Beiträge von boccaccio

    Hallo zusammen,


    gestern war ich bei strömenden Regen auf einer kleinen Runde in Hattingen unterwegs und konnte dort den Rostpilz Phragmidium potentillae an Potentilla argentea finden. Der Pilz bildet auf der Blattunterseite orangefarbene Aecien vom Caeoma-Type, orangefarbene, kissenförmige Uredien sowie sehr dunkle, fast schwarze Telien. Jetzt im Herbst findet man in der Regel nur die Uredien und Telien. Die Uredosporen sind rundlich, warzig ornamentiert und haben deutlich erkennbare Kappen auf den Keimporen. Außen sind die Uredien von keulenförmigen, farblosen Paraphysen umgeben. Die Teliosporen sind dunkelbraun, haben 4-5 Zellen, sind gestielt und haben an der Spitze eine kleine Papille.


    Befallene Pflanze am Fundort


    Uredien und Telien auf der Blattunterseite


    Uredosporen in Wasser


    Paraphysen der Uredien in Wasser


    Teliosporen in Wasser


    Björn

    Hallo Andreas,


    irgendwie erinnert mich dein Fund an Buglossoporus quercinus, auch wenn ich diese Art selber noch nie gesehen habe. Das Wachstum an einer sehr alten Eiche würde ja zu dieser Art passen. Das wäre dann natürlich ein sehr toller Fund. Mal schauen, wie er sich weiter entwickelt.


    Björn

    Hallo Brummel,


    dann hoffe ich erstmal, daß du jetzt wieder fit und gesund bist und wünsche ansonsten weiterhin gute und schnelle Genesung! Ich selber habe bisher noch nie Rh. punctatum gefunden und habe von Rh. acerinum auch noch nie gute Mikrofotos gemacht. Prinzipiell kann man aber mit einer Nadel und viel Geduld aus den schwarzen Blattflecken Konidienträger und zugehörige Konidien fummeln. Bei Rh. acerinum sind die laute Klenke & Kruse 8-10 µm x 1 µm, während sie bei Rh. punctatum nur 4-5 µm x 1 µm groß sind. Inwiefern die beiden Arten sich auch in der Teleomorpe unterscheiden, kann ich leider nicht sagen.


    Björn

    Hallo Jürgen,


    vielleicht liest du das Paper erstmal, bevor du hier einfach einen abfällig wirkenden Kommentar postest, der inhaltlich wenig beiträgt. Gerade bei den Weiden-Mehltauen war es in der Vergangenheit ja alles andere als einfach mit der Bestimmung. Der Versuch E. capreae und E. pseudoregularis zu trennen (über die Anzahl der Anhängsel) ist regelmäßig gescheitert, weil man meistens mittig im Überschneidungsbereich der beiden Arten gelandet ist. Durch die Arbeit von Darsaraei et al. ist nun klar, warum das der Fall ist: Es ist halt ein und die selber Art.


    Björn

    Hallo zusammen,


    @ Peter

    Pilze wachsen natürlich immer in perfekt an das Fotoformat angepaßten Gruppen ;) Nein, ich habe hier schon einige Fruchtkörper zusammengestellt, allerdings ohne Zahnstocher, sondern einfach komplett entnommen und an anderer Stelle wieder in die Erde eingepflanzt.


    @ Henrik

    KI Bilderkennung ist meiner Meinung nach keine Bestimmung, denn wie du schon selber schreibst, hast du keinerlei Kontrolle darüber, ob der KI-Vorschlag richtig oder falsch ist. Bestimmung setzt zwingend voraus, daß man sich mit den Merkmalen eines Pilzes und seiner Doppelgänger beschäftigt. Ansonsten habe ich wenig Motivation, mühsam einzelne Funde anderer Leute bei inaturalist zu suchen und dann ggfs. die Bestimmung zu korrigieren.


    Björn

    Hallo zusammen,


    am 5.9.2026 habe ich im Duisburger Stadtwald eine hübsche Kollektion ovn Infundibulicybe gibba gefunden, die ich hier vorstellen möchte. Interessanterweise gibt es von der Art ja noch kein Portrait. Eigentlich ist die Art ja schon makroskopisch gut ansprechbar, aber da insgesamt nicht schrecklich viele Pilze vorhanden waren, habe ich sie auch einmal unters Mikro gelegt. Das ist allerdings eher unspektakulär, da es keine Zystiden gibt und die Sporen einfach nur farblos, glatt und tropfenförmig sind. Auffallend war der sehr intensive Blausäuregeruch, als ich die Fruchtkörper zu Hause aus meinem Sortimentsköfferchen geholt habe. Bestreicht man die Huthaut des Exsikkats mit 3% KOH, tritt keine Verfärbung auf.


    Fruchtkörper am Fundort


    Huthaut in Wasser


    Basidien mit Kongorot gefärbt, Zystiden nicht vorhanden


    Lamellentrama mit Kongorot gefärbt


    Sporen in Wasser

    Sporenmaße:

    5.3±0.4 µm × 4.0±0.3 µm, Q=1.3±0.1

    4.5-6.2 µm × 3.4-4.6 µm, Q=1.1-1.5


    Björn

    Hallo Felli,


    da du E. pseudoregularis erwähnst, hast du wahrscheinlich Klenke und Scholler zur Bestimmung benutzt? Da hat sich in letzter Zeit etwas getan und es gibt ein Paper von Darsaraei et al., wo u.a. E. pseudoregularis und E. capreae synonymisiert werden.


    Björn

    Hallo zusammen,


    bei einer Kartierungsexkursion mit Karl und Jan-Arne in den Borkenbergen haben wir am letzten Sonntag an einer feuchten Stelle kleine Becherchen mit leuchtend gelben Randhaaren gefunden. Es handelt sich um Amicodisca svrcekii, eine Art von der es bislang 6 Fundmeldungen aus NRW (und insgesamt nur 6 Fundmeldungen aus Deutschland) gibt. Die Gattung Amicodisca ist durch die Apothecien mit grünlichem Hymenium und gelben Haaren schon makroskopisch gut gekennzeichnet. Schaut man sich dann die Sporen an, die hier um die 11 µm x 3 µm groß sind, kommt man dann relativ einfach zur Art (insgesamt gibt es in der Gattung aber wohl auch nur 3-4 Arten).


    Pilze am Fundort


    Fruchtkörper bei 40x Vergrößerung unter dem Mikroskop


    Fruchtkörper bei 100x Vergrößerung unter dem Mikroskop


    Excipulum in Wasser


    Randhaare in Wasser


    Asci und Paraphysen in Wasser


    Asci und Paraphysen in Baralscher Lösung


    Björn

    Hallo Thorben,


    ich habe gerade mal in den Schlüsselband der Fungi of Temperate Europe geschaut. C. cystidiatus paßt, wie du schon bemerkst, von der Sporengröße her nicht, soll laut Schlüssel auch eher creme-grau bis gelbbraun sein. Wählt man die andere Schlüsselalternative (weißlich bis blaß gräulich) kommt man zu C. chrischonensis als Art mit Cheilozystiden und Sporen von 9,5-11,5 x 5-6 µm. Das scheint insgesamt besser zu deinem Fund zu passen.


    Björn

    Hallo zusammen,


    also wenn dann würde ich raten, sich an Pilze Deutschland zu halten (oder wo auch immer man gerade kartiert). Wenn es z.B. um Phytoparasiten geht, wird bei Mycobank und Index Fungorum teilweise sehr viel synonymisiert, was nicht synonymisiert werden sollte.


    Björn

    Hallo Uwe,


    da machst du sicherlich nichts verkehrt, wenn du dich an die Namen bei PD hältst. Wobei das Schöne ja auch ist, daß es eigentlich relativ egal ist, ob du einen Pilz Boletus badius, Imleria badia oder Xerocomus badius nennst. Das sind am Ende eben alles Synonyme und es ist unmittelbar klar, was gemeint ist.


    Björn

    Hallo Jürgen,


    aktuell akzeptiert bezieht sich eben auf die wissenschaftliche Community. Und natürlich gibt es auch immer wieder Fälle, wo sich die Community nicht einig ist und sich dann erst nach einiger Zeit zeigt, in welche Richtung die Reise geht.


    Von Datenbanken wie Mycobank und Index Fungorum als Referenz für akzeptierte Namen würde ich dringend abraten (siehe auch einen längeren, sehr schönen Beitrag von Christoph Hahn zu dem Thema hier im Forum). Bei diesen Datenbanken geht es nur darum zu klären, welche Namen *gültig* beschrieben wurden. Es werden dann zwar auch Synonyme und "gültige"/"akzeptierte" Namen angegeben, aber die sind im Zweifelsfall mit Vorsicht zu genießen, weil dort eben keine Gattungsspezialisten mit einbezogen werden.


    Und auch aktuelle Publikationen sollte man mit Vorsicht genießen. Das sieht man sehr schön bei inaturalist, wo einige übereifrige Leute nach jeder Publikation hergehen und Pilze umbenennen. Wenn ein Paper gerade erst erschienen ist, kann man aber im Zweifelsfall ja noch gar nicht abschätzen, ob sich die entsprechenden Änderungsvorschläge auch langfristig durchsetzen. Und gerade wenn es sich z.B. um ein Paper von asiatischen Autor:innen handelt, wo es eigentlich um Inhaltsstoffe von Pilzen der Gattung X in China geht und wo nur nebenbei dann auch noch diskutiert wird, daß man die Gattung X in 5 Gattungen aufspalten sollte, wäre ich da erstmal vorsichtig, diesem Vorschlag blind hinterherzurennen.


    Björn

    Hallo zusammen,


    hier ein Brandpilz, den ich am 7.9.2026 in Duisburg am Rande eines Maisackers gefunden habe. Es handelt sich um Moesziomyces bullatus, der die Früchte von Echinochloa crus-galli befällt. Befallene Früchte sind dann durch grüne, angeschwollene Sori ersetzt. Schneidet man diese auf, findet man darin zahlreiche relativ große Sporenballen, die sich wiederum aus hunderten Sporen zusammen setzen. Die Sporen selber sind gelb-braun und glatt, können aber den Anschein eines sehr grob-netzigen Ornaments erwecken, da man im Präparat die Verbindungsleisten der Sporen findet.


    Befallene Pflanze am Fundort


    Aufgeschnittener Sorus


    Sporenballen in Wasser


    Sporen in Wasser


    Björn

    Hallo zusammen,


    zur Vermeidung von Umbenennungsfrust würde ich nicht von "gültigen Namen" sprechen, denn schließlich ist es ja nicht so, daß der Papst, der König von England oder der Obermykologe festlegt, wie die Pilze diese Woche heißen. Stattdessen sollte man lieber von den "aktuell akzeptierten Namen" sprechen, denn nichts anderes sind die Namen ja: Der Name, den der Pilz nach unserem aktuellen Wissensstand haben sollte. Und der Wissensstand entwickelt sich ja immer weiter, so daß sich auch die aktuell akzeptierten Namen immer mal ändern.


    Björn

    Hallo zusammen,


    ich ergänzen den Beitrag mal mit einem Fund aus dem NSG Gagelbruch in den Borkenbergen im Kreis Coesfeld, das wir am 6.9.2026 gemacht haben. Am Fuß einer großen Eiche standen zahlreiche frische Büschel von Grifola frondosa, die zu einer ausgiebigen Foto-Session führten.


    Fruchtkörper


    Porenschicht


    Sporen in Wasser


    Hymenium mit Phloxin B gefärbt


    Pileipellis mit Kongorot gefärbt


    Trama mit Kongorot gefärbt


    Björn

    Hallo zusammen,


    wie genau ist die Aussage zu der nicht belastbaren SV-Reaktion denn bitte genau zu verstehen? Heißt es nur, daß die bei komplett regendurchtrieften Exemplaren nicht mehr funktioniert, weil man dann eben mehr Wasser als Pilz in der Hand hat? Und ist die Reaktion umgekehrt bei frischen, aber trockenen Exemplaren eben doch sinnvoll zur Unterscheidung? Müßte man das ganze nicht auch eigentlich an sequenzierten Exemplaren überprüfen? Denn woher sonst will man wissen, was am Ende eine helle Auster und was ein Lungenseitling war?


    Björn