Beiträge von kruenta

    Hallo Christoph,


    das 2024 paper von DE Hume habe ich gelesen. Einen wissenschaftlichen Beitrag sehe ich da nicht, ist wohl eher als Übersichtsartikel gedacht. Gut, die muss es auch geben. Zudem haben sie den Vorteil, meist viel häufiger zitiert zu werden. Auffallend ist, dass die Einleitung ziemlich genau mit der Conclusion übereinstimmt (nicht wortwörtlich, aber sinngemäß), also ein typischer Zirkelschluss. Mit dem einzigen halbwegs konkreten Beispiel von 100.000 toten Tieren in Australien, dem ich erst mal mit Skepsis begegne. Das sieht doch apriori eher nach Infektionskrankheit aus als nach schlechtem Futter. Oder nach Agrarchemie.

    Interessant, dass UK gesondert neben Europa genannt wird. Das wäre wie "Australien und Tasmanien".


    Einen ordentlichen Artikel zum Wirkmechanismus, Wirkstoff mit reichlich Literatur zum Weiterstörbern hat die englische Wikipedia https://en.wikipedia.org/wiki/Lolitrem_B

    Dem Trend zur Zitatepickerei folgend, daraus:

    Zitat

    but cases of perennial ryegrass staggers are rare outside of Australia and New Zealand; the reasons for this are unclear



    LG, Bernd

    Hallo,


    Pilze bilden ja eine ganze Menge an hochkomplexen organischen Substanzen aus. Variierend mit dem Entwicklungsstadium. Entsprechend variierend im Heu je nach Zeitpunkt der Mahd. Und dann kommt noch hinzu, dass die entweder zerfallen oder von wieder anderen Organismen abgebaut werden. Was wiederum zu jeder Menge organischer Zerfallsprodukte führt.


    Ob da ein Labor viel Sinnvolles erreichen kann? Man kann das durch ein Massenspektrometer jagen und mit etwas Glück den einzelnen Signalen auch Moleküle zuordnen, was oft genug nicht eindeutig ist, weil gleiche Summenformeln (=Masse) aus unterschiedlichen Strukturen entstehen können. Aber es ist nicht so, dass man tatsächlich alle möglichen organischen Moleküle kennen würde und diese katalogisiert hätte, samt Toxizität.


    Wirklich sinnvoll kann ein Labor erst agieren, wenn man eine ganz konkrete Fragestellung hat, etwa - ist dort das chemische Element ZZ enthalten, wenn ja in welcher Menge. Oder - ist das organische Molekül XYZ mit bekannter Toxizität enthalten.


    Andernfalls dominiert das Experiment und empirische Daten (das ist die Basis für jede Wissenschaft, man darf sich da nicht von den in den Medien kolportierten "anekdotischen Fällen" irritieren lassen - es sind alle diese Einzelfälle, die in der Gesamtheit die Grundlage für Wissenschaft bilden). Wenn Du das Heu verfüttert hast - haben Deine Pferde da eine Auswahl getroffen? Wie war das auf der Weide? Wie lange hast du das gefüttert, bevor Du die Pilze bemerkt hast?


    LG, Bernd

    Jetzt habe ich die Story beim Uniblatt auch noch gelesen. Kommt ganz schön religiös daher mit 3x "believe".


    Abgesehen davon ist die Stelle, die Christoph so gefallen hat

    "The scientists believe that the risk of poisoning for horses, cattle or sheep can be reduced with relatively little effort: "Farmers should increase the diversity on their pastures and avoid monocultures, especially of perennial ryegrass," Jochen Krauß says. Mass poisoning of livestock occurs mostly in areas where the animals are forced to feed on the toxic grass because there are no alternatives. On meadows which are home to a variety of different plant species, the animals can switch to other grasses and thereby avoid high toxin levels."

    schon interessant. Wenn man mehr Arten an Gräsern und Kräutern hat, hat man folgerichtig und unvermeidlich auch mehr Arten an Pilzen, die an diesen wachsen und denen die lieben Tierchen ausgesetzt sein können. Was man mit der Diversifizierung eigentlich nur erreicht ist, dass keine Art dominant wird und man damit die Dosierung der evtl. giftigen Pilze niedrig hält. Implizit wird damit angedeutet, dass das Problem nicht durch das Vorhandensein von giftigen Pilzen entsteht, sondern erst dann, wenn es aufgrund von Monokulturen zu hoher Dosierung kommt.


    LG, Bernd

    Hallo Christoph, Du referierst hier nur unter Verwendung eines anderen Sekundärartikels auf die selbe Originalarbeit, die Stefan oben genannt hatte, und die ich bereits gelesen und als untauglich (zum Nachweis von Fällen der Toxizität bei Pferden) befunden habe. Nochmal für Dich, du hast die offensichtlich nicht gelesen: das ist eine mykologische Studie, bei der auf Wiesen und Weiden erfasst wird, welche Pilzarten vorkommen und welche Stoffe diese beinhalten. Die haben mit Pferden und anderen Tieren gar nichts gemacht.


    Dass etwas giftig ist, klar. Wie es heißt, ist ja alles giftig - oder ungiftig - nur die Dosis macht den Unterschied.


    Schönes Zitat "The scientists believe ..." Steht übrigens nicht im Artikel. Nur im Unianzeiger.


    LG, Bernd

    Hallo Stefan DD,


    die Originalarbeit, welche das Veterinärblatt zitiert, schreibt aber gar nichts zu Vergiftungsfällen und Tieren. Die machen nur eine Inventur, welche Pilze auf Wiesen und Weiden vorkommen. Und untersuchen deren chemische Zusammensetzung mit lediglich theoretischen Erwägungen, dass diese oder jene Stoffklasse für Tiere gefährlich werden könnte, ohne den genauen biochemischen Wirkmechanismus zu benennen oder gar experimentell zu verifizieren [ein plausibler Wirkmechanismus]. Weiterhin fehlt der Nachweis, dass die Tiere das Zeug auch gefressen hätten und es ihnen innerhalb einer plausiblen Zeitspanne danach gesundheitlich schlechter ging. Dann hätte man eine Korrelation hergestellt. Wenn man dann auch noch zeigen könnte, dass die Reaktionsprodukte des vorher etablierten Wirkmechanismus vorhanden sind, dann, erst dann, könnte man anfangen, von einer Kausalität zu reden.


    Und dann gehört natürlich noch eine solide Differentialdiagnose dazu. Diverse Diptera übertragen auch gern Krankheiten und/oder Toxine. Manche Pflanzen können giftig sein auch ohne Zuhilfenahme von Pilzen. Die genannte Klasse der Loline dürfte auf Lolium temulentum zurückgehen, das unter anderem Taumelgras genannt wird. Kürzlich irgendwelche Medikamente gespritzt? Nebenwirkungen davon? Wasser abgestanden? Gab es forstliche Maßnahmen, um den Wald mit Insektiziden zu besprühen? Hat in Nachbarschaft jemand Agrochemie eingesetzt? Glyphosat etwa? Und schließlich steht die Frage, wo waren Petrow und Boschirow.


    LG, Bernd

    Hallo allerseits, normalerweise sind diese Pilze ja an den dicken Stängeln, die vom Vieh gar nicht gefressen werden. Gerade Pferdchen sind da sehr wählerisch - meine jedenfalls. Weder auf der Weise noch im Heu.


    Christoph sagt "Epichloe im Verdacht" - gut, kann man verdächtigen. Sonst gab es keine weiteren Verdachtsmomente?

    Stefan geht noch weiter mit "nachgewiesene Todesfälle von Weidevieh" - die Akte vom Leichenbeschauer möchte ich sehen. Läuft wahrscheinlich auch darauf hinaus "Verdacht und es gab keine anderen Ideen für sonstige Verdachtsmomente" - "wir wissen es nicht" kling ja zu unseriös ... Ihr seid ja beide Naturwissenschaftler - seid Ihr Euch sicher, dass "Nachweis" nicht allzu leichtfertig verwendet wurde?


    Ziemlich harter Tobak hier.

    Wenn genug Heu da ist, kann man gucken, ob man die anderen Ballen erst verfüttert. Im Sinne der Risikominimierung. Als gesichert schädlich würde ich das nicht ansehen. Nachweisen, dass es grundsätzlich und immer für alle Tiere unter allen Randbedingungen unschädlich ist, wird man aber auch nicht können. Das ist prinzipbedingt schwerer als nachzuweisen, dass aus einer begrenzten Stichprobe von Tieren unter ansonsten gleichen Bedingungen, diejenigen die das entsprechende Heu bekommen gesundheitlich Defizite haben im Vergleich zur Kontrollgruppe mit Heu ohne diesen Pilz.


    LG, Bernd

    Hallo Stefan, damit bist Du hier schon richtig. Nur wird die Qualität der Fotos nicht reichen. Und alles was man sonst an Informationen benötigt.


    Manche Pilze sind wirtsspezifisch - da wäre es wichtig zu wissen, welches Gras das ist (kannst Du bei dem Pilz solche wirtsspezifische Verbreitung feststellen oder ist der eher überall?). Andere sind eher Universalisten, die gehen an alles. Da wäre dann eher wichtig, wo und wie das Heu gelagert wird.


    Erstmal zum Pilz, die meisten Handys haben doch einen Makromodus, damit man etwas im Detail sehen kann. Eine Beschreibung wäre auch hilfreich - ich vermute aus den Fotos, dass es um einen weißen, schmierigen Belag geht? Deine Hände und Fingernägel sind übrigens irrelevant :D


    Das Heu stammt von Sommer 2025? Was für eine Wiese? Fett, mager, naturnah oder frische Saat? Im Ballen gelagert oder lose? Wenn das Heu beim Pressen noch nicht komplett trocken war (zum beispiel, weil man lansam trocknende dickstängelige Arten dabei hat), dann hat man natürlich auch immer Schimmel. In Folie oder im Netz? Überdacht oder wetterbeeinflusst?


    LG, Bernd

    Hallo allerseits, bei Sonne habe ich mal wieder das Scheunentor studiert, diesmal die Westseite (=Wetterseite). Der Flügel dürfte noch das Original aus den 1930er Jahren sein. Wie man sieht, sind die Bretter unten alle schon großzügig ausgefranst.

    Da gibt es einiges an Arten, an Stecknadeln hatte ich bisher aber nur Ch. phaeocephala. Und die anderen ignoriere ich ja normalerweise. Eigentlich hatte ich gester eine schwarze Nadel gesehen, die heute bei anderen Lichtverhältnissen nicht wiederzufinden war. Kommt vor bei so Kleinzeug.

    Dafür ist mir diese graue Flechte mit verdächtig umrandeten Apothecien untergekommen.

    Unterm Auflicht ist die Oberfläche rau, könnte gut ein Mazaedium sein, die Apothecien (also nur der schwarze Teil) ist bis zu 0,4 mm im Durchmesser.

    mit dem 25er sieht das schon aus wie eine einzelne Spore, links, ziemlich weit oben:

    in Wasser, vom Rand

    Apothecium in KOH 3%, die Anordnung der Sporen entspricht noch denen von Asci, welche aber nicht mehr zu finden sind, Sporen braun, septiert, leicht eingeschnürt. Relativ glatt abgesehen von vereinzelten schrägen Kerben


    gleicher Beleg, nur deutlich mehr gequetscht

    Algen grün, rund und ziemlich groß; Sporen bis 18*10 µm, mitunter auch zerbrochen oder gänzlich unförmig


    Von den ungestielten coniocarpen Arten hatte ich bisher noch nichts. Bei Thelomma / Pseudothelomma heißt es, dass die selten Apothecien hat und stattdessen Isidien - die ist es dann wohl nicht. Italic 8 hat nicht viele Arten aus der Gruppe. Bei Wirth et al. 2013 komme ich am ehesten zu Cyphelium trachylioides, insbesondere da die Apothecien in Thalluswarzen eingesenkt und nicht aufsitzend sein sollen.

    Zu der Art gibt es leider kaum Vergleichsmaterial ... und bei Indexfungorum gehört die gar zu Arthonia


    LG, Bernd

    Hallo Hilmi,


    da ich bisher noch nicht weiß, was das ist, und bisher nur einen Fund habe, kann ich dazu wenig sagen, ob nur an Kiefer. Aber meistens sind die Stecknadeln nicht so stark wählerisch wie die Literatur es ihnen vorgibt. Wenn meine Annahme zutrifft, dass das was mit Chaenotheca chrysocephala zu tun hat, dann wären die üblichen Substrate hier neben Totholz von hauptsächlich Kiefer auch Borke von älteren Fichten, Kiefern und Lärchen, laut Literatur auch noch Eiche.


    Mit 0,6 cm wäre das ja leicht. Es sind aber 0,06 cm. Da sieht man vor Ort, ohne Lupe, nur, dass da was drauf ist, was wie Nadeln aussieht.


    LG, Bernd

    Hallo Martin, hallo Brummel,


    ich nehme aber an, Du, Brummel, hast die wenigstens etwas größer gezüchtet. Bzw. die wachsen in den gut mineralisierten Parks von Chemnitz ohnehin in Normalgröße.


    Daran hatte ich auch gedacht, ob man nicht einen Teil des Belegs einfach in eine der toten Kiefern vor Ort inkrustriert und hofft, dass die dann weiter wächst - wenigstens bis zur Reverstauglichkeit :D


    Werde ich sicher eine Nachsuche starten, ist fußläufig, ca. 30 Minuten. Nur ist das im Moorwald, wo alles mehr oder weniger gleich aussieht und wo etliche tote Kiefern rumstehen, nicht so einfach, den konkreten Baum wiederzufinden.


    Bei Chaenothecopsis heißt es ja oft, dass die Stiele innen heller sein sollen "zentral aus unregelmäßig verschlungenen Hyphen aufgebaut", während der Rand aus "periklinen Hyphen und dunkler" sei, so Wirth et al. 2013. Aus der Literatur und dem Netz kenne ich nur ein einziges Bild, dass sowas zeigt:

    Ich habe das selbst noch nie so gesehen, obwohl ich mittlerweile 5 oder 6 Chaenothecopsis Arten unterm Glas hatte. Klar, nur Quetschpräparate, keine Schnitte läng, quer oder schräg und erst recht keine Dünnschliffe (was wohl die Methode der Wahl wäre).


    Dann stellt sich mir noch die Frage, wie das bei den nicht-lichenisierten saprotrophen Stecknadeln ist. Müsste man da nicht eigentlich auch Pilzhyphen im Substrat finden? Oder sind das alles einzelne Individuen, jeweils unabhängig aus Sporen gewachsen? Und ist die Verfärbung des Substrats, besonders deutlich etwa bei Mycocalicium subtile, durch Pilzhyphen im Substrat (1 Individuum) oder nur aufgrund chemischer Absonderung vieler Nadeln (viele Individuen) verursacht?


    LG, Bernd

    Hallo allerseits,


    im Moorwald hatte ich neulich an toter Kiefer noch eine kleine, dicht stehende Nadel auf gelbem Lager. Das ich in Erwartung - wird wohl Chaenotheca chrysocephala sein, die ich dort schon gesehen hatte - mitgenommen habe. Zudem natürlich eingedenk dessen, dass auf dieser noch eine rein schwarze Chaenothecopsis consociata parasitieren soll.


    Was ich gefunden habe passt zu keinem davon richtig, aber auch zu keiner anderen Art, die mir bisher in der Literatur begegnet ist. Wobei erschwerend hinzukommt, dass die noch unreif und damit weder Asci noch Sporen vorhanden sind. Auffällig, dass alle mehr oder weniger in gleichem Reifestadium sind.

    Vor Ort


    Auflicht

    Die Anzahl der Köpfchen ist variabel, diese oben gelblich pigmentiert, Die Nadeln sind maximal 0,6 mm hoch

    Wasser, sieht ein bisschen aus wie Schlangenzucht im Dschungel

    KOH 3%

    wieder Wasser

    Pigmentierung mit Körnern < 3 µm

    stärker gequetscht

    Stiel

    Algen rund

    Melzers, ohne neue Erkenntnisse

    KR, Stiel

    Köpfe

    ein ganz junges/kleines Exemplar, 170 µm


    Bei Chaenotheca chrysocephala würde man zwar gelblich bereifte Köpfe erwarten, die vor der Bildung des Mazaediums den ganzen Kopf einhüllen, aber diese Art sollte nur in seltenen Ausnahmen vielköpfig sein. Die Algen, das klumpige gelbe Lager würden passen. Bei Chaenothecopsis consociata hingegen ist eher keine gelbliche Pigmentierung zu erwarten, wobei die dann häufiger vielköpfig sind - etwas auf der Abbildung die bei Wirth et al. 2013 Flechten Deutschlands gezeigt wurde. Und in dem Falle wären ja zumindest einige Nadeln des Wirtes Ch. chrysocephala zu erwarten.


    Für eine eventuelle Bestimmung wird man reife Exemplare brauchen. Bisher sehe ich jedenfalls nichts was passt.


    LG, Bernd

    Hallo allerseits,


    den Pilz hatte ich schon mal angefragt - auch damals in genau der gleichen Vergesellschaftung mit Mycocalicium subtile auf Kiefernholz - da hatte Matthias Reul den sofort identifiziert


    Es ist also wieder Exarmidium inclusum.


    Liebe Grüße,

    Bernd

    N'abend miteinander,


    von einer toten Kiefer im Moorwald stammt ein kleiner (bis 0,5 mm Durchmesser), brauner Becher, der aus dem Substrat hervorbricht, was an den teils oberhalb befindlichen Holzfasern zu sehen ist.


    Die links. Die Stecknadeln kann man hier ignorieren. Es gibt zwar eine ähnliche Verfärbung im Substrat, ich glaube arba nicht, dass das auf eine endosubstratische Lichenisierung deutet.

    Wasser

    Asci so 65-80*10-12 µm, 8-sporig. Die Sporen michelinartig, 3 Septen. Paraphysen dünn, keine Verdickung

    Melzers, J- nach meinem Verständnis

    Versucht zu schlüsseln habe ich, bin aber zu keinem befriedigenden Ergebnis gekommen.


    Danke für's Anschauen und eventuelle Wegweiser.


    LG, Bernd

    Hallo allerseits,


    nach dem wüsten Durcheinander vieler Arten an den eingangs gezeigten Eschen, einem weiteren Fund von Scl. peronella an Eiche - auch dieser vergesellschaftet mit vielen anderen Arten, habe ich nun ganz in der Nähe Scl. peronella an einem hohlen Ahorn gefunden - im Reinbestand ohne andere Arten.

    Der Baum war schon vor 30 Jahren abgebrochen, keine Ahnung ob Sturm, Blitz oder Schneelast. Möglicherweise auch infolge von Verletzung durch diese in den 1980ern so angelegte Straße. Da innen hohl, ist das Alter schwer abzuschätzen, aber kaum über 80 Jahre alt. Und wie man sieht gänzlich bescheiden zwischen Kiesstraße und Acker. Nichts, wo man extrem seltene "Urwaldarten" erwarten würde.


    LG, Bernd

    Moin,


    ich war die Tage mal schauen, wie es im Mikadowald (Mischwald mit Mikado) so aussieht. Und bei der Gelegenheit auch gleich noch die Reste des Gutsparks daneben, aber nicht mehr zum NSG gehörend abgeklappert. Sah eigentlich nicht so ergiebig aus. Aber es sind doch 10-12 Stecknadelarten zusammengekommen - in 2 Stunden.


    Erstes Ziel war diese dicke Eiche im Wald

    Die hat Chaenotheca furfuracea, die ich sehr oft größer finde, als die Literatur es nahelegt, hier ~4 mm

    Dann noch die omnipräsente Ch. trichialis, das gelbe Mehl gehört nicht dazu, ist aber immer irritierend, wenn es solchen Belag obendrauf gibt

    Daneben steht eine Zwillingsfichte, auch schon etwas älter, bei der ein Zwilling nun umgefallen ist

    zwischen den Stämmen lebten offensichtlich Bienen

    unweit ein paar schicke Schmetterlinge

    und Mikado gibt es auch noch


    Der Wald geht später in Bruchwald über, an einem Grauerlenzweig diese Gebilde, die ich für Stenocybe pullatula hielt, in jung. Aus der Mikroskopie werde ich nicht schlau - aber kann schon sein, dass die in jung so aussehen

    An Fichtenstubben gab es Antrodiella citrinella

    eine hutlose Antrodia

    und riesige Mycena epipterygia

    weiter an einem Weidenstubben

    da gibt es Phleogena faginea

    und Chaenotheca brachypodia vermischt mit einer schwarzen Stecknadel

    Während die gelbe Nadel klar ist, kam die schwarze unters Glas.

    die größten Exemplare knapp 1 mm

    präpariert wurden aber kleinere, Sporencluster und reichlich Asci

    Die Asci sind vollgepackt, 25-30 µm lang, +/- einreihig, Sporen (bis auf ganz wenige Ausnahmen) unseptiert, 4,5-6*2,5-3 µm

    Mit KR sollte man in den Ascus-Spitzen einen Kanal sehen bei Chaenothecopsi ... Aber Chaenothecopsis ist sowieso klar mit den kurzen Asci

    Das könnte Ch. savonica sein.


    Der Gutspark

    im fingerbreiten Riss einer Esche einige weiße Nadeln, offensichtlich Sclerophora - aber keine Chance die zu entnehmen. Der Riss wird sich irgendwann breiter, oder man muss eine lange Pinzette mitnehmen.

    Erstmalig an einer Linde Stecknadeln gefunden - Calicium viride

    in einem abgebrochenen Ahorn auf morschem Holz gab es Nadeln, ohne ersichtlichen Kopf

    Der Stiel sieht unterm Mikroskop halbwegs so aus, wie es sich für eine Stecknadel gehört, hat aber außen transparente, lang durchlaufende Hyphen - die ich so noch bei keiner Stecknadel gesehen habe.

    Unseptierte Sporen, auch die könnten zu Ch. savonica/nana passen

    die großem Konidien unten gehören nicht dazu

    eine andere Nadel hatte eher eckige Sporen - was ja nun zu gar nichts passt. aber selbst wenn man überlegt, dass das nicht der Kopf, sondern die basis der Nadel ist - Algen können das mit der Farbe auch nicht sein. Hat jemand vielleicht eine Idee?

    Also diese Art bleibt einstweilen ein Rätsel


    An Eichenholz gab es noch Calicium glaucellum

    an einer anderen Eiche eine gelbe Nadel mit Trentepohlia, wo ich auf Chaenotheca hispidula gehofft hatte, der rote Belag war aber wieder nur oben drüber. Die Nadel ist Ch. phaeocepahala


    Unbebildert gab es noch Mycacalicium subtile und Chaenotheca ferruginea

    Und dann war das leidlich Wetter auch wieder vorbei


    Danke für's Anschauen,

    LG, Bernd

    Hallo Martin, also bei reinen Flechten würde ich schon viel Beständigkeit erwarten, in dem Sinne, dass da nichts abgeworfen oder verschwendet wird. Wenn man zum Beispiel auf einer Steinoberfläche haust, ist es ja verdammt schwierig da neues Material als Ersatz ranzuschaffen. Anders sieht es wohl mit dem Zeitpunkt von Apothecienbildung, Wachstum aus. Dazu möchte man Feuchtigkeit haben und biologische Prozesse laufen bei etwas Wärme meist auch besser/schneller ab.


    Bei Pilzen, die nicht verflechtet (verflochten ist wohl das korrekte Wort im Deutschen, wenn, wie ich annehme Flechte zu flechten gehört) sind, die also wie hier saprotrophisch (oder in anderen Fällen parasitisch) agieren, besteht diese Not ja nicht. Die können vom Substrat/Wirt zehren.


    Bei den dazwischen liegenden Stecknadelflechten meine ich in Bezug auf das Erscheinen und die Frische der Apothecien auch Saisonalität zu erkennen. Das Scheunentor mit Ch. phaeocephala etwa hatte kaum noch junge bunte Apothecien und der ganze Belag war mit Spinnennetzen (oder so, den Urheber habe ich nicht gefunden) verwoben und das Ganze deutlich schwerer als Stecknadelflechte zu erkennen. Sowas wie Calicium glaucellum, die ich auch im Sommer und frühen Herbst reichlich gefunden hatte, wies fast nur leere Beere Becher auf, ohne Mazaedium und auch im Präparat oft nur mit ganz wenigen Sporenresten.


    Ich hatte mal versucht Peltigera zu markieren und über einige Zeit zu verfolgen, aber das erwies sich als sehr schwierig - lange tut sich gar nichts, dann ist was abgerissen, oder der ganze Fleck ist weggeschleppt, neue Lappen von irgendwoher dazugekommen. Da habe ich den Überblick verloren. Am ehesten ist mir das noch mit der hier gelungen (Eine Peltigera → P. (neo)polydactyla), weil die sich auf genau den einen Baumstamm beschränkt - da müsste ich dann Bilder vom letzten und diesem Jahr nachtragen. Aber auch die sieht immer anders aus und teils an anderen Stellen


    LG, Bernd

    Hallo allerseits,


    im späten Frühling und im Sommer konnte ich die Art nicht mehr finden, wiewohl auf dem Hof vorhanden. Der Gedanke lag nahe, dass diese Art, wie andere Pilze auch, eine gewisse Saisonalität hat. Wozu man in der Literatur aber nichts oder nur wenig findet. Jedenfalls habe ich dieser Tage mal wieder geschaut und siehe da, ich wurde auf Anhieb fündig - wie üblich pflegeleicht auf Augenhöhe. Nun kann man zwar aus diesen wenigen Beobachtungen und den Nicht-Beobachtungen noch kein definitives Verhalten ableiten, aber zumindest eine Arbeitshypothese. Ähnliches sehe ich auch bei Stenocybe pullatula - die ist mir seit dem späten Frühling auch noch nicht wieder untergekommen.


    LG, Bernd

    Moin, bei etwas Sonne im sonstigen Grau war ich gestern mal eine Stelle besichtigen, wo ich länger nicht war und auch noch nie im blätterlosen Zustand. Das ist eine Erhebung in einstigen Feuchtwiesen, jetzt mit dichtem Grabennetz leidlich trockengelegt und gelegentlich gemäht, die mit Wald, vorrangig Eichen, laut Waldkataster um 150 Jahre, bestanden ist. Viel gab es nicht, immerhin war ja auch schon eine Woche Schnee, so um 12 cm, die aktuell aber wieder weg sind.


    Zeigen möchte ich eine Lentaria, die recht zahlreich in der Borke einer abgebrochenen Eiche hauste und frisch wirkte. Rosa, bis leicht ockerfarben. Ziemlich klein, bis 15 mm hoch, mehrfach verzweigt, nicht binär, besonders in der letzten Verzweigungsinstanz.


    Das Kunstlicht im Auflicht verfärbt, das ist nicht Ergebnis des Trocknens - die sehen immer noch rosa aus.

    Sporen sind zahlreich zu sehen, bunt vermischt in diversen Entwicklungsstadien, teils sehr schlank, teils noch gnubbelig

    Ich hätte bei so vielen Sporen erwartet, dass man die dann auch im reichlich Präparat sieht. War aber nicht, nur ganz vereinzelt

    KR

    BWB scheint überhaupt alles aufzulösen, Querschnitt

    Spitze in Melzers

    Sporen 9-12*3-3,5 µm

    Basidien lang und schlank, separiert gekriegt habe ich die nicht

    Da es zu den Lentaria kaum Literatur gibt und bei so ziemlich allen Arten auch nur einzelne Funde, gehe ich nicht davon aus, dass die bestimmt werden kann. Aktuell habe ich den Beleg noch. Und vielleicht gibt es zum Abend auch einen Sporenabwurf. Sporen waren ja im Auflicht eigentlich genug zu sehen.


    LG, Bernd

    N'abend,


    auf einem heruntergefallenen, noch teils berindeten Grauerlenast fiel mir heute ein relativ großer (~6 mm) brauner Becher auf.

    nur mit einem kurzen Stiel angewachsen

    In Wasser, Asci so 170-210 µm lang, Sporen halbwegs einreihig, 18-22 (26)*7-10 µm, mit Tropfen, freie Sporen oft mit je einer Kuller an den Enden, dann über alles bis 30 µm lang. Daneben noch kleine Dinger, die evtl. als Konidien dazugehören könnten.

    Außenseite des Bechers

    In Melzers J+, die Tropfen in den Sporen sind weg, dafür sieht man in den freien Sporen jetzt je 3 wellige Septen


    Beim Schlüsseln komme ich in den Großraum Pezicula - wobei die Arten, die da finde, alle deutlich kleiner beschrieben werden.


    LG, Bernd

    Naja, der Unterschied ist die Effizienz.

    Fakes erforderten "früher" einen wesentlich höheren Aufwand.

    Hallo, ja, das ist ein interessanter Punkt. Damit könnte man vielleicht erwarten, dass Medienkonsumenten prinzipiell kritischer werden und nicht mehr alles glauben, nur "weil es in der Zeitung steht", "im Fernsehen kam" oder "von Experten gesagt wurde". Das wäre doch ein sehr nützlicher Nebeneffekt?


    Hadmut Danisch hat aktuell auf seinem Blog eine Reihe von Diskussionsbeiträgen dazu, dass KI auch Inzest betreibt, also dass irgendwann eine KI mehr mit Bildern (Texten, Musik) gefüttert wird, die selbst schon von einer KI stammen und sich das dann verselbständigt. Oder auch indem die KI die Nummern von Gerichtsentscheidungen als stilistisches Mittel erkennt und dann in juristischen Texten einfach solche Nummern und die dazugehörigen Gerichtsentscheidungen erfindet.


    Sind KI-Fotos billiger? Formal wohl schon. Aber man sollte doch von jemandem, der ein Kochrezept publiziert, schon erwarten, dass er das selbst mal gekocht hat. Und das kann man ja nur, wenn man die Zutaten auch gehabt hat. Und bei der Omnipräsenz von Fotohandys, die meist sehr gute Alltagsbilder machen, sollte es dann auch Fotos von den Zutaten geben.


    Richtig spannend wird es erst, wenn die KI selbst einen Verlag gründet und Konten eröffnet (beim KI-Kumpel von der Bank). Vielleicht gibt es das Buch auch gar nicht und das wurde nur virtuell vom KI-Kumpel bei Amazon eingestellt?



    LG, Bernd