Beiträge von Tricholomopsis

    Servus Stephan,


    hast du eine Quelle dafür, dass Cortinarius rubicunduklus das Orellanus-Syndrom auslöst? Mein Kenntnisstand ist, dass er kein Orellanin enthält und auch kein Nierengift (was nicht heißt, dass er essbar wäre) und nicht näher mit dem Cortinarius-orellanus-Formenkreis verwandt sei. Ich dachte, er sei ähnlich wie Cortinarius bolaris magen-darm-giftig.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Rotfüßchen,


    der Zahnradkranz ist das Velum universale - man sieht auf einem Foto schön die Abrisskante, sodass ein Zahnradkranz entsteht. Das Velum universale ist gut als hautartige, einreißende Struktur zu erkennen, eben der Zahnradkranz. Dieser klebt auf einem sehr dünnen Velum partiale, das noch zu sehen ist, das der Ring noch nicht abgerissen ist.

    Das Velum universale von Agaricus campestris ist sehr hinfällig und mehr spinnwebig-wattig in der Konsistenz - es bildet keine solch häutige Struktur. Daher ist dieser Zahnradkranz ein Ausschlusskriterium für Agaricus campestris s.str.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Maren,


    das sieht für mich nach einem der "Ingoldian Fungi" aus - also wie ein aquatischer Hyphomyzet. Ich denke da z.B. an die Gattung Flabellospora. Allerdings kenne ich mich mit diesen Pilzen nicht aus. Ich denke, dass die Makroskopie zusammen mit der Mikroskopie die Art leicht bestimmbar machen müsste. Nur habe ich keine aussagekräftige Literatur darüber. Lag der Ast bei einem Bach und ist trockengefallen?


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Wastl,


    Nr. 1 ist auch für mich eine Infundibulicybe, aber an I. gibba glaube ich wegen der Farben nicht ganz (der Stiel ist dafür zu dunkel)


    Nr. 2 sieht für mich wie eine Hohenbuehelia aus. Bei Panellus würden die Lamellen sehr abrupt auf einer Halbkreislinie aufhören und nicht so dünn auslaufen. Auch passt mir Farbe und Hutbereifung nicht.


    Nr. 3 kann ein weißer Pluteus cervinus sein, aber auch ein weißer Pluteus hongoi usw. Geht m.E. makroskopisch nicht.


    Nr. 4 passt - altes Stockschwämmchen


    Nr. 5 ist leider nicht meine Baustelle ;)


    Nr. 6 sieht sehr nach dem Knopfstieligen Rübling aus. Mit einer Lupe müsstest du auch am ganzen Stiel sehr feine Haare sehen.


    Nr. 7 ist auch m.M.n. eine Clitocybe s.l. (die Gattung wurde ja auch zerlegt). Ohne Sporenpulverfarbe würde ich gar nicht erst anfangen, makroskopisch was machen zu wollen...


    Nr. 8 ist interessant. Es ist aber kein Wiesenegerling im engen Sinn, denn der hat kein Zahnradkranz. Das macht hingegen z.B. Agaricus pampeanus. Schwierige Artengruppe... Und der hat nicht nach Karbol gerochen? (Es ist sicherlich nicht Agaricus xanthoderma, klar, aber es gibt da weitere, nicht gilbende Arten)


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Wastl,


    der erste Pilz ist sicher kein Mehlräsling. Du kannst die weißen Trichterlinge auch durch die Fleischkonsitenz vom Mehlräsling unterscheiden. Beim Mehlräsling kannst du das Hutfleisch vor allem am Hutrand wie einen Apfel brechen - es fasert nichts auf, die Abbruchkante ist glatt. Nur ist es viel einfacher, als einen Apfel zu brechen, denn der Mehlräsling ist am Hutrand sehr brüchig. Die Trichterlinge haben Gummifleisch, sind zäh-biegsam, nicht brüchig.

    Die Lamellen des Mehlräslings sind zudem extrem weich und zerdrückbar, die der Trichterlinge nicht. Daher ist es eigentlich sehr simpel, die beiden zu trennen (in Bezug auf Mausmanns Anmerkung: da sollten sich PSV nicht streiten, sondern einfach mal fühlen - das mit der Fleischkonsistenz sollte eigentlich Basiswissen für PSV sein - ich vermute, dass diejenigen welchen wenig Erfahrung hatten).


    Am Foto kann man die Konsistenz vonm Fleisch und Lamellen aber nicht erkennen.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Tomas,


    ich kenne einen Herbstrotfuß und auch einen Falschen Rotfuß (und der hier ist keiner der beiden), aber keinen Falschen Herbstrotfuß... Welche Art meinst du denn?


    Die gezeigte Art ist ganz klar Hortiboletus bubalinus - sogar sehr typisch.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Pablo

    Vielen Dank für diese hervorragende Vorstellung! :thumbup:

    aber sehr gerne doch g:-)



    Die ganze Gruppe ist auch nicht so ganz ohne, und man findet in älterer Literatur auch nicht immer einheitliche Beurteilungen, wie diese Arten (osecanus, urinascens / macrosporus & arvensis) zu trennen sind.

    Dem kann ich nicht ganz folgen. Man kann Agaricus osecanus gut z.B. mit der Flora Agaricina Neerlandica bestimmen - und auch mit dem Gröger-Schlüssel kommt man sehr gut auf Agaricus nivescens (was ein Synonym ist) - dort wird . Agaricus urinascens hat schon sehr viel größere Sporen und auch Agaricus arvensis hat deutlich größere Sporen. Der Sporenquotient von Agaricus osecanus ist sowohl im Gröger als auch in der FAN enthalten (im Schnitt 1,4 - also wirklich nicht "rund"). Das Einzige, was sehr seltsam ist, ist eben der deutsche Name (wer auch immer sich den ausgedacht hat, sollte eine Goldene Zitrone als Preis bekommen *hihi).


    Gerade Agaricus osecanus ist eigentlich sehr gut definiert und daher ja auch so gut bestimmbar.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Memmrich,


    ich muss (leider für dich) Pablo recht geben - das ist der Hausschwamm, Serpula lacrymans. Und zwar eindeutig (man sieht auf einem Foto an einer Stelle auch die gyrös gewundene Fruchtschicht in Braun). Für den Wilden Hausschwamm ist er zu üppig und die Farben passen nicht. Insofern hast du da den wohl berüchtigsten Gebäudepilz im Lichtschacht. Reines Entfernen des Fruchtkörpers bringt nichts. Die Rhizomorphen können viele Meter weit durch das Gestein der Mauer verlaufen und dann können an allen möglichen Stellen Fruchtkörper erscheinen. Irgendwo muss er Zugang zu feuchtem Holz haben. Wenn man den Ursprungsort nicht findet, wird es schwierig. Daher ist die fachmännische Bekämpfung leider teuer und aufwendig.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus John_public,


    man sieht ja sehr gut den deutlichen Zahnradkranz an der Unterseite des Rings deines kräftigen Champignons. Dadurch fällt der Wiesenegerling sowieso weg (was ja auch schon geschrieben wurde). Es gibt zwar bei den Wiesenegerlingen auch Artenmit Zahnradkranz (z.B. Agaricus pampeanus), aber da passt der ganze Fruchtkörperhabitus ohnehin nicht.

    Zudem sehe ich den deutlich hängenden Ring. Ich vermute, dass die Schaeffer-Reaktion positiv ist (das machen nur Agaricus-Manics, denn man muss mit dem wirklich nicht harmlosen Anilin und mit dampfender Salpetersäure arbeiten, um den Test zu machen).

    Und jetzt fängt das Raten an. Ich sehe einen Anisegerling, der aber nur schwach und sehr langsam gilbt. Und der Geruch ist immer so eine Sache - jetzt müsste man wissen, ob du die Aniskomponente aus dem allgemeinen Pilzgeruch rausriechen kannst oder nicht. Da ich vor kurzem selber so einen nur schwach bzw. so gut wie gar nicht gilbenden Anisegerling hatte - Agaricus osecanus (= A. nivescens) - Rundsporiger Egerling (besser: Schwachgilbender Anisegerling) - der auch nur schwach nach Egerling riecht, könnte (! - Betonung auf dem Konjunktiv) es Agaricus osecanus sein. Zu dem passt die Merkmalskombination. Aber die Sektion müsste passen. Wirkliche Speisepilze sind es eigentlich eh nicht, denn die Cadmiummengen, die diese Anisegerlinge speichern, sind abenteurlich hoch. Sie brauchen das Cadmium zum Fruchtkörperbilden. Finde sie zu wenig Cadmium, fruktifizieren sie nicht.


    Bei dem einen Egerling mit den leuchten rosa Lamellen dürfte es sich - wie auch schon geschrieben wurde - wirklich um einen Wiesenegerling handeln. Für eine genaue Artbestimmung müsste man aber viel mehr Details der Stieloberfläche sehen, vor allem den Bereich zwischen Ring und Lamellenansatz (glatt oder schürfelig / flockig / schuppig). Aber auch da würde man ohne Mikroskopie nicht weit kommen.


    Es ist eine sehr spannende, aber nicht sehr einfache Gattung.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    Egerlinge des Offenlands fruktifizieren gerne in der heißen Jahreszeit direkt nach Regengüssen. Bei mir hatte es gewittert – genau die richtige Zeit, um auf weiße Schwammerl in grünem Gras zu achten. Um aber ehrlich zu sein: es war ein Zufallsfund.


    Jedenfalls fielen mir schon direkt beim Einparken am Waldrand große, weiße Egerlinge auf. Es waren mehrere völlig überständige und ein knackfrischer Fruchtkörper:



    Die überständigen habe ich nicht fotografiert - die waren nur noch Hülle und Maden - sie waren zwar wirklich völlig hinüber, aber sie haben fleißig das Gras unter ihnen durch ihr Sporenpulver fast schwarz eingefärbt – Sporenabwurf vor Ort, sehr praktisch. Auffällig war, dass die überständigen Schlappen nicht gelb verfärbt waren, wie ich das von Agaricus arvensis oder Agaricus urinascens her kenne.


    Der Fruchtkörper des jungen Exemplars war als Grundfarbe weiß, am Hut auch mit schmutzigen, etwas grauockerlichen Tönen:



    Der Ring ist eindeutig hängend und zweischichtig – das Velum partiale bildet die weiße, häutige Grundlage des (eben) hängenden Rings, das Velum universale wiederum den auffallend blass cremegelben Zahnradkranz:



    Das Velum universale ist auch an der Stielbasis in Form von gelb-ockerlichen Velumflocken zu sehen:



    Der Fruchtkörper gilbte nicht am Hut, auch nicht bis zum Abend und der dann folgenden Mikroskopiersession - im Schnitt gilbte nur das Fleisch der Stielbasis etwas, aber nicht richtig gelb, sondern mehr ockerlich. Neben dem deutlichen Velum universale an der Stielbasis war das Nicht- bzw. Kaumgilben erstmal das auffallendste Merkmal. Dazu kam der Geruch, der höchstens ansatzweise nach Anis zu bezeichnen wäre. Für mich spielte da mehr der normale, würzige Egerlingsgeruch hinein, dazu eine Komponente, die mich an Heu erinnerte, gemischt mit einer undefinierbaren, etwas unangenehmen Komponente und im Hintergrund nur etwas Anis. Insofern ließ der Geruch schon an Agaricus urinascens denken, der aber deutlicher gilbt (und auch deutlicher nach Anis riecht, wie ich finde).


    Die Schaeffer-Reaktion ist am Hut und am Stiel positiv, die KOH-Reaktion an allen Teilen des Fruchtkörpers kühl zitronengelb:



    Am Stiel habe ich (wegen Platzmangel) keinen Kreuztest gemacht, sondern erst Anilin auf die Stelle gegeben und dann später dorthin die Salpetersäure - die Reaktion ist hier sehr deutlich, fast schon rotorange. Das Aufschäumende Fleisch ist eine Folge der Salpetersäure (65%, dampfend).



    (KOH-Reaktion auf dem Hut größer dargestellt - der Farbton ist ein künstliches, kühles Gelb)


    Der Jungspund hatte immerhin bereits 10 cm Hutdurchmesser und der Stiel war stolze 12x 2 cm – die alten Schlappen waren deutlich größer.


    Die Lamellen waren – typisch für Anisegerlinge – nur blass graurosalich, etwas schmutzig im Farbton und alles andere als leuchtend.


    Der erste Blick ins Mikroskop zeigte dann sehr kleine Sporen:

    (5,25-) 6-6,5-7 x (4-) 4,25-4,6-5 µm; Q = 1,22-1,41-1,56



    Die Sporen sind nicht wirklich kugelig. Ich weiß nicht, wer sich den Namen "Rundsporiger Egerling" ausgedacht hat... Es ist einer der Anisegerlinge und er gilbt nur schwach. Das wäre eher ein treffender Name (und nicht so irreführend wie "rundsporig"). Schwachgilbender Anisegerling wäre mein Vorschlag.


    Richtige Cheilocystiden fehlen, die Schneide ist aber steril bzw. es ist eine relativ breite, sterile Zone mit kurzgliedrigen Hyphen, die statt in jeweils großen, deutliche Cystiden zu enden, auch an der Hyphenspitze aus kurgliedrigen, mehrzelligen Elementen besteht (katenulate Marginalzellen bzw. Cheilocystiden). Die Endzellen messen 12,5-28,5 x 6,5-10 µm, sie sind meist eiförmig, seltener etwas gestreckter.


    Die Hyphen des Velum universale (Zahnradflocke) sind 6-13 µm dick, die Septen wirken eingeschnürt, die Zellen sind so um die 30-45 µm, seltener bis 90 µm lang.


    Die Hyphen des Velum partiale bestehen aus längeren, schmaleren Zellen, so um die 70-110 x 4-8 µm, die Septen sind nicht oder nur selten eingeschnürt.


    Bei der Merkmalskombination ist eigentlich alles klar – und endlich habe ich ihn gefunden (ich suche schon länger nach dieser Art): es ist Agaricus osecanus (im engen Sinn, A. osecanus var. squarrosipes unterscheidet sich um den namensgebend schuppigen Stiel unterhalb des Rings).


    Ich denke, man kann diese Art schon makroskopisch gut eingrenzen, da es sich eben um einen Anisegerling handelt, der fast nicht gilbt, wenig nach Anis riecht, aber eben entsprechend mit KOH reagiert (und natürlich überall Schaeffer-positiv ist). Zudem ist das auffallende Velum universale an der Stielbasis möglicherweise ein guter Hinweis. Dafür habe ich aber noch zu selten die anderen der Gruppe (A. arvensis, A. urinascens) gesehen. Bei mir sind die alle leider ziemlich selten.

    Egerlinge sind zwar meist schwer bestimmbar, es gibt aber eben auch Ausnahmen. Agaricus osecanus ist so eine Ausnahme. Man muss nur sehr genau auf die Vela achten, die Abziehbarkeit des Rings, die Makrochemie, die restliche Makroskopie und ein bisserl mikroskopieren. Ist ja alles keine Zauberei.


    Laut pilze-deutschland (falls aktuell) wäre es der erste Nachweis für Südbayern. Jetzt gehe ich aber davon aus, dass nur wenige sich intensiver mit großen, weißen Egerlingen beschäftigen. Viele werden vermutlich sowas einfach in die Pfanne hauen (wenn man nichts von dem extrem hohen Cadmiumgehalt weiß), statt sauber zu bestimmen. Daher sind Aussagen zur Häufigkeit schwierig.


    Ach ja, zur Ökologie. Der Fundort (Dürabuch, Gemeinde Egenhofen, Lkr. Fürstenfeldbruck, Oberbayern) liegt im Tertiärhügelland und ist daher eher bodensauer. Es war aber eine kleine Wiesenfläche zwischen einem Maisfeld und einem völlig begrasten Feldweg. Das Myzel war recht groß und Fruchtkörper reichten vom Weg bis in die Wiese hinein. Der Weg kann im Untergrund daher durchaus Kalk zur Verfügung stellen – je nachdem, was da früher mal hingeschüttet wurde. Die Schotterebene (Kalk) ist nicht weit weg und manchmal wurde ja auch Bauschutt, Mörtel usw. auf die Wege gehauen. Jetzt ist der Weg dort aber wie gesagt eine „Grünfläche“ mit verdichtetem Boden geworden. Ich kann also keine genaue Aussage zum Boden-pH oder zur Basenversorgung sagen.

    Achtet mal auf solche Egerlinge – jetzt ist genau die richtige Jahreszeit. Also: auf, auf, die Egerlinge warten auf euch...


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Ralph,


    dass Stropharia rugosoannulata Nemtoden mit Hilfe der Acanthocysten fängt und frisst, haben Luo et al. (2006) entdeckt. Sie haben aber nur die Wirkung der isolirten Acanthocysten auf Nematoden untersucht und die Acanthocysten licht- und rasterelektronenoptisch untersucht und dabei festgestellt, dass die Stacheln wirklich sehr spitz enden. Sie haben ferner die Verletzungen an den Nematoden darstellen können und auch gezeigt, dass die Nematoden verdaut werden.


    Über die Zusammensetzung der Acanthocysten haben sie aber leider nichts geschrieben. Es ist aber recht wahrscheinlich, dass das mittlerweile untersucht wurde. Wenn ich was drüber finde, gebe ich Bescheid.


    Literatur:

    Hong Luo, Xuan Li, Guohong Li, Yanbo Pan & Keqin Zhang (2006):Acanthocytes of Stropharia rugosoannulata Function as a

    Nematode-Attacking Device. Applied and Environmental Microbiolgy 74(2): 2982–2987.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Oehrling,


    es sind viele Merkmale... man sieht das auf den Fotos im Eröffnungsthread - ein Fruchtkörper zeigt eine kleine weiße Zone am Lamellenansatz - kenne ich so von Lactarius. Ein Foto zeigt eine abgebrochene Stielbasis - ist gerade gebrochen, fasert nicht auf. Die Stieloberfläche sieht für mich typisch für (wassergubenfreie) Milchlinge aus. Schwer zu beschreiben, es gibt auch andere Pilze mit glattem Stiel, aber die Oberflächenstrukutr erinnert mich an Lactarius. Die Lamellen wellen sich auch bei jungen Fruchtkörpern ohne Trockenstress (kenne ich vom Würzigen Tellerling nur, wenn er eintrocknet). Die Lamellen erscheinen etwas dicklich und die Hutoberfläche erinnert mich schon sehr stark an den Maggipilz.


    Zudem meine ich, den Würzigen Tellerling recht gut zu kennen. Die Fotos ergeben da für mich kein Wiedererkennen.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Wegen dessen gelber Variante hätte ich einmal eine Frage. Ich finde die oft in jungem Zustand mir brauner Hutfärbung die im Alter gelb wird. Hast Du sie auch schon einmal jung mit gelber Hutfärbung gefunden?

    Servus Hannes,


    ich kenne den Riesenträuschling auch jung gelb - es gab vor ein paar Jahren diese gelbe Varietät in einem abgeernteten Maisfeld. Ich hatte leider keine Kamera dabei und kam nicht mehr dazu, das Maisfeld nochmal zu besuchen. Im Nachhinein ärgert es mich, keine Fotos und keinen Beleg gemacht zu haben.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    bei mir in Mammendorf wächst im Rindenmulch am Bürgerhaus unter anderem auch ab und zu der Riesenträuschling. Meist wird er leider schon jung rausgerupft und man findet nur liegende, kaputte Fruchtkörper. Gestern hingegen stand ein fast ausgewachsenes Exemplar bereit zum fotografiert Werden:







    Der Hut ist fein schuppig-schürfelig und nur etwas klebrig (hier aufgrund der Wärme/Sonne völlig abgetrocknet), der Stiel ist (im Gegensatz zu dem von Stropharia hornemannii) glatt bzw. längsrillig und der Ring ist (namensgebend - rugoso-annulata) auf der Oberseite rau-buckelig (insgesamt aber etwas gerieft).


    Die Sporen sind im Mikroskop weinrot-violettlich, dickwandig und haben einen deutlichen Keimporus:



    Die Sporen sind in Aufsicht etwas breiter als von der Seite betrachtet - der Effekt ist aber recht gering, optisch aber auffallend. Das spiegelt sich ein bisserl im Quotienten wider:


    9,0-10,7-11,75 x 6,25-6,7-7,25 x 6,5-7,3-7,75 µm;

    QSeite = 1,53-1,60-1,64; Qoben = 1,34-1,47-1,58


    Die Cheilocystiden sind keulig bis aufgebläht blasig, seltener zylindrisch und messen 33,5-43 x 13,25-21,5 µm (bei diesem Fruchtkörper):



    Interessant ist aber vor allem die Biologie des Riesenträuschlings bzw. der Gattung Stropharia: Träuschlinge sind Nematodenjäger mittels spezieller Fangzellen, den Acanthocysten. Diese sind sehr klein, haben aber auffällige, lange Stacheln, an denen sich die Nematoden verletzen/aufspießen - der Träuschling wächst dann in den Wurm hinein und verdaut diesen. Das Besondere: die Acanthocysten sind isolierte Zellen und nicht mehr im Kontakt mit den Hyphen des Träuschlings. Nach der Mahlzeit verschmilzt dann das aus der Fangzelle ausgewachsene Teilmyzel mit dem Hauptmyzel und gibt die aufgenommenen Stoffe ab/weiter.


    Um die Fangzellen mal selber zu sehen, habe ich einfach etwas des Substrats mitgenommen. Der Träuschling bildet ein üppiges Myzel mit kräftigen Rhizomorphen. Man sieht aber immer wieder Substrat, das wie bepudert erscheint:


    Im Bino bei 40-facher Vergrößerung erkennt man dann schon gerade noch die Stacheln der Acanthocysten (hier ist das Bild leider nix geworden, aber es soll zeigen, wie klein diese Zellen sind).



    Streift man diesen "Puderzucker" in einen Wassertropfen, sieht man im Mikroskop sofort die Fangzellen:





    Die Stacheln brechen allerdings leicht ab. man darf also nicht quetschen. Manchmal liegen die Fangzellen in dicker Lage übereinander - sehr beeindruckend.

    Es war erstaunlich einfach, diese Fangzellen zu finden, zu erkennen, zu präparieren. Ich kann nur empfehlen, das mal selber zu machen. Ich habe nur ein Bino und eine Präpariernadel benötigt. Und schon sieht man Träuschlinge mit anderen Augen.


    Nebenbei angemerkt: die Fangzellen sind im Moment das Gattungsmerkmal für Stropharia s.str. - so hat z.B. Protostropharia keine Acanthocysten, sondern nur ähnliche Strukturen, die aber Teil des Myzels bleiben (Acanthocystiden).


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    Milchlinge haben typischerweise untermischte Lamellen. Die meisten Täublinge (z.B. bis auf die Compactae) haben keine Zwischenlamellen oder nur vereinzelt eingestreute. Insofern sind die Zwischenlamellen nicht geeignet, hier zwischen Lactarius und Rhodocybe zu unterscheiden. Auch Lactarius hat Zwischenlamellen.


    Es ist m.M.n. aber klar ein Lactarius, was hier gezeigt wird. Auf Rhodocybe gemina käme ich hier beim besten Willen nicht.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Norbert,


    ich habe heute auch einen etwas blasseren und relativ glatthütigen Neofavolus alveolaris gefunden. Es ist ein Winzling auf einem kleinen Ästchen - Hutdurchmesser 2 cm. Ökologie: Kalkbuchenwald, am Boden liegendes Ästchen (Rotbuche):




    Man sieht auch hier die feine Bewimperung am Hutrand in diesem Stadium.


    (Ich würde empfehlen, den Thread-Titel zu änndern, damit man später das Thema / den Pilz besser finden kann)


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Jürgen,


    stimmt, wenn man die Hutfarbe neutral betrachtet, dann ergibt das Sinn. B. appendiculatus ist da wirklich ein sehr guter Kandidat. Das erklärt auch das Fehlen der Rottöne am Stiel (das hatte mich als "Bestimmungspolizei" ja auf den Plan gerufen, etwas anzumerken). Dann sollte das Blauen aber nicht sofort, sondern langsamer als bei B. fuscoroseus und Konsorten erfolgt sein (insbesondere an den Poren kann man m.E. B. appendiculatus von B. fuscoroseus unterscheiden: ersterer blaut mit Verzögerung, wenn man mit dem Fingernagel einen Strich setzt, B. fuscoroseus hingegen sofort). Das kann man am Foto aber nicht sehen.


    Da ich ja gerne mikroskopiere und es als unnötigen Luxus ansehen, klare Bestimmungsmerkmale einfach nicht zu beachten, bleibt mein Angebot stehen. Wenn Calabza aber bestätigt, dass das Blauen nicht sofort kam, dann sind auch meine letzten Restzweifel makroskopisch weg.


    Der Hintergrund meiner Restzweifel: es gibt farblich alle Übergänge zwischen den beiden. Mir wurde z.B. bei einer Pilzausstellung in Italien eine "Boleten-Parade" auf den Tisch gelegt, die mit B. appendiculatus anfing und mit B. fuscoroseus aufhörte. Links war es ein reines Braun, rechts das typische Rotbraun (Huthaut meine ich). Und dazwischen wirklich farblich alle Übergänge. Abgesehen von dem Rot am Stiel waren die beiden Arten dann aber auch durch das Berühren der Poren sofort zu unterscheiden. ;)


    Hier passt es aber wirklich gut aus B. appendiculatus. Soviel zu Suggestion durch Threadüberschriften ^^


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beli, servus beinand,


    das Packerl ist gut bei mir angekommen. Das Fruchtkörperstück war - wie zu erwarten - viel zu jung, um Sporen zu produzieren. Aber die Hutdeckschicht war problemlos zu präparieren.


    Die meisten Hyphen der HDS sind zwischen 4 und 6 µm dick, einzelne nur 2,75 µm, manche bis 6,75 µm. Die Endzellen sind relativ lang gestreckt - ich habe eine vermessen, die 80 µm lang war (es geht ja nur um den HDS-Typ an sich).





    Etwas weiter unten, aber noch nicht in der eigentlichen Huttrama, sind auch immer wieder wenige, kurzgliedrigere Hyphen eingestreut, die etwas breitet werden:


    (das war die dickste Zelle, die ich gefunden habe - sie misst 19 x 8,5 µm)


    Inkrustationen sind auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Man muss sehr genau hinsehen, um ab und zu sehr feine Inkrustationen in Form von Punkten / kleinen Knubbeln auf der Zellwand. Fokussiert man hin und her, dann kann man das ganz gut erkennen. Fotos per Handy durch's Okular sind da nur bedingt geeignet, aber es geht...:



    Damit ist Butyriboletus furscoroseus ausgeschlossen. Es bleiben nur B. fechtneri und B. roseogriseus übrig. Letzterer fällt aber m.E. makroskopisch raus (anatomisch sind sich die beiden sehr ähnlich - da traue ich mir keine Unterscheidung zu). Insofern kann ich in der Tat Jürgens Bestimmung als B. fechtneri bestätigen.


    Für mich ist diese extrem dunkle Hutfärbung wirklich neu. Die Subcutis kann bekanntlich rotbraune Töne haben, aber dass schon bei so jungen Exemplaren die HDS selbst so dunkel rotbraun sein kann, ist schon extrem. Kallenbach hat mit seiner Beobachtung daher (mal wieder) recht. In aktuellen Umschreibungen von B. fechtneri fehlt diese extreme Ausprägung. So auch bei Janda et al. (2019): Butyriboletus regius and Butyriboletus fechtneri: typification of two well-known species. Czech Mycology 71(1): 1–32.


    Wieder was gelernt ==Gnolm13 - so macht Mykologie Spaß.


    @beli - die Lycogala zeigt keinerleit pilzliche Strukturen, keine Hyphen, keine Zellen. Insofern passt Lycogala sehr gut (was aber eh schon klar war). Den Trichterling mache ich die Tage ;)


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Pablo,


    das hatte ich ja geschrieben - die Lamellen sind bei Russula cutefracta so weich wie beim Frauentäubling (gleiche Konsistenz). Und auch ja, der Bereich in der Hutmitte, wo das Grün ausgeblasst ist, passt auch auf R. virescens (hatte ich ebenfalls geschrieben) ;-). Deshalb denke ich ja ebenso an diese Art. Ich wollte nur die Zusatzinfo geben, dass weitere Arten eine so aufgerissene Huthaut haben können (und ebenfalls grün sein können).


    Liebe Grüße,

    Christoph