Erdzunge(n)

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  • N'abend,


    Von der Wiese habe ich kürzlich 2 schwarze, in enger Nachbarschaft stehende Erdzungen eingesteckt, eine etwas breitere #1 und eine betont schlanke mit relativ kurzer und schmaller Laffe #2 - also makroskopisch eher nicht wie cookeanum ausschauend. Meine Erwartung war, dass die zur gleichen Art gehören, aber ach ...


    Ähnlich ging es mit 2 braunen Zungen aus engster Nachbarschaft im Wald, die dann mikroskopisch nicht mehr zusammenpassen, aber erst mal zu der untypischen schwarzen #1.


    Foto von vor Ort gibt es nur von der schlanken.


    #1 hat sehr kurze Sporen, also jedenfalls für einen Geoglossum, die Asci sind so 160-200*15-22 µm, 8-sporig, Sporen 28-38-51*6-7-8 [9,5], Q~3,5-5,3-8,5 (aus dem Abwurf), variabel septiert, bis zu 7


    Paraphysen variabel, selten gebogen, die Endzelle meist kugelig verdickt, bis zu 9 µm breit, mit oder ohne Septum

    Abwurf

    in Melzers


    Mit dem aktuellen (2026) Schlüssel von FoTE verglichen - es gibt nichts, was auch nur nahe kommt. 1→7→8→21→30→36→37→39→40→46→47 und da verlassen sie ihn, denn nun braucht man entweder Qav ~8,5 oder mehr. Wobei die Schlüsselfragen immer unschwer und eindeutig zu beantworten sind. Daneben hat der Schlüssel den Vorzug des bildlichen Begleitmaterials, so dass man schnell drüberscannen kann. Die Arten mit den kurzen dicken Sporen G. dunense und G. heuflerianum stammen aus ganz anderen Biotopen und werden als winzig beschrieben.


    Bei #2 sind die Sporen deutlich größer und länger 53-63-72*6,5-7,3-8 µm, Q ~7-8,6-10,3 (Abwurf), fast immer mit 7 Septen

    Melzers

    die Sporen sind eingebeult, wie an Luft im Abwurf, die Spitzen der Paraphysen sind auch sensibel


    bei Asci mit unreifen Sporen verfärbt sich das Innere, die Spitze ist aber nicht blau (abgesehen von Beugungserscheinungen) - gilt das dann als J+ oder nicht?

    Wenn ich versuche den zu schlüsseln, so fragt 39 nach der Sporenlänge

    Zitat

    Spores on average shorter than 65 µm (full interval 30-66 µm). . . . . . . 40

    Spores on average longer than 65 µm (full interval 60-100 µm). . . . . . . 52

    da müssen dann beide Wege gegangen werden. →40→46→47 und dann ist man mit Q bei der erst kürzlich beschriebenen Art, die deutlich kleiner wäre.

    Zitat

    Spore [Qav] ≈ 8.5; spores remarkably thick-walled. Fruitbody 4-16 x 6-25 mm,

    blackish; stem ± scaly; asci I+, 150-170 x 10-20 µm, 8-spored; spores 50-60

    x 6-7 µm, mostly 8-celled but also 4-5-celled and often with one 4-celled

    spore in each ascus; paraphysis tips club-shaped, bent to curved; on cal-

    careous soil; very rare (Slovakia) . . . . . . . . . . . . Geoglossum calciphilum

    Andererseits 52→53→54 wo da G. uliginosum passen würde - was man aufgrund von Biotop aber wohl überspringen kann. Bliebe cookeanum, naja, der hätte dann nochmal deutlcih längere und schlankere Sporen. Also auch eher eine Schlüsselei ins Leere.



    Während die Sporen beider Exemplare sich erheblich unterscheiden, wirken die Paraphysen gleich. Gibt es irgendwelche Mechanismen, wo die Sporen retardieren und sonst die Entwicklung normal erfolgt? Vielleicht ist es aber wirklich eine andere Art, dann müsste man weitere Exemplare mit diesem Eigenschaftsset finden.


    LG, Bernd

  • Hi Bernd,

    ich hab nicht so viel Ahnung von der Gattung, aber Deine Diagnose zum ersten Frk:


    "sehr kurze Sporen [...] variabel septiert"


    schreit ja danach, dass er unreif und daher nicht zu bestimmen war.


    ... die kugeligen Endzellen ... doch nur cookeianum??


    Gruß,


    Wolfgang

  • Hallo Wolfgang, willst du damit sagen, dass die Sporen erst braun werden und danach wachsen und dann erst reif sind? Nahezu alle Asci voll mit braunen Sporen ist doch normalerweise ein Zeichen der Reife - oder etwa nicht?


    Was ich mir ja vielleicht vorstellen könnte, wäre so eine Art Notreife, dass das Wachstum unterbrochen wurde, bevor die Sporen ausgewachsen waren, und dann per Notreifung die nicht fertig gewachsenen und septierten Sporen ausfärben - verhalten sich Belege so, die man zu früh, im unreifen Stadium entnimmt? Kann man die in der Feuchtkammer zur Notreifung bringen? Trocken sicher nicht?


    LG, Bernd

  • Hallo Bernd,

    die Sporen bei Nr. eins haben eine Entwicklungstörung. Q-Wert 3,5 - 8,5 ist als Bandbreite m. E. für gesunde Sporen unvorstellbar.

    Bei Nr. 2 sind ja nur wenige Asci mit reifen Sporen zu sehen und die eingedellten Aporen mir teilweise ausgezogener Spitze zu einer Seite sind ebenfals nicht normal entwickelt.

    Wahrscheinlich sind beide G. cookeianum

    LG Karl

  • Hallo Karl, das erscheint ja durchaus plausibel. Allerdings entwickeln sich die Sporen doch nicht alle gleichzeitig und es ist schwierig, einen Vorgang zu entwerfen, der die trotzdem alle gleichermaßen betrifft. Das müsste dann schon irgendein Befall sein - habe ich nicht festgestellt. Oder aber (eu)genetisch. Andererseits bringt es nicht viel, Unbekanntes mit anderem Unbekannten erklären zu wollen. Momentan ist "unbekannte Art" gleichwertig mit "bekannte Art mit unbekannter Entwicklungsstörung". Ich schaue mir morgen noch das an, was ich auf der Magerwiese und im Wald für cookeanum halte.


    LG, Bernd