Phanerochaete livescens cf. / sordida s.l.

Es gibt 6 Antworten in diesem Thema, welches 1.551 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Vitus Schäfftlein.

  • Hallo zusammen.

    Rindenpilz vom Mai 2024 auf einem Ahorn-Ästchen.

    Aufgrund einiger Diskussionsbeiträge von Maren, Andreas Gminder und Frank zu meiner P. sordida Jan 2022 hier im Forum, könnte dies nun Phanerochaete livescens sein,

    die 2015 aus dem Sordida- Komplex als eigene Art abgetrennt wurde.


    Sporen: +- zylindrisch 5,5-7,5 x 2,5-3µm

    "Lamprozystiden" ca. 40-80 x6-10µm:

    - dickwandig oft bis in den apikalen Teil.

    - stark inkrustiert.

    - schwach aus dem Hymenium herausragend (ca. 10-25 (30) µm).


    Keine (Ausnahmen >1*) sporadisch inkrustierte oder dünnwandige Zystiden mit nackter Spitze wie man sie von P. sordida kennt!

    Zwischen Hymenium und den dickwandigen unkrustierten Basalhyphen sind die Hyphen stark inkrustiert bzw. mit vielen Kristallen untermischt.


    1* Jedoch fand ich bei einer Nachprüfung 3 Wochen später aber auch

    sporadisch bis ca. 30(+) µm herausragende Lamprozystiden, sowie ganz vereinzelt nicht inkrustierte (in Phloxin), kaum dickwandige nackte Zystiden, wie man sie von P. sordida kennt.


    Die nur kurz herausragenden, stark inkrustierten, dickwandigen Lamprozystiden waren für mich jedoch kennzeichnend für diesen Fund.


    Reicht dies für die Einordnung zu P. livescens, obwohl sehr vereinzelt auch "nackte Sordida- Zystiden" vorhanden waren?

    Gruß Armin


    Lit:

    -VOLOBUEV et al. (2015): The Phanerochaete sordida group

    - Corticiaceae of Northern Europe, unter sordida die Skizze Fig. 520 noch als P. sordia Typ. Grandiniella livescens Karst

  • Hallo Frank,

    herzlichen Dank für deine Stellungnahme.


    Bei meiner letzen P. sordida 2022 war mir diese Art noch kein Begriff.


    Anhand eurer Hinweise 2022, passte dies jetzt alles recht gut, bis auf die oben im Beitrag erwähnten wenigen Ausnahmen, die mich leicht zweifeln ließen.


    Da werde ich in Zukunft bei einer vermeintlichen "P. sordida" noch genauer hinschauen. Vielleicht findet man sie öfter als vermutet.

    Gruß Armin

  • Hallo zusammen,


    ich bin mir recht sicher, dass auch ich Phanerochaete livescens auf Acer gefunden habe; lediglich die Kristalle an den Subiculum-Hyphen fehlen mir. Anbei ein paar Bilder mit der Bitte um Einschätzung.









    Auffällig fand ich die enorme Dichte der Basidien, die ich nur mit brachialer Gewalt einigermaßen auseinanderkriegen konnte. Argross Erinnerst du dich auch daran? Tomentella Weißt du, ob diese Art selten oder einfach chronisch unterkartiert ist? In NRW ist sie bisher nur fünfmal in pilze-deutschland gelistet, dabei ist die Gruppe um Phanerochaete sordida doch so häufig.


    Herzliche Grüße,

    Vitus

  • Hallo Vitus,

    "deine dichten Basidien", habe ich nicht mehr parat.

    Die Kristalle sollen sich vor allem in älteren Frkpn. zeigen.

    Deine Zystiden sehen schon nach livescens aus.

    Die Sporen zu P. sordida werden in CfoE Bd2 mit einem "slight bend near apiculus" beschrieben, was bei einigen deiner Sporen so ähnlich aussieht.

    Für eine Einschätzung deines Fundes müsste ich mehr Erfahrung mit P. livescens haben.

    Gruß Armin

  • Hallo Vitus,

    Tomentella Weißt du, ob diese Art selten oder einfach chronisch unterkartiert ist?

    Phanerochaete livescens wurde ja erst 2015 neu beschrieben und von Ph. sordida abgetrennt. Die Art ist nicht selten und wird in den nächsten Jahren sicher oft kartiert werden. Im Aggregat Ph. sordida verbergen sich viele Funde dieser Art, was sich aber ohne Exsikkate nicht nachvollziehen lässt.


    LG

    Frank

  • Lieber Armin, lieber Frank,


    danke für eure Antworten! Endlich komme ich nun auch dazu, darauf zu reagieren.


    "deine dichten Basidien", habe ich nicht mehr parat.


    Alles gut, kein Problem. Ich habe in besagter Studie von 2015 noch einmal geschaut, dort steht "cystidia densely arranged" (S. 10), was zu meiner Beobachtung passen würde. Basierend auf der Studie habe ich eine Gegenüberstellung der drei Arten aus Phanerochaete sordida agg. erstellt, von der ich hoffe, dass sie zukünftig auch anderen bei der Bestimmung hilft:


    Merkmal Phanerochaete sordida s. str. Phanerochaete livescens Phanerochaete cumulodentata
    Substrat Nadelholz Laubholz Laubholz
    Hymenium glatt; bisweilen mit rötlichem Ton im Alter glatt tuberkulat bis raduloid
    Zystidenform schmal röhrenförmig bis schmal lageniform möhrenförmig bis lageniform schmal keulenförmig
    Zystiden-Spitze stumpf/gerundet zugespitzt stumpf/gerundet
    Zystidenwand zur Spitze hin ausdünnend gleichmäßig verdickt (bis 3 µm); jung dünnwandig dünnwandig bis basal leicht verdickt
    Inkrustierung (Zystiden) höchstens spärlich (Kristalle oder Harz) dicht, bis 1/3 der Zystide bedeckt fehlend
    Zystiden Breite (µm) 4,7–8,3; Ø 6,0 6,0–11,3; Ø 7,9 4,4–6,2; Ø 5,4
    Sporenlänge (µm) 5,1–7,3; Ø 6,05 5,8–7,7; Ø 6,30 4,6–6,3; Ø 5,44
    Sporenbreite (µm) 2,8–3,4; Ø 3,09 (≥ 3 µm) 2,4–3,1; Ø 2,74 (< 3 µm) 2,2–2,9; Ø 2,55 (< 3 µm)
    Sporen Q̄ 1,87–2,24; Ø 1,95 2,13–2,42; Ø 2,30 1,92–2,24; Ø 2,14

    Die Sporen zu P. sordida werden in CfoE Bd2 mit einem "slight bend near apiculus" beschrieben, was bei einigen deiner Sporen so ähnlich aussieht.


    Hier habe ich auch noch einmal recherchiert: In der Studie findet man für Phanerochaete livescens "ventral side flat or a little concave; longest spores slightly sigmoid", für Phanerochaete sordida "some spores slightly arcuate near apiculus, ventral side flat, rarely slightly concave" (S. 12). Der Unterschied in der Sporenform scheint mir also zum einen zu sein, dass die Bauchseite bei Phanerochaete livescens manchmal etwas nach innen gewölbt ist, während das bei Phanerochaete sordida nicht der Fall ist. Die Wölbung kann man bei einigen meiner Sporen auch gut erkennen. Zum anderen soll Phanerochaete sordida nahe dem Apiculus eine leichte bogenförmige Krümmung haben, Phanerochaete livescens aber nicht. Was genau damit gemeint ist, erschließt sich mir nicht recht, daher kann ich das nicht beurteilen. Da alle anderen obigen Merkmale zu Phanerochaete livescens passen, bin ich mir nun ausreichend sicher, dem Kind einen Namen zu geben.


    Phanerochaete livescens wurde ja erst 2015 neu beschrieben und von Ph. sordida abgetrennt. Die Art ist nicht selten und wird in den nächsten Jahren sicher oft kartiert werden. Im Aggregat Ph. sordida verbergen sich viele Funde dieser Art, was sich aber ohne Exsikkate nicht nachvollziehen lässt.

    So etwas hatte ich schon vermutet. In der Studie steht auch "P. livescens is widely distributed in nemoral and hemiboreal zones of Eurasia, inhabiting various angiosperm hosts". Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass in den letzten 11 Jahren nur wenige, die corticioide Pilze kartieren, diese Studie gelesen haben (oder zumindest bereit sind, sie bei der Bestimmung zu berücksichtigen). Ich schätze aber, das ist bei anderen Pilzgruppen nicht viel anders. Auf jeden Fall sind das sehr spannende Einblicke!


    Herzliche Grüße,

    Vitus


    Literatur:

    Larsson, K.-H., Hjortstam, K., & Ryvarden, L. (1979). The corticiaceae of north europe 5: Mycoaciella – phanerochaete. Fungiflora.

    Volobuev, S., Okun, M., Ordynets, A., & Spirin, V. (2015). The phanerochaete sordida group (polyporales, basidiomycota) in temperate eurasia, with a note on phanerochaete pallida. Mycological Progress, 14(10), 80. https://doi.org/10.1007/s11557-015-1097-0