Klumpfuß bei Hainbuche - auffällige KOH Reaktion

Es gibt 7 Antworten in diesem Thema, welches 607 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von coröhrling97.

  • Hallo zusammen,


    bei diesem kräftigen Klumpfuß komme ich momentan nicht weiter und würde mich über Einschätzungen freuen.

    Die Art wuchs im Laubwald auf Kalk direkt neben einer Gruppe mittelalter Hainbuchen und etwas Buchenverjüngung.

    Der Hut hat deutliche Brauntöne und weiße Velumplacken, die zunächst an Cortinarius luhmannii erinnern.

    Bereits jung hatten die Lamellen einen Braunton.
    Der Geruch war einer dieser klassischen unspezifischen "Phlegmacien-Gerüche", nichts wirklich auffälliges.


    Am auffälligsten ist die innerhalb kurzer Zeit knallrote KOH Reaktion im Stielfleisch. Dieses Merkmal könnte ein Alleinstellungsmerkmal sein bzw. die Art eng eingrenzen. Ein Exemplar ist getrocknet und kann für mikroskopische Zwecke verwendet werden.


    Ich würde mich sehr über fundiertes Expertenwissen freuen.

    PS: Ich kann gerne weitere Bilder ergänzen, diese müssten aber erst von der Kamera auf den Laptop übertragen werden.


    VG Cornelius

  • Holla,

    das ist tatsächlich ungewöhnlich und mir fällt auf im ersten Moment nix mit der Merkmalskombination ein. Tendenziell wäre ich aufgrund der eher wenig gerandeten Knolle und dem faserig anmutenden Hut eher bei Phlegmacium als bei Calonarius aber auch da passt nicht so viel. Wobei KOH Reaktionen auch komisch sein können. Ich bin neulich mal alte Posts durchgegangen und als ich noch gar keinen Plan von Schleierlingen hatte, hatte ich ein Phlegmacium das mit KOH auf dem Hut praktisch augenblicklich von violett auf kräftig orange umgefärbt hat. Seither nie wieder gefunden, bis heute keine Ahnung was da los war:

    Viele Grüße

  • Hallo Cornelius,


    nur eine Verständnisfrage (da ich selber nicht wirklich Ahnung von Cortinarien habe): Auf dem zweiten Bild der obere halbe Pilz, ist das im unteren Stielbereich das KOH? Vielleicht liegt es an meinem Bildschirm, aber knallrot sieht für mich anders aus. Ist das später nachgedunkelt oder sieht das auf deinen Bildschirmen anders aus?


    Nachdem ich mühsam lernen musste (und bei der Bewertung vielleicht immer noch gelegentlich falsch liege), dass ein Abdunkeln der natürlichen Farbe eine negative KOH-Reaktion sein soll, hätte ich bei dem, was ich auf dem Foto sehe, gesagt, KOH negativ, weil abgedunkelt von hellem Beige-Braun zu Dunkelbraun.


    Ich hoffe, auch ich werde in diesem Thread aufgeschlaut.


    Beste Grüße

    Sabine

    100 Startguthaben minus APR-Gebühr 2024 = 90 + 3 (drittschnellstes Jokerverballern 2024) = 93 + 10 (dritter Platz APR 2024) = 103 minus 15 für APR 2025 = 88 + 2 (Nannettes Zwischenrätsel als 11. gelöst) = 90 + 6 (6. Platz Platzierungswette APR 2025) = 96

  • Folgende Bilder kann ich noch nachreichen.

    Gerade die Lamellenfarbe junger Fruchtkörper ist ein sehr wichtiges Merkmal:



    Bei dem oberen Fruchtkörper ist die KOH-Reaktion auf dem Hut im oberen Bereich erkennbar. Ich würde die Verfärbung dort als orangebraun bezeichnen. Mir ist allerdings nicht ganz klar, ob das bei der ohnehin braunen Hutfarbe bereits als positive Reaktion zu werten ist oder lediglich als bräunliche und damit eher negative Reaktion.

    Die KOH-Reaktion im Stielfleisch habe ich vermutlich zunächst etwas überbewertet – danke an Sabine für den Hinweis. Rückblickend würde ich die Verfärbung eher als dunkel rotbraun und nicht als knallrot bezeichnen.


    Damit erscheinen mir Arten mit bereits jung braunem Hut, auffälligem hellem Universalvelum und graublauen bis blassvioletten Junglamellen wieder interessanter. Vom Habitus her wäre für mich beispielsweise Cortinarius scaurocaninus einen Vergleich wert.

    Wie würdet ihr die KOH-Reaktionen auf den Bildern einschätzen, und in welche Gruppe würdet ihr mit dieser Merkmalskombination weiterschlüsseln?

    Vielleicht haben Mykollege_Günter und Cortinarius eine Idee – ich würde mich über eure Einschätzung freuen.


    VG

    Cornelius

  • Was spricht denn gegen C.luhmannii? Bei meinen Funden war die knallig lilafarbene Lamellenfarbe recht vergänglich und nur bei jungen Fruchtkörpern gut zu erkennen.


    Ich habe soeben ein Bild der Lamellenfarbe nachgereicht.

    Luhmannii hatte ich bereits ein paar mal, immer unter Buche.

    Die Lamellen waren jung violett und nicht blaugräulich. Die KOH-Reaktion müsste bei luhmannii negativ ausfallen.

  • Hallo zusammen,

    irgendwie passt das alles nicht so ganz zusammen. Die KOH Reaktion und das makroskopische Erscheinungsbild geben kein klares Bild.

    Sinnvoll wäre es zumindest mal die Sporen unters "scharfe Glas" zu legen.

    Wenn du, Cornelius , keine Möglichkeit hast zu mikroskopieren, kannst du mir ein Stückchen vom Exsikkat ( Stiel mit Cortina und Lamellen) per Post schicken, dann mach ich das

    Adresse gibt es per PM , wenn du dich meldest

    Gruss

    Uwe


  • Hallo Uwe,


    vielen Dank für deine Antwort und das Angebot!

    Ich habe einen Fruchtkörper getrocknet und werde in den nächsten Tagen zunächst reife Sporen aus den Lamellen mikroskopieren und vermessen.

    Mein Verdacht geht inzwischen recht deutlich in Richtung Sektion Glaucopodes. Wenn ich Schmidt-Stohn et al. (2016) zum Vergleich heranziehe, erscheint mir C. scaurocaninus momentan als ein sehr interessanter Kandidat. Makroskopisch passt einiges recht gut, insbesondere die graublauen bis blassvioletten Lamellen der jungen Fruchtkörper sowie die auffälligen hellen Velumplacken auf dem Hut, die bei C. scaurocaninus offenbar ebenfalls sehr kräftig ausgeprägt sein können.

    P. magicum und P. luhmannii erscheinen mir dagegen weniger passend, da ich diese mit deutlich kräftigeren Violetttönen kenne (beide Arten konnte ich bereits finden; C. luhmannii gehört bei uns zu den häufigeren Arten bei Buche).

    Mal schauen, ob die Sporen zu C. scaurocaninus passen – ich stelle die Ergebnisse dann hier ein.


    Viele Grüße

    Cornelius