Lieber Gábor,
zu Deinen sehr interessanten Gedanken möchte ich noch ein wenig was anmerken.
dass die Evolution eher chaotisch ist und letztendlich auch keinem weiteren Sinn folgt, da magst Du wohl recht haben.
Zugegeben; meine "Glaubensrichtung" ist die moderne Evolutionstheorie (Neodarwinismus), und die setzt für evolutive Prozesse keinen "Sinn" voraus; alles entsteht aus dem Zufall, aber .... das ist nur eine Theorie von vielen, und muss überhaupt nicht "stimmen".
Zumindest vor dem Hintergrund des Neodarwinismus, kann es durchaus sein, dass der Homo sapiens nur eine von vielen evolutiven "Sackgassen" ist. Der Neandetaler hat z.B. viel länger existiert als der Homo sapiens und ist dennoch ausgestorben! Ob man annehmen darf, dass der moderne Mensch nur aufgrund seiner hohen Intelligenz und technologischen Rührigkeit (und Fortpflanzungsfreude) überleben wird, ist vielleicht etwas gewagt: Wir sind ja nicht wenig stolz auf uns und unsere menschliche Kultur, so stolz, dass wir uns sogar in unseren Religionen indirekt selbst als Schöpfer anbeten (Gott hat uns nach seinem Ebenbild geschaffen). Hochmut, man kann hier sogar von einem anthropozentrischen oder anthropogenen Hochmut sprechen, wird eigentlich nur dadurch zurechtgerückt, dass dem Hochmütigen etwas unerwartet Schlimmes zustößt, was ihn wieder zur Bescheidenheit zwingt. Es dürfte für das Überleben des Menschen darauf ankommen, wie schlimm das Schlimme ist, das ihn zur Raison bringen könnte.
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Allerdings hat dann unsere gesamte Existenz auch nicht viel mehr Sinn. Denn viel mehr als geboren zu werden um anschließend möglichst viel herumzukaspern bis man am Ende den Löffel abgibt, ist dann wohl leider nicht drin.
Wenn man das Leben selbst nicht als den Sinn des Lebens sieht, dann trifft wohl diese Anschauung zu, die, verzeih mir, der depressive Roboter aus "Per Anhalter durch die Galaxis" nicht besser hätte formulieren können;-)). Es gibt aber noch die Vorstellung, dass die Existenz nach dem Leben süßer und sinnvoller sein könnte, und das eigentliche Leben ein "irdisches Jammertal". Die ganze Ewigkeit aber himmlischen Dienst an der Harfe tun, stelle ICH mir nicht als sinnvoll vor, obwohl Harfe spielen kurzweilig sein könnte.
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Nicht wenige unserer Naturwissenschaftler und Philosophen haben sich über Sinn und Unsinn der menschlichen Existenz bereits die Köpfe zerbrochen. Als Beispiel z.B. Nietzsche mit seinem Idealmenschen und dem Streben nach Macht - das leihen sich ja ganz gerne bis heute die Nazis aus (das Recht des Stärkeren) - oder auch nur das Lust-Prinzip von Freud.
Zwar sehr verknappt dargestellt, aber viele Denker haben versucht der kalten Anschauung des Neodarwinismus eine sinnhaftere Vorstellung entgegen zu stellen. Da gibt es z.B. die Vitalisten, die in der Evolution eine Tendenz erkennen, eine "übernatürliche" Richtschnur, die alles zu einem Zielpunkt (oder Endpunkt) hinführt, wie z.B. Theilhard de Jardin mit seinem "Omegapunkt". Natürlich sind auch die Religionen solche Vorstellungswelten, die eine Sinnhaftigkeit erzeugen. Sobald ein Affe das Denken anfängt, wirds halt kompliziert *g* Vorher hat er einfach nur gelebt und alles dabei genossen.
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Na ja, wie auch immer: der Verzicht auf Fleischkonsum ist vielleicht der erste kleine Kieselstein, um irgendwann vielleicht einen riesigen Berg abzutragen. Nur schafft man das m.E. nicht ohne einen Funken von Idealismus.
Idealismus kann auch Sinn erzeugen;-) Mir macht es z.b. richtig Spaß, mein Leben so umzustellen (nicht alles auf einmal und sofort!), dass ich so nachhaltig wie möglich "agiere". Letztlich müsste ich aussteigen, mal ganz hart gesprochen, und vielleicht habe ich ja mal den Mut, wer weiß.
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Und was das ursprüngliche Thema anbelangt, bin ich und vermutlich die allermeisten anderen auch (da wir alle weder Lebensmittelchemiker, Agraringenieure noch sonstwas sind) hauptsächlich darauf angewiesen, was uns als vorgekautes und womöglich im Sinne von Lobbyisten verdrehtes Wissen von den Medien vorgesetzt wird.
Genau deshalb versuche ich gar kein Fleisch zu essen ... da komme ich gar nicht erst in die Verlegenheit, recherchieren zu müssen, wo das jetzt herkommt. Wir hören ja immer davon, dass der Planet Erde vom Menschen überbevölkert sei, aber dass die Biomasse der domestizierten Tiere, die der gesamten Menschheit bei Weitem übertrifft, darauf weisen nur wenige hin. Eingedenk der Tatsache, kann heute niemand mehr sagen, wo ein Stück Fleisch herkommt; es "rotiert" um den ganzen Globus.
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"Wie vielen unter uns ist überhaupt bewusst, dass die Leben spendende Atmosphäre nur wenige Kilometer hoch ist? Umgerechnet auf den Erddurchmesser ist das dünner als die Schale eines Apfels.
Wir sind kaum mehr als winzig kleine Maden, die sich aber unendlich wichtig nehmen"
no comment
Grüßle
Jürgen