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letzter Beitrag von Beorn am

Weisse Baumschwämme

  • Servus zusammen, wem vom Titel schon schlecht ist und der sich nur verklickt hat besitzt jetzt die letzte Chance sichs nochmal zu überlegen-

    für die Anderen gibt es wie versprochen einige mehr oder weniger weisse Baumleder samt Bestimmungsversuchen, zäh ich weiss. Alle Funde stammen vom Januar/Februar.


    #1 an liegendem Laubholzstamm, zB Birke: Trametes gibbosa






    #2 Lauholz, zB Birke, teilentrindet. FK nicht ganz fest, jedoch zäh. Kein Geruch. Für Tr. gibbosa sind mir die Poren allerdings nicht länglich genug- evtl eine geruchlose Tr. suaveolens?







    #3 an Laubbaumstumpf mit fürs Alter (vielleicht 15cm Durchmesser) sehr grober Rinde. FK max 5-6cm, zäh. Geruch stark, leider widerlich bis abstoßend. Trotzdem würde ich die Anistramete Tr. suavolens in die Schale werfen. Verändert sich der Geruch evtl mit dem Alter?







    #4 an Laubholz im Gebüsch eines Industriegeländes. Den fand ich recht interessant. FK ca max. 6-8cm abgeschirmt. Ich würde ihn a.e.für Irpex lacteum den Milchweissen Eggenpilz halten. (Spongipellis pachyodon scheint weniger weit "abzuschirmen" bzw Stecch. oreophilum ist wohl insgesamt eher kleiner?)









    #5 an Föhre, liegend. FK ca 1,5-2 cm "abschirmend", dünn (schichtpilzartig), fest, weissfilzig, Rand deutlich violett, Poren fein, polygonal. zB Violetter Lederporling




    #6 an Laubholz, evtl Eiche. Auch wenn die Odds deutlich zu Tr. versicolor stehen, möchte ich aufgrund der breiten Ansatzstelle und gering ausgeprägten Zonierung nochmal Tr. ochracea zur Diskussion stellen (ich weiss bisher war es dieses Jahr hier im Forum noch nie ochracea:rolleyes:)




    Wie immer bin ich für eure Einschätzungen und Korrekturen dankbar!

    Schönen Abend!

  • GriasDi Ogni,


    rein makroskopisch hab ich an Deinen Bestimmungen nicht viel auszusetzen.

    Die Buckeltramete is klar, Nr.2 Anistramete auch, auch wenn Du keinen Anisgeruch festgestellt hast. Nr. 3 würd ich aber eher T. hirsuta bezeichnen wollen. Trichaptum abietinum ist auch klar und der Irpex lacteus auch. Steccherinum oreophilum wird wohl nicht so pileat. Zur Sicherheit müssten halt die Schnallenverhältnisse gecheckt werden.

    Auch mit T. ochracea würd ich mitgehen. Eiche als Substrat wär aber sehr ungewöhnlich.

    An liabn Gruaß,

    Werner

  • MoinMoin!


    Bei #3 könnte ich mir bei der Oberflächenstruktur auch ganz gut die Samtige Tramete (Trametes pubescens) vorstellen. Die Poren scheinen etwas grob zu sein, aber das ist ohne Skala im Bild schwer einzuschätzen und natürlich auch bei Trametes pubescens in einem gewissen Bereich variabel (generell aber feiner als bei Trametes hirsuta).
    Ansonsten siehe Werner. Trametes ochracea finde ich in meiner Gegend meistens an Weide oder Pappel, seltener auch mal an Rotbuche oder Birke. Eiche dürfte aber auch vorkommen, das Substratspektrum dürfte recht groß sein.



    LG; Pablo.

  • N'Abend Werner, danke für deine Einschätzungen - und pileat.. ist der Fachbegriff für "abschirmend" der mir gefehlt hat :cool:

    Die #3 hat leider eine besch. Bildqualität weils so duster war, ich hätte mal eine mitnehmen sollen.. nach meiner Erinnerung waren sie nicht sonderlich behaart, verliert sich da das Fell evtl im Alter? Der Geruch könnte natürlich auch nur "Gammelpilz" sein.

    Sehr freut mich dass du die Tr. ochracea für möglich hältst, beim Substrat bin ich mir nicht sicher (wenn ich die Rinde nochmal so ansehe könnte ich mir auch Pappel vorstellen).

  • oder doch Birke, was ich favorisieren würde und auch am besten passen würde.

    Die von Pablo bei Nr. 4 ins Spiel gebrachte T. pubescens kann natürlich auch sein, obwohl die dunkle Verfärbung der Poren schon für T. hirsuta spricht. T. pubescens überdauert normalerweise auch nicht über den Winter und wird sehr schnell von Insekten/Maden zerfressen, hat also eine eher kurze Vegetationszeit.

    An liabn Gruaß,

    Werner

  • Servus!


    Ja, stimmt: Auch Trametes hirsuta kann bei entsprechenden äußeren einflüssen im Alter mal nahezu völlig verkahlen, also keine erkennbaren Haare mehr vorweisen.

    Stimmt auch: Trametes pubescens ist eher eine Sommer- und Herbstart, und die Fruchtkörper sind ziemlich kurzlebig (elenderweise auch im Exsikat, meine haben sich bis auf eine Kollektion alle in Staub verwandelt).

    Da hatte ich aber einfach mal vorausgesetzt, daß die Pilze vielleicht auch gemerkt haben könnten, daß der Winter in diesem Jahr ausgefallen ist. Warum also nicht mal ein paar Fruchtkörper im Januar oder Februar bilden, wenn die Monate sich meteorologisch eher wie Oktober / November benehmen. Zudem oraktisch: Weniger Tierchen als im Sommer oder Herbst, dadurch dauerhaftere Fruchtkörper und eventuell eher die Chance, daß die Röhren so lange überleben, um sich witterungsbedingt zu verfärben.
    Sah auch in Einem Beleg so aus, den Beli mir mal geschickt hatte:


    Muss aber alles nichts heißen, ist nur so eine Idee, und es können durchaus eben auch nur verkahlte Trametes hirsuta sein.



    LG; Pablo.

  • Hallo,


    ich glaube nicht dass #2 eine Anis-Tramete ist. Ich halte das für einen Saftporling, würde stark auf Tyromyces/Spongiporus tephroleucus tippen. Das Substrat scheint mir Buche zu sein, auf jeden Fall aber nicht Weide.


    #3 ist dagegen schon Weide, aber die Wuchsform spricht schon sehr gegen Trametes suaveolens. Ich würde auffgrund der blassen Färbung da auch am ehesten Trametes pubescens darin sehen.


    #1, 4, 5 sehe ich wie ihr, zu #6 könnte ich mich nicht entscheiden. Aber Trametes ochracea halte ich schon für eine Option zumindest.


    beste Grüße,

    Andreas

  • Hallo,


    ich glaube nicht dass #2 eine Anis-Tramete ist. Ich halte das für einen Saftporling, würde stark auf Tyromyces/Spongiporus tephroleucus tippen.

    GriasDi Andreas,

    dafür sind die Poren m.E. deutlich zu weit und auch die Bräunung der Poren hab ich bei T. tephroleucus noch nie so gesehen. Zu T. suaveolens würde es aber gut passen.

    An Buche hab ich sie aber auch noch nicht gehabt, denk ich.

    Ist Weide in dem Fall echt auszuschließen?

    An liabn Gruaß,

    Werner

  • Hallo Werner,


    die Porenfarbe hat mich auch irritiert. Allerdings haben ALLE Porenbilder von allen Kollektionen hier so einen schmutzigbraunen Ton - ob das nicht am Foto liegt? Auch #1 Trametes gibbosa zeigt so eine Hymeniumfarbe z.B.

    Gegen Traetes suaveolens spricht meiner Meinung nach auch die zu mehreren dachziegelig wachsenden, recht kleinen Fruchtkörper. Ist schon etwas ungewöhnlich, T. suaveolens wächst meist als Einzelfruchtkörper.

    Das SUbstrat ist meiner Ansicht nach auf keinen Fall Weide. Recht unten sieht man noch ein kleines Stück Rinde. Das hat überhaupt keine Struktur, die Borke ist +/- glatt. Eine Weide mit so einem Stammdurchmesser müsste sehr deutlich gefurcht sein -> siehe #3 (das ist Weide). Ich hab so viele Buchenstämme in den Projekten gesehen die letzten Jahre, dass ich mir doch reichlich sicher bin.


    beste Grüße,

    Andreas

  • Hallo Frank,


    ich finde Tyromyces chioneus und tephroleucus makroskopisch schwierig auseinanderzuhalten - gibt's da nen Trick? Die bimssteinartig leichten getrockneten Fruchtkörper von chioneus sind schon auffallend, aber das sehe ich ja draußen auch noch nicht. Und ist chioneus tatsächlich viel seltener als tephroleucus, oder sollte ich mal meine Bestimmungen nochmal überdenken …?


    LG, Andreas

  • Bon Soir!


    Vielleicht hat Ogni Volta ja noch ein Bild, wo man mehr von dem Stamm sieht, auf dem Pilz #2 wohnt?

    Weide würde ich da auch nicht denken, aber Rotbuche kommt mir auch komisch vor. Da ist normalerweie so eine "porige" Struktur unter der Rinde, kleine Rippen und Grate an der Unterseite der Rinde, die hier nicht zu sehen sind. Zudem erscheint das Rindenstück einigermaßen dick und massiv für Fagus.

    Ich tue mich da aber oft schwer, das auf Bildern richtig einzuschätzen.


    Was den Verdacht auf "Oligoporus" tephroleucus oder Tyromyces chioneus betrifft: Findet ihr nicht die Poren dafür irgendwie zu grob? Die Kollektionen der beiden Arten, die ich bisher in der Hand hatte, hatten irgendwie deutlich feinere Poren, so im groben Vergleich zu den Fingern auf dem Bild.
    Mit der Trennung von T. chioneus und O. tephroleucus tue ich mich übrigens auch bisweilen schwer. Über Sporen und Kontexthyphen geht's ja einigermaßen, aber dann wird's bisweilen wackelig, wenn Reaktion auf H2SO4 und Geruch nicht so recht dazu passen wollen.



    LG; Pablo.

  • Servus beinand',

    Ogni...Du hast den Porling Nr.2 doch in der Hand gehabt. War der denn "trametenzäh" oder eher "saftporlingsweich"?😀

    Ich kann mich mit der Bestimmung als Oligoporus/Tyromyces auch gar ned anfreunden. Ich finde die Poren viel zu weit und das braun passt halt auch gar ned.

    Aber so ist das bei Bildbestimmungen. Wenn man die Teile in der Hand hat, ist das halt schon ganz was anderes.

    An liabn Gruaß,

    Werner

  • Guten Abend zusammen, leider konnte ich heute tagsüber an der interessanten Diskussion nicht teilnehmen. Das Waldstück hat mich mit seiner Artenvielfalt im Mischwald der Tat sehr überrascht. Sonst gibts in meiner Gegend überwiegend monotone Kiefern+Birken/Eichen Plantagen“. Der Boden in dem og Waldstück ist zwar auch sandig aber dennoch leicht feucht mit einigen Rinnsalen und Fuße einer sanften Kuppe. Ich bin zugegeben kein großer Baumkenner, aber sehr gut gemischt standen dort sofern ich das zuordnen konnte alte Eichen, Rotbuchen, Pappeln, Weiden, Birken, Roterlen( weiß ich nur sicher weil zufällig ein Schild dran war dass dort Samen gewonnen werden) und Kiefern neben Kleingehölz wie Traubenkirsche oder Hollunder.
    Zum Stamm #2 bin ich tatsächlich unsicher ob das Weide war, Buche halte ich schon auch für möglich.

    Zur FK2 Konsistenz war mir schon eine gewisse gummiartige Beschaffenheit aufgefallen, insgesamt war er aber doch relativ fest. Zumindest nicht richtig weichporlingsartig, da hatte ich bisher immer das Gefühl man könnte das Wasser rauspressen. Allerdings könnte er auch innen noch gefroren gewesen sein. Herrje, das hilft nicht viel. Weitere Fotos hab ich leider nicht weil ich etwas eingeschränkt mit dem Junior unterwegs war und nur mal kurz zum Stamm gesprungen bin.
    Was ich aber sicher sagen kann ist dass FK 3 fester und korkiger war.
    Vielleicht kann ich am Wochende nochmal einen Ausflug dorthin machen, in der Hoffnung dass was davon noch steht bzw um die Bäume besser zu identifizieren.
    Ich habe fast befürchtet dass ich mit der schwachen Doku nicht weit kommen würde.
    Trotzdem Danke fürs miträtseln!

  • Hallo Andreas und Pablo,


    Tyromyces chioneus hat außer breiteren Sporen (1,5-2 µm) bei P. tephroleuca (1-1,5 µm) immer in der Röhrentrama lange, dünne und unseptierte Skeletthyphen, die sich einzeln durch's Präparat schlängeln.

    Makroskopisch sind bei T. chioneus normalerweise der süßliche Geruch und die glatte Hutdeckschicht auffällig.

    Am Standort könnte man noch nach der Fäuleart unterscheiden. Postia erzeugt Braunfäule, Tyromyces Weißfäule.


    LG

    Frank

  • Hallo!


    Ogni Volta: Deine Dokumentationen sind sehr gut und solide. :thumbup:
    Damit kann man wirklcih was anfangen. Falls du noch Details verbessern wollen würdest: Man kann noch eine Skala ins Bild legen, also ein Zentimetermaß oder so. Und Schnittbilder sind auch oft interessant, hast du ja aber bei Pilz #4 ja auch gemacht. :thumbup:
    Es liegt also nicht an dir, wenn einzelne Funde kontrovers diskutiert werden, sondern an der ganz allgemeinen Schwierigkeit bei der Unterscheidung dieser Porlinge. Auch da sind viele Arten mitunter knifflig in der Bestimmung. Im Gegenteil: Daß deine Funde überhaupt so diskutiert werden - auch von so kenntnisreichen Leuten wie Andreas, Werner und Frank - zeigt eigentlich nur, daß man mit deinen Darstellungen der Funde wirklich was anfangen kann.


    Danke Frank für die Zusammenfassung zur Trennung von O./P. tephroleucus und T. chioneus.
    Skeletthyphen der Röhrentrama - ok, dann ist mir jetzt klar, wo mein Fehler lag. Röhrentrama schaue ich zwar standardmäßig immer an, hatte aber in dem Fall immer den Fokus auf dem Kontext.



    LG; Pablo.

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