Corticioider Pilz – ggf. Hyphoderma?

Es gibt 12 Antworten in diesem Thema, welches 1.026 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Vitus Schäfftlein.

  • Hallo zusammen,


    gestern fand ich einen corticioiden Pilz auf altem, entrindetem und relativ stark zersetztem Laubholz, wahrscheinlich Rotbuche:



    Hier das Schnittbild (wie alle weiteren Bilder in Phloxin):



    Das Hymenium besteht hauptsächlich aus Basidien, allerdings kommen ab und zu auch Zystiden vor, die diese leicht überragen:


    Auch verhältnismäßig selten sind – ich hoffe, ich liege hier richtig – Hyphidien:



    Die Zystiden sind auffällig groß und überragen mit Leichtigkeit die 100 µm:



    Ob sie Schnallen haben oder nicht, konnte ich bei bestem Willen nicht feststellen. Die Hyphidien haben jedoch Schnallen:




    Die Basidien haben vier Sterigmen, eine Basalschnalle und neigen zum Wurzeln:




    Die inamyloiden Sporen sind zylindrisch-ellipsoid:



    Sporenmaße: 10,4 ± 0,8 µm × 4,5 ± 0,4 µm, Q̄ = 2,3 ± 0,3

    Reichweite: 9,1–12,2 µm × 3,9–5,2 µm, Q = 1,8–2,8

    n = 22


    Mit dem Schlüssel von Corticioid Fungi of Europe bin ich bei Hyphoderma gelandet, allerdings weiß ich weder, ob ich hier richtig bin, noch um welche Art es sich handeln könnte, sollte es sich um diese Gattung handeln. Habt ihr eine Idee, womit ich vergleichen sollte?


    Herzliche Grüße,

    Vitus

  • Hallo Vitus,

    erinnert mich an eine Hyphoderma roseocremeum, die ich hier im Forum, wegen der bei Bernicchia etwas zu schmal angegebenen Sporen falsch eingeschätzt habe. Vergleiche mal mit aphyllo.net. Elia Martini gibt dort auch Dendrohyphydia von 1,5-2,5 ym an.

    Gruß Armin

  • Hallo Armin,


    danke dir für deine Antwort! An Hyphoderma roseocremeum bin ich eben auch kleben geblieben, habe sie aber aufgrund der zu kleinen Sporenmaße und der fehlenden Hyphidien in den Zeichnungen von Fungi Europaei und The Corticiaceae of North Europe verworfen. Und dabei hatte ich doch extra zusätzlich in Fungi of Temperate Europe nachgeschaut; da sind die Sporenmaße meiner Erfahrung nach recht zuverlässig. Aber Pustekuchen: Auch dort 3–4 µm in der Breite. Die großen Tropfen in Basidien und Sporen passen perfekt, die Beschreibung auf aphyllo.net und deine Mikros sind kurz davor, dass ich dem Kind einen Namen gebe. Was die Makroskopie betrifft: Der Rosaton wird zwar als häufig angegeben, aber nicht als zwingend. Bei dir war er ja auch praktisch nicht vorhanden, richtig? Ich weiß nicht, ob ich jetzt anfange, zu halluzinieren, doch jetzt, wo alles andere passt, meine ich, solche Töne auch erahnen zu können:



    Vielleicht brauche ich aber auch einfach eine neue Brille?


    Herzliche Grüße,

    Vitus

  • Hallo Vitus,

    so ein leichter rosa Touch hatte mein Pilz schon, auch wenn ich das erst später auf dem Foto festgestellt habe.

    Apropos rosa, oder wie auch immer,

    > hier einer von heute auf Laubholz, sieht auch verdächtig nach H. roseocremeum aus .

    Wenn ich dazu komme, werde ich ihn in den nächsten Tagen überprüfen. Schauen wir mal was rauskommt.

    Gruß Armin


  • Des schaut guat aus

  • Hallo Vitus,


    in der Hoffnung, dass im jetzt erscheinenden zweiten Band von Larsson und Ryvarden die Gattung Hyphoderma enthalten ist und die Sporenbreite von H. roseocremeum mal in ihrer wirklichen Bandbreite angegeben wird. In der bis jetzt vorhandenen Literatur scheint die Sporenbreite von 3-4 µm immer nur "abgeschrieben" zu sein. :)


    LG

    Frank

  • Hallo zusammen,


    vielen Dank für eure Antworten! Ohne eure Tipps hätte ich mich dumm und dämlich geschlüsselt. Das Problem mit dem Abschreiben von Fehlern habe ich auch schon bei einigen Büchern beobachtet. Gerade in den deutschen Übersichtswerken habe ich schon mehrere Sätze 1:1 vom Alten Henning & Kreisel gelesen, die aus meiner Perspektive schlichtweg irreführend waren.


    Argross Das ist ja ein Prachtexemplar! Falls du Lust hast, schick doch gerne mal ein paar Mikros. Mir ist aufgefallen, dass die Hyphidien im Schnitt nicht/kaum sichtbar waren, beim vorsichtigen Quetschen des Schnitts dann aber hervortraten. Vielleicht ist das bei dir ja auch so?


    Tomentella Gestern habe ich gesehen, dass der Band wohl zumindest in Großbritannien bestellbar ist. Ob die Seite nach Deutschland liefert oder nicht, weiß ich aber nicht. Was ich dafür weiß, ist, dass ich mich wie ein kleines Kind darauf freue!


    Herzliche Grüße,

    Vitus

  • Hallo Vitus,


    im 2. Band (hab ich seit heute :) ) sind zu dieser Art weiterhin nur der zu enge Bereich von 3-4 µm Sporenbreite angegeben. Es werden zwar die teilweise elliptischen Sporen gezeichnet, aber sie sind bei den Maßen nicht beachtet (siehe auch bei Martini in Aphyllo.net). Im Schlüssel wird nicht auf die Sporengröße eingegangen. Eine ähnliche Art mit etwas breiteren Sporen ist aber auch nicht beschrieben worden.


    LG

    Frank

  • Hallo Frank

    ..Eine ähnliche Art mit etwas breiteren Sporen ist aber auch nicht beschrieben worden...

    wie ist das mit H. medioburiense?

    Wenn man roseocremeum mit aphyllo.net bestimmt, ist medioburiense doch fast inklusiv oder sehe ich das falsch?🤔


    So richtig viele Dokumentationen findet man über diese Art im Netz nicht und wenn doch, auch mit Sporen < 15ym.🙄

    Wie grenzt du H. medioburiense sicher von roseocremeum ab? Sporen oft >15ym, Zyst.mit Sekrettropfen und dunkle harzige Gebilde?


    Ich frage das, weil mein gezeigter Fund (Bilder vorher) u.a. Sporen von locker ca. 11-14(15) ym hat.


    Ich habe nur mal kurz hineingeschaut, werde ihn in den nächten Tagen bearbeiten und hier dokumentieren.

    Gruß Armin

  • Hallo Armin,

    wie ist das mit H. medioburiense?

    Hyphoderma medioburiense kenne ich gut und die ist mit H. roseocremeum eigentlich nicht zu verwechseln. Deren Sporen gehen von 11-17 µm Länge und die Zystiden sind harzig inkrustiert, was man unter der Stereolupe (20 x) schon schön als rotbraune Punkte im Hymenium erkennen kann.


    LG

    Frank

  • Lieber Frank, lieber Armin,


    vielen Dank für eure Antworten! Ich steige gerade erst in die Cortis ein und verzweifle regelmäßig an ihnen – auch gerade habe ich wieder ein Exemplar mit höchst merkwürdiger Sporenbildung gefunden. Umso mehr hilft es mir, von euren Erfahrungen lernen zu dürfen!


    Herzliche Grüße,

    Vitus