Servus Bernd,
bei den uralten Bäumen wie Old Tjikko wurde mittels der C14-Methode (Radio-Karbon-Methode) das Alter bestimmt und nicht über die Größe und den Zuwachs. Bei Pando (eine ca. 80.000 Jahre alte Pappel, die mittlerweile ein im Wurzelbereich zusammenhängender Wald ist), kann sein, dass es über Masse und Zuwachs geschätzt wurde, aber ich hatte auch da im Hinterkopf, dass Holzproben des Wurzelbereichs untersucht wurden.
Pilze bilden aber eben keine (tote) Holzmasse, anhand derer man die C14-Methode anwenden könnte. Pilze sind als Myzel potentiell unsterblich. Betonung auf potentiell. Man geht davon aus, dass Mykorrhizapilze ein bis zwei Jahre ohne Wirt überleben und dann absterben. Wie auch erwähnt wurde, heißt das auch nicht, dass Myzelien durch Veränderung der Umweltbedingungen wie Bodenfeuchte, pH-Wert, Nitratkonzentration usw. nicht sterben können.
Wir verändern die Umwelt rasant -vorher, davon gehe ich aus, wurden Myzelien leicht mehrere Tausend Jahre alt, wenn sie die Konkurrenz zu anderen überleben. Konkurrenzschwächere Pilze werden wohl eher verdrängt. Kurz gesagt: man kann bis auf Ausnahmen wie bei Hexenringen kein Myzelalter angeben.
Wenn Pilze so alt werden, dann könnte man ja davon ausgehen, dass es nicht schlimm ist, wenn mal mehrere Jahre nichts zum Aussporen stehen bleibt, falls mal sehr eifrige Sammler unterwegs sind.
Servus jos,
im Prinzip ja - wenn nicht folgende Punkte dagegen sprechen:
1.) Potentiell unsterblich heißt nicht, dass Konkurrenz oder Änderungen im Boden zu dynamisch ablaufen, um wirklich alte Myzelien zu erhalten. Die Wahrscheinlichkeit, aus den Sporen heraus neue myzelien zu bilden, dürfte sehr gering sein, denn die meisten "Plätzchen" sind schon besetzt. Behindert man mittelfristig die Sporenverbreitung stark, geht die Wahrscheinlichkeit des sich Vermehrens vielleicht auch gegen Null. Stirbt in dem Zeitraum das Myzel, hat der Pilz Pech gehabt.
Deshalb sollte man ja sehr seltene Pilze nicht sammeln, da dann der Sammeldruck sich schon bemerkbar machen könnte.
Häufige Arten wie den Steinpilz wird man durch kurfristiges Übersammeln wohl nicht sehr groß schädigen. Aber auch hier - bei dynamischen Waldverhältnissen (Rodung, Neuanpflanzung), muss sich auch der Steinpilz immer wieder neu ansiedeln und wird absterben.
Die berühmten Studien aus der Schweiz hinsichtlich des Absammelns von Fruchtkörpern beziehen sich immer auf die abgesammelten Myzelien, nicht aber auf den Fortpflanzungserfolg. Und da greift man beim Sammeln der Fruchtkörper logischerweise ein, da man ja die Sporenausbreitung verringert. ![]()
Liebe Grüße,
Christoph
