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letzter Beitrag von Wühlmull am

Mykorrhiza und Hexenringe - wie geht???

  • Hallo Pilzfreunde,


    ich frage mich - schon länger - wieso eigentlich manche Mykorrhizapilze Hexenringe bilden. Einen driftigen Grund haben sie ja nicht, es sei denn, sie nutzen neben den Nährstoffen ihres Symbiosepartners parallel dazu auch die Nährstoffe abgestorbener pflanzlicher Biomasse. Falls dem so ist, stoßen sie aber irgendwann auf ein Problem: Der Hexenring wird von Jahr zu Jahr größer und entfernt sich immer mehr von dem Partnerbaum, bis irgendwann die Grenze erreicht ist, an der das Myzel aufgrund der großen Entfernung keine Nährstoffe mehr an die äußere Zone liefern kann um dort Fruchtkörper auszubilden.


    Bei Saprophyten ist das auch schematisch gut zu rekonstruieren. Das Myzel stirbt in der Mitte ab und breitet sich radial aus um so auf immer neue Nährstofferssourcen zuzugreifen. Wenn sich ein Mykorrhizapilz auf diese Art ausbreitet, müßte zusätzlich eine Art "Direktleitung" zum Baum bestehen, um die fehlenden Nährstoffe zu beziehen. Eine andere Lösung wäre, daß manche Pilze einfach zu beidem in der Lage sind. Zur Not frißt der Bauer die Wurst auch ohne Brot :) . Deacademic.com sagt übrigens, daß Mykorrhizapilze NIE einen Hexenring bilden - is' klar ==Gnolm4 .


    Hexenringe vom Rosascheckigen Milchling. Einer der Hexenringe war sogar abgeerntet, da mußte wohl jemand seine "Champignonrahmsoße" zum Klo hinunterspülen. Tja, aus Fehlern lernt man :freebsd: .

  • Hallo Holger, interessante Überlegung. Hast Du eine Auflösung für das Problem. Stirbt der Pilz, wenn er sich zu weit vom Baum entfernt?


    Du schreibst : Einer der Hexenringe war sogar abgeerntet, da mußte wohl jemand seine "Champignonrahmsoße" zum Klo hinunterspülen.
    Kann sein, muss aber nicht sein. Wer weiß wofür der Pilzsammler die Pilze brauchte ==Gnolm9


    Liebe Grüße Claudia

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


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    Einmal editiert, zuletzt von Wutzi ()

  • Hallo Holger,


    eine sehr interessante Überlegung. Ich beobachte seit Jahren vor diesem Hintergrund die Boleten in Hausnähe, insbesondere wie sich das Myzel ausbreitet, was ich auf die entstandenen Fruchtkörper zurückführe. Klar, ohne Myzel kein FK was Mykorrhiza - Pilze betrifft.
    Bei den Saprophyten ist die Thematik ja eigentlich einfach. Nicht so bei den Mykorrhiza-Pilzen.
    Vielleicht aber doch.
    Das kann man durchaus mit Tomaten vergleichen .. zur Anschauung. Wenn man junge Tomaten einpflanzt, sollten sich die Wurzeln ausbreiten, damit die Pflanze kräftiger wird und sich die Wurzeln ausbreiten. Deswegen gießt man nicht in Pflanzennähe nach dem ersten ausgiebigen Wässern, sondern eher in einem gewissen Abstand.
    Ähnlich ist es mit den Mykorrhiza - Baumpartnern, denn die Wurzeln breiten sich aus und das Myzel verbreitet und verbindet sich meines Wissens eben nach auch über die Wurzeln, wodurch eine Vermehrung und Verbreitung stattfindet.
    Es gibt irgendwann Wurzelkontakte und das Myzel geht über, oder sucht den Waldrand, wo mehr Niederschlag als über dem Laubüberdachten Himmel stattfindet. Dort am Waldrand wurden in den letzten Jahren, insbesondere letztes Jahr viele Dickröhrlinge gefunden. Erscheint für mich plausibel. Mit den Trüffeln (hypogäische Arten) läuft das übrigens genau so und mit vermutlich Vielem anderen auch. Ich werde die Beobachtungen aufrecht erhalten und bin gespannt was du diesbezüglich noch berichtest.


    Liebe Grüße,


    Markus

  • [quote pid='363381' dateline='1496864618']
    Hexenringe vom Rosascheckigen Milchling. Einer der Hexenringe war sogar abgeerntet, da mußte wohl jemand seine "Champignonrahmsoße" zum Klo hinunterspülen. Tja, aus Fehlern lernt man :freebsd: .


    [/quote]


    Hallo Holger,


    Lactarius controversus ist ja eigentlich nicht wirklich giftig. Die Art kann durch silieren und vergleichbarre Maßnahmen verwertbar gemacht werden. Ich habe das selbst zwar nie probiert, aber in Osteuropa sollte ein solcher Hexenring nicht lange stehen bleiben.


    GR Ingo

  • Hallo Holger,


    finde ich sehr spannend, anhand von Beobachtungen und Vorwissen über die ökologische Strategie von Pilzen zu spekulieren :alright:
    Wie es wirklich ist, können uns nur die Wissenschaftler verraten, die das untersucht haben. Und dann wahrscheinlich nicht abschließend und nur für eine außgewählte Art oder im Labor-Sandkasten.


    Mal überlegen. Muss es so sein, dass das Myzel bei Ausbreitung mittig abstirbt? Vielleicht ist es ja wirklich so, dass altes Myzel zur "Standleitung" an Baumwurzeln verbleibt. Vielleicht hallimaschartig verdickt. Und nur das in der Peripherie jüngste Myzel kann überhaupt Fruchtkörper bilden.


    Außerdem ist ein Mykorrhiza-Pilz ja kein Parasit, sondern ein Mutualist (Symbiont). Der lutscht nicht einfach nur den Zucker aus den Wurzeln, sondern muss dafür arbeiten und bezahlen. Stickstoffverbindungen, Phosphate, Mineralien gilt es aus dem Boden zu lösen und verfügbar zu machen - sich nur auf wenige Quadratzentimeter zu beschränken, reicht da nicht. Er muss sich zwingend neue Abbaugebiete erschließen und das geschieht nun einmal radial. Ich würde aber auch wie du vermuten, dass er dabei den Kontakt zum Baum nicht verlieren sollte. Aber so ein Baum ist groß und Wurzeln sicherlich über mehrere Quadratmeter verfügbar. Oder eben die spekulierte Standleitung.


    Es gibt ja nichts was es nicht gibt und sicher auch Mykorrhiza-Pilze, die Wurst ohne Brot fressen können. Müssen sie halt bei Bedarf auf eine komplett andere Enzymausstattung setzen. Vielleicht kriegen wir davon aber auch nichts mit, wenn sie in diesem Fall keine Frk bilden. Obwohl - bei RiMuMo's soll es ja so sein, dass die für ein Jahr Mulch fressen und fruktifizieren können, dann aber einen passenden Baumpartner bräuchten. Vielleicht können sich Milchlinge Baumassimilat-Vorräte anlegen, sich dann vom Baum lösen, ausbreiten und volle Kanne in Fruchtkörper verprassen? (Danach aber reumütig wieder zum Baum zurückkriechen und sich um ein neues Angestelltenverhältnis bewerben :D )


    Wie ist das eigentlich mit einer Steinpilz-Spore, die auf den Waldboden fällt? Bis das daraus entstandene Myzel beim Durchwachsen des Bodens eine passende Wurzel gefunden hat, muss es ja auch von was leben. Wie lange das wohl geht? Vielleicht ja beliebig lang, nur ohne Plasmogamie mit einem Kreuzungstyp-Partner und ohne Baumsymbiose niemals ohne Fruchtkörper und daher unbemerkt...

  • Hallo,


    da könnte man wirklich wochenlang über Theorien plaudern, bis eines Tages ein Mykologe vielleicht eine Doktorarbeit zu diesem Thema verfaßt (die ich dann wahrscheinlich eh nicht verstehen würde) und das Geheimnis lüftet. In der Zwischenzeit kann man nur spekulieren und beobachen. An der Stelle fahre ich jede Woche mindestens zwei mal vorbei. Kurz anhalten und hinspringen ist kein Problem. Mittlerweile wurden dort einige Fichten gefällt, aber als Partner fallen die eh raus, ebenso die Eschen. Von Pappeln und Weiden ist die Rede. Ich muß mir die hochwachsende Flora dort mal genauer ansehen. Einige Schwarzerlen stehen da glaube ich auch.


    Die Milchlinge kommen nicht jedes Jahr, aber wenn die wieder da sind, finde ich den Hexenring vom Bild bestimmt wieder. Ich hätte damals ein Bandmaß mitnehmen sollen. Dann hätte man auch sehen können, wie schnell so ein Hexenring wächst. Aahhh, die besten Ideen kommen immer zu spät. Seit die Fichten weniger sind, haben die Bromberren dort die Herrschaft übernommen, aber ich komme schon irgendwie an die Stelle ran.

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