Beiträge von Oehrling

    Hallo Paulis (und hallo alle anderen Anfrager),


    ein so fein und genau ausgearbeitetes Vorgehen beim Verfassen einer Anfrage braucht es nicht. Man schalte einfach den Menschenverstand ein und schreibe alles, was der Anfrage nützt, und lasse alles weg, was der Anfrage nicht nützt. Das schlimmste, was passieren kann ist, dass man unzutreffende oder gar keine Antworten (Pilznamen) bekommt, nach dem Prinzip garbage in, garbage out. Es gibt jedenfalls keinen literarischen Sonderpreis für toll gestaltete Anfragen.


    :P Solange man auf den Fotos die Pratzen weglässt, ist alles gut. Ich habe schon bei manchen Anfragen, die fast körperlich wehtaten, überlegt zu schreiben: das ist der Gemeine Pratzenpilz, aber habe es dann aus Pietät doch gelassen, um mir keinen Ärger oder Arroganzvorwürfe zuzuziehen.


    Und zu der von dir zitierten Beispielanfrage über Cortinarius varius. Da waren deine Fotos so gut und aussagereich (und lobenswerterweise ohne jede Pratzen!), dass ich dir den Pilz auch ohne jeden Beitext hätte benennen können.


    FG

    Oehrling

    Hallo Bläuling,

    in der Sektion der Orangeroten kannst du auf die Farben nicht allzuviel geben. Dieselbe Art kann mal rot, orangerot, orange, gelborange oder gelb daherkommen. Wichtiger ist die Hutbeschaffenheit (schuppig, glatt, trocken oder schmierig-schleimig), der Lamellenansatz (bauchig, bogig, burggrabenartig, breit angewachsen oder herablaufend), die Stieloberfläche (trocken oder schmierig-schleimig) und der Geruch, nachdem die Pilze ca. 3 Stunden in einer geschlossenen Plastikbox zugebracht haben. Auch die schiere Größe der Fruchtkörper ist nicht ganz unwichtig.

    Einen trockenen, glatten Hut ohne Hutschuppen, in Verbindung mit trockenem Stiel und Burggraben-Lamellen hätte z. B. H. coccinea, der Kirschrote Saftling. Leider können auch andere Saftlinge so aussehen.

    FG

    Oehrling

    Hallo Pilzneuling,

    du kannst auch ruhig die Befähigung und das aktuelle Wissen des Exkursionsleiters hinterfragen, indem du ihn nach einem PSV-Ausweis fragst und z. B. überprüfst, ob dieser überhaupt noch gültig oder schon längst abgelaufen ist. Wenn der Exkursionsleiter keinen solchen vorzeigen kann, macht das ein Bild über seine (angebliche bzw. vermeintliche) Expertise. In so einem Fall würde ich an ihn kein Geld bezahlen und schon gar nichts auf seine Meinungen geben. Ein echter Experte braucht für Laien-Exkursionen niemals eine App zum Bestimmen, so gut muss er die zu besprechenden Pilze und ihre Merkmale im Kopf haben. Und selbstverständlich darf man auch niemals Pilze essen, die dem Experten so schlecht bekannt sind, dass dieser eine App braucht, um sie zu bestimmen. Kommt dann ein Exkursionsteilnehmer mit irgendeinem "little brown mushroom" an, genügt ein Hinweis über die Mikroskopierpflichtigkeit oder auch nur auf die Unverwertbarkeit. Und ja, man muss nicht alles glauben, was einem so erzählt wird, und daraus dann irgendwelche Tatsachenbehauptungen ableiten, für die sich Unbeteiligte rechtfertigen müssen.

    FG

    Oehrling

    Hallo Martin,

    es ist eine Rotkappe. Also hattest du die Gattung richtig, aber nicht die Untergattung. Eine Rotkappe erkennst du daran, dass die Huthaut über den Hutrand hängt, und dass das Fleisch nach Verletzung schwärzt. Beides ist auf deinen Fotos gut zu sehen. Um zu sagen, um welche Art Rotkappe es sich handelt, müsste man den Begleitbaum kennen. Zur Auswahl stehen Birke, Eiche, Espe oder auch Fichte.

    FG

    Oehrling

    Wahrscheinlich liegt das Problem vor allem am Zustand der eingesackten Pilze, und da offenbaren sich viele Sammler als wenig qualitätsbewusst. Matschige Röhrlinge sind auch in Flechtkörben matschig.


    Trotzdem käme ich nicht auf die Idee, Leute im Wald unaufgefordert zu belehren. Die meisten Leute sind eben nicht dankbar, wenn sie belehrt/beraten werden und gesagt bekommen, dass ihr stolzer Fund nicht zum Essen taugt, das sollte man wissen.


    FG

    Oehrling

    Aber mach dich bitte schnell von dem Gedanken frei, dass hier nur Experten am Werk sind. Hier darf jeder was reinschreiben, egal ob Experte, Dampfplauderer oder noch etwas anderes. Das hier ist keine amtliche Pilzberatungsstelle, sondern ein Plauderforum (mit wenigen Ausnahmen).


    Ich hätte für dein Anliegen noch eine zweite Idee neben dem Pilzberater: du könntest an den momentan zahlreich stattfindenden öffentlichen Pilzführungen, Pilzwanderungen oder Pilzexkursionen teilnehmen. Oder sogar Mitglied in einem Pilzverein öffentlichen Rechts (als e. V.) werden. Diese Pilzvereine haben einen erstaunlich niedrigen Beitrag, und von den Vereinsveranstaltungen (Exkursionen, Pilzausstellungen) könntest du stark profitieren. Gern gesehen bist du da überall, keine Frage.


    FG

    Oehrling

    Jou, genau so sieht er aus. Aber das Vergiftungsrisiko muss ganz bei dir bleiben, denn was du später noch so einsammelst, kann keiner wissen. Es kann auch nur was Ähnliches sein. Also: am besten mit deinem Fund zum Pilzberater, der gibt dir die gewünschte Sicherheit.

    FG

    Oehrling

    Genau, und innerhalb der Knollenblätterpilze gibt es wiederum gute Unterscheidungsmerkmale.

    - den Geruch: kartoffelkeimartig vs. honigartig-süßlich

    - den Velumbehang der Knolle: am Knollenrand scharfkantig-abreißend vs. die Knolle einschließend und am Stiel etwas herauflaufend


    FG

    Oehrling

    lande ich bei Cortinarius damascenus, dem Büscheligen Wasserkopf.

    Hallo Andreas,

    etwas Büscheliges vermag ich hier nicht zu erkennen. Ich gebe dir allerdings recht, dass das zumindest nach Wasserkopf aussieht, dazu würde auch die schwarzbraune KOH-Reaktion passen. Ohne mikroskopische Untersuchung wirst du aber eher nicht zu einem Artnamen kommen. Waren die Hüte denn hygrophan, wie es sich für einen Wasserkopf gehört, und war das Sporenpulver rostorange?

    FG

    Oehrling

    Hallo zusammen,

    der wattig ausgefranste Stielring sowie der behangene Hutrand gefallen mir nicht ganz für Leucoagaricus, so dass ich hier auch Amanita strobiliformis in Betracht ziehen würde. Gibt es denn Leucoagaricus mit solchem Stielring und solchem Hutrand?

    FG

    Oehrling

    Hallo Tami,


    ich würde noch ergänzen, dass du ja einen Sporenpulverabwurf machen könntest. Das geht ganz einfach. Stiel vom Hut abschneiden und den Hut mit der Oberseite nach oben auf ein weißes Blatt Papier setzen. Das Ganze mit einer kleinen Schüssel abdecken und über Nacht stehen lassen. Das ausfallende Sporenpulver hätte eine ockergelbe Farbe. Bei einem Pilz dieses Aussehens und in diesem Habitat ist mMn die Wahrscheinlichkeit, dass es der Apfeltäubling ist, mindestens 90 %. Eine noch größere Sicherheit bekommst du allerdings nur durch eine Geschmacksprobe, die nur minimal scharf oder mild ausfallen darf. Die anderen rothütigen, rosastieligen Nadelwaldtäublinge sind oft deutlich scharf..


    Leider hat der Apfeltäubling keinen Apfelgeruch, der Name kommt vom Aussehen der Hutoberfläche, wie ein roter Apfel eben. Zwar gibt es Täublinge, die nach Apfel riechen, aber das sind dann andere Arten.


    FG

    Oehrling

    Hallo Corinne,


    von SARNARI werden die Sporen von R. adulterina als "molto grande" beschrieben und mit bis zu 13 x 10,5 My angegeben (vgl. S, 747). EINHELLINGER fand in seiner adulterina-Kollektion vom 20.10.1980 sogar Sporen mit 14 x 11,5 My Maximalgröße, selbstverständlich daneben auch kleinere Exemplare (vgl. S. 14). Die von SARNARI und EINHELLINGER gezeichneten Sporen haben wirklich ein auffallend enormes Ausmaß (vgl. ebenda).


    Es könnte daher sein, dass du die etwas kleinersporige R. firmula gefunden hast, die ansonsten der R. adulterina sehr ähnlich ist und im gleichen Habitatstyp vorkommen kann. Stammen die von dir angegebenen Sporenmaße von deinen eigenen Funden, oder hast du eine Literaturquelle konsultiert?


    Liebe Grüße

    Oehrling

    Zumal ein Kaiserling auch nicht groß anders schmeckt als ein Perlpilz nach Entfernen der Huthaut (außer man will den Kaiserling unbedingt roh essen, was beim Perlpilz nicht möglich ist). Sagt einer, der beide Arten schon im Abstand weniger Tage im Vergleich verkostet hat. Den gibt es nämlich hin und wieder auf unserem Wochenmarkt für ein gutes Dutzend Euro pro 100 Gramm.


    Der Kaiserling wird mMn kulinarisch total überschätzt. Bei Trüffeln verstehe ich die Mühewaltung eher, auch wenn die erzielbaren Trüffeln immer "nur" Tuber aestivum sind und keine wirklichen Edeltrüffeln wie Alba oder Perigord. Aber bei Kaiserlingen, die man bei einem gutsortierten italienischen Gemüsehändler kaufen kann?


    FG

    Oehrling

    Doch, es gibt einen, der hat mit 13 bis 14 My noch größere Sporen: Russula adulterina. Aber den gibt es wohl nur im Schwarzwald, im Schwäbischen Wald hatte ich den noch nie. Und dann noch R. gigasperma (Sarnari!), aber den gibt es wohl nur im Mittelmeerraum.

    FG

    Oehrling

    Hallo Thiemo,

    Russula globispora würde ich dir bestätigen. Ich selber habe diesen Täubling auch schon im Schwäbischen Wald gefunden und als solchen bestimmt. So wie dein Exemplar war auch meines ziemlich klein, und die Hutfarbe war auch grundlegend gelb mit einigen orangelichen bzw. rötlichen Flecken drauf. Allerdings hatte ich mir damals noch größere Sporen (Durchmesser ca. 12 my) notiert.

    FG

    Oehrling

    Hallo zusammen,


    ich halte das für den Hain-Schneckling (H. nemoreus).


    H. gliocyclus ist beringt und sehr schleimig, auch bei trockenem Wetter. H. agathosmus ist grau statt beigeorange und riecht sehr stark marzipanartig, das kann man eigentlich nicht überriechen. H. latitabundus hat einen grauen, dickschleimig überzogenen Stiel. Also optisch passt H. nemoreus besser, aber es gibt sicherlich noch mehr Schnecklinge, die eine solche Hutfarbe haben.


    EmilS was genau passt da am Geruch und am Habitat für H. nemoreus nicht?


    FG

    Oehrling

    Hallo,

    Nr. 1 sehe ich wie du.

    Nr. 2 könnte zur Scaurus-Gruppe gehören. Da müsste man Lugol oder Melzers Reagenz auf das angeschnittene Fleisch schmieren und auf die Verfärbung achten. Die Stielbasis sollte knollig verdickt gewesen sein.

    Nr. 3 sieht eher wie ein Raukopf als wie ein Schleimkopf aus, aber auf deinen Fotos ist die Hutoberfläche unscharf, so dass man nicht erkennen kann, ob sie rau, glatt oder gar schleimig ist. C. percomis hätte einen schmierig-schleimigen Hut.

    Nr. 4 dein Vorschlag ist gut möglich, allerdings sind die Pilze noch sehr jung, und ich sehe nicht deutlich, ob der Hut rosa Flecken hat, was er als Lactarius controversus haben sollte.


    FG

    Oehrling

    Hmmm, und wo sind die purpurnen Flecken?


    Rein optisch würde ich den (du schriebst ja von trockener Huthaut) bei den Dickfüßen einsortieren.


    Wenn du Lugol oder Melzers Reagenz hast, schmier doch mal was davon auf das angeschnittene Fleisch, das müsste sich dann brombeersaftrot verfärben, wenn der zu den Purpurascentes bzw. Scauri gehören sollte..


    FG

    Oehrling

    Bei den über 10.000 Pilzarten Mitteleuropas wundere ich mich immer wieder über Personen, die sich mit jeder Gattung beschäftigen und den Anspruch haben in jeder Gattung nahezu alle Arten zu kennen.

    Ich bin mir nicht sicher, ob es solche Leute überhaupt gibt. Niemand, auch nicht die allergrößten Experten, beschäftigt sich mit jeder Gattung oder gar mit 10.000 Pilzarten, und niemand hat den Anspruch, in jeder Gattung nahezu alle Arten zu kennen. Im Gegenteil: die besten Pilzauskenner sind meistens Gattungsspezialisten, die jenseits ihren Spezialgattungen nur "normales" Pilzwissen haben, manchmal sogar überhaupt kein Pilzwissen, weil sie immer nur "ihre" Gattung anschauen. Ich selber habe meine vier, fünf Gattungen, in denen ich mich gut auszukennen glaube, in anderen Gattungen koche ich sprichwörtlich nur mit Wasser, und in manchen Gattungen (z. B. Baumpilze, Boviste, ...) kenne ich mich überhaupt nicht aus. Solche Gattungen interessieren mich schließlich auch gar nicht.


    Dann noch zur Frage, wie man sich ein gutes Pilzwissen erwirbt: in erster Linie durch eigene Aktivität. Dein Wissen ist das Spiegelbild davon, ob du wirklich geistig aktiv warst und viel Mühe und Aufwand reinzustecken bereit warst. Ob du nerdigerweise jeden Tag im Wald warst, so dass andere Leute schon über dich den Kopf geschüttelt haben. Oder ob du nur so getan hast als ob. Oder ob du immer nur zugehört, rumtheoretisiert und nachgeplappert hast. Wie man dann zu seinem Wissen kommt, ist individuell höchst verschieden. Gegenüberstellungstabellen sind eine gute Sache, noch besser sind sie, wenn sie wirklich nur die unterscheidungsrelevanten Merkmale beinhalten, also z. B. bei Perlpilz vs. Grauer Wulstling vs. Pantherpilz das irgendwo rötende vs. das nur undeutlich bräunende oder weiß bleibende Fleisch. Dagegen gibt es auch Graue Wulstlinge mit gerieftem/geripptem Hutrand oder Pantherpilze mit leicht geriefter Manschette und ohne Bergsteigersöckchen, so dass man anzweifeln kann, ob all das wirklich bestimmungsrelevant ist. Mit der Zeit, wenn dein Wissen gewachsen ist, und du die Relevanz von Unterscheidungsmerkmalen besser einschätzen kannst, musst du deine Gegenüberstellungstabellen erneuern und anpassen. Und natürlich allgemein dein Wissen aktuell halten. Also z. B. deine Nase in immer neue Pilzbücher stecken.


    Die echten Pilzexperten machen ihr Leben lang tagein, tagaus nichts anderes, als sich mit Pilzen zu beschäftigen. Wer das nicht macht, weil ihm das zu mühsam ist oder er/sie zu wenig Zeit hat (so sagt man das ja heutzutage), wird halt kein Experte. Oder halt Experte für was anderes. Man kennt das ja auch von Musikvirtuosen - die machen in ihrem Leben nichts anderes als ihr Instrument zu spielen, die leben förmlich für ihr Spezialgebiet. Die sind unglücklich, wenn sie gerade nicht ihr Instrument spielen dürfen. Und ein gewisses Talent sollte halt auch vorhanden sein, da beißt die Maus keinen Faden ab. Vielleicht hat man ja für etwas anderes mehr Talent.


    FG

    Oehrling