Ein Klumpfuß möchte benamst werden

Es gibt 18 Antworten in diesem Thema, welches 695 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von frank2507.

  • Guten Abend allerseits,


    gestern war ich im Eichen-Hainbuchen-Mischwald auf basischem Basalt unterwegs. Die ersten Cortinarien zeigen sich, eine schöne Klumpfuß-Gruppe aus fünf Fruchtkörpern direkt an der Böschungskante habe ich fotografiert und zur Bestimmung eingesackt.


    Markant finde ich nicht nur die ausgeprägt gerandete Stielknolle, sondern auch die deformierten Hüte. Bei einem oder zwei Fruchtkörpern mag das Zufall sein, aber dass gleich alle fünf Exemplare so "exzentrisch", jedenfalls unregelmäßig geformt sind, finde ich bemerkenswert.


    Der Geruch ist deutlich wahrnehmbar, irgendwie erdig oder nach rote Bete, jedenfalls kein so dumpf-unangenehmer Stinker.


    Hutfleisch, Lamellen und Huthaut sind prakisch geschmacklos, ich habe ein erbsengroßes Stückchen so 10-15 Sekunden durchgekaut, nix wahrnehmbar.


    Die Reaktion mit Natronlauge geht auch gegen null.


    Jetzt stellt sich mir die Frage, ob man das Kandidatenfeld mit weiteren Reagenzien (z.B. Anilin, Phenol, Eisensulfat, Ammoniak und dergleichen ) weiter eingrenzen kann, da ich kein Mikroskop habe.


    Die Fotos am Fundort sind etwas überbelichtet, die Hutfarbe würde ich als goldbraun mit haselnussbrauner Überfaserung bezeichnen.


    Auffällig ist noch ein Lilahauch im oberen Stielfleisch-Randbereich. Nicht stark, aber bei allen fünf Exemplaren im oberen Stielfleisch mehr oder weniger wahrnehmbar.


    Namensvorschläge und Anmerkungen sind willkommen!


    Beste Grüße,


    Frank


  • Mit den von Dir genannten Chemikalien kommst Du bei den Phlegmacien nicht weiter.

    Wichtig fürs Schlüsseln ist zunächst Lamellenfarbe junger Exemplare. Deine Bilder sind da etwas mehrdeutig: auf einigen Bildern sehe ich weiße Lamellen, auf anderen Bildern erkenne ich einen dezenten Blaustich. Kannst Du das nochmal genau beschreiben?


    P.S.: bei den Cortinarien braucht man die Sporenmaße, -Form und -Ornament. Wenn Du Dich ernsthaft mit Den Schleierlingen befassen willst, kommst Du um ein Mikroskop nicht drumherum.

  • Hallo Thomas!

    Ja die Lamellenfarbe der jungen Exemplare ist schwierig zu beschreiben, grau- ocker würde ich sagen. Je nach Blickwinkel ändert sich das, deshalb sind auch die Fotos so verschieden, beigefügt noch ein paar Handyaufnahmen.


    Gruß,


    Frank


  • Hallo Thomas!


    Auf die Schnelle habe ich gegoogelt, C. saporatus soll bei Fichten und Kiefern wachsen, Nadelbäume waren aber weit und breit keine vorhanden. Auch die Geruchsbeschreibung "unbedeutend bis süßlich gebäckartig" passt nicht, denn meine Exemplare riechen deutlich erdig, wie rote Bete.


    Allerdings stammen diese Angaben zu C. saporatus von 123 Pilze, deren Zuverlässigkeit nicht allzu hoch einzustufen ist ...


    Ich habe leider keine Klumpfuß-Monografie


    Gruß,


    Frank

  • Hallo Thomas!


    Auf die Schnelle habe ich gegoogelt, C. saporatus soll bei Fichten und Kiefern wachsen, Nadelbäume waren aber weit und breit keine vorhanden. Auch die Geruchsbeschreibung "unbedeutend bis süßlich gebäckartig" passt nicht, denn meine Exemplare riechen deutlich erdig, wie rote Bete.

    C.saporatus ist laut FN und Ludwig eine Laubwaldart, die aber auch unter Kiefern vorkommen kann. Der Geruch wird als malzig beschrieben, mitunter honigartig. Etwas anderes fällt mir zu Deinem Fund nicht ein.


    Edit:

    Hier der Link zu meinem eigenen Fund von C.saporatus (und anderen).

  • Hallo,

    ich sehe hier nichts aus der aktuellen Gattung Calonarius (wie C. saporatus) sondern ein Phlegmacium, eventuell Phlegmacium magicum oder etwas nah Verwandtes. Sporen wären hier sehr hilfreich.

    Viele Grüße

  • Hallo,

    ich sehe hier nichts aus der aktuellen Gattung Calonarius (wie C. saporatus) sondern ein Phlegmacium, eventuell Phlegmacium magicum oder etwas nah Verwandtes. Sporen wären hier sehr hilfreich.

    Viele Grüße

    Das sehe ich auch so. Konkret bin ich da bei C.scaurocaninus der bei Eichen wächst.

    Überprüfen lässt sich das über die kleinen ellipsoiden Sporen, die so max. 8 um lang sein sollten

    Gruss

    Uwe

  • Das sehe ich auch so. Konkret bin ich da bei C.scaurocaninus der bei Eichen wächst.

    Überprüfen lässt sich das über die kleinen ellipsoiden Sporen, die so max. 8 um lang sein sollten

    Den müsste man dann über bläuliche Lamellen schlüsseln, richtig? Bzw. womit schlüssle ich sowas überhaupt, da die Art weder in der FN, Kibby oder CiS enthalten ist?

  • Den müsste man dann über bläuliche Lamellen schlüsseln, richtig? Bzw. womit schlüssle ich sowas überhaupt, da die Art weder in der FN, Kibby oder CiS enthalten ist?

    Ja das ist generell bei selteneren Arten ein Problem. C.scaurocaninus findet sich z.B. in der Flora Neerlandica 8 - Cortinarius
    Ob er sich schlüsseln lässt kann ich gerade nicht prüfen, da ich bis Montag keinen Zugriff auf das Buch habe.
    Ich erinnere mich nur dass es bei C.glaucopus ein Schlüsselproblem gab, da dieser nur über "nicht blaue Lamellen" erreichbar ist.
    Gruss
    Uwe

  • Würdest wahrscheinlich zu C. magicus kommen, was immerhin nah dran wäre. Der Schlüssel im Kibby ist auf Artebene sowieso etwas schwammig; zum Beispiel im Mischwald geht da gar nix, da auch viel über Partnerbäume geht.

    Viele Grüße

  • Ja das ist generell bei selteneren Arten ein Problem. C.scaurocaninus findet sich z.B. in der Flora Neerlandica 8 - Cortinarius

    Den Schlüssel dort habe ich noch nicht ausprobiert, aber laut Artenindex ist C.scaurocaninus in der Flora Neerlandica 8 nicht enthalten. Allerdings in Ädelspindlingar und Ludwig Bd.4, aber in beiden Werken gibt es keinen Schlüssel.

  • Danke für das Feedback und die erhellenden Informationen. Die Exemplare trockne ich gerade, scheint ja keine allzu häufige Art zu sein. Entweder ergibt sich irgendwann irgendwo eine Mikroskopier-Gelegenheit oder ich sende eine Probe zu Pablo Alvarado. Der hat ja auch das Rätsel um den vermeintlichen Schönkopf vom vergangenen Herbst gelöst.


    Beste Grüße,


    Frank

  • Hallo!


    Heute war ich nochmal vor Ort und habe zwei vollreife Fruchtkörper gefunden. Da es sich augenscheinlich um eine recht seltene Art handelt und es in den meisten Pilzbüchern keine Fotos davon gibt, habe ich nochmal einige Aufnahmen gemacht.


    Auch bei diesen beiden Fruchtkörpern hat der Hutrand eine oder zwei geschlängelte Stellen. Zumindest bei diesem Myzel scheint das ein konstantes Merkmal zu sein, welches bei jungen Fruchtkörpern kaum auffällt, aber mit zunehmender Fruchtkörperreife immer stärker hervortritt.



    Beste Grüße,


    Frank