ich sehe, dass hier Menschen ohne jegliches forstliches Wissen eine sehr starke Meinung haben, und meine Idee war, ich liefere Wissen (keine Meinungen!), dann kann sich jeder fundiert eine Meinung bilden
Hallo allerseits, ich hab' doch tatsächlich den ganzen Diskussionsfaden durchgelesen. Das obige Zitat ist mir ob seiner philosophischen Wuchtigkeit ins Auge gefallen. Wie erkennst Du, wie unterscheidest Du, was "Wissen" im Faustschen Sinne von "so sind die Sachverhalte, das hält die Welt zusammen" ist und was "Wissen" ist im Sinne von "das ist die aktuelle Lehrmeinnung". Da man sich der ersten Art von Wissen zwar annähern kann, es aber nie erreichen, handelt es sich um die zweite Art von Wissen, die Kenntnis der Lehrmeinung. Die Kenntnis und Übernahme einer Lehrmeinung ändert nichts daran, dass es eine Meinung ist
Selbst mit einem Masterdiplom. Und, der Autoritätsbeweis ist Gegenstand der Theologie - nicht der Wissenschaft.
Für die Unkundigen süddeutscher Dialekte - der "Frächter" heißt auf Deutsch normalerweise "Frachtführer".
Wenn der Wald ein komplexes Ökosystem ist, das von den diversen Arten umgeformt wird (etwa von Bibern in Tallage, Rotwild, das Lichtungen im Wald offenhält, Käfern und Pilzen, die für schnelleres Umfallen von schwachen Bäumen sorgen, oder Wildschweine, die auch mal ganze Stubben ausgraben) - darf der Mensch als biologische Art auch an dem Ökosystem teilhaben? Also, ist Wald nur natürlich, wenn der Mensch sich davon fernhält?
Andererseits ist es Humbug, zu behaupten, dass Wald zum Wachsen der Bewirtschaftung und der Bejagung bedarf. Wald wächst schon ziemlich lange, länger als es Menschen gibt. Klar, die Art und Menge des Wilds, hat Auswirkungen darauf, wie Wald wächst. So hoher Wildbesatz, dass Wald gar nicht mehr wächst, ist aber nicht möglich, jedenfalls nicht unter natürlichen Bedingungen, nur mit Zufüttern. Wobei etwa Wisente ja gar nicht in den Wald gehen, um dort Lichtungen zu schaffen oder aufrectzuerhalten, wenn es nebenan wunderbare, riesengroße Lichtungen in Form von Rapsfeldern gibt. Wald wächst sogar, wenn man ihn nicht pflanzt. Wobei die Wahl einer Baumart, oder einer Mischung für einen Forstwirt/Waldbesitzer eine Prognose (eher wohl Wette) ist, welche Art von Holz und waldlicher Dienstleistungen man in 60...120 Jahren benötigen wird. Da man das eher nicht wissen kann, kann man genausogut die Natur machen lassen und schauen was wächst. Erinnert an die Story der schwedischen Marine, die vor knapp 200 Jahren dichte Eichenplantagen anlegte, damit sie Anno 2000 schicke Holzschiffe wird bauen können - und derer gibt es mehr.
Bezüglich der Bodenverdichtung halte ich die Auswirkungen für kurzfristig. Sofern man nicht jährlich mehrfach die Rückegasse langfährt. Es gibt soviele Bodenlebewesen, die den Boden auflockern und wieder zugänglich machen. Man brauch sich doch nur mal eine Industriebrache - von denen es demnächst wieder deutlich mehr geben wird - anschauen. Von so exotischen Lagen wie Tschernobyl, Pripjat, die nur die wenigesten (mich eingeschlossen) aus eigener Anschauung kennen, absieht. Aber was man im diversen Berichten und Studien sieht, ist beeindruckend. Davon abgesehen sind Rückegassen hässlich. Technisch könnte man heutzutage problemlos ein unbemanntes Quad mit Fernsteuerung oder KI zum Rücken nutzen.
LG, Bernd