Beiträge von boccaccio

    Hallo zusammen,


    ich war am letzten Samstag im Wuppertaler Arboretum, einem Wald in dem verschiedenste Bäume in Rein- und Mischkultur gepflanzt sind um sie auf ihre Eignung als Forstbäume der Zukunft zu untersuchen. Das ist einerseits sehr nett, weil man dann auch im Flachland mal die Chance auf Pilze an Tannen bekommt, andererseits auch sehr ernüchternd, weil dort sehr wenig Totholz im Wald liegt. Außerdem ist die Bestimmung der ganzen exotischen Bäume natürlich alles andere als trivial. An einer Stelle gab es dann einen stehenden, mehrere Meter hohen Stumpf eines Nadelbaums (Sumpfzypresse?, Mammutbaum?), am dem sehr zahlreich ein weißlicher Porling wuchs. Leider entpuppt sich die Bestimmung als schwierig.


    Pilz am Fundort


    Poren unter dem Mikroskop bei 40x und 100x Vergrößerung


    Sporen in Wasser. Sporenmaße

    4.8±0.3 µm × 3.8±0.2 µm, Q=1.2±0.1

    4.0-5.3 µm × 3.5-4.4 µm, Q=1.2-1.4

    N=28

    Sporen waren weder amyloid noch dextrinoid und sind glatt

    Hymenium: Septen der generativen Hyphen ohne Schnallen, Basidien 4-sporig ohne Basalschnalle, Zystiden wahrscheinlich nicht vorhanden (auch wenn es an einigen Stellen größere Blobs gab, siehe unten), Hyphensystem monomitisch, Hyphen weder amyloid noch dextrinoid

    Hier einige Beispiele für die oben erwähnten Blobs, die eventuell Zystiden sind oder aber auch nicht


    Da ich die Poren als regulär bezeichnen würde, landet man damit bei Bernicchia und auch Ryvarden in Teilschlüssel E. Interpretiert man die Blobs oben als Zystiden, gelangt man zu Oxyporus, aber da paßt dann keine Art. Ohne Zystiden kommt man bei Leptoporus mollis oder Rigidoporus raus, aber das paßt auch nicht. Was übersehe ich hier?


    Björn

    Hallo Thomas,


    das kommt natürlich immer ein bißchen darauf an, gegen was man Melanoleuca abgrenzen möchte, aber grundsätzlich ist die Kombination aus farblosen Sporen mit amyloiden Warzen und die Abwesenheit von Schnallen schon sehr charakteristisch.


    Björn

    Hallo Vitus,


    schwierige Frage. Clemencon diskutiert das ein wenig und spekuliert, daß die spitzen Zystiden ohne Finger in den Stereumarten mit Acanthozystiden auch Acanthozystiden sind. Ich würde aber sagen, daß es letztlich egal ist, wie man die Dinger benennt. Wichtig ist für die Bestimmung eigentlich nur, daß man im Präparat irgendwo 1-2 Finger findet.


    Björn

    Hallo Vitus,


    es sieht so aus, als gäbe es unterschiedliche Definitionen von gloeopleren Hyphen bzw. Gloeozystiden. Beenken schreibt ja ganz explizit als ersten Satz auf S. 323, daß er unter gloeopleren Hyphen Elemente versteht, die mit SV positiv reagieren. Wenn man aber z.B. bei Clemencon (Anatomie der Hymenomyceten 1997) schaut, steht dort, daß Gloeozystiden mit SV manchmal reagieren.


    Zu den Stereumzystiden: Da solltest du bei der Beurteilung der Farbe zunächst mal bedenken, daß du dein Präparat mit Kongorot gefärbt hast, also die Farbe des Zellinhalts durch die Kongorote Brille betrachtest. Ansonsten haben Pilze ja immer eine gewisse Variabilität und der Inhalt der Stereum-Zystiden wird in der Praxis dann irgendwo zwischen hyalin und braun liegen. Wenn man sich deine beiden Zystidenbilder anschaut, sieht man das eigentlich ganz schön. Die eine Zystide hat einen deutlich dunkelbraunen Inhalt, die andere Zystide ist zwar nicht deutlich braun, aber hat eben auch sicher keinen farblosen Inhalt.


    Bei deinem letzten Bild denke ich nicht, daß das eine Acanthozystide darstellt. Ich habe gerade mal meine Mikrofotos von S. rugosum durchgeschaut und muß sagen, daß man Acanthozystiden zwar hier und dort erkennen kann, aber daß sie offenbar auch nicht unmittelbar ins Auge springen:


    Björn

    Hallo zusammen,


    bei Aussagen wie

    Zitat

    Die Traditionelle Chinesische Medizin hat jahrhundertelange Erfahrungen mit Pilzen zum Zwecke der Gesunderhaltung des menschlichen Körpers und verfügt über ein umfangreiches Wissen. In Europa ging dieses Wissen weitestgehend verloren.

    krempeln sich mir sämtliche Fußnägel hoch. Die Traditionelle Chinesische Medizin verwendet auch Tigerpenisse zur Heilung/Gesunderhaltung, wissenschaftlich fundiert ist das aber alles nicht. Dann zu behaupten, in Europa wäre entsprechendes Wissen verloren gegangen halte ich für groben Unfug.


    Björn

    Hallo Vitus,


    zunächst mal zu den Gloeohyphen (gleiches gilt aber auch für Gloeozystiden): Die können eine positive SV-Reaktion haben, müssen es aber nicht. Wenn du z.B. bei Bernicchia in den Peniophora-Schlüssel schaust, wird dort in Schritt 14 gefragt, ob die Gloeozystiden SV+ oder SV- sind. (Nebenbemerkung: Laut Bernd Oertel sind alle Russulales mit SV+ Gloeozystiden scharf, weil der entsprechende Inhaltsstoff positiv reagiert).


    Zu den "Gloeohyphen" von Stereum konnte ich in der Literatur keine konkrete Aussage zum SV-Verhalten finden, ich gehe dann aber eher davon aus, daß es dort keine Reaktion gibt. Ich habe hier Gloeohyphen mal in Anführungszeichen gesetzt, weil Bernicchia z.B. schreibt "the conducting hyphae, functionally or not, seem to be homologous to the gloeoperous hyphae present in the rest of the russuloid lineage" und in den CoNE nur von "oleiferous pseudocystidia" die Rede ist. Wenn ich mir meine eigenen Mikrobilder von Stereum anschaue, sehe ich da auch nichts, was den typisch öligen Inhalt von echten Gloeohyphen/zystiden hat. Was ich dort aber sehe, sind genau die dickwandigen Pseudozystiden, die aus langen, scheinbar unseptierten Hyphen entspringen (ob das Skeletthyphen sind oder nicht, scheint Interpretationssache zu sein: CoNE schreibt, daß Stereum monomitisch ist, bei Bernicchia ist Stereum dimitisch). Teilweise sind die Pseudozystiden in meinen Präparaten mit braunem Inhalt gefüllt, in den anderen Fällen aber nicht. Ich kann mir vorstellen, daß da auch das Alter des Fruchtkörpers eine Rolle spielt.


    Stereum rugosum mit Füllung


    Stereum sanguinolentum ohne Füllung (bzw. ganz recht mit einer gefüllten Zystide)


    Björn

    Hallo zusammen,


    ich bin auch dabei (komme aber eventuell etwas später, weil heute mal wieder MAB-Zoom um 19 Uhr ist). Es ist aber gerade wirklich Saure-Gurken-Zeit, ich hab auch nur 4 Pilze vom Sonntag.


    Björn

    Hallo Vitus,


    die dickwandigen Objekte, die du als Skeletthyphen interpretiert hast, würde ich für die Pseudozystiden halten. Die sollten aber nicht mit SV reagieren, zumindest kann ich dazu in ter Literatur nichts finden. Die Acanthozystiden sind leicht zu übersehen, da kannst du noch mal versuchen stärker zu quetschen, bis das Präparat wirklich einem Schlachtfeld gleicht und überall flach und zerstreut die diversen Pilzbestandteile verteilt sind.


    Björn

    Hallo Vitus,


    ich hätte den Pilz rein makroskopisch bei Stereum rugosum verortet (hat der Pilz im frischen Zustand beim Kratzen gerötet?). Da müßten dann mikroskopisch noch Acanthozystiden zufinden sein.


    Björn

    Zitat

    Es ist schon verwunderlich, dass Marco Thines als Co-Autor der Art und des Artikels, sowie als Editor in Chief bei Mycological Progress, so einen Unsinn zulässt bzw. unterstützt.

    Vielleicht ist er aber auch derjenige, der diesen Unsinn überhaupt erst antreibt. Es gibt ja vom letzten Jahr ein Paper mit neuen Peronospora-Arten auf Plantago und dort wurde eine Peronospora a M. Mu & Thines beschrieben. Wenn man sich dann die Schnittmenge mit den Autoren von Bremia o Kontos & Thines anschaut, bleibt nur ein Name übrig...


    Björn

    Hallo longimanus,


    das eine Buch zur Bestimmung von Pilzen an Holz gibt es nicht, dafür wachsen einfach zu viele verschiedene Pilze auf Holz, von diversen Ascomyceten über Corticiaceaen und Porlingen zu Anamorphen. Schwebt dir schon eine bestimmte Richtung vor, in die die Reise zu den Holzpilzen gehen soll? Bei den Corticiaceaen z.B. empfehle ich Band 12 aus der Reihe Fungi Europaei, daneben das Buch von Larsson und Ryvarden (bis jetzt Band 1 von 3 geplanten Bänden erschienen). Bei Porlingen gibt es Band 10 der Fungi Europaei und von Ryvarden und Melo Poroid Fungi of Europe.


    Björn

    Hallo Nanette,


    Sorbus aucuparia ist schon der Lieblingswirt von G. cornutum, auch wenn die Art wohl prinzipiell auch an andere Sorbus-Arten geht (aber nicht an S. torminalis). Deutlich häufiger findet man an J. communis aber Gymnosporangium clavariiforme, der einen viel auffälligeren Befall verursacht



    Außerdem gibt es noch G. tremelloides mit Wirtswechsel zu Sorbus aria, der auch relativ auffällig ist, aber auch gleichzeitig ziemlich selten. Bis jetzt ist der aus NRW nur aus Alendorf bekannt (aber das ist ja immerhin auch auf Kalk).


    Björn

    Hallo zusammen,


    Gymnosporangium cornutum findet man durchaus auch im Flachland. Man braucht aber natürlich Juniperus communis als Wirtswechselpartner in der Nähe. Hier mal einige Bilder von Aecien auf Sorbus aucuparia aus der Westruper Heide bei Haltern am See, ergänzt durch einige Mikrofotos, denn auch mikroskopisch haben Roste etwas zu bieten:


    Pseudoperidienzellen

    Aeciosporen


    Ansonsten kann man im Frühjahr auch Ausschau nach den Telien auf Juniperus communis halten. Die sind nicht ganz so einfach zu finden, weil sie relativ kurzlebig sind und nur bei feuchter Witterung entsprechend schön aufquellen und dann einfach zu sehen sind.

    Teliosporen mit der typischen Kappe über den Keimporen

    Basidien und Basidiosporen


    Björn

    Hallo zusammen,


    was auch befremdlich ist: Im Abschnitt über die Etymologie dieses Namens wird explizit gesagt, daß die Art dem offiziellen Namen Bangkoks gar nicht ähnelt (was auch nicht verwundert, wie soll ein Pilz einem Stadtnamen ähneln können). Da hätte ein guter Referee ruhig mal dazwischengrätschen sollen um so einen Unfug zu verhindern.


    Björn

    Hallo zusammen,


    dafür gibt es im gleichen Paper aber ja auch einen sehr kurzen Namen mit Bremia o. In den Acknowledgements erfährt man dann auch, welcher Name einem erspart geblieben ist:



    Da wünscht man sich schon, daß die Autor:innen bei der Namensgebung etwas weniger Quatsch gemacht hätten...


    Björn