Moin zusammen,
Ölkäfer sind nicht sehr häufig. In Deutschland sind alle Arten streng geschützt. Vorgestern konnte ich mehrere Violette Ölkäfer - Meloe violaceus beobachten in - diplomatisch formuliert - recht ungewöhnlichen Konstellationen. Sie und ihre ungewöhnliche Biologie will ich euch hier einmal beschreiben.
Violette Ölkäfer haben verkürzte Flügel und sind flugunfähig. Bei der Partnersuche müssen sie sich also zu Fuß auf den Weg machen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Larven Honig benötigen, um sich zu ernähren. Die haben also das große Abenteuer vor sich, in eine Bienenwabe gelangen zu müssen. Die Natur hat die winzigen Käferlarven hierzu für ihren ersten Lebensabschnitt mit Halteklauen ausgestattet, die es ihnen ermöglichen, sich an einer Biene festzuklammern. Zudem sind sie so beschaffen, dass sie eine längere Zeit ohne Nahrung auskommen können. Nur wenn die winzige Larve es schafft erfolgreich eine Blüte zu erklimmen und diese von einer Wildbiene heimgesucht wird, kann sich der Winzling an die Biene klammern und sich als Blinder Passagier zur Bienenbrut tragen sassen. Dort parasitiert die Larve die Bienenbrut, also frisst zunächst das Bienenei und lässt sich später in weiteren Larvenstandien den Honig schmecken. Die Natur hat den Käfern bei der Vermehrung viele Steine in den Weg gelegt. Zum Ausgleich hat sie den Käferweibchen ermöglicht, zwischen 2000 und 10.000 Eier legen.
Anschließend folgen unspektakulärere Larvenstadien und die Metamorphose, bis dann im Frühjahr die nächste Generation aus den Puppen schlüpft.
Ölkäfer produzieren ein Gift, mit dem sie Fressfeinde abschrecken können. Dieses Gift erinnert an Öltröpfchen. Da dieses Gift mit dem Namen Namen Cantharidin schon in kleinen Mengen zu Vergiftungen führt, sollten die Käfer nicht berührt werden. Es heißt, dass die Giftmenge eines Käfers ausreicht, einen Menschen zu töten.
Nun zu meinen Ölkäfer-Begegnungen. Laut Literatur werden sie bis zu 32 mm lang. Das trifft bei den auf den Fotos zu sehenden Exemplaren allenfalls für die Männchen zu. Das Weibchen war deutlich größer.
Und nun die Tatortfotos:
1.. So sind sie üblicherweise anzutreffen. Einzeln und geschäftig unterwegs.
2. Wie schön, da haben sich zwei gefunden! - dachte ich zunächst.
3. Ein Trugschluss, wie sich gleich darauf herausstellte.
5. Ob das mal gutgeht! Das scheint kompliziert zu werden.
5. Meine Sorgen waren unbegründet. Die bekommen das hin.
Aber die auch als Blauer Maiwurm bezeichneten Ölkäfer sind dieses Jahr ungewöhnlich früh dran. Hummeln und Bienen sind nur wenige unterwegs. Aber das Weibchen muss ja zunächst Eier legen. Bis zum Schlüpfen der Larven vergeht ja noch einige Zeit. Bis dahin blüht und summt es hoffentlich auf den Wiesen, damit einige der winzigen Parasiten eine Chancen bekommen
