Beiträge von Tricholomopsis

    Lieber Thomas,


    natürlich will und werde ich hier nicht aussteigen. Es war rein rhetorisch gemeint, denn dieses Forum ist ja eben ein Forum, bei dem es eben auch um die Pilzkunde geht. Und auch darum, über Pilze zu diskutieren.


    Du sprichst einen - wie ich finde - ganz wichtigen Punkt an: niemand muss Zusatzinfos annehmen. Und niemand ist gezwungen, eine Bestimmung absichern zu lassen. Und jeder kann auch auf die Aussage "das könnte auch Art xyz sein, da muss man die HDS anschauen" damit reagieren, dass derjenige antwortet "ist mir egal, für mich ist und bleibt das...".


    Wer sich darüber aufregt, dass manche Arten heute als Aggregate angesehen werden, der darf sich gerne aufregen - dann bitte über die Natur, denn die ist Schuld an der Artenvielfalt. Man sollte sich nur eben nicht über diejenigen aufregen, die die Information darüber weitergeben.


    Mich stört der Begriff "Bestimmpolizei" - diesen Ausdruck finde ich absolut daneben. Vor allem in Bezug auf diesen Thread, denn es geht hier nicht um Einsteigerfragen. Und genau das verstehe ich absolut nicht. Aber ich muss nicht jeden Menschen verstehen.


    Was ich hingegen verstehen kann, sind die Frustmomente, wenn sich Altbekanntes ändert. So kann ich im Moment beispielsweise den Kornblumenröhrling nicht auf Art bestimmen. Früger "ging" das, nur waren da viele der Bestimmungen schlicht falsch.Man glaubte eben, das sei auch ein Kornblumenröhrling, wenn das Velum universale keine sichtbaren Spuren hinterlässt. Was ich bei dem Frust wiederum nicht verstehe, warum man alles auf Arteben definieren muss. Ich sage halt Gyroporus cyanescens s.l. und gut ist. Ich muss mich doch nicht ärgern, wenn die Natur Arten entstehen ließ, die ich nicht erkenne. Und nicht jede Art muss sofort makroskopisch ansprechbar sein.


    Vielleicht knackst es manche Egos an, dass man "plötzlich" nicht mehr im Gelände bestimmen kann. Jedenfalls nicht mehr "so sicher" auf Arteben wie früher. Ich dachte früher, ich könnte einige Schleierlinge ansprechen. Jetzt bin ich schlauer - ich weiß, wie wenig ich über Schleierlinge weiß. Natürlich kann das frustrieren, das muss es aber nicht.


    Mich persönlich fasziniert die unglaubliche Vielfalt der Natur. Dazu gehört auch die extreme Artenvielfalt der Pilze. Und dass Pilze schwer bestimmbar sind, ist hinlänglich bekannt.


    Der Vorteil eines Forums ist aber, dass niemand gezwungen ist, alles zu lesen. Und wen es nicht interessiert, dass die hier erwähnten Perlpilze möglicherweise auch aufgedröselt werden könnten, der liest das halt nicht und ist mit "Perlpilz" zufrieden. Und wer doch mitliest, wird auch im Wald erkennen, dass manche eben einen gelben Ring haben. Und siehe da, man erkennt noch mehr die Vielfalt der Natur. Wen das alles aber nicht interessiert, der muss das auch nicht wahrnehmen. Und isst derjenige dann mal einen "Perlpilz" mit gelben Flocken am Hut, hat eben z.B. Amanita franchetii oder Amanita regalis verputzt - und landet im Krankenhaus. Kurz gesagt: bad taxonomy can kill (gibts auch als T-Shirt von der Zeitschrift Mycotaxon: Mycotaxon: the T-Shirt)


    Insofern auch mein Appell: bitte Jedem das Seine gönnen und nicht im Frust untergehen, wenn einem klar wird, wie komplex die Welt der Pilze ist. Diese Komplexizität macht das alles doch so unglaublich spannend...


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    Flammulaster granulosus müsste mehr rötlichbraun gefärbt sein und die Sporen müssten imMikroskop relativ dunkel sein. Nosozia - Sporen bitte immer auch in Wasser zeigen. Die Sporenfarbe im Mikroskop ist ein Schlüsselmerkmal, z.B. hier: oestzpilz_22_0031-0048.pdf (Hausknecht & Krisai-Greilhuber 2013).


    Die Cheilocystiden passen auf Fl. carpophilus. Fl. subincarnatus ist sehr ähnlich, hätte aber anders geformte (nicht nach oben hin schmaler werdende) Cheilocystiden.


    Ich finde die Sporenform durchaus passend für Fl. carpophilus. Sie sehen m.E. auch so aus, wie sie Vellinga (1986) gezeichnet hat: persoonia v13n1.pdf - auf S. 11 ist eine schöne Tafel mit den Merkmalen zu finden (das pdf ist die ganze Persoonia, aber der relevante Artikel ist der allererste). Die bei Vellinga (1986) angegebenen Varietäten werden mittlerweile auf Artebene unterschieden - siehe z.B. Hausknecht & Krisai-Greilhuber (2013).


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Wastl,


    Russula virescens hat ausgewachsen keine rein weißen, sondern cremegelbliche Lamellen (wie war denn die Lamellenkonsistenz?). Russula cutefracta kann nämlich auch stark felderig aufreißen - vgl. hier die Bilderserie: Russule craquelée - Le magazine de Prêt à Pousser


    Russula cutefracta hat aber wachsweiche, weiße Lamellen (es ist im Prinzip ein Frauentäubling mit dfelderig aufreißender Huthaut).


    Es gibt weitere Arten mit aufreißender Huthaut. So z.B. auch Russula anatina - siehe z.B. hier: russula-anatina.html (wobei die wiederum cremegelblichge Lamellen hat)


    Wenn es um den Speisewert geht - die sind alle essbar. ;)


    Dein Pilz sieht aber auch für mich nach Russula virescens aus, da ich dieses Ausgeblasste in der Hutmitte von dieser Art kenne. Und mit etwas Einbildung meine ich etwas Creme in den Lamellen im zweiten Bild zu sehen.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Lieber Norbert,


    den Weitlöchrigen Porling (Lentinus arcularius) würde ich hier ausschließen. Ich kenne den nur mit einer filzigen Stieloberfläche und wirklich deutlich und stark gewimpertem Hutrand. Ich würde daher auch einen blassen Neofavolus alveolaris (Wabenporling) vermuten. Du kannst es aber an der Huthaut prüfen. Lentinus brumalis und Lentinus arcularius haben eine dicke, ledrig-zähe, feste Huthaut, die von Neofavolus ist ziemlich weich ohne ledrigen Bereich in der Hutmitte.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Oehrling,


    sorry, ich vergesse immer wieder, dass sich nicht jeder Pilzfreund für die Pilzkunde interessiert. Ich vergesse leider auch hin und wieder, dass selbst in Pilzforen das Interesse an den Pilzen nicht immer gegeben ist.


    Interessiert man sich für Pilze und sei es nur im Bereich der Pilzbestimmung, dann interessiert es einen gewöhnlich auch, wie man ein Art erkennt, welche Merkmale wichtig sind. Egal ob makroskopisch oder mikroskopisch. Natürlich kann man auch einen Perlpilz Fliegenpilz nennen und sich dann von einer "Bestimmungspolizei" unterdrückt fühlen, die anmerkt, dass man die Hutfarbe nochmal prüfen sollte. Egal, dann hat der Perlpilz auch einen roten Hut...


    Nein, ich kann's wirklich nicht nachvollziehen. Vielleicht bin ich selber zu neugierig und zu sehr an der Pilzkunde interessiert. Ich kann nicht nachvollziehen, dass manche Informationen rund um Pilze als nervig oder übergriffig empfinden.


    Zudem habe ich nur "gewagt" anzumerken, dass ich in so einem Fall die HDS überprüfen würde. Ob das der Finder macht oder nicht, bleibt ganz bei ihm (oder er den Beleg verschicken will).


    Ich wiederum arbeite eben (sorry) gerne mit dem Mikroskop. Und ich (sorry) lese sogar viel über Pilze, ja, sogar in diversen Journals. Und - auch da irre ich mich vielleicht - gehe davon aus, dass auch diejenigen, die sich nicht die Mühe machen, täglich Fachartikel zu recherchieren, zu lesen, zu interpretieren (oder nicht die Möglichkeit dazu haben), es interessant finden, wenn ihnen die Inhalte dann in einem Pilzforum zusammengefasst werden.


    Was wäre dir lieber? Neubeschreibungen verschweigen und nur intern es zu wagen, pilzkundliche Inhalte von sich zu geben? Bloss keine Infos über Pilze angeben, die über die allgemeinen Bilderbücher hinaus gehen? Nein, das wäre nicht meine Welt.


    Es kostet mich auch Zeit - wie alle anderen hier - Beiträge zu verfassen. Mich deswegen als Bestimmungspolizei zu verunglimpfen finde ich - sorry - abenteuerlich. Bisher ging ich davon aus, dass Zusatzinfos und auch ein Hinterfragen erlaubt seien.


    Und nein, ich kann deinen Standpunkt da absolut nicht nachvollziehen und hoffe ehrlich gesagt, dass so eine extreme Sicht die Ausnahme ist. Natürlich könnte ich auch zu dem Fund eines rothütigen Perlpilzes gratulieren, denn die Anmerkung, es könne auch ein Fliegenpilz sein, ist zu übergriffig. Ich fände das aber in sich falsch und völlig deplatziert.


    Doch wie kann man das Problem lösen?


    Entweder hat hier im Forum ein Hinterfragen von Bestimmungen in gewissen Unterforen zu unterbleiben. Z.B. ein Trophäenunterforum - da kann man festlegen, dass dort keinerlei Anmerkungen zur Mikroskopie oder zur Bestimmung erlaubt sind. Da kann man dann auch Fliegenpilze als Perlpilze bezeichnen und das wird dann abgefeiert.

    Oder man macht eine Anmerkung in die Überschrift oder ans Ende des Beitrags (da ist mehr Platz) - dass die "Polizei" hier keinen Zutritt hat.


    Falls dich meine Anmerkung zur Kartierung so genervt hat - auch da dachte ich, dass die gemeldete Pilze sicher bestimmt sein sollen. Kann mich aber auch da irren.


    Sollte deine Haltung hier mehrheitsfähig sein, bin ich hier sofort weg und du hast wieder eine bestimmungspolizeifreie Zone. Allein, das glaube ich nicht.


    Kopfschüttelnd...


    liebe Grüße,

    Christoph


    P.S.: das Beispiel mit dem Fliegenpilz ist nur zur Veranschaulichung und hinkt extrem. Hier ist die Originalbestimmung nicht unwahrscheinlich. Und von mir aus kann der Pilz genannt werden, wie man mag. Kann mir egal sein.

    Servus Rumpelsti(e)lzchen,


    ich bin da konform mit Beli - sieht sehr nach Judasohren aus. Für Phaeotremella frondosae ist das ganze nicht gewunden genug. Ich meine auch, an einer Stelle den unterschied zwischen fertiler Fruchtschicht und steriler Außenseite zu erkennen. Fit sind die aber nicht mehr.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Markus,


    wenn du magst, kann ich gerne die Bestimmung mikrsokopisch absichern. Ist es B. fuscoroseus, so ist er leicht per Mikroskop erkennbar.


    Grundsätzlich möchte ich mal anmerken, dass es mir völlig auf den Keks geht, dass nun bald jeder Fund über den berichtet wird, mikroskopiert und auch sequentiell untersucht werden soll, bevor ein Name angehängt werden kann. Ich bin auch ein gründlicher Mensch, aber ich denke, vielen Menschen, und auch mir, vergeht langsam die Lust. Privat sind tatsächliche Untersuchungen - nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft - nicht leistbar, sprich bezahlbar. Das Mikroskop alleine sagt doch gar nichts aus. Darüber wurde doch jetzt schon oft genug, auch von dir geschrieben. Liebe Grüße, Markus

    Den Frust kann ich durchaus nachvollziehen. Aber leider macht da die Natur nicht mit. Niemand kann etwas dafür, dass es bei den Anhängselröhrlingen mehrere Arten gibt, die manchmal eben auch mikroskopiert werden müssen. Zum Glück geht es da zumindest meistens. So fällt es leider schwer, B. fechtneri von B. roseogriseus per Mikroskop zu unterscheiden.


    Die andere Frage ist: was bringt ein Name hinter einem Fund, wenn der nur geraten ist? Und das ist ja keine neue Entwicklung. Niemand käme auf die Idee - sage ich mal so - eine Conocybe oder eine Inocybe nur makroskopisch bestimmen zu wollen (mit wenigen Ausnahmen natürlich - auch da gibt es erkennbare Arten).


    Will/kann man aus Zeitmangel oder Ressourcenmangel (z.B. kein Mikroskop) nur rein makroskopisch arbeiten, so fällt es einfach schwer, Pilze wirkluch bis zur Art zu bestimmen. Dann ist eine saubere Bestimmung eben die Sektion, das Artenaggregat oder manchmal eben nur die Gattung. So läuft es ja auch oft in der Praxis. Wenn ich einen Hallimasch bei einer Wanderung erkläre, dann ist damit eben keine Einzelart gemeint. Ich kann A. cepistipes nicht klar makroskopisch von A. gallica unterscheiden. Ich kann auch nicht immer A. borealis erkennen.


    Pilzbestimmung ist anspruchsvoll und wird immer anspruchsvoller, will man es ohne Sequenzer betreiben. Das geht aber in vielen Fällen - so auch hier. Und Mikroskopie als Bestimmungshilfe ist ja nicht neu. Man hat dadurch einfach mehr Merkmale zur Verfügung als ohne. Beispiel: die Diskussion über B. fechtneri vs. B. fuscoroseus - man könnte da tagelang im Forum hin und her diskutieren, ob nun die Bereifung oder die Farbe das wichtigere Kriterium ist und welcher der beiden gezeigt wurde. Ein Blick ins Mikroskop (HDS) und schon hat man ein klares Trennmerkmal. Warum sollte man denn darauf verzichten?


    Ich sehe es da eher andersherum. Es wird ja in Deutschland fleißig kartiert. Nur was bringen Kartierungspunkte, wenn die Arten nicht richtig bestimmt sind? Dann gehen die wirklichen Fundpunkte im Rauschen unter.


    Niemand bestreitet, dass du ein gründlicher Mensch bist. Ich hatte auch nur angemerkt, dass ich mir hier unsicher wäre, da die Kollektion doch etwas untypisch ist. Ob untypisch genug, um die Bestimmung anzuzweifeln, ist die Frage. Und da kann ich nur sagen, dass ich hier genauer nachhaken würde. Ignoriert man aber neu beschriebene Arten, dann hat man zwar leichter einen Namen für ein Foto, nur muss der nicht richtig sein.

    Vermutlich ist es ja B. fuscoroseus - aber soll/darf man keine Restzweifel äußern? Ich will dir ja nicht auf den Keks gehen oder dich nerven. Dass man für die Pilzbestimmung oft ein Mikroskop braucht (aber manchmal selbst dieses nicht hilft, weil man sequenzieren muss, um richtig zu bestimmen), ist ja nicht meine Schuld. Lass dich also nicht nerven.


    Mein Angebot steht - ich kann mir den Pilz gerne genauer ansehen. Oder du lässt es bei dem Namen, wie er ist, ohne es abzusichern - oder du machst ein sensu lato draus. Ganz, wie es dir am liebsten ist. Denn wie gesagt: ich will dich nicht nerven. :gzwinkern::gcool:g:D


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Pablo,


    danke für's Verschieben! Die Basidienbasen muss man wirklich sauber rauspräparieren, dann ist es sehr auffällig. Hast du das Paper von Ghobad-Nejhad & Kotiranta (2007)? Da wird es sehr schön dargestellt.


    Ich kann dafür eine angedeutet biapikulate Spore vorzeigen:



    Und Danke für die schöne Doku.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Auf gute glück hab Beleg , und hab heute auch Fotografiert

    Servus Beli,


    sehr gut! Das ist aber schon der gleiche Pilz, den du zuerst im Ganzen fotografiert hast?


    (Mach von so interessanten Kollektionen bitte immer Belege - sonst wäre es ja schade, die Pilze herauszurupfen)


    Meine Adresse hast du ja?! (Sonst schicke ich dir ne PN).


    Liebe Grüße,

    Christoph


    (bin schon gespannt)

    Servus Jürgen,


    wie gesagt - ich bezweifle nicht, dass du recht haben kannst. Zumal mir da die Felderfahrung fehlt (alle meine B. fechtneri-Kollektionen hatten das typische, blasse Braun, wie es auch Kallenbach beschreibt. Ein so starkes Rotbraun kenne ich da halt nicht. Wenn ich dann aber weiß, dass sich die beiden fraglichen Arten mikroskopisch leicht unterscheiden kann, halte ich eine nachträgliche Überprüfung für sehr hilfreich. Und wenn sich dann (erneut) herausstellt, dass Kallenbach wirklich sehr viel gesehen hat und sehr exakt beobachtet hat und auch hier recht hat, umso besser. Ich finde solche Kollektionen interessant.


    Leider lassen sich m.W. B. roseogriseus und B. fechtneri nicht (oder nicht so leicht) anatomisch unterscheiden - gentisch geht das aber sehr gut. Wobei B. roseogriseus für mich makroskopisch noch weniger passt.


    Da B. fechtneri vs. B. fuscoroseus aber wirklich leicht auseinandermikroskopiert werden können, schlage ich vor, das zur Absicherung zu machen. Schaden kann es ja nicht ==Gnolm13


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Jürgen,


    ich muss Dir hier leider widersprechen.

    aber sehr gerne doch ==Gnolm13


    Ich halte die Farbe der Huthaut dennoch für mehr als ungewöhnlich für B. fechtneri - ebenso halte ich die doch sehr starke Bereifung des Hutes für sehr ungewöhnlich für B. fuscoroseus. Für mich war die Farbne der Huthaut ausschlaggebend.


    Es ließe sich aber relativ einfach überprüfen. B. fuscoroseus hat auffallend deutlich inkrustierte HDS-Hyphen und die Sporen sind schmaler als bei B. fechtneri (falls der Pilz schon reif genug ist, falls nicht, dann eben über die HDS). Nicht, dass ich dir nicht glaube, ich traue nur der Anatomie etwas mehr als der Makroskopie.


    @Beli: wenn du einen Beleg hast, dann ließe sich das recht einfach nachprüfen. Ich kann gerne reinmikroskopieren, habe ja gerade Ferien :)


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Schupfnudel,


    Sehr interessant. Wie war die Symptomatik?

    es war: leichte Übelkeit (kurz vorm Erbrechen, er konnte es aber zurückhalten), kalter Schweiß, Unwohlsein, etwas Speichelfluss - ob der Puls wahrnehmbar verlangsamt war, weiß ich nicht, aber er klagte nicht in Bezug auf Herzklopfen.


    Genau genommen verlief es so: bei einem Pilzkurs (genauer: auf einer Exkursion), den ich leitete, hatte ein Teilnehmer, ohne dass ich das mitbekommen hatte, einen Geschmackstest von Inocybe geophylla gemacht. Er hatte sich dann zurückgezogen, als die Symptomatik begann und war wieder in Richtung Bus zurückgegangen und hatte dort gewartet. Ich habe die Symptome also nicht life miterlebt. Als wir dann alle am Bus ankamen, ging es ihm wieder besser - und er hat mit erzählt, warum er nicht mehr bei der Gruppe dabei war. Ich kenne den Betroffenen und stufe seine Aussagen als absolut seriös ein. Er probiert aber immer noch gerne viele Pilze roh (ohne etwas zu verschlucken).


    Wenn ich mich recht entsinne ist müssten Trichothecene dann ja auch die Ausnahme von der Regel, dass das Anfassen von Ständerpilzen harmlos ist, negieren, weil sie über die Haut aufgenommen werden können. Demenstprechend vermute ich stark, dass die Mundschleimhaut da kein günstiger Ort für den Pilz wäre.


    [...]


    PS: Russula olivacea habe ich schon mehrfach gekostet und auch gefuttert. Keine Probleme bei mir.

    Yep, Podostroma cornu-damae gehört definitiv nicht in den Mund. Es gibt aber noch weitere Pilze mit Kontaktgift - siehe hier: Kontaktdermatitis durch corticioiden Pilz - ein Fall aus England


    Und zur Russula olivacea - es geht um Rohverzehr, nicht um das Verspeisen durchgegarter Rotstieliger Ledertäublinge. Ich gehe mal davon aus, dass deine Kost- und Futterversuche jeweils mit zubereiteten und nicht rohen Ledertäublingen erfolgten?!


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Walter,


    gern geschehen ;-). Ich schreibe das zudem ganz allgemein, also auf Mitleser bezogen. Man steht manchmal einfach auf dem Schlauch oder ist in einer optischen Assoziation gefangen und vergisst dann manchmal, auf manche Details zu achten. Als Außenstehender ist es immer einfacher. Dabei ist es egal, ob es um eine makroskopische Bestimmung geht oder um die Interpretation von Mikromerkmalen. So stand ich kürzlich bei einem Corticioiden, den ich eigentlich kenne, sowas von auf dem Schlauch. Man hat dann einfach ein falsches Bild im Kopf und kommt aus der Denksackgasse nicht mehr heraus.


    Da es sich hier aber um einen Giftpilz (der zum Glück zu bitter ist, um wirklich verzehrt zu werden) handelt, habe ich ganz allgemein auf die Gattungsmerkmale als ersten Erkennungsschritt hingewiesen. Und beim Verzehr muss man in der Tat sehr sorgfältig bei der Bestimmung sein :gzwinkern:


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    der Röhrling sieht nicht nur nach Caloboletus calopus aus, er ist es auch definitiv. Ich kann nur raten, sich mit den Gattungsmerkmalen vertraut zu machen. Das Stielnetz ist hier mehr als auffällig - das tritt bei Rotfußröhrlingen so niemals auf. Die Huthaut hat sicherlich auf Druck gebräunt, die Poren blauen viel zu stark, das Fleisch ist sicherlich viel zu blass und blaut zu stark und der Pilz ist viel zu kräftig und groß für einen Rotfußröhrling. Und wie gesagt - allein das hier zu sehende Stielnetz ist ein komplettes Ausschlusskriterium.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    solange man nix runterschluckt kann man jeden Pilz probieren, selbst Amanita phalloides.

    Servus Schupfnudel,


    da muss ich vehement Einspruch erheben ==Gnolm19;)

    In Bezug auf Amanita phalloides halte ich mich raus, aber ich war selber Zeuge einer (leichten) Vergiftung durch einen Geschmackstest ohne zu schlucken. Der Pilz war Inocybe geophylla - die Muskarinmenge, die über die Mundschleimhaut aufgenommen wurde, reichte für eine leichte Muskarinvergiftung. Die Probe wurde zu intensiv durchgekaut, bevor ausgespuckt wurde. Die Symptomatik war zwar schwach, hielt aber locker eine Stunde an.


    Und ganz allgemein - 1 Gramm von Podostroma cornu-damae kann einen Menschen bereits töten. Von dem Pilz würde ich gar nichts in den Mund nehmen! Ob das Toxin über die Mundschleimhaut resorbiert werden kann, weiß ich nicht, aber schon geringste Mengen des Pilzes sind lebensgefährlich.


    Zurück zu Amanita phalloides - rein medizinisch betrachtet dürfte ein kurzer Geschmackstest bei sehr geringer Menge an Pilz nichts ausmachen. Ich möchte aber auch keine geringen Mengen an Amanitinen aufnehmen, da der Wirkstoff schon sehr unangenehm giftig ist. Auch wenn es äußerlich symptomfrei bleibt, möchte ich das meinen Leberzellen nicht antun.


    Von dem Korkstachling hätte ich aber gekostet. Meist schmeckt es dann sehr scharf, denn Hydnellum peckii ist viel häufiger als sein milder Doppelgänger.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    für mich ist das nur noch Leichenfledderei. Was aber zu Caloboletus passt, ist die teils etwas dicklich am Hutrand eingewachsene Huthaut - weiß grad nicht, wie ich's beschreiben soll... Sie endet oft nicht im rechten Winkel zum Boden, sondern biegt sich etwas ein und erzeugt so einen etwas dicklich Hutrand.

    Caloboletus radicans hat zudem oft ein sehr feines (und durchaus auch mal fehlendes) Stielnetz. Insofern ist für mich - neben den Farben, die man noch erahnen kann - Caloboletus radicans am wahrscheinlichsten. Der schmeckt nebenbei angemerkt, roh gerne süßlich und nicht oder kaum bitter (die Bitterkeit schwankt stark).


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    ich kann Pablo (wieder mal) nur beipflichten - Butyriboletus fuscoroseus passt sehr gut anhand der Hutfarbe. B. fechtneri hat nie diese rotbraune Huthautfarbe und dessen Bereifung ist noch dicker und erscheint fast schon faserig. Wobei ich ehrlich gesagt B. fuscoroseus auch noch nicht so stark bereift gesehen habe. Der Reif ist aber auch hier ohne Faserstruktur. Es fehlt die Rote Zone am Stiel, was B. roseogriseus ins Spiel bringen würde. Es ist halt nur ein Einzelfruchtkörper. Man kann aber auch anhand der HDS die beiden Arten trennen: B. fuscoroseus hat auffallend stark inkurstierte HDS-Hyphen, B. roseogriseus deutlich schwächere Inkrustationen. Die dunkle, rotbraune Hutfarbe passt aber nicht auf B. roseogriseus und auch nicht, dass das ganze Hutfleisch blaut (der blaut vor allem oberhalb der Röhren, aber nicht im ganzen Hut).


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Claus,


    das erste Foto sieht aus, als wäre es in Melzers gemacht worden (immer besser in Wasser ansehen...). Wenn die Haare abbrechen, ist es schwierig. Nimmt man einen Skalp in Aufsicht an einem tiefeliegenden, vor Berührung geschützten Stück der Huthaut, müssten genug komplette Haarspitzen zu sehen sein.


    Bei Lactifluus vellereus ist die Haarspitze meist etwas erweitert und dickwandig, bei Lactifluus bertillonii sind die Spitzen meist unauffällig, also nicht aufgeblasen, dafür aber apikel dünnwandig.


    Als Referenzabbildung nehme ich mal die Lactariusmonographie von Heilmann-Clausen et al. (1998):



    Der Pfeil zeigt die typische Spitze von Lactifluus vellereus - abgerundet und dickwandig.



    Bei Lactifluus bertillonii enden die Haare eher etwas ausspitzend und oft dünnwandig.


    Jetzt haben Heilmann-Clausen et al. (1998) auch bei L. vellereus manche Endne dünnwandig gezeichnet und bei L. bertillonii manche dickwandig. Ich muss zugeben, selber auch erst einmal L. bertillonii mikroskopiert zu haben. Da waren die Haare aber wirklich apikal auffallend oft dünnwandig und oft ausspitzend. L. vellereus findet man ja oft genug - die erweiterten Haarenden sind m.E. gut erkennbar, aber man muss immer einige Haare ansehen, um den Durchschnitt beurteilen zu können. Abgebrochene Enden sind da nervig (Heilmann-Clausen et. al (1998) zeichnen davon auch einige bei L. vellereus - das ist nicht arttypisch, sondern hängt daran, wie intakt die HDS-Haare eben sind).


    Ich finde das Merkmal praktisch, wenn man unreife Fruchtkörper hat und somit die (feinen) Unterschiede im Sporenornament nicht zur Verfügung hat.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Pablo,


    dein Tipp war Gold wert. Ich hatte zwar schon im Januar 2018 Radulomyces rickii unter dem Mikroskop, hatte da aber nicht so sehr auf die genaue Basidienanatomie geachtet. Diegestielten Basidien hatten mich auf eine dermaßen falsche Fährte geführt, dass ich Radulomyces einfach ausgeschlossen hatte.


    Jetzt (endlich Ferien) habe ich bei Ghobad-Nejhad & Heikki Kotiranta (2007) nachgelesen. Sie schreiben, dass die jungen Basidien pleural gebildet werden und dann einen entsprechenden Stiel behalten - die Autoren bilden es auch ganz genauso ab. Die cyanophilen Sporen passen bestens, auch das feine Ornament, dass manchmal zu erkennen war, genauso wie die Dünn- bis Dickwandigkeit. Ebenso die nach der Sporulation zusammenklappenden Sterigmen / Basidien. Die Makroskopie passt ohnehin, auch die Basidien- und Sporenmaße. Einzig die teils auftretenden biappiculaten Sporen habe ich nicht gesehen, werde da aber nochmal in aller Ruhe suchen (wobei die bei der anderen Kollektion, die ich angesehen hatte, auch nicht ins Auge sprangen).


    Man sollte halt doch immer ganz genau hinschauen (und sich das dann auch noch merken). Jedenfalls meine ich jetzt, nachdem ich ein zweites Mal diese Art unterm Mikro hatte, dass ich sie in Zukunft direkt erkenne.


    Liebe Grüße,

    Christoph


    P.S.: der Thread kann jetzt sehr gerne zu den Rindenpilzen rübergelegt werden... ;)


    P.P.S.: ich vergaß, die Literautstelle zu zitieren...

    Masoomeh Ghobad-Nejhad & Heikki Kotiranta (2007): Re-evaluation of Radulomyces rickii and notes on Radulomyces and Phlebiella (Basidiomycota). Mycotaxon 102: 101-111.

    Servus Emil,

    das ist interessant, steht leider fast nirgends. Hast du da zufällig eine Quelle oder gab es nachgewiesene Vergiftungsfälle mit der Art?

    ich habe 2016 einen Übersichtsartikel über diverse neue Syndrome geschrieben (zusammen mit Helmut Grünert):


    Hahn C, Grünert H (2016): Über neue und teils altbekannte Vergiftungssyndrome. Mycol. Bav. 17: 69-96.


    Ich habe mich da u.a. auf einen Vortrag bezogen, der beim ToxInfoTag im Klinikum rechts der Osar gehalten wurde:


    Kirchmair M (2015): Nierentoxische Amaniten. Vortrag am 12.12.2015, ToxInfo-Tag München, online abrufbar unter Pilzfortbildung 2015 | Abteilung für Klinische Toxikologie und Giftnotruf München.


    (er müsste noch online stehen)


    Die Symptomatik des Smithiana-Syndroms lässt sich wie folgt beschreiben: nach 2-12 Stunden: Erbrechen, gastro-intestinale Phase; nach 2-6 Tagen: Nierenschäden, Ausfall der Nierenfunktion; zu keinem Zeitpunkt erfolgt eine Leberbeeinträchtigung

    oder –schädigung.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Grafei,


    die Bestimmung ist nicht ganz so trivial bei den Riesenschrimlingen. Die Sporenpulverfarbe ist beispielsweise ein wichtiges Merkmal. Und man müsste deine Fruchtkörper mal im Schnitt sehen.

    Macrolepiota (procera var.) permixta rötet wirklich im ganzen Stielfleisch und auch etwas im Hut. Da sollte aber auch der Hut zwischen den Schuppen rotbräunlich sein. Bei dir sehe ich oben links einen Hut, der zumindest schmutzig zwischen den Schuppen ist, der rechte aber ist dazwischen weiß. Schwierig...

    Macrolepiota (procera var.) fuliginosa rötet auch, aber nur in der Stielrinde.

    Macrolepiota olivascens kenne ich stärker rotbraunschuppig - aber auch der rötet deutlich, sowohl in den Lamellen als auch im Stiel, wobei das Stielfleisch im Schnitt gerne auch blau oder blaugrün anläuft. Das Sporenpulver wäre hier champangerrotbräunlich.

    Macrolepiota rhodosperma rötet auch ein bisserl, hat aber ein rötliches Sporenpulver.


    Nur so von außen fotografiert sage ich auch nur Macrolepiota procera agg., aber sicher nicht im engen Sinn.


    Liebe Grüße,

    Christoph