • Hallo zusammen


    Langsam traue ich mich nicht mehr das Forum mit alpinen Pilzen zu fluten, aber es gibt ja sonst nichts... ich würde wirklich gerne mal zur Abwechslung ein paar Steinpilze finden, aber es ist sinnlos hier in die Wälder zu gehen.


    Also, gestern war ich am Furkapass auf ca. 2500m. Man musste etwas suchen, aber es kam doch einiges zusammen:


    1: Ein Phlegmacium: Cortinarius cf. compactus

    Leider nur diese beiden. Velum weiss, Geruch ein Gemisch aus fruchtig und rettichartig.

    Begleitet von Salix herbacea.


    KOH überall negativ.


    Sporen mittelmässig warzig, um 11-13 x 6-7.5 µm. Keine speziellen Marginalzellen gefunden.


    Wenn ich nach AdC schlüssele, lande ich bei dem recht passenden Cortinarius compactus.

    Aber ich werde immer misstrauisch, wenn eine Art nirgends kartiert ist. Vielleicht hat jemand einen besser Vorschlag.


    2: Ein dunkler Rötling: Entoloma anthracinum


    Auffallend ist der dunkle, glatte Stiel und die ebenso dunklen Lamellen. Die Schneide ist bräunlich, aber ohne Zystiden.

    Geruch gurkig-mehlig.


    Sporen etwas heterodiametrisch, selten grösser als 9 µm.


    HDS eine Kutis, kräftig intrazellulär pigmentiert. Nichts inkrustiert. Schnallen auch in der HDS vorhanden.


    Basidiolen mit Schnallen, Basidien 4-sporig.


    Nach einigem Hin und Her meine ich, dass es Entoloma anthracinum sein muss.


    3: Ein gelber Milchling: Lactarius salicis-herbaceae

    Die Milch verfärbt sich nach ein paar Minuten violett.


    Sporen nur kurz im Präparat angeschaut, weil die Art in der Region häufig ist.


    4: Ein (noch namenloser) Risspilz

    Meine Bestimmungsversuche waren erfolglos, so dass mir nur eines bleibt: Nach Ditte rufen.



    Geruch spermatisch. Stiel nicht knollig.


    Sporen 8.6-9.8-11.5 x 5.3-5.9-7.2 µm, Q = 1.50-1.68-2.01, n=20



    Cheilozystiden oft sehr schlank, fast zylindrisch. Vielleicht habe ich dem zu viel Beachtung geschenkt?

    Abmessungen ca. 50-70 x 10-15 µm.


    Pleurozystiden ähnlich


    Kaulozystiden nur im oberen Stieldrittel vorhanden.



    5: Noch ein Risspilz - Mallocybe cf. squamosoannulata

    Frische Fruchtkörper (oben links) haben einen Ring, darunter schuppig wie M. terrigena.



    Auffallend sind die dunklen Schuppen in der Hutmitte.



    Sporen 9.5-10.6-12.0 x 5.4-6.3-6.8 µm, Q = 1.41-1.69-2.01



    Cheilozystiden recht kurz, soweit sehen konnte 1- und 3-gliedrig




    Auf dem Heimweg gab es noch eine Abstecher in die Grünerlen etwas tiefer an der Strasse. Da gab es auch Pilze:


    6: Noch ein Rötling: Entoloma occultipigmentatum

    Kein typischer Erlenbegleiter, er wuchs daneben im Gras. Vermutlich störten ihn die Erlen einfach nicht.



    Sporen klein, isodiametrisch und mit abgerundeten Ecken.


    Schnallen hat er auch. Zystiden hingegen nicht.


    HDS nur blass intrazellulär pigmentiert, und mit kleinen intrazellulären Körnchen.


    7: Zum Schluss noch ein Milchling, Lactarius lepidotus

    Der ist nun bei den Grünerlen genau dort wo er sein soll. Entsprechend einfach war die Bestimmung.


    Sporen auch hier nur zur Vollständigkeit.


    Viele Grüsse

    Raphael

  • Servus Raphael,


    es macht Spaß, schöne frische Schwammerln aus den Bergen zu sehen. Zu den Bestimmungen kann ich leider nichts beitragen, weil ich in solchen Höhen so gut wie nie unterwegs bin.

    Was mir aufgefallen ist: Auf den Schnittbildern haben beide Risspilze sehr merkwürdige Lamellenfarben, sehr düster graubraun - jedenfalls völlig anders als auf den Standortfotos. Sind die länger im Kühlschrank gelegen?


    Beste Grüße

    Hias

  • Hallo Hias


    Ich denke das liegt eher am Licht. Die Inoycbe war nur einen Tag im Kühlschrank, die Mallocybe nur zwei Stunden.

    Ich muss mal etwas basteln für bessere Studioaufnahmen.


    Gruss Raphael

  • Hallo Raphael

    spannende Sachen findest du da in der Höhe.
    Dein Phlegmacium kannst du mal mit C.durus var. chamaesalicis P.D.Orton (Bon) Brandrud vergleichen
    Der ist in der Funga Nordica drin und wird als alpine Art unter Kriechweiden angegeben.

    Du machst ja sicher einen Beleg von diesen speziellen Arten.
    Soll C.compactus auch eine alpine Art sein ?

    Gruss

    Uwe

  • Hallo Uwe


    hm, das ist schwierig... Ich habe zu C. chamaesalicis mal ein wenig in der Literatur gesucht:


    Die Abbildung in FND 32 wird von den Autoren selber angezweifelt, weil viel zu gelb. Deshalb auch mit dem Zusatz "forma".


    Jamoni zeigt einen Pilz mit glattem, später leicht schuppigem Hut und deutlich schlankerem Wuchs als meine Kollektion. Geruch soll unauffällig sein.


    Die Originalbeschreibung in FMDS zeigt einen Pilz, der vom Habitus ähnlich wie bei Jamoni ist.

    Zudem soll die Schneide glatt sein (bei mir wellig-schartig), und diese rotbraunen Fasern auf dem Hut werden auch nicht erwähnt.

    Die Art soll keinen speziellen Geruch haben, bei mir war er recht deutlich.


    Brandrud 1998 beschreibt bei seiner Umkombinierung einen blass ockerbraunen Pilz, auch ohne Geruch.


    Bei C. compactus passen die genannten Merkmale (rotbraun faseriger Hut, Schneide, Geruch). Auch der Habitus passt besser, wobei die dort auch nicht so einen extrem kurzen Stiel haben, aber damit könnte ich leben.

    Das Habitat im AdC passt hingegen gar nicht (kalkiger Buchen-Fichten-Wald auf 1250m). Naja immerhin war der Boden bei mir kalkig :)

    Leider finde ich nur diese eine Fundangabe, die Art wird sonst nirgends erwähnt und es gibt keine Kartierungen.


    Es bleibt wohl wieder bei einer Ungewissheit. Natürlich habe ich einen Beleg gemacht.


    Viele Grüsse

    Raphael

  • Grüß dich Raphael (grade zurück aus Norwegen, mit vielen vielen Steinpilzen und natürlich auch Inocyben.... ;) :( Also die erste Art vergleich die mal mit Inocybe monochroa. Das scheint mir gut zu passen. Die Mittelwerte der Sporen und Form und Länge der Hymenialzystiden passen gut zu meinen Mikrotafeln und Fotos vom Holo- und Isotyp, und schau dir die Makro-Zeichnung und auch die Mikrozeichnungen und Beschreibung bei Favre an, das passt doch gut zu deinen Fruchtkörpern...

    Bitte aufheben für den Winter, ich lasse sie dann sequenzieren.

    Mallocybe: die Sporen des Lectotyps der squamosoannulata sind kleiner als die von dir gemessenen. Ist wohl was anderes. Du kannst sie auch dazulegen.

    Herzlich, Ditte

  • Liebe Ditte


    Grüß dich Raphael (grade zurück aus Norwegen, mit vielen vielen Steinpilzen und natürlich auch Inocyben.... ;) :( Also die erste Art vergleich die mal mit Inocybe monochroa. Das scheint mir gut zu passen. Die Mittelwerte der Sporen und Form und Länge der Hymenialzystiden passen gut zu meinen Mikrotafeln und Fotos vom Holo- und Isotyp, und schau dir die Makro-Zeichnung und auch die Mikrozeichnungen und Beschreibung bei Favre an, das passt doch gut zu deinen Fruchtkörpern...

    Bitte aufheben für den Winter, ich lasse sie dann sequenzieren.

    Mallocybe: die Sporen des Lectotyps der squamosoannulata sind kleiner als die von dir gemessenen. Ist wohl was anderes. Du kannst sie auch dazulegen.

    Herzlich, Ditte

    Liebe Ditte


    Danke dir, I. monochroa passt wirklich nicht schlecht, zumindest nach der Beschreibung von Favre.

    Das Portrait in FND 54 passt mikroskopisch auch gut, makroskopisch aber doch etwas anders, vor allem farblich ein deutlicher Unterschied.

    Leider fehlen mir (wie so oft) andere glaubhafte Abbildungen, um einzuschätzen wie variabel die Art ist.

    Ich lege dir beide Kollektionen zur Seite.


    Leider ist es ein ziemlich schlechtes Jahr für alpine Risspilze in meiner Region, obwohl ich etliche Stunden in den Bergen verbringe.

    Ich habe noch eine zweite Mallocybe die sehr ähnlich ist, aber mit anderen Zystiden. Und zwei weitere, die stelle ich die Tage noch ins Forum.

    Hoffentlich gibt es noch etwas mehr, die Saison ist ja noch nicht vorbei. Morgen gehe ich auf die nächste Exkursion.


    Hallo Raphael,


    du hast auf deinen Bildern übrigens noch jede Menge andere Pilze: Die ganzen Zwergweiden sind alle voller Rost. Das macht allerdings von der Bestimmung her allerdings meist wenig Freude ("Rose, Pappel, Weide, meide!").


    Björn

    Hallo Björn


    Ja, von denen habe ich leider nicht die geringste Ahnung und bin schon mit den alpinen Basidios ziemlich überfordert.

    Aber es kommt schon noch der Tag, wo ich mir auch die Rostpilze anschaue ;)


    Viele Grüsse

    Raphael