Servus beinand,
ein Egerling - sehr spannend :-). Ich mag ja Egerlinge sehr gerne... Daher noch kurz mein Senf dazu:
Agaricus subperonatus hat einen hängenden bis intermediär angewachsenen Ring, d.h. er ist nach oben abziehbar oder gar nicht abziehbar, weil er gleich abreißt. Agaricus subfloccosus wiederum hat einen Ring, der nach unten abziehbar ist. Das sieht rein optisch aus, als wäre er hängend, aber er hat am Stiel nur eine nach oben gehenden Verdickung, ist da aber nicht am Stiel angewachsen, sondern über das Velum universale ist er mit dem Stiel verbappt - also nach unten abziehbar. Der Ring von Agaricus subfloccosus sieht genauso aus wie der von Agaricus bisporus.
Ludwig als Referenz geht bei Egerlingen nur zum Teilkt (wie schon geschrieben wurde), weil Ludwig die genauen Velumverhältnisse nicht kannte bzw. nicht genau angesehen hat. So malt er beim Zuchtegerling den Ring eindeutig als hängend, dabei ist er aufsteigend (und täuscht nur hängend vor). Dass er es bei Agaricus subfloccosus/A. subperonatus richtig beschreibt, ist natürlich gut. Aber bei Agaricus bisporus hat er es falsch im Buch. Und dann kommt man schnell auf's Glatteis. So ist Agaricus subfloccosus kaum von Agaricus bisporus var. eurotetrasporus unterscheidbar (es geht ein bisserl was makroskopisch, aber man braucht die DNA, um ganz sicher zu sein). Bestimmt man mit Ludwig, dann würde man letzteres nie erkennen, sondern der immer als A. subfloccosus bestimmt werden. Aber zurück zu A. subperonatus...
Agaricus subperonatus gehört zur Sektion Bivelares, also zusammen mit dem Zuchtegerling., Stadteherling und eben A. subfloccosus. Da haben die meisten den nach unten abziehbaren Ring (weshalb Stefan das auch die ganze Sektion bezieht), aber eben mit der Ausnahme von A. subperonatus. Da der Ring aus Teil- und Gesamthülle gemeinsam aufgebaut ist, ist es kein so großer Schritt von aufsteigend zu hängend - es geht nur darum, welches Velum stärker die Konsistenz des Rings bestimmt.
Die Fotos hier passen sehr gut zu Agaricus subperonatus - aber eben wie so oft mit ein paar Abers. Die Fleischverfärbung würde perfekt zu Agaricus subfloccosus passen, der es aber nicht sien kann, weil der Ring da gar nicht passt. Ich habe Agaricus subperonatus noch nicht so stark verfärben gesehen. Allerdings verfärbt Agaricus subperonatus schon auch rötlich im Fleisch, nur nicht so intensiv. Insofern kann das ein Ausreißer sein, der abnormal stark verfärbt. Insofern würde mich das nicht allzusehr stören.
Was mir aber auch nicht so ganz passt ist die Sporenform. Die sollten vom Gefühl her einen kleineren Quotienten haben, also breiter ellipsoid sein. Da würde ich empfehlen, einfach mal 40 Sporen zu messen und die Quotienten zu bilden.
Pleurocystiden können, müssen aber nicht bei Agaricus subfloccosus auftreten. In der Sektion Bivelares sind eh sehr gerne dickwandige Sklerobasidien vorhanden - es wird diskutiert, dass diese "Pleurocystiden" nur besonders auffälliger Sklerobasidiolen sind. Also Sklerobasidien, die noch keine Sterigma gebildet haben.
Die Makroskopie, der oben geriefte Ring, der auch oben abgerissen ist (Abrisskant gut zu sehen), die deutlichen, aufsteigenden Bänder des Velum universale am Stiel (die die ganze Sektion der Waldegerlinge ausschließen - es kann keine Art rund um Agaricus sylvaticus sein), auch die Hutoberseite (die Hutschuppen müssen nicht so kontrastreich abgesetzt sein) - alles passt auf Agaricus subperonatus.
Da das Fleisch aber so stark verfärbt und die Sporen nicht genau passen, würde ich dennoch beim cf. bleiben (wenn die Sporen doch die passenden Maße ergeben, nehme ich das zurück, die Fleischverfärbung allein macht mir kein Kopfzerbrechen).
Liebe Grüße,
Christoph