Die "Funktion" von Pilzen

Es gibt 14 Antworten in diesem Thema, welches 2.502 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Rada.

  • Hallo zusammen,


    vielleicht ergibt sich hier ein kleiner philosophischer Gesprächskreis, würde mich freuen;-) Neulich wurde mir von jemandem, der mit Pilzen gar nichts am Hut hat, die (nicht allzu seltene und auch nicht selten so formulierte) Frage gestellt, was denn die Pilze für eine "Funktion" hätten. Ich hab dann natürlcih gleich mal reflexartig mein Erklärungsstandardprogramm über Pilz-Ökologie abgerufen, war aber ob der Frage doch auch etwas nachdenklich gworden. Was wäre denn, wenn jetzt eine andere Spezies diese Frage über den Menschen gestellt hätte?


    Grüßle
    Jürgen

  • Hallo Jürgen,


    die Funktion des Menschen - alles an Natur zu nicht zu machen!

    Viele Grüße
    Veronika Weisheit - Pilzberaterin Landkreis Rostock
    Auch Pilzberater können irren, erst recht in einem Forum, deshalb gibt es keine Freigabe von mir, Pilze zu verzehren, auch, wenn diese essbar sind.

  • Der Vergleich Mensch-Pilz hinkt gewaltig. Der Mensch ist nur eine unbedeutende Art, die Pilze sind ein ganzes Reich. Der Mensch ist dazu Top-Prädator. Niemand und nichts makroskopisches ernährt sich nennenswert von uns und bis auf die paar Haustiere ist auch kaum etwas auf uns angewiesen. Ich nehme an, daß sich die mikroskopische Welt auch mit Affen oder anderen Säugern begnügt und nur wenige Organismen uns wirklich brauchen. Der Mensch ist mehr als verzichtbar und der Erde ginge es ohne uns vermutlich wesentlich besser. Es wird Zeit, uns auszurotten, aber daran arbeiten wir ja schon ausreichend selbst. :giggle:

    Viele Grüße,
    Hessekopp


    Ich bin blutiger Pilz-Anfänger. Wer auf meine Bestimmung hin etwas isst oder auch nur in den Mund ninnt, begeht möglicherweise einen schweren Fehler.

  • Ohne Pilze hätten sich wahrscheinlich keine oder kaum Landpflanzen entwickelt.
    Ohne Landpflanzen gäbe es wahrscheinlich keine oder kaum Landtiere.
    Ohne Landtiere gäbe es wahrscheinlich keine Menschen.


    Ohne Menschen gäbe es mit Sicherheit trotzdem Pilze, Landpflanzen und Landtiere. ;)

  • Vielen Dank für eure Einlassungen. Dass der Homo sapiens eine schlechte Bewertung bekommt, hatte ich nicht anders erwartet;-) Der "ökologische Wert" von Pilzen ist tatsächlich unbestreitbar evident, vor allem hinsichtlich der Evolution der landbewohnenden Pflanzen. Was mich an der Frage nach der "Funktion" von Pilzen ein bisschen ins Grübeln gebracht hat, ist, dass wir Naturfreunde und Pilzbegeisterte dies ja immer unterbewusst in den Vordergrung stellen, wenn wir andere davon überzeugen wollen, wie "wertvoll" Pilze sind. Dass sie einfach nur da sind, und uns mit ihrer Formenvielfalt begeistern, wird dann meist nebensächlich behandelt. Alles muss immer eine "Funktion" haben, irgendwem oder irgendwas "dienlich" sein (letztlich am besten der unausgesprochenen Krone der Schöpfung). Ich stelle mir vor, dass man vielleicht mal eher von der ästhetischen Seite her, die Bedeutsamkeit der Pilze versucht zu vermitteln, Formen, Farben, Konstruktionen, Ernährungs + Verbreitungsstrategien. Dass der Mensch - vom ökologischen Mehrwert her betrachtet - ein totaler Reinfall ist, dürfte klar sein, aber auch er ist ein faszinierendes Wesen;-)


    Grüßle
    Jürgen

  • Ein tolles Thema Jürgen :thumbup:


    Nicht ganz das was Du fragtest, aber genau dieses fiel mir eben spontan als erstes ein.


    Die nachfolgenden sehr bekannten und uralten Zeilen haben zwar indirekt auch etwas mit Nutzen zu tun, aber ich möchte sie beispielhaft für die relativ häufige Darstellung der Pilze von jeher in der Kunst, der Prosa, der Lyrik und dem Märchen nehmen.


    Ein Männlein steht im Walde
    Auf einem Bein.
    Es hat auf seinem Kopfe
    Ein Käpplein klein.
    Sagt, wer mag das Männlein sein,
    Das da steht im Wald allein,
    Mit dem purpurrotem Käppelein?


    (Und wen nun wer (fälschlicherweise? ) dabei nur an das Rumpelstilzchen denkt, der liegt auch nicht unbedingt verkehrt - der kleine Zwerg zeigte die typischen Symptome nach dem Verzehr des .... ;) )


    Liebe Grüße


    Maria


  • Dass der Mensch - vom ökologischen Mehrwert her betrachtet - ein totaler Reinfall ist, dürfte klar sein, aber auch er ist ein faszinierendes Wesen;-)


    Hallo Gregor,



    kritisches Thema. Als Anhänger des Kreationismus kann ich Deiner obigen Aussage vom ökologischen Mehrwert des Menschen nicht zustimmen. Der Mensch kann kein Reinfall sein. Tiefer möchte ich allerdings auf dieser Plattform nicht in diese Thema hineingehen. Aber vielleicht meine Meinung etwas humorvoll darstellen:


    Die Funktion des Menschen: einfach nur im Paradies mit dem Schöpfer abhängen und sich an seiner Schöpfung (u.a. die Pilze) zu erfreuen.
    Schuld an allem, was bis heute schief gelaufen ist, haben die Vegetarier: Hätte Eva anstatt der Frucht damals einfach die Schlange verspachtelt, wäre wir alle noch im Paradies.

    Grüße aus dem Moseltal

    Marco
    ----------------------------------------------------------------------------
    Wenn das Leben Dir einen Korb gibt... geh Pilze sammeln. ==18

  • Hallo,


    mir fällt exakt zu diesem Thema noch etwas ein, finde es aber leider gerade nicht im www.


    Da gab es vor einiger Zeit einmal eine ganz tolle zwei oder dreiteilige Dokumentation über Pilze, entweder in Arte oder 3Sat oder einem ähnlichem Sender. Ich meine mich zu erinnern, dass es da ganz tolle Bilder und Aussagen gab, die genau in die Richtung dieses Themas gehen. Vielleicht kommt ja jemand darauf, um welche Dokumentation es sich handeln könnte.


    Liebe Grüße


    Maria


    Kozaki
    Hallo Kozaki,


    bitte nicht böse sein und bitte nicht persönlich nehmen wenn ich mir erlaube mich hier einzumischen. Aber wie Du selbst ja auch schon in Deinem Text angedeutet hast, bin auch ich der Meinung, dass in einem Pilzforum weder politische noch religiöse noch sogenannte pseudo-wissenschaftliche Ansichten etwas zu suchen haben. Insofern begrüße ich persönlich es sehr, und danke Dir dafür, dass Du nicht weiter darauf eingegangen bist bzw. darauf eingehst. :thumbup:


    Liebe Grüße


    Maria


  • kritisches Thema. Als Anhänger des Kreationismus kann ich Deiner obigen Aussage vom ökologischen Mehrwert des Menschen nicht zustimmen. Der Mensch kann kein Reinfall sein. Tiefer möchte ich allerdings auf dieser Plattform nicht in diese Thema hineingehen. Aber vielleicht meine Meinung etwas humorvoll darstellen:


    Die Funktion des Menschen: einfach nur im Paradies mit dem Schöpfer abhängen und sich an seiner Schöpfung (u.a. die Pilze) zu erfreuen.
    Schuld an allem, was bis heute schief gelaufen ist, haben die Vegetarier: Hätte Eva anstatt der Frucht damals einfach die Schlange verspachtelt, wäre wir alle noch im Paradies.


    Hallo Kozaki,


    religiöse Vorstellen haben ja nicht gerade dazu beigetragen, den Mensch als Teil der Natur zu begreifen. Fast alle stellen ihn ja hierarchisch an die Spitze einer "Wertepyramide". Inwieweit der Kreationismus das betreibt, weiß ich allerdings nicht. Ich vermute aber, dass er die Sonderstellung des Menschen nicht aufgibt;-). Was von mir vorschnell in Abrede gestellt wurde, möchte ich noch korrigieren. Natürlich lebt der Mensch auch als Teil eines Faktors in einem ökologischen Netzwerk. Man betrachte nur die Parasiten oder symbiontischen Darm- und Hautbewohner mit der Lupe;-) Wenn der Homo sapiens allerdings von heute auf morgen vom Planeten verschwinden würde ... mitsamt seinem Gott;-) würde sich der Planet ganz normal weiterdrehen ....und wäre in kürzestes Zeit wieder etwas paradiesische als vorher;-)


    Es gibt über die Paradiesgeschichte übrigens eine Verschwörungstheorie: Die Schlange ist der natürliche Bewohner des Paradieses. Sie hat keine Hände, keine Arme und keine Beine ... sie braucht sie nicht, weil im Paradies überall die Früchte wachsen, und man nur ein Maul braucht, um sie zu essen. Sie lebt vollkommen im Einklang mit dem Paradies. Und jetzt schaut euch mal die beiden ersten Menschen an: Sie haben Hände, Arme und Beine, einen Mund zum sprechen und ein großes Gehirn. Wozu? Der Rauswurf aus dem Paradies war schon "impliziert";-)


    Grüßle
    Jürgen

  • Schuld an allem, was bis heute schief gelaufen ist, haben die Vegetarier: Hätte Eva anstatt der Frucht damals einfach die Schlange verspachtelt, wäre wir alle noch im Paradies.


    Der gehört ab sofort zu meinen Lieblingssprüchen. :D


    Im Ernst..


    es gibt keine "Funktionen" im menschlichen Sinn. Die Natur besteht aus Anpassung und Zwangsläufigkeiten. Ein Vergleich Pilz-Mensch hinkt schon deshalb, weil eine einzelne Art mit einem ganzen Reich verglichen werden soll. Homo sapiens ist aus evolutionärer Sicht eine extrem anpassungsfähige, globale Art, die sich in verschiedene Subspezies und Variationen gliedert. Diese Art hat allen anderen voraus, dass sie nicht nur in der Lage ist, sich an fast alle Lebensbedingungen des Planeten anzupassen, sondern auch diese Lebensbedingungen Ihren Ansprüchen gemäß zu verändern. Die Folge ist eine ungebremste, explosionsartige Vermehrung. Das wiederum geht einher mit dem Verbrauch endlicher, lebensnotwendiger Ressourcen, was letztlich unweigerlich zum Zusammenbruch der Population führen wird.


    Aus evolutionärer Sicht also eine extrem erfolgreiche, sicher aber auch eine der kurzlebigsten Spezies.


  • hallo Maria,


    ich dachte lange Zeit auch, dass in dem Kinderlied ein Pilz besungen wird. Es ist aber, so wie es ausschaut, die Hagebutte damit gemeint;-)


    Grüßle
    Jürgen


    Hallo Jürgen,


    nee, die Hagebutte ist damit nicht gemeint und war auch nie damit gemeint. Es ist der Fliegenpilz :) (Und man vermutet, dass das Rumpelstilzchen ob seines Verhaltens den Fliegenpilz wohl in Gebrauch hatte ;) )


    Diese Märchen (oder einige der Kinderlieder) sind Relikte zum Teil Jahrtausende alter Märchen, also der Mär bzw. Kunde von Göttern, Verhaltensregeln usw. Und nachdem der Fliegenpilz überall in Europa und darüber hinaus ein sehr, sehr wichtiger Pilz für die "Schamanen" war, taucht gerade er eben sehr häufig auf. Ich meine sogar auf einigen mittelalterlichen Kirchengemälden in denen die Jungfrau Maria verherrlicht wird, was in diesem Zusammenhang dann schon irgendwie lustig ist ;)


    Liebe Grüße


    Maria

  • Hallo Ralf,


    wenn Evolution nicht gerichtet ist, und auch nicht mit menschlichen Wertbegriffen beschrieben werden ... sollte, warum unterstellt Du dann dem Homo sapiens eine evolutionäre Erfolgsgeschichte? ;) Was ist "erfolgreich" daran, wenn eine Spezies es vermag sehr viele Nischen zu besetzen;-) Ich habe übrigens nicht Mensch mit Pilzen verglichen, sondern nur die Frage gestellt, warum wir in Bezug auf unsere Mitgeschöpfe gerne von Funktionen sprechen; die Funktion von Pilzen (allgemein), die von Pflanzen, von Bodenbakterien usw usf. Aber wenn es um uns geht, ziemlich sprachlos bleiben. Das ist so wunderbar sortiertes Schulwissen, wo jedes Tierchen sein Plaisierchen hat, der Mensch aber unterbewußt außerhalb rangiert. Wir sind es schon gewohnt, die Naturphänomene mechanistisch zu sehen. Wie Ingenieure. Ich ertappe mich ja selbst dabei, wie ich bei Führungen auf die verschiedenen ökologischen "Aufgaben" von Pilzen und Pflanzen eingehe, um da eine Faszination zu erzeugen. Natürlich hast Du meiner Ansicht nach Recht, wenn Du schreibst, dass Natur aus Anpassung und Zwangsläufigkeit besteht. Andere beschreiben es als "Zufall und Notwendigkeit".


    Grüßle
    Jürgen

  • Hallo Jürgen,



    Ich spreche bei meinen Führungen bewusst nicht von Aufgaben, sondern von Zusammenhängen. Von "Aufgaben" zu reden kann zu der Einstellung führen. "Na, wenn diese Art nicht mehr ist, machts halt eine andere". Man könnte sich sogar darin versteigen zu sagen, dass Neobioten eine tolle Sache sind, weil sie die "Aufgaben" vieler anderer heimischer Arten übernehmen. Ein Denken, dem wir übrigens die fatale bewusste Einschleppung so mancher Art "verdanken". Die sollten halt "Aufgaben" erledigen.