Melastiza spec unter Lärche (ev. M. cornubiensis)

Es gibt 8 Antworten in diesem Thema, welches 533 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von KaMaMa.

  • Hallöchen,


    hier ein geselliger, kleiner roter Asco mit kurzen Börstchen an Rand/Unterseite.

    Gefunden in einem Tal in Bachnähe auf Sand unter einer Lärche in den Hohen Tauern Anfang Juli.


    Durchmesser Apothecium bis ca. 5 mm, Dicke um 0,5-0,75 mm.





    Exsikkat in Wasser quellend


    Die Sporen erweisen sich als elliptisch und in der Größenordnung von 21x10,5 µm.

    Das Epispor ist netzartig ausgebildet.

    Alleine mit diesen beiden Parametern gelange ich mit dem französischen Schlüssel von Jeannerot zu S. pseudotrechispora.


    Bild Querschnitt des Exsikkats nach Quellen in Wasser (Auflicht)


    Haare sind braun und sehr kurz.


    Asci mit Sporen


    BWB-Färbung


    Sollte das richtig sein? Muss ich genauer messen?


    LG, Martin

  • Hallo nochmal!


    Ja, Scutellinia hätte typischerweise längere, abstehende Borsten.

    Die Pusteln an den Schnittpunkten des Epispors passen auch besser zu Melastiza.

    Hier einige Sporen in besserer Vergrößerung:

    Asci 1-reihig, 8-sporig


    Die Sporen sind elliptisch und haben eine Länge um 19-20 µm, die Breite liegt um 11 µm (inkl. Ornament).

    In Aufsicht ist ein mehr oder minder geschlossenes Netz erkennbar.

    Die Kreuzungspunkte der Netzstruktur sind in Aufsicht stellenweise verdickt.

    Am Perimeter ist erkennbar, dass das Ornament (Netz) flach ist, die dunkel eingefärbten Bereiche sind in der Sporenmitte um 1 µm hoch.

    An den Kreuzungspnkten des Netzes steht das Ornament weiter ab, was ich als die im Schlüssel erwähnten "Pusteln"/"Warzen" interpretiere.

    Diese Strukturen ereichen an den Polen bis zu 3 µm Höhe/Dicke.


    Mit dem Melastiza-Schlüssel von Ascomycetes.org gelange ich über

    1b Ornament << 5µm, eher um typ. 1µm hoch (an den Polen bis 3µm), vollständig netzförmig

    2a Netz mit hochstehenden Pusteln/Warzen an den Kreuzungspunkten

    3 Hier soll ich Warzen von Pusteln unterscheiden...

    Vermutlich sind Warzen flacher als Pusteln; ich würde hier für Pusteln votieren.

    Im Falle von (flachen) Warzen wäre ich bei M. kumouensis, eren Sporenbreite bei max. 9 µm läge.

    => 3b Pusteln

    4a Ascospores (15) 16.6–19.5 (21) × 9.2–12.5 (15) μm, mainly 18.8 × 10.5 μm. Pustules 1.5–3 (4.5) μm high, up to 5.5 μm at the poles where they may overlap

    => M. boudieri

    Sporengröße und Pustelhöhe passen recht gut.


    Falls doch keine Pusteln vorliegen sollten => 2b

    5b Sporen ellipsoid

    6a länger als 15 µm

    7a Asci 8-sporig

    8b Ornament recht regelmäßig, eher nur 1µm hoch, an Polen etwas mehr

    => M. cornubiensis


    Da kenne ich mich mit den Begrifflichkeiten der Gattung nicht aus.

    M. cornubiensis scheint die häufigere Art zu sein, wird zumindest auch in "Fungi of temp. Europe" abgehandelt.


    thorben96 , du hast die Art offenbar schon bestimmt. Würdest du hier eventuell M. conubiensis erkennen?


    LG. Martin


    LG, Martin

  • Hallo Martin,

    nanu wo sind denn da die Algenzellen im Schnittbild? Da hast du dich wohl verguckt? ;)

    ...siehst du es gibt hin und wieder auch hübsche nicht-lichenisierte Ascomyceten!


    Aber zum Fund: Ich halte ihn eher nicht für M. cornubiensis, dafür sind m.E. die Pusteln zu dick und die Fruchtkörper zu klein.

    Hier mal zum Vergleich eine Kollektion von M.c. vom letzen Jahr:


    Das waren richtig kräftige Teile, die großen eher über 2cm





    M. boudieri scheint mir auch auf den ersten Blick gut zu passen, den hatte ich aber noch nicht.

    Vielleicht meldet sich ja noch jemand, der den schon in der Hand hatte?

    Du hast übrigens die Seite meines Namensvetters aus Sonneberg verlinkt, ich ruf ihn auch mal dazu Ingo W

    Viele Grüße

    Ingo

  • Servus Martin,

    für mich sieht das wie M. cornubiensis oder M. carbonicola aus.

    M. boudieri hat von der Sporenornamentation Ähnlichkeit mit M. flavorubens.

    Bei deinen abgebildeten Sporen seh ich z.B weder Pusteln noch Warzen. Eher ein unregelmäßiges Netz mit erhabenen/ abstehenden Graten.

    Ich häng mal den Link hier an.

    https://czechmycology.org/_cm/CM474.pdf


    Grüße

    Felli

  • Hallo Bernd und Ingo,


    vielen Dank für die Anregungen.

    Die tschechische Seite war mir bei den Recherchen bereits aufgefallen, jedoch gelingt es mir nicht sie erfolgreich aufzurufen.


    LG, Martin

  • KaMaMa

    Hat den Titel des Themas von „Scutellinia pseudotrechispora (?) unter Lärche“ zu „Melastiza spec unter Lärche“ geändert.
  • Hallo Martin,


    es ist lange her, dass ich mich mit Melastiza beschäftigt habe, daher bin ich da raus bei der Bestimmung.

    Ich müsste mich da erst wieder einarbeiten und auch aktuelle Literatur zur Rate ziehen.


    VG : Thorben

  • Hallo Bernd Felli ,


    ich glaube, ich sehe, was du mit dem hohem Netz meinst. Was isch zuerst für hochstehende Pusteln hielt, sind oft schwach eingefärbte und damit wohl membranartig dünne Abschnitte des Netzes, die hochstehen.


    Wenn das Ornament von M. bouderi dem von M.flavescens - wie in dem tschechischen Paper von Moravec abgebildet - ähnelt (beide Arten schlüsseln bei ähnlicher Ornamentbeschreibung aus), ist diese Art und der gesamte Ast des Melastiza-Schlüssels wohl raus und es geht wohl wirklich Richtung der drei Arten M. cornubiensis/carbonicola/flavida.


    Ohne Ornament messe ich Sporengrößen wiederholt um 17 x 9 µm, was aber für alle drei Arten passen würde und also nicht weiterhilft.

    Die Ornamentdicke liegt typisch bei 1µm, an den Polen bis etwa 3,5µm.

    Die Breite des Netzes in Aufsicht liegt typisch bei 1-1,5 (2) µm, das passt nicht zu M. flavida mit dort 1,5-3(4,5) µm.

    Das Ornament wirkt gleichmäßig dick, nur an sehr wenigen Stellen nicht geschlossen.


    Der Paraphysendurchmesser wurde bisher nicht erwähnt, er liegt bei etwa 3,5 µm, Köpfe 7-8 µm breit.

    Die braunen Härchen haben einen Durchmesser von 10-12 mm und eine Länge von > 140 µm. Ich zähle bis zu 4 Septen, wobei das Haar abgebrochen und nicht vollständig war. Die Wandstärke liegt bei 1-1,5 µm. Bis zu 4 Septen werden bei M. chateri erwähnt (M. carbonicola: nur 3 Septen).

    Ich finde, dass auch die Sporenabbildung im Paper von M. chateri (= M. cornubiensis) besser mit dem Fund übereinstimmt als die von M. carbonicola.

    Da zudem die Lokalität in unmittelbarer Bachnähe nicht wie eine Brandstelle wirkt, tentiere ich daher zu M. cornubiensis (= M. chateri).

    Das ist aber eher eine Glaubensfrage. Es bleibt also bei Melastiza spec.


    Vielen Dank allen Beitragenden,

    insbesondere dir Bernd für das Paper!


    Martin

  • KaMaMa

    Hat den Titel des Themas von „Melastiza spec unter Lärche“ zu „Melastiza spec unter Lärche (ev. M. cornubiensis)“ geändert.