Welches Gedicht hat Euch am Besten gefallen? Ihr dürft eine Stimme vergeben. 6
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Liebe Freunde der fungiphilen Dichtkunst.
Ich hoffe, dass trotz des tatendurstigen Durchstreifens Eurer Pilzwälder noch Zeit für die Abstimmung zum Pilzgedicht des Monats September bleibt.
Hier dürft Ihr Eure Stimme abgeben.
Die Abstimmung endet mit Ablauf des 04. Oktober.
Welches der folgenden Gedichte hat Euch am Besten gefallen?
Die Vorgaben waren Dauerkrise - frohlocken - naja
Der Genuss des Waldes
Ich wandre durch das tiefe Grün,
wo herbstlich feuchte Nebel ziehn.
Das Unterholz steht reich und dicht,
die Sonne bricht im Blätterlicht.
Der Waldboden, im Sommer leer,
gibt endlich seine Schätze her.
Vorbei ist nun, man spürt es kaum,
die Dauerkrise unterm Baum.
Wo wochenlang kein Halm gedieh,
regiert nun Pilz-Anatomie.
Ein Steinpilz steht in Pracht und Fülle,
durchbricht die weiche Mooseshülle.
Da kann mein Sammlerherz frohlocken,
ich spring vor Freude aus den Socken.
Der Korb füllt sich mit reicher Beute,
ich schwelge in der puren Freude.
Die Pfanne wartet schon zu Haus'
auf diesen edlen Ernteschmaus.
Die Pilze brutzeln in der Butter,
ein herrlich fettes Abendfutter.
Der Magen voll, die Seele lacht,
der Wald hat alles gutgemacht.
Ich seufze satt: Naja, 's ist wahr –
mehr braucht man nicht fürs Glück im Jahr.
Hinter der Flöte
Die Sommer glühen, heiß und schwer,
Unwetter peitschen ohne Maß.
Die Erde dürstet mehr und mehr,
Den Pilzen fehlt das kühle Nass.
Mieten steigen, Raum wird knapp
Wie selt'ne Pilze in dem Wald.
Portemonnaie hängt traurig, schlapp,
Der Spritpreis auf drei Euro bald.
Junge Schultern tragen schwer,
Renten lasten greis und hoch.
Zur Dauerkrise reicht das her,
Empfunden wie ein enges Joch.
Ferner Schatten übler List,
verborgen, heimlich Unheil rührt.
Tücke, die den Frieden frisst,
ein Krieg, der keine Fahne führt.
Rattenfänger, die frohlocken,
Im Land mit Schimpfen und mit Schrei'n.
Mit Angst und Wut woll'n sie uns schocken,
Mit schneller Lösung nur zum Schein.
Angst, die hab' ich vor dem Zug,
Der Menschen, treu der Rattenflöte.
Die nicht fragen, ob es klug,
Ob sich nicht was Bess'res böte.
Man möchte schier verzweifeln
Die Welt, sie steckt in Dauerkrise
Manch Staatenlenker durchgeknallt
Ganz vorne der Orangen-König
Vom Rechtssystem hält er nur wenig
Besonnenheit an ihm abprallt
Und seiner sonderbaren Frise
Mein Alltag, eine Dauerkrise
Das Auto, es springt nicht mehr an
Die Miete, sie ist explodiert
Die Ehefrau ist schwer frustiert
Sie wollte Urlaub in Lausanne
Doch auf dem Konto nur noch Miese
Die Pilze, eine Dauerkrise
Erst war der Sommer knochentrocken
Dann endlich Regen und sie sprießen
Bei mir jedoch die Tränen fließen
Denn ich muss strikt zuhause hocken
„schreib Pilzgedicht!“ ist die Devise
