Beiträge von kruenta

    Vidar


    Hallo Michael,


    das mit dem Lautwandel hat schon einen einigermaßen regelmäßigen Charakter (im englischen Sprachgebrauch wird sogar oft von "law" gesprochen)


    Typische Lautwandel zeichnen sich dadurch aus, dass sie mehr oder weniger universell auftreten und regional beschränkt sind. Sehr schöne Beispiele sind die germanische Lautverschiebung (im deutschen Kontext und Sprachgebrauch auch oft die 1. Lautverschiebung), bei der sich alle germanischen Sprachen von den anderen benachbarten und eng verwandten idg. Sprachen abhoben. Das umfasst sowas wie *p→f weswegen lat. pes etc. im deutschen Fuß, engl. feet ... wurde. Oder k→h, weswegen lat. caput (davon ausgehend →→→Kapitän) gegenüber dt. Haupt (→Hauptmann). Oder die 2., die hochdeutsche Lautverschiebung, die unter anderem für hochdeutsch Apfel vs. norddeutsch Appel, engl. apple ... verantwortlich ist. Im Rahmen dieser für den deutschen Sprachraum bekannten Lautverschiebungen kommt bp nicht vor. Im Sächsischen hätte man p→b anzubieten, aber das greift hier ja nicht. Auch dt. Zahn, Zwei, zähmen / eng. tooth, two, tame gehören zur 2. LV.


    Die Vorsilbe a- als Negierung gibt es im Deutschen nicht, nur in Entlehnungen. Die deutsche Entsprechung, die sich aus genau dem gleichen idg. Ursprung herleitet, wie das griechische a'- lautet nun mal un-. Man kann da nicht einfach willkürlich Zeug austauschen in der Argumentation, wenn man vom rekonstrierten Gang der Entwicklung abweicht. Dass es Entlehnungen immer gegeben hat, ist unbestritten und macht die Sache nicht leichter, aber man muss dann schon eine plausible Quelle anbieten können. Alternativ gibt es immer noch den Joker "aus einer unbekannten Sprache entlehnt" - was aber nichts weiter heißt als "wir wissen es nicht" - das wendet man aber eigentlich nur auf deutlich ältere Sprachschichten (Etruskisch, Altgriechisch ...) an, als das Ahd. Bei der Variabilität Aber- / Eber- hast du Recht, das gibt es so in den deutschen Sprachstufen (nicht als Lautverschiebung, sondern nur als relative Instabilität), da kommen dann aber auch noch Dreckeffekte hinzu, wie Volksetymologien, Assoziationen an andere ähnlich klingende Worte - so der Baum Eberesche an das männliche Schwein. Warum? Evtl. spielte der Geruch eine Rolle.


    Falls es dich beruhigt, ich habe in historisch vergleichender Sprachwissenschaft mit einem etymologischen Thema in der Indogermanistik promoviert. Was natürlich nichts daran ändert, dass es auf die Argumente ankommt. Was aber vielleicht dazu führt, dass man die Argumente als solche zur Kenntnis nimmt.


    LG, Bernd

    Der Screenshot, den Pilzfreund77 da eingestellt hat, stammt ja auch nicht von Temu (das war das Thema des Threads).


    Wenn jemand fragt, was vom Zeug aus China zu halten ist, dann macht es relativ wenig Sinn, darauf hinzuweisen, dass es des Betrugs verdächtigte Verkäufer in der EU gibt.


    EDIT: doch, es macht schon Sinn, insofern, als solche betrugsverdächtigen Angebote aus der EU natürlich als Quelle für das Training der Übersetzer-KI (oder auch eines menschlichen Übersetzers, der nicht vom Fach ist und hier den Begriff "Pilzsamen" findet) dient /EDIT


    EDIT2: der Verkäufer des Angebots von Pilzfreund77 sitzt auf Zypern, eine Ltd. und typische Briefkastenfirma ohne Niederlassung, im Handelsregister am 10.9.2025 eingetragen - da fällt es mir auch schwer, da eine Pilzzucht zu vermuten.


    LG, Bernd

    Zitat

    Also wer eine Anzeige einstellt, ist für deren Inhalt schon noch selbst verantwortlich. Wenn ich eine KI darauf loslasse und das Ergebnis ungeprüft veröffentliche, bin ich dafür verantwortlich, nicht "die KI".

    Insofern Zustimmung, als dass derjenige, der die KI zur Übersetzung auf die Seite "loslässt", für das Ergebnis verantwortlich ist. Allerdings ist das nicht der Verkäufer, sondern meistens der Käufer.


    Die Originalanzeige kann auf Chinesisch sein. Oder in welcher Sprache auch immer. Die Cookie Einstellungen lauten, automatisch "in die Sprache des Benutzers übersetzen". Was dann im Browser erledigt wird. Man kann sich ja heute viele Webseiten direkt übersetzen lassen. Und das kann man eben auch automatisiert vornehmen lassen. Nun wird jeder Benutzer vor Nutzung der Seiten die AGB absegnen (normalerweise ohne sie je gelesen zu haben). Ebenso wird der betreffende Nutzer die Datenschutz-Cookie-Einstellungen abgesegnet haben, womit er einer solchen automatischen Übersetzung (nicht rechtsverbindlich, nur zur Information) zustimmt und die entsprechenden Cookies auf seinem Endgerät speichert.


    Damit liegt die Verantwortung voll beim Käufer, der dann bestenfalls versuchen kann, die KI-CAT in Regress zu nehmen. Beim Verkäufer. bzw, der Verkaufsplattform, liegt nur dann Verschulden vor, wenn man nachweisen kann, dass die Originalsprache des Angebots falsch ist, und zwar im Rahmen der Origalsprache und deren Kultur. Und wie wir auch hier im Forum schon gesehen haben, ist das Marktangebot und die kulinarische Nutzung von wilden und gezüchteten Pilzen weitaus breiter als in Mitteleuropa. Üblicherweise mit traditionellen Namen für die Pilze, nicht den wissenschaftlichen.


    Natürlich kann man nie ausschließen, dass es im Einzelfall auch zu Betrug kommt. Bevor man dies aber öffentlich behauptet, sollte man die AGB und Cookieeinstellungen sowie ggf. die Originalversion des Angebots studiert haben. Im Extremfall könnte es passieren, dass man eine Diffamierungsklage am Hals hat.


    LG, Bernd

    Also gerade die Volksnamen sind eher ungeeignet, um einen Rechtsanspruch geltend zu machen.


    Du kannst ja mal nach Stone mushroom schauen - da wächst auch eher nichts. Mangels Chinesischkenntnissen hab ich auch keinen Vorschlag, was da ursprünglich mal dahintergesteckt haben mag. Die Übersetzung kann nach dem Prinzip erfolgt sein - wie heißt der am meisten geschätzte Speisepilz.


    Und dann steht die Frage, ob die Webseite überhaupt statisch auf Deutsch vorliegt, oder ob die erst bei Bedarf dynamisch in die abfragende Sprache übersetzt wird. Dann müsstet du die CAT-KI verklagen. Wenn man beim Chinesen einkauft, kann es sinnvoll sein, Chinesisch zu nutzen.

    Hallo Leute,


    das sind doch meistens Übersetzungen. Üblicherweise von einer KI. Und warum sollte die KI klüger sein als die NI? Schließlich wird sie doch an dieser geschult. Zudem dürfte die Namensgebung erheblich von den Anfragen der Käufer und Suchenden beeinflusst sein. Wenn jemand Steinpilzsamen sucht - bitte, soll er sie doch haben. Wir leben noch nicht im Sozialismus, wo es heißt "Hamwer nich" "Jibts nich". Die Markwirtschaft macht ein Angebot, wo eine Nachfrage ist. Funktioniert doch.


    Schließlich - wie sollte man die Dinger sonst nennen? "Substratkugeln mit vorgekeimten Steinpilzsporen"? Das läßt dir kein Marketingmensch (m/w/d) durch.


    Wenn man es genau nimmt is ja auch semen virile kein Samen im biologischen Sinne. Heißt trotzdem so in vielen Sprachen.


    LG, Bernd

    Hallo Willi,


    der Pilz findet nicht ausgerechnet diese Stellen, sondern er findet aufgrund der Unmengen an Sporen so mehr oder weniger alle Stellen. Wachsen kann er aber nur da, wo die Bedingungen passen :D

    Ich kann als Substrat noch Esche, Eberesche, Espe und Grauerle hinzufügen.


    LG, Bernd

    Wenn Du eh nicht am Okular arbeitest, sondern alles am Bildschirm ansiehst, dann hat das Binokular gegenüber einem Monokular gar keine Vorteile mehr. Absgesehen vielleicht von den mitgelieferten Ersatzteilen im 2. optischen Kanal :D


    Im russischen Märchen (und ähnlich in den anderen Slawinen) ist Iwan Durak (Im Deutschen auch als Dummer-Jan bekannt) der dritte Bruder, der immer als Tölpel gilt und seine Zeit bevorzugt auf dem Ofen verbringt. Trotzdem (oder gerade deswegen) ist er immer der erfolgreichste, wenn es zu wichtigen Aufgaben kommt. Auch ist er derjenige, der die Prinzessin kriegt. Der Schmied ist in der slawischen Mythologie als Vertreter der damaligen High-Tech-Branche den Göttern sehr nah. Nicht ganz unähnlich wie im Germanischen, etwa Wieland der Schmied aus den Heldensagen, oder agr. Hephaistos. Wenn also Durnik der Schmied, da eine wichtige Rolle spielte, greift das tief in das Repertoire der slawischen Mythologie (~vorchristlichen Religion).


    LG, Bernd

    Hallo Dominik,


    also die Firma Lomo existiert noch und sie baut auch weiterhin Mikroskope https://www.lomo.ru/production…mikroskopy-tekhnicheskie/ (mit dem slawischen Nutzernamen kannst Du das sicher lesen, auch wenn der Name selbst das Gegenteil suggeriert :D)

    allerdings eher in der Oberklasse. Ob da auch chinesische Teile verwendet werden (vermutlich) oder gar nur eine Umetikettierung (eher nicht) stattfindet, ersehe ich nicht. Der Markt der Kleinmikroskope wurde von chinesischen Firmen übernommen, das gilt auch für viele (noch nicht alle?) westliche Marken, die dort fertigen lassen (und dann für die Umetikettierung einen Aufpreis verlangen).


    Nutzt du überhaupt die Zweiäugigkeit? Schon mal durch ein Binokular binokulär geschaut? Nutzt Du ggf. Fernglas oder Monokular?

    Ich nutze solche Geräte fast immer nur einäugig. Macht die Kamera im Trinokolar auch so.


    Das Umrechnen mit einem 90er ist trivial. Man vermisst einmal mit einer Objektglasskala die Größe des Sichtfelds. Damit hat man eine Referenzgröße, anhand man derer Entfernungen nach einer banalen Verhältnisgleichung umrechnen kann. Mathematik 4. Klasse, sollte man im Kopf können (oder an Excel auslagern). Rundung auf max. 0,5 µm Genauigkeit. Alles andere ist Hochstapelei und kann von lichtoptischer Mikroskopie nicht geleistet werden.


    LG, Bernd

    Hallo Grüni,


    also klar, Beweise im naturwissenschaftlichen Sinn wird man in der historischen-vergleichenden Sprachwissenschaft eher nicht führen können. In Einzelfällen gibt es archäologische Entdeckungen oder man findet irgendwelche alten Manuskripte, die die eine oder andere Idee unterstreichen oder widerlegen.


    Mein Vorgehen, wenn ich dazu ein Paper schreiben müsste, wäre zunächst Zugriff auf die Originalquellen (deren Faksimile) zu bekommen, um zu sehen, in welchem Kontext das Wort im Ahd. verwendet wurde. Vielleicht gibt es Hinweise, dass es sich um Händler, Reisende oder so handelte, die die Berge nur als Hindernis auf dem Weg in den sonnigen Süden betrachteten. Zweitens müsste man die Norditalienischen Dialekte einsehen, und natürlich das Rätoromanische, ob die das Wort verwenden, bzw. welche Begriffe die dort für schneefrei benutzen. Also zum Beispiel auch, ob "noch schneefrei" im Herbst den gleichen Begriff hat wie "schon schneefrei" im Frühling. Kelten waren auch mal hier, da könnte man auch schauen.


    Wenn man da durch ist und weitere Hinweise findet, die für aper 'offen' im Sinne von 'Pass nicht zugeschneit' spricht, dann wäre das ziemlich nahe dran, an dem was man volkstümlich "Beweis" nennt. Zumindest könnte es die andere obskure Deutung verdrängen.


    LG, Bernd

    du bist der erste, bei dem ich dieses in Kreuzworträtseln sehr beliebte Wort im praktischen Gebrauch und im passenden Kontext sehe! Ich kannte es bisher nur durch die Kreuzworträtsel! (Schneefrei = aper)

    Etymologie? Wahrscheinlich lat. für "offen"? 🤷‍♀️ (ähnlich wie bei "Apertur" für die Öffnung eines Teleskops)


    Hallo allerseits,


    mangels Kreuzworträtselei und Abwesenheit in der Gegend ist mir diese regionale "oberdeutsch" Wort bisher nicht untergekommen.


    Es ist nicht ganz korrekt, zu sagen, dass das Wort aus dem Althochdeutschen (ahd.) stammt. Denn das würde implizieren, dass es in dieser Sprachstufe gesichert erstellt wurde, anhand des vorhandenen Inventars an Lexemen und Wortbildung. So etwa, wie man Staatsratsvorsitzender der DDR zuordnen kann - denn Staat, Rat, vor- und sitzend sind alle bekannt und die Wortbildung transparent, einschließlich der außersprachlichen Bedingungen, die dazu geführt haben.


    Bei aper weiß man jedoch nichts. Außer, und das ist eine korrektere Formulierung, dass das Wort seit dem Ahd. belegt ist.


    Diese Etymologie hier:

    aber Oxford languages meint tatsächlich auch, dass es aus dem Germanischen stammt und sich aus "a" = nicht und "ber" = tragen (vergleiche Bahre = trage, ge-bähren=die Geburt ertragen, oder auch das englische "to bear") zusammensetzt und somit mit "Untragend" im Sinn von "keinen Schnee tragend" übersetzt werden kann.

    hat eine ganze Reihe von Mängeln. Als da wären, es gibt keinen plausiblen Grund, warum da jetzt im Ahd. und nachfolgend statt b plötzlich p stehen würde. Schließlich haben die zur gleichen Sippe idg. *bher- 'tragen' gehörenden Wörter wie Bahre, gebären, Geburt immernoch erwartungsgemäß das b. Dazu müsste man eine plausible Erklärung beibringen, warum das so sein soll. Zweitens soll a- ein negierendes Präfix sein. Gibt es, aber nur in Fremdwörtern. Stammt aus dem Altgriechischen, wie in atypisch, Ataxie und davon ausgehend auch für andere Fremdwörter wie asozial. Die deutsche (germanische) Entsprechung lautet un-, wie in unschön, unbar, ungern. Warum hätte man im Althochdeutschen (oder früher) ein Wort unter Verwendung einer griechischen Vorsilbe bilden sollen?

    Drittens wäre da die semasiologische Fragestellung, ist es üblich, dass Begriffe für 'schneefrei' sprachlich durch 'nicht tragend' ausgedrückt werden? In irgendwelchen Sprachen. Das mag kein besonders starkes Argument sein, eher ein Plausibilitätscheck, denn Menschen ticken nun mal gleich, egal in welcher Sprache, und haben ähnliche Assoziationen.


    Kluge, etymologisches Wörterbuch des Deutschen, sieht die Wortherkunft denn auch als "unklar", erwähnt indessen den obigen Vorschlag zur Etymologie, ohne ihn zu teilen. Das übliche Vorgehen in etym. Wörterbüchern - wenn man keine guten Erklärungen hat, schreibt man wenigstens Eventualitäten auf.


    Der hier mehrfach vorgebrachte Vorschlag, dies zu lat. apertur, aperire zu stellen, ist wesentlich plausibler. Lautlich unproblematisch. Der semantische Gang dabei könnte gewesen sein "der Schnee reicht nur bis dorthin herunter, also ist der darunterliegende Pass (noch/schon) schneefrei und passierbar". Von einem offenen Pass vs. einem zugeschneiten Pass spricht man auch heute noch.

    Dass man im Alpenraum eine Entlehnung aus dem Lateinischen hat, besteht auch jeden Plausibilitätscheck.


    LG, Bernd


    LG, Bernd

    N'abend,


    Am Stall war mal ein Verschlag angebaut, und von diesem sind noch einige Brettchen vorhanden. Sieht aus wie Fichte. Allerdings kann jedes einzelne Brett was anderes sein, da man zu Sowjetzeiten kein Zugriff auf den vormals eigenen, in die Genossenschaft eingebrachten Wald hatte und nehmen musste, was man kriegen konnte. Oft eben Bretter von Verpackungsmaterial.


    Teils mit Algen bedeckt, teils eher nicht. Eine kurze schwarze Stecknadel mit kräftigem Stiel. Sehr vereinzelt stehend.

    Ich hatte ja eigentlich Microcalicium erwartet. Es wurde dann aber doch Chanothecopsis.

    Auflicht, die Dinger sind bis max. 0,8 mm hoch, meist aber unter 0,5

    Wasser

    Sporen meist septiert, gelegentlich sogar eingeschnürt. Bis 7*3,5 µm. Septum gut ausgeprägt. Leicht braun pigmentiert. Viele auch unseptiert. Die sind dann kleiner und schlanker. Algen grün, mehrzellig.

    Asci 30-40 µm lang, einreihig, mitunter aber schräg liegend. Sporen schon im Ascus septiert.

    hier ist sogar in Wasser der für Chaenothecopsis typische Kanal an der Ascusspitze zu sehen.


    Anderes Exemplar in KOH 3%, der hätte wohl mehrköpfig werden wollen. Sah mir wie ein jüngeres Exemplar aus, bei dem ich nicht unbedingt Asci erwartet hätte

    Der Stiel scheint schon zwei verschiedene Arten von Zellen zu haben, richtig schlau werde ich daraus aber nicht

    Dazu noch KR

    Stiel


    Asci mit reletiv dicken septierten Sporen


    Eine Chaenothecopsis vom Hof, die septierte Sporen hat, hatte ich ja hier schon mal gezeigt Chaenothecopsis pusilla (agg.) → debilis [Nachtrag: Bilder von MatthiasR] - dazu gibt es am Ende des Threads auch noch bessere Bilder von Matthias R.


    Diese hier halte ich für was anderes. Erstens weil sie viel stämmiger ist. Zweitens weil die Sporen viel gedrungener sind und sogar eingeschnürt sein können. Das hatten wir bei der anderen Art nirgends gefunden.

    In Frage kämen Ch. debilis. Ch. nigra, Ch. tasmanica und vielleicht noch die eine oder andere. Und welche da nun welche ist, bleibt auch unklar. Das wäre die 13. Art der Stecknadeln auf dem Hof.


    LG, Bernd

    Hallo Martin, ich habe mal diverse Schlüssel versucht und bin zu zwei einigermaßen plausiblen Kandidaten gekommen.


    Pycnora praestabilis und Cliostoma corrugatum, von denen es heißt, dass Apothecien selten seien und die auch an verbautem hartem Nadelholz vorkommen.


    Mit KOH 3% gelbliche Färbung vom Thallus (links) gegenüber ohne (rechts)

    Melzers

    KOH 20%, Algen

    Perithecium, vielleicht kann man da einen violetten touch erahnen?


    Betrachte ich einstweilen als erledigt, mangels P, C und N. Kommt irgendwann zur Wiedervorlage - rennt ja nicht weg.


    LG, Bernd

    Hallo Martin, danke. Meist ist ja schon geholfen, wenn man noch mal gesagt kriegt, dass es wirklich knifflig ist und nicht nur was Banales, das man übersehen hat :D


    Wobei ich mit nur Konidien eigentlich auch nicht so richtig weiß, wo mit dem Schlüsseln anfangen - und eigentlich hat man ja auch gar nicht ausreichend Daten. Makroskopisch gibt es Flechten mit grauem Lager und schwarzen Punkten ja zu Dutzenden, nur eben meist mit Apothecien.


    LG, Bernd

    Hallo allerseits,


    Nach dem Fund der immernoch unidentifizierten ungestielten Stecknadelflechte (Acolium / Cyphelium / Thelomma oder so) habe ich Ausschau gehalten nach weiteren Funden. Insbesondere weil Prof. Wirth, den ich dazu angeschrieben hatte, meinte, dass man auch (Pseudo-)Thelomma ocellatum nicht ausschließen könne, da diese Art neben der sorediösen Form auch im Verhältnis von 100:1 in einer Form mit Apothecien auftritt. Ich solle doch mal die Sporen vergleichen, ob das passt. - Abgesehen davon, dass meine Sporen nicht groß genug sind, auch nach weiteren Proben nicht länger als 19 µm, sollten dann doch auch zahlreicher die sorediösen Formen zu finden sein. Wobei mir nicht klar ist, wie die mikroskopisch aussehen sollen - Mikrobilder, sofern gefunden, zeigen immer die Apothecienform.


    Ob die hier gezeigte Art damit was zu tun hat oder nicht, weiß ich nicht. Eher wohl nicht, aber ausschließen will ich es aber auch nicht. Vielleicht hat jemand eine Idee was das sein könnte. So von weitem sieht sie ja schon ziemlich ähnlich aus ... Das Substrat ist Nadelholz. Eine imprägnierte ehemalige Eisenbahnschwelle, die auch gut und gern in Karelien oder Sibirien gewachsen sein kann.

    Auflicht


    Wasser

    Konidien so um 4*1,5 µm

    gelegentlich mit etwas kräftigeren Hyphen


    Achso, die Algen sind rund und grün.


    Danke für's Anschauen,

    LG, Bernd

    Hallo Hilmgrid, Kälte mögen die. Das ist sicher kein Hindernis, im Gegenteil. Thüringen ist ja auch bei den Flechten gut kartiert. Da sieht es eigentlich ziemlich gut aus - also jedenfalls wenn man erstmal nur irgendeine Nadel finden will. Zum Beispiel Chaenotheca ferruginea https://www.flechten-deutschla…rruginea-turner-ex-sm-mig

    die wächst auf der Rinde von (meist älteren) Fichten und Kiefern, oft bequem in Augenhöhe, eher windabgewandt und ist mit gelblich-orangen-rostigen-grauen Lagern eigentlich schon ganz gut aus mehreren Metern zu sehen. Die Nadeln sind dunkelbraun bis schwarz und ziemlich kräftig. Nicht immer sehr zahlreich vorhanden.


    LG, Bernd

    N'abend,


    diese Tage habe ich diese Art auch ganz in der Nähe gefunden. Wieder an Harz einer Fichte, die diesmal noch dünner ist, nur gut 15 cm BHD. Biotop ähnlich, feuchter Wald mit Schwarzerle, Birke und Fichte.

    Die meisten Nadeln wesentlich jünger als beim vorherigen Fund, nur wenige mit entwickelten Köpfen und vielköpfige gab es gar nicht.

    In Wasser und Kongorot sind noch dunkle Pigmente zu sehen, die eventuell zu den Paraphysen gehören

    In Melzers sind die nicht zu sehen. Asci sind reichlich vorhanden, aber nicht besonders kooperativ beim Separieren.


    LG, Bernd

    Du kennst "Wissenschaft" aber auch hauptsächlich aus dem Marketing?


    Der Begriff der "Erfahrung" in der Wissenschaftstheorie/Pholosophie ist Dir aber schon mal untergekommen? Von jemandem, der das Wort "Kategorienfehler" verwendet :D, würde ich das schon erwarten. "Whataboutism" heißt im Deutschen normalerweise Gleichnis, Vergleich, in der Juristerei auch gern Präzedenzfall. Das sind alles legitime und übliche Formen der Argumentation. Verwendung des Wortes "Whataboutism" zeugt normalerweise von intellektueller Faulheit. Übrigens wäre Dein Verweis auf den (europäischen) Aderlass zum Zwecke der Diskreditierung der TCM natürlich auch ein "Whataboutism" :D


    Manche Sachen entziehen sich dem Experiment, können aber ggf. beobachtet werden. Man kann zum Beispiel nicht einfach einen Vulkan zum Ausbruch bringen (oder die Sonne zu einer Eruption) - nichtsdestotrotz sind die Messungen dabei, gerne auch ganz banale Beobachtungen und Erfahrungen von Leuten, die zufällig zur rechten Zeit am rechten Ort waren, relevant zu deren Beurteilung. Jedes Experiment, an dem man teilgenommen hat, wo man Messwerte, Beobachtungen etc. hat, ist ein Teil der Erfahrung. Nicht jedoch andersherum.


    Das englische Wort für Erfahrung experience ist übrigens ein ganz ganz enger Verwandter von Experiment - die gehören zu lat. ex-periri "aus-probieren"


    LG, Bernd

    Man darf "Erfahrung" nicht mit "Wissenschaft"

    naja, ohne Erfahrung kommt man in der Wissenschaft nicht weit. Versuch doch einfach mal, statt Erfahrung das Wort "Experiment" zu verwenden, oder auch "Nachmessen in der Natur". "Versuch".


    Dass Aderlassen, Arsen, Blei lange angewendet wurde - kann das vielleicht auch daran liegen, dass die Medizin institutionalisiert wurde? Und die Mediziner irgendein Alleinstellungsmerkmal brauchten? Zumal ja die Medizin in Europa im Schatten der Theologie stand und eher nicht so dem Experiment verbunden war? Und die Ärzte auch eher nicht über die Plausibilität ihrer Methoden mit den (dummen) Patienten verhandelten? Semmelweiß, selbst Mediziner, wurde von seinen Kollegen in die Klapse gebracht, weil er von Händewaschen sprach.


    Bei Homöopathie scheint es aber auch keine Schäden zu geben. Sollte es ja auch nicht geben können, wenn man der Methode mangels Wirkstoffen jegliche Wirksamkeit abspricht. Also abgesehen von Placebo. Damit ist man schon deutlich weiter als bei vielem was die "wissenschaftliche Pharmazie" so in den letzten Jahrzehnten ausgeheckt hat, DDT, Kontergan, Lipobay ...


    LG, Bernd

    Hallo,

    krempeln sich mir sämtliche Fußnägel hoch

    sehr empfindliche Fußnägel, hast du da. Kann man das behandeln? Du solltest vielleicht mal die TCM versuchen :D


    Also ich kann beim besten Willen da nichts Verwerfliches erkennen. Die Aussage, dass "die TCM lange Erfahrung mit Heilpilzen hat" ist richtig. Und es heißt auch nicht, dass sie "nur" mit Pilzen Erfahrung habe (über Tiger und deren Körperteile wird nichts gesagt - allerdings ist mir auch keine Doppelblindstudie bekannt, die über jeden Zweifel erhaben nachgewiesen hätte, dass die Tigerpenisse nicht wirken. Angesichts der Zahl noch lebender Tiger halte ich eine solche Studie auch für sehr unwahrscheinlich). Es heißt auch nicht, dass dies der Weisheit letzter Schluss ist oder über jeden Zweifel erhaben. Es ist sogar völlig egal, auf welcher theoretischer Basis (Farben, Säfte, Karma, Formen ...) ein Kandidat für eine Behandlung ausgewählt wurde. Was letzlich zählt, sind die Jahrhunderte Anwendung, dokumentiert oder mündlich überliefert. Im Normalffall wendet man das weiter an, was funktioniert. Was schadet oder nicht erkennbar hilft, wird eher verworfen. Und nein, auch die heutige Wissenschaft/Pharma kann Pharmaka nicht theoretisch erfinden. Sondern muss diese aufwändig testen um die entsprechende ERFAHRUNG zu erlangen.


    Ich würde nur die Formulierung "In Europa ging dieses Wissen weitestgehend verloren" dahingehend abschwächen "... wenn es denn je vorgelegen hat"


    LG, Bernd

    N'abend,


    auf dem Schreibtisch liegt noch ein Beleg von Chaenotheca chrysocephala rum (auf Fichtenrinde). Damit habe ich versucht ein Bild zu machen, dass die vielgefingerte Bernsteinstecknadel (rechts unten) im direkten Vergleich mit Chaenotheca chrysocephala (links oben) zeigt. Das Lager sieht schon sehr ähnlich aus. Gleichzeitig fehlen aber jegliche Hinweise auf normale Ch. chrysocepahala - in welchem Altersstadium auch immer.

    In der Literatur gibt es auch ein paar Arten von Chaenothecopsis, bei denen es aussieht, als ob die nur gelegentlich Köpfchen ausbilden, etwa Chaenothecopsis matai.

    Hier mal ein paar Nadeln, wo der bersteinige Belag nicht vorhanden ist


    Das bleibt also weiterhin ein Rätsel,

    LG, Bernd