Naturschutz contra Schirmpilz & Co.

Es gibt 4 Antworten in diesem Thema, welches 1.314 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Juergen-M.

  • Naturschutz contra Schirmpilz & Co.
     
    Hallo Pilzfreunde,
    seit etwa 10 Jahren werden in –žmeinen–œ Jagdgebieten bisher naturbelassene Waldwiesen jährlich gemäht. Ziel ist die Erhaltung vorhandener Orchideenbestände in diesen Feuchtwiesen. Die Mahd erfolgt vorwiegend maschinell, Nur dort wo der Boden zu nass ist, wird mit der Sense gearbeitet.
    Was sicherlich gut gemeint ist und für die Orchideen sichtlich erfolgreich war hat für uns Pilzliebhaber leider negative Folgen . Waldrandbewohner wie Schirmpilz, Hexenröhrling und Steinpilz traten nur noch sporadisch auf und sind mittlerweile seit zwei Jahren völlig verschwunden.
    Gerade um die prächtigen Steinpilze mit den fast schwarzen Kappen ist das sehr schade.
    Wie denkt Ihr darüber?
     
    Grüße aus Ostthüringen, Holger!
     

  • Hallo Holger,
    ich glaube nicht, das zwischen der Mahd und dem subjektiv wahrgenommenen Rückgang der Pilze auf diesen Wiesen irgend ein Zusammenhang besteht. Steinpilze und Hexenröhrlinge wachsen ohnehin eher im Wald als auf Feuchtwiesen die auch von Orchideen besiedelt werden. Dort fehlen ihnen die Bäume, mit denen sie in Symbiose leben.
    Und da die meisten Orchideenarten erheblich seltener sind als die genannten Pilzarten haben diese nun mal Vorrang beim Naturschutz. Auch wenn das für Pilzfreunde nicht besonders erfreulich ist.
    Das die Pilze in diesem Jahr fehlen, kann natürlich auch daran liegen, das in den meisten Regionen ein extrem schlechtes Pilzjahr ist. Hier im Münsterland z. B. findet man zur Zeit praktisch gar nichts.


    Grüsse
    Plejades

    • Offizieller Beitrag

    Hallo,


    ich sehe das genau so. Solche Orchideenreichen Feuchtwiesen sind in jedem Fall schützenswert; erst recht wenn man bedenkt, wie wertvoll solche Biotope auch für bedrohte Pilze, wie Saftlinge, diverse Rötlinge oder Erdzungen z.B. sind. Auch bitte ich dich zu bedenken, dass das Ausbleiben deiner genannten Arten auch andere Gründe haben kann, wie z.B. natürliche Vegetationsveränderungen innerhalb des Waldes usw.


    l.g.
    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo, Holger!


    ich denke auch, daß das Ausbleiben der Schwarzhütigen nicht mit dem Mähen der Wiesen zusammenhängt. Die wachsen auch in Parks, wo noch viel regelmäßiger gemäht wird. Das stört die nicht. Und auch Parasole wachsen in meiner Gegend durchaus auf Magerwiesen, die ein- oder zweimal im Jahr gemäht werden.
    Ich denke also auch, daß das Problem woanders liegt.



    LG, Pablo.

  • Hallo Pilzhai,


    ich denke schon, dass Deine Beobachtungen mit den Pflegemaßnahmen zu tun haben können. Ich kann das seit einigen Jahren schon hier auf meinen Wacholderheiden beobachten, die größtenteils "klassisch gepflegt" werden; also alles wegschneiden, was nicht Wacholder ist, und maschinelle Mäharbeit ... dabei fahren nicht selten moderne Traktoren (also Boliden!) mit Mähbalken auf die Wiesenflächen und verdichten den Boden. Die Biodiversität ganz allgemein und insbesondere bei typischen Wiesenpilzen büßt schwer ein! Mehrere Effekte sind dafür verantwortlich: Änderung des Mikroklimas durch Beseitigung von Sträuchern, Hecken, Solitärbäumen. Bodenverdichtung. Ungünstige Entwicklung der Rasengesellschaft durch manuelle oder maschinelle Mahd, Eintrag von Stickstoff, Austrocknung der Böden .... die angrenzenden Waldränder werden im Zuge der Pflegearbeiten auch oft ausgelichtet.


    Grüßle
    Jürgen
    [hr]
    Achja, nochwas. Diese Fixierung auf Orchideenaspekte, und die damit relativ aufwändige "Pflege", führt irgendwann zu dem, was viele skeptische Naturliebhaber spöttisch "Orchideen-Golfrasen" nennen;-) Man kann halt alles übertreiben, auch den Naturschutz.