Hallo in die Runde,
ich bin seit Längerem auf der Suche nach Inosperma erubescens (Ziegelroten Risspilz).
2025 hatte ich ihn immerhin schon einmal gefunden – allerdings in Form eines kleinen, etwas „verkorksten“ Exemplars. Nett gemeint vom Pilz, aber da geht noch was. Der Wunsch nach einem richtig schönen Fund blieb natürlich bestehen.
Hier im Forum hatte Hannes2 (Jörg) kürzlich von seinem Fund aus Chemnitz berichtet, und auch lamproderma (Ulla) zeigte einen aktuellen Fund aus Halle. Da dachte ich mir: „Jetzt oder nie!“
Also ging es heute Morgen um 4:30 Uhr los Richtung Fundort von 2025. Der Plan: früh fertig werden, bevor die große Hitze zuschlägt.
Vor Ort angekommen dann die erste Überraschung: alles saftig grün! Bei mir zu Hause herrscht ja eher Steppe, aber hier war der Boden sogar noch feucht. Offenbar hatte es am Abend vorher geregnet – ein Wunder!
Auf kahlen, lehmigen Boden fand ich zunächst einige halb exsikkierte, etwa 3 cm große Becherlinge. Im Gras stand außerdem eine kleine weiße Mycena. Hier ist der Erdboden feucht.
Und dann kamen sie: die Kriebelmücken. Nicht ein paar. Nicht viele. Alle. Wirklich alle.
Also taktischer Rückzug zum Auto, Autan holen. Denkste. Spraydose weg.
Na gut, Zweitdose im Fotorucksack… ebenfalls verschwunden.
Perfekt. Das „Brandeisen“? Natürlich zu Hause. Läuft alles wie geschmiert – oder eben auch nicht … ![]()
Also zurück zum Fundgebiet von 2025: üppiger Bewuchs bei Eichen aus Giersch, Brennnesseln. Teilweise mäßiger Bewuchs mit Gräsern, Löwenzahn und der Ährigen Teufelskralle (Phyteuma spicatum).
Und dann waren sie da!
Etwas versetzt zum Vorjahresfund tauchten plötzlich mehrere Exemplare von Inosperma erubescens (Ziegelroter Risspilz) auf. Erst wenige, dann immer mehr – auf ein paar Quadratmetern locker 25 Stück oder eher mehr. Jackpot!
Ein komplett aufgeschirmter FK war zwar nicht dabei, aber ich will nicht meckern: Die Fruchtkörper waren in Top-Zustand, schön frisch und ohne Trockenschäden. Ich war genau richtig.
Und dann begann der eigentliche Endgegner-Level.
Mitten in der Weltmetropole der Kriebelmücken baute ich die Kamera auf und begann zu fotografieren. Ich schwöre: Ich habe noch nie in meinem Leben so viele von diesen Biestern gesehen.
Einerseits musste alles schnell gehen, andererseits durfte ich mir beim Knipsen keine groben Fehler erlauben – ich will nicht noch einmal die Fahrt unternehmen müssen.
Und jedes Mal, wenn man ein solches Vieh erwischt hatte, lief sofort das Blut… ich erspare euch die Details.
Irgendwann war es geschafft – Kamera eingepackt, Mission erfüllt.
Die weiße Mycena habe ich aus Selbstschutz lieber ignoriert.
Zu Hause angekommen: erst einmal Blutreste entfernen, dann Bissstellen zählen. Ergebnis: 37. Also die, welche ich sichten konnte.
Behandelt wurde stilecht mit „Brandeisen“ und DIMETIN – soweit ich drankam.
Die erste Sichtung der Bilder war dann zum Glück versöhnlich: brauchbar! Fürs Forum habe ich direkt ein paar entwickelt.
Fazit: Ein großartiger Fund – aber durch die Kriebelmücken hart erarbeitet… Oder sagen wir: teuer bezahlt.
NACHTRAG:
Ich habe hier zwei Bilder hinzugefügt. Einmal junge Pilze. Die sind noch fast weiß.
Das kann zu Verwechslungen mit dem Mairitterling führen, wenn man nicht genau hinsieht. Zumal beide Arten zur gleichen Zeit vorkommen.
Im Bild ein heller Pilz mit einer Fraßstelle:
Der identische Pilz mit der Fraßstelle einen Tag später, nun so ziegelrot, wie man es erwartet:
Soweit für heute,
viele Grüße,
Steffen
