Beiträge von kruenta

    Hallo Hilmgrid, Kälte mögen die. Das ist sicher kein Hindernis, im Gegenteil. Thüringen ist ja auch bei den Flechten gut kartiert. Da sieht es eigentlich ziemlich gut aus - also jedenfalls wenn man erstmal nur irgendeine Nadel finden will. Zum Beispiel Chaenotheca ferruginea https://www.flechten-deutschla…rruginea-turner-ex-sm-mig

    die wächst auf der Rinde von (meist älteren) Fichten und Kiefern, oft bequem in Augenhöhe, eher windabgewandt und ist mit gelblich-orangen-rostigen-grauen Lagern eigentlich schon ganz gut aus mehreren Metern zu sehen. Die Nadeln sind dunkelbraun bis schwarz und ziemlich kräftig. Nicht immer sehr zahlreich vorhanden.


    LG, Bernd

    N'abend,


    diese Tage habe ich diese Art auch ganz in der Nähe gefunden. Wieder an Harz einer Fichte, die diesmal noch dünner ist, nur gut 15 cm BHD. Biotop ähnlich, feuchter Wald mit Schwarzerle, Birke und Fichte.

    Die meisten Nadeln wesentlich jünger als beim vorherigen Fund, nur wenige mit entwickelten Köpfen und vielköpfige gab es gar nicht.

    In Wasser und Kongorot sind noch dunkle Pigmente zu sehen, die eventuell zu den Paraphysen gehören

    In Melzers sind die nicht zu sehen. Asci sind reichlich vorhanden, aber nicht besonders kooperativ beim Separieren.


    LG, Bernd

    Du kennst "Wissenschaft" aber auch hauptsächlich aus dem Marketing?


    Der Begriff der "Erfahrung" in der Wissenschaftstheorie/Pholosophie ist Dir aber schon mal untergekommen? Von jemandem, der das Wort "Kategorienfehler" verwendet :D, würde ich das schon erwarten. "Whataboutism" heißt im Deutschen normalerweise Gleichnis, Vergleich, in der Juristerei auch gern Präzedenzfall. Das sind alles legitime und übliche Formen der Argumentation. Verwendung des Wortes "Whataboutism" zeugt normalerweise von intellektueller Faulheit. Übrigens wäre Dein Verweis auf den (europäischen) Aderlass zum Zwecke der Diskreditierung der TCM natürlich auch ein "Whataboutism" :D


    Manche Sachen entziehen sich dem Experiment, können aber ggf. beobachtet werden. Man kann zum Beispiel nicht einfach einen Vulkan zum Ausbruch bringen (oder die Sonne zu einer Eruption) - nichtsdestotrotz sind die Messungen dabei, gerne auch ganz banale Beobachtungen und Erfahrungen von Leuten, die zufällig zur rechten Zeit am rechten Ort waren, relevant zu deren Beurteilung. Jedes Experiment, an dem man teilgenommen hat, wo man Messwerte, Beobachtungen etc. hat, ist ein Teil der Erfahrung. Nicht jedoch andersherum.


    Das englische Wort für Erfahrung experience ist übrigens ein ganz ganz enger Verwandter von Experiment - die gehören zu lat. ex-periri "aus-probieren"


    LG, Bernd

    Man darf "Erfahrung" nicht mit "Wissenschaft"

    naja, ohne Erfahrung kommt man in der Wissenschaft nicht weit. Versuch doch einfach mal, statt Erfahrung das Wort "Experiment" zu verwenden, oder auch "Nachmessen in der Natur". "Versuch".


    Dass Aderlassen, Arsen, Blei lange angewendet wurde - kann das vielleicht auch daran liegen, dass die Medizin institutionalisiert wurde? Und die Mediziner irgendein Alleinstellungsmerkmal brauchten? Zumal ja die Medizin in Europa im Schatten der Theologie stand und eher nicht so dem Experiment verbunden war? Und die Ärzte auch eher nicht über die Plausibilität ihrer Methoden mit den (dummen) Patienten verhandelten? Semmelweiß, selbst Mediziner, wurde von seinen Kollegen in die Klapse gebracht, weil er von Händewaschen sprach.


    Bei Homöopathie scheint es aber auch keine Schäden zu geben. Sollte es ja auch nicht geben können, wenn man der Methode mangels Wirkstoffen jegliche Wirksamkeit abspricht. Also abgesehen von Placebo. Damit ist man schon deutlich weiter als bei vielem was die "wissenschaftliche Pharmazie" so in den letzten Jahrzehnten ausgeheckt hat, DDT, Kontergan, Lipobay ...


    LG, Bernd

    Hallo,

    krempeln sich mir sämtliche Fußnägel hoch

    sehr empfindliche Fußnägel, hast du da. Kann man das behandeln? Du solltest vielleicht mal die TCM versuchen :D


    Also ich kann beim besten Willen da nichts Verwerfliches erkennen. Die Aussage, dass "die TCM lange Erfahrung mit Heilpilzen hat" ist richtig. Und es heißt auch nicht, dass sie "nur" mit Pilzen Erfahrung habe (über Tiger und deren Körperteile wird nichts gesagt - allerdings ist mir auch keine Doppelblindstudie bekannt, die über jeden Zweifel erhaben nachgewiesen hätte, dass die Tigerpenisse nicht wirken. Angesichts der Zahl noch lebender Tiger halte ich eine solche Studie auch für sehr unwahrscheinlich). Es heißt auch nicht, dass dies der Weisheit letzter Schluss ist oder über jeden Zweifel erhaben. Es ist sogar völlig egal, auf welcher theoretischer Basis (Farben, Säfte, Karma, Formen ...) ein Kandidat für eine Behandlung ausgewählt wurde. Was letzlich zählt, sind die Jahrhunderte Anwendung, dokumentiert oder mündlich überliefert. Im Normalffall wendet man das weiter an, was funktioniert. Was schadet oder nicht erkennbar hilft, wird eher verworfen. Und nein, auch die heutige Wissenschaft/Pharma kann Pharmaka nicht theoretisch erfinden. Sondern muss diese aufwändig testen um die entsprechende ERFAHRUNG zu erlangen.


    Ich würde nur die Formulierung "In Europa ging dieses Wissen weitestgehend verloren" dahingehend abschwächen "... wenn es denn je vorgelegen hat"


    LG, Bernd

    N'abend,


    auf dem Schreibtisch liegt noch ein Beleg von Chaenotheca chrysocephala rum (auf Fichtenrinde). Damit habe ich versucht ein Bild zu machen, dass die vielgefingerte Bernsteinstecknadel (rechts unten) im direkten Vergleich mit Chaenotheca chrysocephala (links oben) zeigt. Das Lager sieht schon sehr ähnlich aus. Gleichzeitig fehlen aber jegliche Hinweise auf normale Ch. chrysocepahala - in welchem Altersstadium auch immer.

    In der Literatur gibt es auch ein paar Arten von Chaenothecopsis, bei denen es aussieht, als ob die nur gelegentlich Köpfchen ausbilden, etwa Chaenothecopsis matai.

    Hier mal ein paar Nadeln, wo der bersteinige Belag nicht vorhanden ist


    Das bleibt also weiterhin ein Rätsel,

    LG, Bernd

    Hallo allerseits,


    Matthias Herbarium umfasste über 10000 Belege/Einträge. Die letzte Nummer, zu der ich Ergebnisse erhielt, war #11639. Ins Herbar aufgenommen und nummeriert hat er Proben erst nach mikroskopischer Bearbeitung. Einen Beleg mit einer Nummer "24" auf einer Packpapiertüte, wozu die Inventardaten in einer Datei befindlich sind, wird ein Außenstehender selbst beim besten Willen nur schwer zuordnen können. Zumal ja mittlerweile auch einiges an Zeit verstrichen ist.


    LG, Bernd

    N'abend,


    ein schwieriges Thema.


    Im Herbst 2024 hatte ich diesen Pilz (vermutlich) wiedergefunden, wieder auf der selben Weide in Pferdemist ähnlichen Alters. Aber deutlich kleiner, weniger ausgeprägt, dafür 2 Stück.

    Im späten Winter sahen die dann ziemlich mitleidig aus und wurden geerntet. Und gingen an Matthias.


    Soweit ich weiß, hatte er geplant AlexanderK um das Sequenzieren zu bitten. War aber nicht mehr zum erneuten Mikroskopieren gekommen, also sicher auch nicht zum Verschicken des Materials. Ich hatte mich damit zurückgehalten, da beim Präparieren ohne Stereolupe doch erheblicher Verschnitt anfällt und die Proben nicht viel hergaben.


    Stand heute ist damit auch der zweite Fund als verschollen anzusehen.

    LG im Gedenken an Matthias,


    Bernd

    Hallo Martin, ja immer gern, danke. Ich habe ja nur aufgeschrieben, was ich gesehen habe. Wenn das das ist, was normal ist und zu erwarten ist - umso besser. Ich bin mir halt nicht sicher, was hier artspezifisch sein könnte und damit relevant oder was so bei +/- allen Flechten ähnlich auftritt. Deswegen schreibe ich halt erst mal alles auf, was mir aufgefallen ist. Dass mir dabei geholfen wird, das dann zu sortieren, schätze ich sehr.


    Das mit den Sporen könnte schon gut sein, dass die langen schmalen einfach eingetrocknet sind oder sich nicht haben entwickeln können. Vielleicht ist das auch ganz banal, wenn junge Asci mehr oder weniger dünn sind und die sich dann bei Reifung zu dicken Beuteln entwickeln, dann kann ja der Platz fehlen für die sich etwas später entwickelnden Asci. Klingt das plausibel?

    Denn beide Formen hatte ich ja auch schon in der Erstuntersuchung und die war ganz frisch von draußen. Während gestern und heute die Probe natürlich schon über eine Woche liegt und viel zu warm und trocken sicher eingetrocknet ist. Ob wiederbelebbar?


    Ach ja, die ganz eingangs genannten einzelnen Nadeln neben Ch. phaeocephala haben sich auch als Ch. ph. herausgestellt. Anscheindend kommen da beim Expandieren erst die Nadeln, bevor das Lager sich dann auch entwickelt. Und - die scheinen den Frost wirklich zu lieben, die sind in voller Farbe aufgeblüht


    LG, Bernd

    N'abend,


    mit mikroskopischen Bilder von Cyphelium-Arten sieht es im Netz dünn aus


    ich hab' mal weiteres Bildmaterial erstellt, zunächst in BWB - sehr zäh, aber sie lösen sich etwas und gehen schließlich zu quetschen

    reife Sporen treten in 2 Formen auf, zum einen länlich, fast zylindrisch mit Längskerben, bis zu 18*5 µm groß

    und eher breite, bis 17*9 µm, bei denen die Längs-/Schrägfurchen nicht so ausgeprägt sind

    beide Formen sind nebeneinander zu finden und sehe bisher keinen Anhaltspunkt, dass das nur verschiedene Altersstadien sind, oder was ggf. die Einschrumpelung bewirkt

    Sporen im Asci haben oft noch Blasen/Tropfen auch nach der Herausbildung der Septen

    vor der Herausbildung der Septen sind diese Tropfen/Blasen weit stärker ausgeprägt, natürlich fehlt auch die Einschnürung. Statt der braunen Farbe, färben sehr unreife Sporen bläulich ein

    Die Blaufärbung im Ascus ist noch deutlich vor Herausbildung der einzelnen Sporen - es verbleibt aber am Rand der Asci ein ungefärbter Teil

    weitere Bilder

    Pilzhyphen, das ins Substrat reicht?


    In Melzers hab ich das Ding nicht gequetscht gekriegt, da gibt es also nur Algen, Unterbau und etwas vom Mazaedium. Ich würde mal sagen, dass die Pilzhyphen für eine Flechte ziemlich dominant sind


    Sehr starke Strukturierung der Algen in Melzers - aber das ist vielleicht immer so und mir bisher nie aufgefallen


    Man kann nun sagen, dass die Asci erst relativ spät verschwinden. Und dass diese nicht zylindrisch, sondern, wenigstens teilweise deutlich beutelig sind, mit entsprechend angeordneten Sporen.


    Ich hatte wegen dieser Art auch Klaas van Dort angeschrieben, der das holländische Büchlein "Coniocarpen ..." verfasst hat. Für ihn ist das was Unbekanntes, er stimmt aber zu, dass das so aussieht, wie eine Art aus dem Komplex, der früher komplett zu Cyphelium gehörte.


    LG, Bernd

    Hallo Felli, diese schwarzen Punkte scheinen mir sehr häufig an der Art vorzukommen. Da habe ich mir bisher nie den Kopf zerbrochen, ob das Isidien sein könnten. Wenn Du hier schaust, dann haben die auf Bild 1 und 5 auch solche dunklen Punkte

    Pleurosticta acetabulum (Neck.) Elix & Lumbsch
    Thallus foliose, heteromerous, dorsiventral, broad-lobed, forming very large, 10-20(-35) cm wide rosettes. Lobes (0.5-)1-1.5(-2.5) cm wide, with rounded and…
    italic.units.it


    LG, Bernd

    Hallo Felli, bei einer Flechte die so wie deine 3 aussieht kam ich auch zu muralis - was auch immer aktuell der Vorname ist.

    Nr. 5 kannst du mal mit Pleurosticta acetabulum vergleichen.


    LG, Bernd

    Hallo Christoph,


    das 2024 paper von DE Hume habe ich gelesen. Einen wissenschaftlichen Beitrag sehe ich da nicht, ist wohl eher als Übersichtsartikel gedacht. Gut, die muss es auch geben. Zudem haben sie den Vorteil, meist viel häufiger zitiert zu werden. Auffallend ist, dass die Einleitung ziemlich genau mit der Conclusion übereinstimmt (nicht wortwörtlich, aber sinngemäß), also ein typischer Zirkelschluss. Mit dem einzigen halbwegs konkreten Beispiel von 100.000 toten Tieren in Australien, dem ich erst mal mit Skepsis begegne. Das sieht doch apriori eher nach Infektionskrankheit aus als nach schlechtem Futter. Oder nach Agrarchemie.

    Interessant, dass UK gesondert neben Europa genannt wird. Das wäre wie "Australien und Tasmanien".


    Einen ordentlichen Artikel zum Wirkmechanismus, Wirkstoff mit reichlich Literatur zum Weiterstörbern hat die englische Wikipedia https://en.wikipedia.org/wiki/Lolitrem_B

    Dem Trend zur Zitatepickerei folgend, daraus:

    Zitat

    but cases of perennial ryegrass staggers are rare outside of Australia and New Zealand; the reasons for this are unclear



    LG, Bernd

    Hallo,


    Pilze bilden ja eine ganze Menge an hochkomplexen organischen Substanzen aus. Variierend mit dem Entwicklungsstadium. Entsprechend variierend im Heu je nach Zeitpunkt der Mahd. Und dann kommt noch hinzu, dass die entweder zerfallen oder von wieder anderen Organismen abgebaut werden. Was wiederum zu jeder Menge organischer Zerfallsprodukte führt.


    Ob da ein Labor viel Sinnvolles erreichen kann? Man kann das durch ein Massenspektrometer jagen und mit etwas Glück den einzelnen Signalen auch Moleküle zuordnen, was oft genug nicht eindeutig ist, weil gleiche Summenformeln (=Masse) aus unterschiedlichen Strukturen entstehen können. Aber es ist nicht so, dass man tatsächlich alle möglichen organischen Moleküle kennen würde und diese katalogisiert hätte, samt Toxizität.


    Wirklich sinnvoll kann ein Labor erst agieren, wenn man eine ganz konkrete Fragestellung hat, etwa - ist dort das chemische Element ZZ enthalten, wenn ja in welcher Menge. Oder - ist das organische Molekül XYZ mit bekannter Toxizität enthalten.


    Andernfalls dominiert das Experiment und empirische Daten (das ist die Basis für jede Wissenschaft, man darf sich da nicht von den in den Medien kolportierten "anekdotischen Fällen" irritieren lassen - es sind alle diese Einzelfälle, die in der Gesamtheit die Grundlage für Wissenschaft bilden). Wenn Du das Heu verfüttert hast - haben Deine Pferde da eine Auswahl getroffen? Wie war das auf der Weide? Wie lange hast du das gefüttert, bevor Du die Pilze bemerkt hast?


    LG, Bernd

    Jetzt habe ich die Story beim Uniblatt auch noch gelesen. Kommt ganz schön religiös daher mit 3x "believe".


    Abgesehen davon ist die Stelle, die Christoph so gefallen hat

    "The scientists believe that the risk of poisoning for horses, cattle or sheep can be reduced with relatively little effort: "Farmers should increase the diversity on their pastures and avoid monocultures, especially of perennial ryegrass," Jochen Krauß says. Mass poisoning of livestock occurs mostly in areas where the animals are forced to feed on the toxic grass because there are no alternatives. On meadows which are home to a variety of different plant species, the animals can switch to other grasses and thereby avoid high toxin levels."

    schon interessant. Wenn man mehr Arten an Gräsern und Kräutern hat, hat man folgerichtig und unvermeidlich auch mehr Arten an Pilzen, die an diesen wachsen und denen die lieben Tierchen ausgesetzt sein können. Was man mit der Diversifizierung eigentlich nur erreicht ist, dass keine Art dominant wird und man damit die Dosierung der evtl. giftigen Pilze niedrig hält. Implizit wird damit angedeutet, dass das Problem nicht durch das Vorhandensein von giftigen Pilzen entsteht, sondern erst dann, wenn es aufgrund von Monokulturen zu hoher Dosierung kommt.


    LG, Bernd

    Hallo Christoph, Du referierst hier nur unter Verwendung eines anderen Sekundärartikels auf die selbe Originalarbeit, die Stefan oben genannt hatte, und die ich bereits gelesen und als untauglich (zum Nachweis von Fällen der Toxizität bei Pferden) befunden habe. Nochmal für Dich, du hast die offensichtlich nicht gelesen: das ist eine mykologische Studie, bei der auf Wiesen und Weiden erfasst wird, welche Pilzarten vorkommen und welche Stoffe diese beinhalten. Die haben mit Pferden und anderen Tieren gar nichts gemacht.


    Dass etwas giftig ist, klar. Wie es heißt, ist ja alles giftig - oder ungiftig - nur die Dosis macht den Unterschied.


    Schönes Zitat "The scientists believe ..." Steht übrigens nicht im Artikel. Nur im Unianzeiger.


    LG, Bernd

    Hallo Stefan DD,


    die Originalarbeit, welche das Veterinärblatt zitiert, schreibt aber gar nichts zu Vergiftungsfällen und Tieren. Die machen nur eine Inventur, welche Pilze auf Wiesen und Weiden vorkommen. Und untersuchen deren chemische Zusammensetzung mit lediglich theoretischen Erwägungen, dass diese oder jene Stoffklasse für Tiere gefährlich werden könnte, ohne den genauen biochemischen Wirkmechanismus zu benennen oder gar experimentell zu verifizieren [ein plausibler Wirkmechanismus]. Weiterhin fehlt der Nachweis, dass die Tiere das Zeug auch gefressen hätten und es ihnen innerhalb einer plausiblen Zeitspanne danach gesundheitlich schlechter ging. Dann hätte man eine Korrelation hergestellt. Wenn man dann auch noch zeigen könnte, dass die Reaktionsprodukte des vorher etablierten Wirkmechanismus vorhanden sind, dann, erst dann, könnte man anfangen, von einer Kausalität zu reden.


    Und dann gehört natürlich noch eine solide Differentialdiagnose dazu. Diverse Diptera übertragen auch gern Krankheiten und/oder Toxine. Manche Pflanzen können giftig sein auch ohne Zuhilfenahme von Pilzen. Die genannte Klasse der Loline dürfte auf Lolium temulentum zurückgehen, das unter anderem Taumelgras genannt wird. Kürzlich irgendwelche Medikamente gespritzt? Nebenwirkungen davon? Wasser abgestanden? Gab es forstliche Maßnahmen, um den Wald mit Insektiziden zu besprühen? Hat in Nachbarschaft jemand Agrochemie eingesetzt? Glyphosat etwa? Und schließlich steht die Frage, wo waren Petrow und Boschirow.


    LG, Bernd

    Hallo allerseits, normalerweise sind diese Pilze ja an den dicken Stängeln, die vom Vieh gar nicht gefressen werden. Gerade Pferdchen sind da sehr wählerisch - meine jedenfalls. Weder auf der Weise noch im Heu.


    Christoph sagt "Epichloe im Verdacht" - gut, kann man verdächtigen. Sonst gab es keine weiteren Verdachtsmomente?

    Stefan geht noch weiter mit "nachgewiesene Todesfälle von Weidevieh" - die Akte vom Leichenbeschauer möchte ich sehen. Läuft wahrscheinlich auch darauf hinaus "Verdacht und es gab keine anderen Ideen für sonstige Verdachtsmomente" - "wir wissen es nicht" kling ja zu unseriös ... Ihr seid ja beide Naturwissenschaftler - seid Ihr Euch sicher, dass "Nachweis" nicht allzu leichtfertig verwendet wurde?


    Ziemlich harter Tobak hier.

    Wenn genug Heu da ist, kann man gucken, ob man die anderen Ballen erst verfüttert. Im Sinne der Risikominimierung. Als gesichert schädlich würde ich das nicht ansehen. Nachweisen, dass es grundsätzlich und immer für alle Tiere unter allen Randbedingungen unschädlich ist, wird man aber auch nicht können. Das ist prinzipbedingt schwerer als nachzuweisen, dass aus einer begrenzten Stichprobe von Tieren unter ansonsten gleichen Bedingungen, diejenigen die das entsprechende Heu bekommen gesundheitlich Defizite haben im Vergleich zur Kontrollgruppe mit Heu ohne diesen Pilz.


    LG, Bernd

    Hallo Stefan, damit bist Du hier schon richtig. Nur wird die Qualität der Fotos nicht reichen. Und alles was man sonst an Informationen benötigt.


    Manche Pilze sind wirtsspezifisch - da wäre es wichtig zu wissen, welches Gras das ist (kannst Du bei dem Pilz solche wirtsspezifische Verbreitung feststellen oder ist der eher überall?). Andere sind eher Universalisten, die gehen an alles. Da wäre dann eher wichtig, wo und wie das Heu gelagert wird.


    Erstmal zum Pilz, die meisten Handys haben doch einen Makromodus, damit man etwas im Detail sehen kann. Eine Beschreibung wäre auch hilfreich - ich vermute aus den Fotos, dass es um einen weißen, schmierigen Belag geht? Deine Hände und Fingernägel sind übrigens irrelevant :D


    Das Heu stammt von Sommer 2025? Was für eine Wiese? Fett, mager, naturnah oder frische Saat? Im Ballen gelagert oder lose? Wenn das Heu beim Pressen noch nicht komplett trocken war (zum beispiel, weil man lansam trocknende dickstängelige Arten dabei hat), dann hat man natürlich auch immer Schimmel. In Folie oder im Netz? Überdacht oder wetterbeeinflusst?


    LG, Bernd

    Hallo allerseits, bei Sonne habe ich mal wieder das Scheunentor studiert, diesmal die Westseite (=Wetterseite). Der Flügel dürfte noch das Original aus den 1930er Jahren sein. Wie man sieht, sind die Bretter unten alle schon großzügig ausgefranst.

    Da gibt es einiges an Arten, an Stecknadeln hatte ich bisher aber nur Ch. phaeocephala. Und die anderen ignoriere ich ja normalerweise. Eigentlich hatte ich gester eine schwarze Nadel gesehen, die heute bei anderen Lichtverhältnissen nicht wiederzufinden war. Kommt vor bei so Kleinzeug.

    Dafür ist mir diese graue Flechte mit verdächtig umrandeten Apothecien untergekommen.

    Unterm Auflicht ist die Oberfläche rau, könnte gut ein Mazaedium sein, die Apothecien (also nur der schwarze Teil) ist bis zu 0,4 mm im Durchmesser.

    mit dem 25er sieht das schon aus wie eine einzelne Spore, links, ziemlich weit oben:

    in Wasser, vom Rand

    Apothecium in KOH 3%, die Anordnung der Sporen entspricht noch denen von Asci, welche aber nicht mehr zu finden sind, Sporen braun, septiert, leicht eingeschnürt. Relativ glatt abgesehen von vereinzelten schrägen Kerben


    gleicher Beleg, nur deutlich mehr gequetscht

    Algen grün, rund und ziemlich groß; Sporen bis 18*10 µm, mitunter auch zerbrochen oder gänzlich unförmig


    Von den ungestielten coniocarpen Arten hatte ich bisher noch nichts. Bei Thelomma / Pseudothelomma heißt es, dass die selten Apothecien hat und stattdessen Isidien - die ist es dann wohl nicht. Italic 8 hat nicht viele Arten aus der Gruppe. Bei Wirth et al. 2013 komme ich am ehesten zu Cyphelium trachylioides, insbesondere da die Apothecien in Thalluswarzen eingesenkt und nicht aufsitzend sein sollen.

    Zu der Art gibt es leider kaum Vergleichsmaterial ... und bei Indexfungorum gehört die gar zu Arthonia


    LG, Bernd

    Hallo Hilmi,


    da ich bisher noch nicht weiß, was das ist, und bisher nur einen Fund habe, kann ich dazu wenig sagen, ob nur an Kiefer. Aber meistens sind die Stecknadeln nicht so stark wählerisch wie die Literatur es ihnen vorgibt. Wenn meine Annahme zutrifft, dass das was mit Chaenotheca chrysocephala zu tun hat, dann wären die üblichen Substrate hier neben Totholz von hauptsächlich Kiefer auch Borke von älteren Fichten, Kiefern und Lärchen, laut Literatur auch noch Eiche.


    Mit 0,6 cm wäre das ja leicht. Es sind aber 0,06 cm. Da sieht man vor Ort, ohne Lupe, nur, dass da was drauf ist, was wie Nadeln aussieht.


    LG, Bernd

    Hallo Martin, hallo Brummel,


    ich nehme aber an, Du, Brummel, hast die wenigstens etwas größer gezüchtet. Bzw. die wachsen in den gut mineralisierten Parks von Chemnitz ohnehin in Normalgröße.


    Daran hatte ich auch gedacht, ob man nicht einen Teil des Belegs einfach in eine der toten Kiefern vor Ort inkrustriert und hofft, dass die dann weiter wächst - wenigstens bis zur Reverstauglichkeit :D


    Werde ich sicher eine Nachsuche starten, ist fußläufig, ca. 30 Minuten. Nur ist das im Moorwald, wo alles mehr oder weniger gleich aussieht und wo etliche tote Kiefern rumstehen, nicht so einfach, den konkreten Baum wiederzufinden.


    Bei Chaenothecopsis heißt es ja oft, dass die Stiele innen heller sein sollen "zentral aus unregelmäßig verschlungenen Hyphen aufgebaut", während der Rand aus "periklinen Hyphen und dunkler" sei, so Wirth et al. 2013. Aus der Literatur und dem Netz kenne ich nur ein einziges Bild, dass sowas zeigt:

    Ich habe das selbst noch nie so gesehen, obwohl ich mittlerweile 5 oder 6 Chaenothecopsis Arten unterm Glas hatte. Klar, nur Quetschpräparate, keine Schnitte läng, quer oder schräg und erst recht keine Dünnschliffe (was wohl die Methode der Wahl wäre).


    Dann stellt sich mir noch die Frage, wie das bei den nicht-lichenisierten saprotrophen Stecknadeln ist. Müsste man da nicht eigentlich auch Pilzhyphen im Substrat finden? Oder sind das alles einzelne Individuen, jeweils unabhängig aus Sporen gewachsen? Und ist die Verfärbung des Substrats, besonders deutlich etwa bei Mycocalicium subtile, durch Pilzhyphen im Substrat (1 Individuum) oder nur aufgrund chemischer Absonderung vieler Nadeln (viele Individuen) verursacht?


    LG, Bernd