Brauner Ritterling unter Kiefer mit bitterem Geschmack

Es gibt 14 Antworten in diesem Thema, welches 724 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Climbingfreak.

  • Hallo,


    im Rahmen einer Pilzausstellung wurde mir der folgende Fund zugetragen. Mehrere PSVs haben sich an dem Fund die Zähne ausgebissen, daher möchte ich ihn hier vorstellen.


    Gefunden unter Kiefer (keine weiteren Bäume vorhanden!) auf vermutlich Kalk Buntsandstein. Die Fruchtkörper haben leider einen kleinen Trockenschaden.

    Hut derart lebhaft rotbraun, dass alle zunächst an T. aurantiacum dachten. Hutrand etwas heller; insgesamt fleckig. Die Hutoberfläche wirkt bei genauem Hinsehen feinschuppig. Hut trocken und nicht schmierig (aber das hat bei getrockneten Ritterlingen ja wenig zu sagen).

    Lamellen weißlich bis Creme, im Alter scheinen sie zu bräunen.

    Stiel zylindrisch bis leicht keulig, schuppig (Trockenschaden?), bräunlich auf hellem Grund. Keine aprupt weißliche Zone an der Stielspitze. Auf einigen Bildern kann man sich Reste eines Schupigen Rings einbilden.

    Fleisch weißlich, Frasgänge sind auffallend braun.

    Geruch des unverletzten Fruchtkörpers schwach mehlig bis schwach süßlich, bei Verletzung kräftig nach Mehl.

    Geschmack kräftig nach Mehl aber auch prägnant bitter. Für Bitterkeitstest genügt bereits das Lecken an der Huthaut.


    Gechlüsselt mit der FNE4 komme ich auf Tricholoma pessundatum. Allerdings fehlen die dunklen Punkte am Hutrand (die aber wohl vor allem bei Feuchtigkeit auftreten sollen, die hier ja nicht vorlag). Außerdem erwähnt die Literatur "slightly bitter", während der Fund prägnant bitter ist.

    Nehme ich die (eingebildete?) Ringzone ernst, lande ich bei Tricholoma focale. Der ist aber laut FNE4 mild, kann also nicht passen.


    Passt T. pessundatum oder fällt jemandem etwas besseres ein?












    Ich verlinke hier mal unsere Ritterlingsfreunde Climbingfreak  Öhrling und ingosixecho für die geballte Tricholomen-Expertise.

  • Hi,


    Tr. batschii wäre stark bitter. Kiefer und auf Kalk, wäre das meine erste Idee.


    Tr. focale ist das nicht.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hallo Thomas,


    wie Stefan schon schrieb, wird es sich wohl um Tricholoma batschii handeln. Zum Teil sind auch die wulstigen Übergänge am Stiel zu erkennen. Wäre es feuchter und die Pilze nicht angetrocknet, wäre dieses namensgebende Merkmal (fastberingter Ritterling) besser zu erkennen.



    Grüsslis Ingo

  • Hallo Thomas,


    T. batschii wäre so als erster Gedanke - wie auch Stefan schreibt - meine Option gewesen, aber irgendwie scheint mir die Stiel-Partie untypisch zu sein; zu sehr schuppig und faserig aufgerissen, man sieht auch keine deutlich abgesetzte Pseudo-Ringzone. Vielleicht ein T. batschii mit Trockenschaden?


    Grüßle

    Jürgen

  • Hallo,


    an T.batschii habe ich überhaupt nicht gedacht, weil ich den schon einige mal in der Hand hatte und immer mit einer abrupten Farbänderung an der Stielspitze gefunden hatte.

    Ich hatte beim Finder noch einmal Details zum Fundort erbeten. Entgegen meiner obigen Beschreibung war der Fund auf Bundsandstein und vermutlich sauerer Boden. Der Fundort ist allerdings ein renaturierter Truppenübungsplatz, da kann das eine oder andere Fremdmaterial im Boden liegen.

    Wäre bei NICHT-Kalk T.batschii dennoch eine Hypothese? Ich kenne die nur als Kalk-Art.

  • Hallo Thomas,


    hm, vielleicht Tricholoma pessundatum. Der kommt auf sandigen Böden bei Koniferen vor. Soll mehlig bis bitter schmecken. Schau da mal nach. Ich kenne diese Art aber leider nicht aus eigener Anschauung. Hab nur in Fungi of Northern Europe geblättert.


    Grüßle

    Jürgen

  • Hallo nochmal,


    T. pessundatum im Sinne des Erfinders kann hier ausgeschlossen werden. Das ist tatsächlich eine Art, die nicht bitter ist. Außerdem hätte pessundatum eine ziemlich glatte Hutoberfläche, was die namensgebenden Tröpfchen in jedem Fall fördert. Man kann eigentlich ganz gut erkennen, dass da am Stiel Reste von Wülsten vorhanden sind, was wohl der Trockenheit geschuldet ist.

    Eine sichere Bestimmung per Bild und Beschreibung fällt somit aus. Bei Cortinarien wird ja allgemein akzeptiert, dass vor allem Jungpilze für eine sichere Beurteilung benötigt werden.

    Das ist hier nicht anders.

    Nach meinen Erfahrungen würde ich zu 70% für T. batschii plädieren. Die restlichen 30% gehen auf T. albobrunneum. Diese Art ist sehr variabel, vor allem was die Struktur der

    Hutoberfläche und der Stiele anbetrifft. Hätten Pappeln in der Umgebung gestanden, würde das den Horizont noch etwas erweitern.


    Grüßlis Ingo

  • Hallo Ingo,


    T. batschii ist eine Art, die auf lehmigen Böden über Kalk vorkommt. Hier auf den Fotos sieht man Sandpartikel (zumindest auf der Huthaut). Fundort über Buntsandstein (ist Quarzit). Ich würde diese Art hier ausschließen.

  • Hallo Jürgen,


    wenn das am Stiel rudimentäre/angetrocknete Ringzonen waren/sind, fällt alles andere raus. Falls nicht, sind es albobrunneum. Wie ich oben schon bemerkte.

    T. batschii kann auch mal über Buntsandstein erscheinen, wenn im Boden etwas Kalk ist. Zum Beispiel von geschotterten Wegen etc..

    Die braunen Ritterlinge sind eigentlich mittlerweile nicht mehr das Schreckgespenst der Pilzbestimmung. Man muss halt am Fundort Sorge walten lassen.


    GR Ingo

  • Hallo in die kleine muntere Diskussionsrunde hier!


    Ein echt spannender Austausch der hierzu stattfindet, schön mitzuverfolgen und zumindest für mich lehrreich.


    Wenn man Christensen & Heilmann-Clausen zurate zieht, bevorzugt batschii bei der Bodenbeschaffenheit 'mostly dry, calcareous soils', woraus ich schlussfolgere (mostly), dass er auch schon mal davon abweichend vorkommen kann. Es wäre vor allem mit zu bedenken, dass man in gewissen Habitaten, insbesondere Sonderflächen wie renaturierte Landschaften wo dieser Fund ja wohl herstammt, auch niemals mit Gewissheit ausschließen kann, dass bei einem vermeintlich sauren Boden nicht auch partiell bzw. in Abschnitten Anteile von z.B. Kalk mit dabei sind, so zumindest meine Erfahrungen was Bergbaufolgelandschaften betrifft.


    Just my two cents und vielen Dank!


    VG

    -Marcel.

  • Hallo zusammen,


    wiegesagt, ich kenne T. pessundatum ja nicht aus eigener Anschauung, war nur eine Spur. Letztlich müsste man hier mikoskopieren, gut Dokumentieren, Exsikkat anfertigen, einschicken, sequenzieren - ist ja nicht mehr so teuer;-) Dann wüsste mans. T. batschii mit Trockenschaden ... wäre mir keine ausreichende Erklärung.


    Grüßle

    Jürgen

  • wiegesagt, ich kenne T. pessundatum ja nicht aus eigener Anschauung, war nur eine Spur. Letztlich müsste man hier mikoskopieren, gut Dokumentieren, Exsikkat anfertigen, einschicken, sequenzieren - ist ja nicht mehr so teuer;-) Dann wüsste mans. T. batschii mit Trockenschaden ... wäre mir keine ausreichende Erklärung.

    Die Pilze sind noch vorhanden, und ein Sporenabdruck ist in Arbeit. Meines Wissens nach geben die Ritterlinge aber wenig bis gar keine mikroskopischen Bestimmungsmerkmale her. Ein Exikkat werde ich anfertigen.

  • Hi,


    Na ja, Sporenform und Größe halt.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.