Trichoderma cf strictipile auf Totholz

Es gibt 10 Antworten in diesem Thema, welches 2.030 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von mollisia.

  • Holla zusammen,


    am Seeufer (Hartholzaue) auf einem stark verrottetem, entrindetem Ast sitzen kleine, helle Fruchtbildungen (Stromata) mit hellen gelblichen und grünlichen Perithecien.

    Das Holz ist in der Nähe wirkt grünlich.

    Davon ausgehend, dass es sich um den gleichen Pilz in unterschiedlichen Reifestadien handeln könnte, würde ich hier Trichoderma cf. strictipile, den "Substratgrünender Kugelpustelpilz", vermuten.

    T.stricitpile lebt auf entrindetem Laubholz, ev. als Pilzparasit, heißt es. Er gilt aus häufig (dann kann auch ich sowas finden), und kommt von July bis März vor (passt). Soll das Holz wohl grün verfärben, wie der deutsche Pilzname suggeriert.


    Könnte ich richtig liegen? Makroskopisch zumindest scheint alles zu passen.


    LG, Martin


    Bilder:

    Bild 1 Verrotteter Ast mit kleinen, hellbeigen Stromata


    Bild 2


    Bild 3a


    Bild 3b (Ausschnitt)

  • Servus Martin, toller Pilz! Ich kenne ihn nicht, daher kann ich auch nur sagen, könnte ich mir vorstellen..;) aber was ich mir auch vorstellen könnte ist dass er hübsch unter den Mikroskop ausschaut. Falls du ihn mitgenommen hast kratz doch mal mit einer Nadel ein paar Perithecien (die Punkte) raus und guck sie dir mal an. (Und zeig sie uns! ;) LG Ingo

  • Hallo Ingo,


    leider ist das wieder ein Pilz, den ich erst zuhause am Bildschirm richtig erkannt habe.

    Natürlich habe ich keine Probe mitgenommen.


    Aber ich weiß, wo der Pilz wohnt! ==Gnolm10

    Ich komme bestimmt nochmal vorbei.

    Dann ist er fällig...


    LG, Martin

  • Hallo,


    auf vielfachen Wunsch ich war heute nochmal vor Ort, um Proben zu entnehmen. :grolleyes:

    Heute früh gab's Raureif am See!


    Auf den Probenstücken sitzen grüne und gelbe Trichodermae nebeneinander, die grünen in der Unterzahl:

    Bild 4 von Probe (Kunstlicht): Cremefarbene Stromata mit grünlichen, reifen und gelben, unreifen Perithecien dicht nebeneinander sitzend


    Bild 5a von reifem, cremefarbenem Stroma mit grünen Perithecien auf Substrat im Kunstlicht.


    Bild 5b: Querschnitt durch Stroma, einzelne grüne Asci in Perithecien-Kammern erkennbar


    Stroma mit Pinzette seitlich gepresst, bis der Inhalt herausplatzt.

    Den Inhalt auf Objektträger in verdünntes Lugol; Sporenfarbe unverändert durch Lugolzusatz, Sporen sind auch in Wasser grün:

    Bild 6 mit 16-sporigen Schläuchen; vollentwickelte Sporen kräftig grün, Sporen sind in Wasser und in verdünntem Lugol grün.


    Bild 7: Sporen im Wechsel unterschiedlich lang und breit (Messen kann ich leider noch nicht, Messokular ist unterwegs)


    Bild 8: Sporenabfolge schlank, dick, schlank, dick, ... Die Abmessungen sind sehr variabel.

    Von den zähen Hüllhyphen habe ich auch mikroskopiert:

    Bild 9a: Links Schlauche, rechts Hüllhyphen


    Bild 9b Vergrößerter Abschnitt aus 9a.


    Der Vollständigkeit halber natürlich Bilder eines gelben Stroma-Inhalts, gleiches Vorgehen.

    Bild 10a: Asci in Entwicklung ohne erkennbare Sporen


    Bild 10b: 100x in Ölimmersion, Asci-Precursoren, einheitlich gefüllt, noch ohne Kompartimentierung


    Es gibt zwei ähnliche Trichoderma-Spezies mit grünlichen bzw. gelb/grünlichen Perithecien

    - T.stricitpile, nicht gelatinös, meist auch Buche - größere Sporenpaare (5,1 x 4,7 & 5,8 x 4,0 mit jeweils sehr großer Streuung)

    - T.gelatinosum, gelatinös, auf Laubhölzern - kleinere Sporenpaare (4,4 x 3,9 & 5,0 x 3,4 mit ebenso großer Streuung)


    Da der Perithecieninhalt mir gelatinös vorkommt (ist halt Zellpampe) und die Sporenfarbe grün ist, wäre hier eventuell auch eine Zuordnung zu T.gelatinosum gerechtfertigt,

    denn: "Trichoderma gelatinosum is the only green-spored, waxy/gelatinous Trichoderma in tempertate Europe." (Fungi of Temperate Europe)


    Für meinen Geschmack sind die Ostiolen für T.gelatinosum zu grün und die Form der Stromata zu glatt, also die Perithecien verhüllend, wie ich es bei T.strictipile erwarten würde.

    T.gelatinosum soll eher brombeerförmige Stromata besitzen, welche die Perithecien gut erahnen lassen. Das scheint mir hier nicht gegeben.

    T.strictipile kommt meist im Zeitraum 07-03 vor, T.gelatinosum im Zeitraum 08-11.

    T.gelatinosum wäre Mitte/Ende Dezember also etwas spät dran - noch dazu, wenn die meisten Stromata noch gar nicht ausgereift sind!

    Auch finde ich das grün gefärbte Substrat gut zu T.strictipile, dem "Substratgrünenden Kugelpilz", gut passend.

    T.strictipile gilt als "rather common", während T.gelatinosum "rarly reported", wenn auch gerne mit T.strictipile verwechselt, sei (FoTE).


    Wohin darf man diese Pilzlein jetzt zuordnen?

    Geht das überhaupt ohne Sporenabmessung? Ich ahne schon, was kommen wird! :gnichttraurig:

    Ich tendiere ja immer noch zu Trichoderma cf. strictipile...


    LG, Martin

  • Hallo Martin,


    wenn ich mir in der Arbeit von Jaklitsch und Voglmayr zu den grünsporigen Hypocrea-Arten die beiden in Frage kommenden Arten anschaue, geht meine Tendenz auch klar zu H. strictipile. Da sind die Oberflächen der Stromata nämlich flach, während sie bei H. gelatinosum deutliche Nupsies haben, wo die Perithecienhälse das Licht der Welt erblicken.


    Auf Erscheinungszeiten und Häufigkeiten würde ich im Zweifelsfall wenig geben. Pilze haben keinen Kalender und lesen selten Bücher.


    Björn

  • Hallo,


    die grünsporigen Hypocrea-Arten lassen sich eigentlich ganz gut ohne Mikroskop auseinanderhalten. Im Gegenteil, das Mikroskop nützt hier wohl nicht wirklich viel.

    T. gelatinosa ist durchscheinend, etwa wie Dacrymyces. Das scheidet hier aus.

    Etwas schwieriger finde ich T. strictipile und T. sinuosum zu trennen. Bei T. sinuosum stehen Perithecien stärker aus den Stromata heraus. Bei T. strictipile sind sie mehr in die Stromata eingebettet. Ich denke, hier handelt es sich, wie schon vermutet, um T. strictipile.


    Viele Grüße

    Steffen

  • Hallo Andreas,


    bei T. aureoviride sollten die Sporen laut Jaklitsch und Voglmayr monomorphisch sein, während sie bei T. strictipile dimorphisch sind. Das sieht man in Martins Mikrofotos ja schon recht deutlich.


    Björn