Beiträge von boccaccio

    Hallo zusammen,


    bei einer Kartierungsexkursion mit Karl und Jan-Arne in den Borkenbergen haben wir am letzten Sonntag an einer feuchten Stelle kleine Becherchen mit leuchtend gelben Randhaaren gefunden. Es handelt sich um Amicodisca svrcekii, eine Art von der es bislang 6 Fundmeldungen aus NRW (und insgesamt nur 6 Fundmeldungen aus Deutschland) gibt. Die Gattung Amicodisca ist durch die Apothecien mit grünlichem Hymenium und gelben Haaren schon makroskopisch gut gekennzeichnet. Schaut man sich dann die Sporen an, die hier um die 11 µm x 3 µm groß sind, kommt man dann relativ einfach zur Art (insgesamt gibt es in der Gattung aber wohl auch nur 3-4 Arten).


    Pilze am Fundort


    Fruchtkörper bei 40x Vergrößerung unter dem Mikroskop


    Fruchtkörper bei 100x Vergrößerung unter dem Mikroskop


    Excipulum in Wasser


    Randhaare in Wasser


    Asci und Paraphysen in Wasser


    Asci und Paraphysen in Baralscher Lösung


    Björn

    Hallo Thorben,


    ich habe gerade mal in den Schlüsselband der Fungi of Temperate Europe geschaut. C. cystidiatus paßt, wie du schon bemerkst, von der Sporengröße her nicht, soll laut Schlüssel auch eher creme-grau bis gelbbraun sein. Wählt man die andere Schlüsselalternative (weißlich bis blaß gräulich) kommt man zu C. chrischonensis als Art mit Cheilozystiden und Sporen von 9,5-11,5 x 5-6 µm. Das scheint insgesamt besser zu deinem Fund zu passen.


    Björn

    Hallo zusammen,


    also wenn dann würde ich raten, sich an Pilze Deutschland zu halten (oder wo auch immer man gerade kartiert). Wenn es z.B. um Phytoparasiten geht, wird bei Mycobank und Index Fungorum teilweise sehr viel synonymisiert, was nicht synonymisiert werden sollte.


    Björn

    Hallo Uwe,


    da machst du sicherlich nichts verkehrt, wenn du dich an die Namen bei PD hältst. Wobei das Schöne ja auch ist, daß es eigentlich relativ egal ist, ob du einen Pilz Boletus badius, Imleria badia oder Xerocomus badius nennst. Das sind am Ende eben alles Synonyme und es ist unmittelbar klar, was gemeint ist.


    Björn

    Hallo Jürgen,


    aktuell akzeptiert bezieht sich eben auf die wissenschaftliche Community. Und natürlich gibt es auch immer wieder Fälle, wo sich die Community nicht einig ist und sich dann erst nach einiger Zeit zeigt, in welche Richtung die Reise geht.


    Von Datenbanken wie Mycobank und Index Fungorum als Referenz für akzeptierte Namen würde ich dringend abraten (siehe auch einen längeren, sehr schönen Beitrag von Christoph Hahn zu dem Thema hier im Forum). Bei diesen Datenbanken geht es nur darum zu klären, welche Namen *gültig* beschrieben wurden. Es werden dann zwar auch Synonyme und "gültige"/"akzeptierte" Namen angegeben, aber die sind im Zweifelsfall mit Vorsicht zu genießen, weil dort eben keine Gattungsspezialisten mit einbezogen werden.


    Und auch aktuelle Publikationen sollte man mit Vorsicht genießen. Das sieht man sehr schön bei inaturalist, wo einige übereifrige Leute nach jeder Publikation hergehen und Pilze umbenennen. Wenn ein Paper gerade erst erschienen ist, kann man aber im Zweifelsfall ja noch gar nicht abschätzen, ob sich die entsprechenden Änderungsvorschläge auch langfristig durchsetzen. Und gerade wenn es sich z.B. um ein Paper von asiatischen Autor:innen handelt, wo es eigentlich um Inhaltsstoffe von Pilzen der Gattung X in China geht und wo nur nebenbei dann auch noch diskutiert wird, daß man die Gattung X in 5 Gattungen aufspalten sollte, wäre ich da erstmal vorsichtig, diesem Vorschlag blind hinterherzurennen.


    Björn

    Hallo zusammen,


    hier ein Brandpilz, den ich am 7.9.2026 in Duisburg am Rande eines Maisackers gefunden habe. Es handelt sich um Moesziomyces bullatus, der die Früchte von Echinochloa crus-galli befällt. Befallene Früchte sind dann durch grüne, angeschwollene Sori ersetzt. Schneidet man diese auf, findet man darin zahlreiche relativ große Sporenballen, die sich wiederum aus hunderten Sporen zusammen setzen. Die Sporen selber sind gelb-braun und glatt, können aber den Anschein eines sehr grob-netzigen Ornaments erwecken, da man im Präparat die Verbindungsleisten der Sporen findet.


    Befallene Pflanze am Fundort


    Aufgeschnittener Sorus


    Sporenballen in Wasser


    Sporen in Wasser


    Björn

    Hallo zusammen,


    zur Vermeidung von Umbenennungsfrust würde ich nicht von "gültigen Namen" sprechen, denn schließlich ist es ja nicht so, daß der Papst, der König von England oder der Obermykologe festlegt, wie die Pilze diese Woche heißen. Stattdessen sollte man lieber von den "aktuell akzeptierten Namen" sprechen, denn nichts anderes sind die Namen ja: Der Name, den der Pilz nach unserem aktuellen Wissensstand haben sollte. Und der Wissensstand entwickelt sich ja immer weiter, so daß sich auch die aktuell akzeptierten Namen immer mal ändern.


    Björn

    Hallo zusammen,


    ich ergänzen den Beitrag mal mit einem Fund aus dem NSG Gagelbruch in den Borkenbergen im Kreis Coesfeld, das wir am 6.9.2026 gemacht haben. Am Fuß einer großen Eiche standen zahlreiche frische Büschel von Grifola frondosa, die zu einer ausgiebigen Foto-Session führten.


    Fruchtkörper


    Porenschicht


    Sporen in Wasser


    Hymenium mit Phloxin B gefärbt


    Pileipellis mit Kongorot gefärbt


    Trama mit Kongorot gefärbt


    Björn

    Hallo zusammen,


    wie genau ist die Aussage zu der nicht belastbaren SV-Reaktion denn bitte genau zu verstehen? Heißt es nur, daß die bei komplett regendurchtrieften Exemplaren nicht mehr funktioniert, weil man dann eben mehr Wasser als Pilz in der Hand hat? Und ist die Reaktion umgekehrt bei frischen, aber trockenen Exemplaren eben doch sinnvoll zur Unterscheidung? Müßte man das ganze nicht auch eigentlich an sequenzierten Exemplaren überprüfen? Denn woher sonst will man wissen, was am Ende eine helle Auster und was ein Lungenseitling war?


    Björn

    Hallo zusammen,


    interessant, daß der Geruch so unterschiedlich wahrgenommen wird. Ich empfinde den Geruch als unangenehm chemisch Richtung Desinfektionsmittel. Das deckt sich mit der Beschreibung von Bernicchia in den Fungi Europaei 10. Ryvarden und Melo beschreiben den Geruch als "gekochter Speck". Dörfelt und Ruske diskutieren den Geruch gar nicht. Bei Laessoe und Petersen schließlich wird der Geruch als unangenehm, würzig beschrieben.


    Am einfachsten erkennt man die Art aber natürlich unter dem Mikroskop an den urnenförmigen, 6-sporigen Basidien.



    Björn

    Hallo Uwe,


    auf Acer campestre gibt es einmal Phyllactinia marissalii, die aber nur auf der Blattunterseite "wohnt", wie alle anderen Phyllactinia-Arten auch. Die kann man hier also schon mal beruhigt ausschließen. Dann bleiben nur noch die drei Sawadaea-Arten übrig. S. tulasnei ist bis jetzt nicht auf Acer campestre nachgewiesen, S. polyfida auch nicht. Bleibt also nur noch S. bicornis, was hier auch makroskopisch gut paßt. Bei S. tulasnei sind die Myzelflecken deutlich dichter, als hätte jemand Farben/Gips auf die Blätter geschmiert.


    Björn

    Hallo zusammen,


    Gyrodon lividus ist übrigens auch mikroskopisch gut zu erkennen, handelt es sich doch um einen der wenigen Röhrlinge mit Schnallen (die anderen Röhrlinge mit Schnallen sind die Kornblumenröhrlinge und der Hohlfußröhrling).



    Björn

    Hallo zusammen,


    hast du den Fund mikroskopiert Brummel? Die beiden Arten unterscheiden sich ja durch die Konidiengröße. Ich hatte jedenfalls auch schon einen punktierten Fund, der sich am Ende als Rh. acerinum entpuppt hat.


    Björn