Amyloporia xantha?

Es gibt 8 Antworten in diesem Thema, welches 689 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von kruenta.

  • Hallo zusammen,


    am 29.03.2026 wuchs ein weißer, resupinater Porling auf einem stark zersetzten Fichtenstumpf. Fruchtkörper waren sowohl in der Vertikalen als auch in der Horizontalen auf einem Motorsägenschnitt zu finden:



    Von dem ganz flach wachsenden Stück habe ich etwas abgebrochen. An der Bruchstelle erkennt man, dass auf das Substrat direkt die Röhren folgen:



    Der Geruch war intensiv angenehm pilzig mit dezent säuerlicher Note. Die Poren reagieren amyloid mit Melzers:



    Sie waren so eng, dass es mehrere Minuten dauerte, bis die Jodlösung eingezogen war und sich die bläuliche Verfärbung zeigte. Leider hatte ich nicht die üblichen Mittel, die Anzahl der Poren pro mm zu bestimmen, hier aber ein vermessenes Bild eines dünnen Skalpschnitts der Poren unter dem 10er-Objektiv:



    Da auf ca. 1/3 mm 2 Poren zu finden waren, sollten der Fund ca. 6 Poren/mm haben. Frisch waren die Poren weiß, nach zwei Tagen erinnerten sie mit ihrer gelb-bräunlichen Verfärbung an die ehemals weiße Tapete eines Raucherzimmers:



    Was die Mikromerkmale betrifft, konnte ich leider weniger feststellen, als mir lieb war – der Fruchtkörper ist schlichtweg zu jung. Hier eine Kollektion von halbwegs reifen Basidien:



    Zystiden waren zumindest prominent nicht vorhanden, ich konnte lediglich einen merkwürdigen Auswuchs im Hymenium feststellen (ganz rechts):



    Zudem dominieren im Dissepiment Skeletthyphen, bei denen ich mit Melzers keine amyloide Reaktion unter dem Mikroskop feststellen konnte. Sporen konnte ich keine sicher zuordenbaren finden.


    Anhand von Habitus (in der Vertikalen), Substrat, amyloider Reaktion der Poren, dimitischem Hyphensystem und zystidenfreiem Hymenium fühle ich mich auf Gattungsebene mit Amyloporia recht sicher. Was die Art betrifft, sind in Laessøe & Petersen, 2019, p. 935 vier aufgeführt: Amyloporia alpina, Amyloporia sinuosa, Amyloporia xantha und Amyloporia carbonica. Die erste Art fällt raus, weil die KOH-Reaktion (getestet mit 3 % und 20 %) bei meinem Fund negativ statt violett-rötlich war. Die zweite Art hat deutlich größere, labyrinthische Poren.


    Meiner Ansicht nach ist die am besten passende Art Amyloporia xantha, denn Amyloporia carbonica hätte gröbere Poren. Probleme habe ich allerdings mit diesen beiden Punkten:

    1. Die Poren sollen „pale lemon-yellow“ sein, waren aber weiß.
    2. Der Geruch soll „like lemon-scented soap“ sein, war aber höchstens leicht säuerlich.

    Punkt (1) lässt sich ggf. mit einer Erklärung aus dem alten Ryvarden, 1976, p. 95 (für Antrodia xantha) auflösen:

    Zitat

    Pore surface white to cream, pale to deep chrome yellow, to almost citric yellow.

    Hier wird also die weiße Farbe nicht ausgeschlossen. Für Punkt (2) habe ich allerdings keine Erklärung – außer, dass Gerüche höchst subjektiv sind.


    Mich interessiert nun eure Einschätzung, ob ihr mit diesen Informationen auch bei Amyloporia xantha wärt oder ob ihr Arten habt, die ich gegenprüfen sollte. Ich freue mich auf eure Antworten!


    Herzliche Grüße,

    Vitus



    Literatur:

    Laessøe, T., & Petersen, J. H. (2019). Fungi of temperate europe 2 (Vol. 2). Princeton University Press.

    Ryvarden, L. (1976). The Polyporaceae of North Europe 1: Albatrellus - Incrustoporia.

  • Servus Vitus,


    da ich nicht in einer Kiefernregion lebe, sehe ich Amyloporia xantha eher selten. Ich hatte aber bei allen Funden einen deutlichen Geruch nach Zitronen bzw. Zitronenschalen. Ich finde den Geruch frappierend. Ich kann aber eben wegen zu weniger Eigenfunde nicht sicher sagen, ob der Geruch auch mal schwach ausgeprägt sein kann oder fehlen kann. Ich kenne die Art nur mit zumindest blassem Gelbton und immer mit schön "antrodioid" knotig-geschichteten Fruchtkörpern, was hier ja auch der Fall ist.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Lieber Christoph,


    danke dir für deine Rückmeldung! Dann teilen wir unsere Unsicherheit ja – mit dem Unterschied, dass ich die Art noch nie gefunden habe. Viele Alternativen gibt es aber nicht, wenn man die Gattungshypothese kauft.


    Herzliche Grüße,

    Vitus

  • Hallo Vitus,

    Scheinbar scheinen sich resupinate Porlinge hier im Forum nicht allzu großer Beliebtheit zu erfreuen.

    entschuldige meine verspätete Antwort, aber ich war im Urlaub.

    Große Beliebtheit für resupinate weiße Porlinge wirst du hier im Forum nicht finden, vorallem wenn du keine Sporen gefunden hast!

    Ohne die dazugehörigen allantoiden Sporen ist eine Zuordnung unsicher. A. xantha kann durchaus rein weiß sein. Die amyloide Reaktion in der Gattung Amyloporia ist oft sehr schwach, bei den Skeletthyphen nur in dickeren Lagen.

    Der Geruch ist auch altersabhängig.

    Die Art ist nicht selten. Sie kommt an Nadelholz (Picea, Pinus, Larix) und selten auch an Laubholz (Castanea, Populus) vor. Bis jetzt habe ich

    26 Funde.


    LG

    Frank

  • Hallo Frank,


    erst einmal: Ich hoffe, du hattest einen schönen Urlaub! Die Infos, dass Amyloporia xantha auch rein weiß sein kann und der Geruch abhängig vom Reifegrad ist, sind schon einmal sehr hilfreich – vielen Dank!


    Dass ich keine Sporen habe, macht die Sache schwierig, ja. Leider ist der Fundort zu weit weg, um noch einmal hinzufahren und ein jetzt reiferes Stück mitzunehmen. Dass man mit dieser Grundlage aufgrund des Vorhandenseins aller Merkmale nicht auf die Art schließen kann, leuchtet mir völlig ein.


    Nun steht für mich die Frage im Raum, ob der Fund aufgrund des Ausschlussverfahrens als Amyloporia xantha kartiert werden darf. Wenn es Verwechslungspartner gäbe, die man anhand der vorhandenen Informationen nicht sicher ausschließen könnte, wäre das natürlich keine Option. Das scheinst du mit deiner Aussage "Ohne die dazugehörigen allantoiden Sporen ist eine Zuordnung unsicher" ja nahezulegen.


    Der Habitus, die Dichte der Poren sowie die makroskopisch deutlich wahrnehmbare Amyloidität schränken die Menge der Verwechslungspartner aber doch stark ein, oder irre ich mich? Der einzige resupinate Porling, der auf Picea vorkommen kann, nicht zur Gattung Amyloporia gehört und zumindest einigermaßen amyloide Skeletthyphen hat, ist meinen Recherchen nach Cinereomyces lindbladii. Den habe ich aber bereits gefunden und die mikroskopische KOH-Reaktion ist unverwechselbar. Allerdings kenne ich mich mit resupinaten Porlingen auch einfach nicht gut aus und kann mich irren! Deshalb die Frage an dich als Experten: Welche Verwechslungspartner würdest du hier in Verdacht haben?


    Herzliche Grüße,

    Vitus

  • Hallo Vitus,


    sehr ähnliche Fruchtkörper bilden Arten der Gattung Sidera und Resinoporia. Bei diesen sind allerdings die Skeletthyphen nicht amyloid.

    Wenn dein Porling amyloide Skeletthyphen hat, dann ist die Gattung Amyloporia schon passend. In dieser Gattung würden dann nur A. xantha (Poren 3-7 p/mm) und A. carbonica (Poren 3-5 p/mm) in Frage kommen, wobei A. carbonica sehr selten ist.


    LG

    Frank

  • Hallo Frank,


    danke dir für deine Einschätzung! Da die Amyloidreaktion passt, muss es wohl Amyloporia xantha oder Amyloporia carbonica sein. Dennoch traue ich mich nicht, dem Kind ohne Sporen abschließend einen Namen zu geben. Aber ganz unabhängig davon habe ich wieder viel lernen dürfen!


    Herzliche Grüße,

    Vitus

  • Hallo Vitus, ich kannte den noch als Antrodia (durchaus kürzlich) und hatte von Amyloporia noch nie gehört. Du kannst ja mal mit meinem Fund, der von Frank bestimmt wurde, vergleichen. Die grelle gelbe Farbe ist immer nur in tiefer gelegenen, auf dem Boden liegenden oder anderweitig feuchteren Stellen zu sehen, sonst eher dreckig weiß. Ob neben der Feuchtigkeit auch noch Lichtmangel auf die Farbe wirkt wäre vorstellbar.



    Mittlerweile habe ich den auch noch öfter gefunden.


    LG, Bernd