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letzter Beitrag von Peter am

Bloppilz entdeckt

  • Hallo beinander,

    der "Blob" aus dem Film auf arte ist das Plasmodium des Schleimpilzes Physarum polycephalum. Das ist eine Art die hier in nDeutschland nicht "in freier Wildbahn" vorkommt.

    Die Art ist aber leicht züchtbar und wird vor allem in Labors gezüchtet um damit verschiedene Experimente zu machen wie in dem Film auch gezeigt wurde. Schon vor Jahren wurde da eine gewisse "Intelligenz" festgestellt, wobei das Plasmodium in einem Labyrinth den kürzesten Weg zum "Futter" findet.

    Das Plasmodium ist eine membranumschlossene Riesenzelle mit vielen Zellkernen die sich von Bakterien, gelösten Stoffen, Schimmelpilzen u.a. organischen Materialien ernährt. Es bewegt sich auf der Suche nach Nahrung pulsierend fort. Das alles wurde im Film sehr schön dargestellt.

    Aus dem Plasmodium bildet sich dann unter günstigen Bedingungen der reife Schleimpilz, der dann auch bestimmbar ist.

    Ein Plasmodium ist dagegen normalerweise unbestimmbar.

    Moin!

    Hab gestern Abend auf ARTE einen Bericht über den sogenannten "Blop" gesehen und heute beim Waldspaziergang bin ich doch tatsächlich auf diesen Kollegen gestossen:)

    Was du gefunden hast ist das skerotisierte Plasmodium eines Schleimpilzes. Die Art ist aber so nicht bestimmbar. Physarum polycephalum ist aber auszuschließen.

    Ob es mal eine Fuligo oder Hexenbutter werden könnte ist auch nicht zu sagen.

    Sklerotisiert heißt, das das Plasmodium z.Z. schlechte Bedingungen hat um weiterzuleben oder zu fruktifizieren. Deshalb begibt es sich in eine "Schockstarre", die dann so aussehen kann wie Du es gefunden hast.

    Bei günstigeren Bedingungen ist es dann möglich, das es dann wieder "erwacht" , sich weiterentwickelt oder auch fruktifiziert. Solche Sklerotien beobachtet man meist im Winter (da ist es dem Schleimi meist zu kalt).


    LG Ulla

  • Hallo zusammen,

    weiß jemand, ob alle Schleimpilze zumindest eine ähnliche "Intelligenz" haben wie Physarum polycephalum? Wurde nur Physarum polycephalum diesbezüglich getestet und würden sich in diesem Fall dennoch Rückschlüsse auf andere ziehen lassen?

    VG

    Thomas

  • Hallo, Thomas!


    Sagen wir's mal so: Myxos bilden keine Neuronen, also keinerlei Nervensystem, daß auch nur entfernt mit dem der Säugetiere vergleichbar ist. "Intelligenz" wird in dem Fall zu einem nicht mehr definierbaren Begriff, weil der halt durch unsere Form von neuronaler Tätigkeit belegt ist. Einen vergleich zu ziehen, wird dann extrem schwierig. Man könnte sich dem höchstens annähern und vermuten, daß die Form von rein biochemischer Reizübermittlung in einigen Konsequenzen ähnliche Resultate erzielt, wie das im Tierreich durch eletrische Reizübermittlung und zusätzlicher biochemischer Steuerung (Neurotransmitter) möglich ist.
    Bezogen also auf Myxos generell: Klar, die dürften schon alle ähnlich funktionieren. Auch draußen im Wald finden sie ihre Nahrung, finden auch von einem Pilz (Nahrungsquelle) weiter zum Nächsten.
    Ob du den Schleimpilz nun über einen wunderlich verkrusteten, liegenden Baumstamm schickst, an dem er den geeignetsten Weg zu frischen Fruchtkörpern von zB Phlebia radiata finden muss, oder ob der durch ein von Menschen gebasteltes Labyrinth zu seinen Nahrungsquellen finden soll, spielt für das Myxo - Plasmodium keine Rolle. Das Prinzip, nachdem sich die Zelle bewegt, ist das Gleiche.



    LG, Pablo.

  • Hallo Pablo,

    vielen Dank für deine ausführliche Antwort und deine Darlegungen. Ist ein schwieriges Gebiet, da -wie du bereits sagst- bestimmte Begriffe, die durch "typisches" Verhalten, Eigenschaften, etc. spezieller Lebewesen wie u.a. dem Menschen, definiert sind. Eine direkte Übertragung dürfte sich verbieten bzw. nur mit äußerster Vorsicht vorgenommen werden. Meine Frage zielte auch auf einen Vergleich innerhalb der Arten bei den Myxomyceten, aber da fließt, wie so oft, einiges mit ein. Deshalb besonderer Dank, dass du dennoch ausführlich geantwortet hast.

    Jedenfalls sind Myxos schon beeindruckend. Schade, dass man sich irgendwie beschränken muss. Andererseits freue ich mich aber auch immer, wenn ich wenigstens "rudimentär" auch etwas von diesem und anderen Gebieten erfahre.

    Bleib gesund, selbstverständlich auch alle Anderen und ein bißchen kann jede/r auch dazu beitragen.

    LG

    Thomas

  • Hallo,


    vor Jahren hatte ich mal das gelbe Plasmodium von Badhamia utricularis bekommen und in einem Gurkenglas kultiviert. Drin war wenig Erde, etwas Moos und ein paar Zweige.


    Das fast ganz verschlossene Glas stand an einem Fenster im Klassenzimmer. Anfangs nahmen die Schüler kaum Notiz davon. Irgendwann bemerkten sie, das das "gelbe Zeugs" immer größer wurde und den Standort wechselte. "Heute morgen war der viel weiter unten!" Ihr Interesse wuchs und sie begannen, den Schleimpilz zu füttern.

    Zuerst gab es Haferflocken, die der Schleimer gerne annahm und komplett verdaute. Dann bekam er Brotstückchen, Knäckebrot und Pappe. Als er schlussendlich einen Mohrenkopf bekam, beschränkte er sich nur auf die Waffel am unteren Ende.


    Nach ein paar Wochen wurden die Bedingungen doch zu schwer für ihn und er formte sich um zu kleinen bläulichgrauen Kügelchen.


    Das Ganze hat allen viel Spaß gemacht und ich bedauere, dass ich damals nicht mehr Experimente angeregt habe. An Fotos hatte ich nicht mal gedacht. :(


    Freundliche Grüße

    Peter

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