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letzter Beitrag von Oehrling am

Boletus rubrosanguineus

  • Hallo,
    Dieser Fund aus dem Bergwald stammt vom letzen Jahr:
    bestimmt als Weinroter Röhrling (Boletus rubrosanguineus).
    Hierzu habe ich weitere Namen gefunden wie: Weinroter Purpur-Röhrling (Boletus splendidus)
    Mosers Satansröhrling
    Falscher Satans-Röhrling *
    Satansähnlicher Röhrling
    Eine verwirrende Anzahl von Namen !!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Wer kennt den gebräuchlichsten Namen?
    Ist diese Pilzart richtig bestimmt?
    Beim nächsten Fund werde ich ein Schnittbild mit der Verfärbung machen.
    Sind weitere Details zur sicheren Bestimmung notwendig?
    Gruß Rudolf
    * Auch Boletus legaliae wird als Falscher Satansröhrling benannt.

  • Hallo Rudolf,


    ich halte Deinen Fund auch für den Weinroten Röhrling (B. rubrosanguineus) - den Trivialnamen finde ich übrigens passender als die im Abbildungsverzeichnis genannte Bezeichnung "Falscher Satans-Röhrling", weil er den wissenschaftlichen Namen besser wiedergibt: lat. ruber (= rot, gerötet, rotglühend) und lat. sanguineus (blutig, blutrot). Und weinrot trifft die Färbung ganz gut, finde ich.


    Daneben ist auch das Vorkommen im Bergland typisch, wenn ich mich recht entsinne.


    Nachtrag: Auf Wikimedia Commons habe ich ein tolles Vergleichsfoto gefunden:
    http://commons.wikimedia.org/w…letus_rubrosanguineus.jpg


    Gruß, Andreas

  • Toller Pilz, toller Fund :alright: ich wünschte bei uns würde mal sowas wachsen - jemand ein Kilo Gallenröhrlinge? heute besonders günstig ;)


    Gruß

    Pilzsachverständiger DGfM - Pilzberatung und Lehrwanderungen in Hessen
    Genaue Bestimmung der Funde und Essensfreigaben gibt es nur von Pilzsachverständigen vor Ort


  • ... für den Weinroten Röhrling (B. rubrosanguineus)



    Purpur-Röhrling, Boletus rhodopurpureus (Weinroter Röhrling).


    So, die Arbeit hielt mich leider von diesem Thema ab.


    Ich stehe hier nämlich vor einer Frage.
    Ewald Gerhadt nennt in seinem Buch "Der große BLV-Führer für unterwegs" den Purpur-Röhrling, Boletus rhodopurpureus auch Weinroter Röhrling !
    Die Abbildung hierzu gleicht dem angefragten Pilz auch sehr, ebenso kommt die Beschreibung meiner Meinung nach ebenfalls hin.


    Nachdem hier nun aber unter dem gleichen Namen Weinroter Röhrling ein anderer lateinischer dafür benannt wird, Boletus rhodopurpureus, gerate ich ins taumeln.


    Irgendwas ist doch nun fehlerhaft.
    Kann es sein daß der überaus geschätzte Herr Gerhardt einen falschen Namen über seinen Pilz gemalt hat ??? Purpur-Röhrling, Boletus rhodopurpureus
    Oder ist da was anderes krumm ?
    Schaut man sich online-Bilder von "Boletus rhodopurpureus" sehen die jedenfalls alle anders aus als sie es nach der Buchbeschreibung tun sollten.


    Kommentare dringend erwünscht.

  • Guten Morgen,


    ich würde die deutsche Namensgebung nicht so ernst nehmen - bisweilen werden die Trivialnamen auch nach Gutdünken verwendet oder erfunden. Hatte ich selbst schon in meinem Artikel über Entoloma ollare getan, die Entscheidung aber auch begründet: Die Art wird als "Langstieliger Stummelfuß-Rötling" geführt, Andreas Staber und ich haben ihn dagegen aufgrund seines bevorzugten Habitats "Blumentopf-Rötling" getauft und diesen Namen empfohlen.


    Vielleicht noch ein Blick in das Abb.verz. europ. Großpilze (2007): Bollmann, Gminder & Reil nennen B. rhodopurpureus "Blaufleckender Purpur-Röhrling". Wie bereits erwähnt heißt B. rubrosanguineus darin "Falscher Satans-Röhrling". Und B. rhodoxanthus wird in dem Werk als "Blasshütiger Purpur-Röhrling" geführt.


    Gruß, Andreas

  • Ich danke dir!


    Aber ganz so einfach mag ich es mir nicht machen.
    Es ist nunmal auch so daß die Beschreibung des Pilzes im Buch nicht zu den Pilzen passt die ich unter diesem Namen im Netz finden kann.
    Laut der Beschreibung ist der Stiel z.B. kräftig rot wie die Röhrenschicht, gänzlich rot genetzt ... Also quasi komplett rot. Bilder die man jedoch unter B. rhodopurpureus findet sind nicht gänzlich rot sondern höchstens gelb und rot so weit ich bisher welche vergleichen konnte.


    Okay, die Art soll ja außerordentlich vielgestaltig daherkommen aber das scheint mir schon etwas weit entfernt von der Norm.
    Würde man in einem Pilzbuch nicht auch auf Bilder zurückgreifen die möglichst nah am typischen Habitus liegen ?


    Ich bin noch immer nicht wirklich glücklich.
    Dürfte ich B. rubrosanguineus über die Beschreibung in meinem Buch schreiben ginge es mir besser, denke ich. :hmmm:

  • Hallo,


    nichts zu danken. Die Nomenklatur der Lebewesen - insbesondere bei den Pilzen - ist alles andere als einfach. Ich wollte mit meinem Beitrag egtl. nur zum Ausdruck bringen, dass zwar für die wissenschaftlichen Namen mit dem [url=http://de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Code_der_Nomenklatur_f%C3%BCr_Algen,_Pilze_und_Pflanzen]Internationalen Code der Nomenklatur für Algen, Pilze und Pflanzen (ICN, vormals ICBN)[/url] ein Regelwerk existiert, nicht jedoch für die deutschen Trivialnamen. Auch wenn das "Abbildungsverzeichnis europ. Großpilze" gerne als Referenz hergenommen wird und mancher dem Werk beinahe schon dem Status einer Bibel einräumt, ist niemand an die darin enthaltenen Namen gebunden. Insofern sehe ich das völlig entspannt und "erfinde" falls nötig auch mal einen deutschen Pilznamen wie eben jenen Blumentopf-Rötling.


    Die Beschreibung und Abb. aus Deinem Buch habe ich leider nicht vorliegen, sodass ich hierzu keinen Kommentar abgeben kann. Ich habe nur den alten GERHARDT aus 2001 noch irgendwo herumliegen - keine Ahnung, ob die Art darin schon enthalten war. Und wo das Buch gerade seiner Entdeckung harrt, würde ich auch gerne wissen... *wühlundkruschtel*


    Update: Habe das Buch gerade fast unmittelbar vor der Nase liegend gefunden: Alle 3 von mir genannten Purpur-Röhrlinge sind darin nicht enthalten.


    Gruß, Andreas

  • Ich kann mich Andreas nur anschließen. Der obige Fund gehört zu Boletus rubrosanguineus (= B. splendidus ssp. moseri, "Mosers Satansröhrling"). Rothütige Formen dieser variablen Art geistern in einigen Bestimmungsbüchern als Boletus rhodopurpureus Smotl. herum, wohl unter dem Einfluss von Moser, der Smotlachas Art falsch interpretiert hat. Stutzig werden sollte man immer, wenn in Pilzbüchern B. rhodopurpureus, ein extrem stark blauender, thermophiler Laubwaldbewohner, als schwach blauend und im Bergnadelwald vorkommend "verkauft" wird. Der deutsche Name "Falscher Satansröhrling" wird übrigens heute eher für Boletus legaliae (= B. splendidus ssp. splendidus, "Le Gals Satansröhrling") verwendet.

  • Hallo, Ich habe in den vergangenen Tagen die Fundstellen des B. rubrosanguineus abgesucht, leider waren von 8 Funden nur der Hut eines Exemplars für das zugesagte Schnittbild brauchbar. (Die Schnecken waren schneller!)

    Wie ersichtlich ist die Schnittfläche nur schwach blauend.
    Ein weiteres Merkmal: Geruch nicht auffallend, angenehm.
    In Bergwald um diesen See liegen die Fundstellen:
    Diese ergänzenden Angaben bestätigen abschließend den genannten Namen. Ich werde also meine Funde als:


    Weinroter Röhrling (Boletus rubrosanguineus)


    einordnen.
    Bemerken möchte ich noch: Ich hielt es bisher nicht für möglich dass in Bestimmungsbüchern falsche bzw. vertauschte Namen angegeben werden: Gruß Rudolf

  • Hallo, Ich habe in den vergangenen Tagen die Fundstellen des B. rubrosanguineus abgesucht, leider waren von 8 Funden nur der Hut eines Exemplars für das zugesagte Schnittbild brauchbar. (Die Schnecken waren schneller!)

    Wie ersichtlich ist die Schnittfläche nur schwach blauend.
    Ein weiteres Merkmal: Geruch nicht auffallend, angenehm.
    Im Bergwald um diesen See liegen die Fundstellen:
    Diese ergänzenden Angaben bestätigen abschließend den genannten Namen. Ich werde also meine Funde als:


    Weinroter Röhrling (Boletus rubrosanguineus)


    einordnen.
    Bemerken möchte ich noch: Ich hielt es bisher nicht für möglich dass in Bestimmungsbüchern falsche bzw. vertauschte Namen angegeben werden: Gruß Rudolf

  • Hallo, Ich habe in den vergangenen Tagen die Fundstellen des B. rubrosanguineus abgesucht, leider waren von 8 Funden nur der Hut eines Exemplars für das zugesagte Schnittbild brauchbar. (Die Schnecken waren schneller!)

    Wie ersichtlich ist die Schnittfläche nur schwach blauend.
    Ein weiteres Merkmal: Geruch nicht auffallend, angenehm.
    Im Bergwald um diesen See liegen die Fundstellen:
    Diese ergänzenden Angaben bestätigen abschließend den genannten Namen. Ich werde also meine Funde als:


    Weinroter Röhrling (Boletus rubrosanguineus)


    einordnen.
    Bemerken möchte ich noch: Ich hielt es bisher nicht für möglich dass in Bestimmungsbüchern falsche bzw. vertauschte Namen angegeben werden: Gruß Rudolf

  • Guten Morgen Rudolf,


    ich beschäftige mich gerade eingehender mit den deutschen Pilznamen und würde Boletus rubrosanguineus inzwischen als Weinroten Purpur-Röhrling bezeichnen. Zur Erläuterung: Unter Purpur-Röhrlinge werden mehrere Rotporer aus der Gattung der Dickröhrlinge verstanden, die früher (und teils heute noch) das Epitheton purpureus trugen bzw. tragen. Darüber hinaus grenzt der Name die Art besser vom ähnlich klingenden Weinroten Schuppen-Röhrling (Suillus spraguey) ab - der Röhrling lebt in Symbiose mit 5-nadeligen Kiefern und ist ein Einwanderer aus Amerika mit steigender Verbreitungstendenz.


    Gruß, Andreas

  • Hallo zusammen!


    Die Beziehungen der einzelnen schwachblauenden Rotporer zueinander in diesem Beitrag sind mir mittlerweile recht klar geworen, aber selbst nach wiederholter "Nachlese" glaube ich, dass B. rhodoxanthus dabei irgendwo auf der Strecke geblieben ist...


    --> Wo befindet sich diese Art inmitten der bereits aufgeführten Arten?


    Liegt das abgrenzende Kriterium bereits in der deutschen Namensgebung?


    Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass die Beurteilung, ob der Hut nun "blasshütig" bzw. "rosahütig" ist, als belastbares Kriterium gelten kann.


    Gruß, Fredy

  • Hallo Fredy,


    B. rhodoxanthus ist kein Berglandpilz. Er besitzt ein leuchtend gelbes Fleisch, ein kontrastierendes rotes Stielnetz, blaut nicht so stark wie B. rhodopurpureus und verfärbt sich im Längsschnitt nur im Hutfleisch. Dabei scheint es so, als bestünde zwischen Hut und Stiel eine imaginäre Grenze, so abrupt endet das Blauen.


    Gruß, Andreas

  • Hallo Andreas!


    Vielen Dank!


    Bei Boletales.com bin ich mittlerweile auch auf die spezielle Eigenart beim Blauen gestossen.


    Eine tolle Seite, wie ich finde, bei der die Bilder sehr eindrücklich eine Vielzahl von Situationen abdecken und bei die ausführlichen Beschreibungen sehr praxisnah und verständlich gehalten sind. Gerade bei den Vorstellungen der Verwechslungsmöglichkeiten erhält man klasse Tipps!


    Gruß, Fredy

  • Hallo,


    Ich möchte meinen Beitrag mit einen Auszug aus "Der Tintling" Heft 2/2016 ergänzen.
    Einen Kommentar hierzu erspare ich mir.



    Trotzdem werde ich mich weiterhin an meinen Funden des Weinroten Röhrlings im Allgäuer Bergwald erfreuen.


    mfG Rudolf

  • Wenn die Wissenschaft sonst keine anderen Sorgen hat... in dieser Aufstellung fehlen übrigens noch die Butyroboletus (Anhängselröhrlinge) und Caloboletus (Schönfußröhrlinge). Früher wurde viel zusammengelegt (z. B. die Gattungen Cortinarius oder Inocybe, wodurch die gefürchteten Monstergattungen entstanden), jetzt wird anscheinend viel gesplittet. Mal sehen, wann das alles wieder zusammengeschmissen wird und als Sektionsebene endet.

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

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