Hallo Finalforce,
toll dass du das geklärt hast. Jetzt können wir also mit der Diskussion loslegen.
Porlinge und Röhrlinge sind keine biologischen Gattungen, sondern es verbergen sich jeweils .viele unterschiedliche Gattungen dahinter, die manchmal gar nicht näher miteinander verwandt sind, sondern nur Fruchtkörper ähnlichen Aussehens ausbilden (Konvergenz nennt man das glaube ich). Daher sind Porlinge und Röhrlinge nicht einmal einheitliche biologische Familien.
Die Essbarkeit von Pilzen ist nicht größenabhängig, wie dies deine Aussage in Post #1 nahelegt, sondern es gibt auch bei kleinen Pilzen und sogar Becherlingen Essbares, bei dem das Einsammeln halt sehr mühevoll ist (z. B. Fichtenzapfenrübling, Trompetenpfifferling, Nelkenschwindling...) und die Bestimmung schnell fehlschlagen kann, wenn man sich nur halb und nicht richtig auskennt.
Schleierlinge dürften zum großen Teil ungiftig sein. Das Problem liegt hier ganz woanders. Viele Schleierlingsarten sind dermaßen selten und werden daher so selten gegessen, dass man gar nicht wissen kann, ob sie giftig sind oder nicht (wer die isst, stellt sich sozusagen als Versuchskaninchen zur Verfügung, so wie z. B. der Professor Moser aus Innsbruck es tat). Dazu kommt noch, dass es über 1000 Schleierlingsarten gibt, die sich untereinander so ähnlich sehen, dass die allermeisten Pilzsammler die gar nicht auseinanderhalten können (oder anders: es gibt in ganz Deutschland vielleicht 5 Leute, die die zuverlässig auseinanderhalten können).
Mit Eselsbrücken und allgemeingültigen Aussagen in der Pilzkunde zu hantieren, ist nur dann ungefährlich, wenn keinerlei Verzehrsabsicht im Hintergrund steht und man die Pilzkunde als rein erkenntnistechnisches Hobby betreibt, wie etwa Vogelkunde oder Baumkunde. Dann kann man sie zum persönlichen Lernzuwachs durchaus einsetzen. Sehr gut finde ich z. B. deinen Approach, wie du ihn nennst, Definitonsmerkmale für Gattungen zusammenzustellen. In der Pilzberaterprüfung tauchen solche Aufgaben schließlich auch auf.
Sobald aber die Verzehrsabsicht ins Spiel kommt, braucht man 100%iges Wissen und keine Eselsbrücken. Ein solches Wissen erwirbt man nur durch jahrelanges Beschäftigen mit der Materie und nicht mal eben nebenher. Hilfreich ist dabei sehr die Kommunikation und das Zusammentreffen mit Leuten, die schon Expertentum erworben haben und die bereit und fähig sind, dieses weiterzugeben.
Ich selber habe auch schon kurz in die Pflanzenheilkunde reingeschnuppert, daher möchte ich anmerken, dass ich die Pilzkunde für deutlich schwieriger halte.
FG
Oehrling