Alles anzeigenHallo,
ich finde nahezu alle Einsendungen wirklich großartig und spektakulär - aber ich übersehe mir den Look von gestackten Bildern unmheimlich schnell. Auf eine bestimmt Art und Weise sind ein großer teil der Bilder bildstilistisch gleichgeschaltet: von vorn bis hin gestochen scharf dargestellter Pilz mit ein maximal unscharfer und dadurch zur abstrakten Farbwolke ohne weitere Deutung reduzierten Hintergrund. Das ganze mit moderat bis kräftig angehoben leuchtenden Farben und künstlichem Licht. Beim ersten Bild staune ich noch über die Brillanz, aber spätestens ab dem fünften Bild geht das Interesse stark in den Keller, eben weil alles gefühlt gleich aussieht.
Ich will hier nicht nörgeln (und tue es doch), aber ich wünschte mir eine größere Bandbreite in der Bildsprache. Und Juroren, die auch Bilder jenseits des gestackten Einheitsbreis wertschätzen. Kritiker werden mir jetzt vorwerfen, ich solle selbst Bilder einreichen, und damit haben sie natürlich recht. Aber obwohl ich doch die Fotografie als Hobby betreibe, kann ich mich für die Pilzfotografie nur wenig begeistern. Aber ich befasse mich viel mit Fotografie und glaube etwas davon zu verstehen. Insofern erlaubt mir bitte diesen Beitrag.
P.S.: Mein persönlicher Favorit ist der Zarter Helmling von Olaf G - die wunderbare zarte Statur der Helmlinge, die sich so herrlich organisch geschwungen empor strecken und so stark an den Jugendstil erinnernd. Dazu der zarte Hintergrund im Gegenlicht. Das ganze nimmt wunderbar treffend Bezug auf den Namen des Helmlings, welcher zugleich augenscheinlichstes Merkmal dieser Art ist. Fraglos wurde auch hier gestackt, aber nur als Mittel zum Zweck und nicht zum Selbstzweck. Das Bild würde ich mir an die Wand hängen und vermutlich auch nach Monaten noch mögen. Letzteres ist für mich immer ein guter Indikator, ob ein Bild eine fotografische Substanz hat - oder nur Brillanz
Lieber Thomas
ich empfinde das nicht als Nörgeln, sondern als sehr guter und diplomatisch formulierter Gedanke. Und ich sehe das genau so wie du: Olafs Bild ist auch für mich das eigenständigste und fotografisch spannendste Bild! Man kann Pilze auf so viele verschiedene Arten fotografieren, dass es dazu hier eigentlich mehrere Kategorien geben müsste. So passen z. B. auch die besonders beeindruckenden Bilder von Schleimpilzen eigentlich nicht unter die "normalen" Pilze. Da dies hier ja vor allem ein Pilze- und kein Fotografieforum ist, punkten auch seltenere Pilzfunde meist automatisch mehr. Und es ist auch verständlich, dass manche viel natürliches Umfeld mögen und auch die Pilze gerne komplett sehen wollen. Was ist mit Strukturen von Lamellen usw.? Wäre ja auch spannend. Oder Pilze im Gegenlicht, so, dass man die Art gar nicht mehr erkennt? Wo sind die zeitgemäßen Techniken der kreativen Naturfotografie, z. B. ICM und Mehrfachbelichtungen? usw. usw. Wie soll eine Jury urteilen, wenn sich das alles vermischt?
Ich selber bin ja schon lange dabei und freue mich, dass sich der Wettbewerb stetig weiterentwickelt. Für mich ist es vor allem die Lockerheit und der Spaß, mit dem alle dabei sind. Das Niveau ist inzwischen auf einem hohen Level angekommen, was ja auch fast jeder geschrieben hat. Die Platzierungen sind meist eng aneinander und könnten genau so gut ganz anders ausfallen. Gott sei Dank gibt es keinen "Konkurrenzkampf".
Aber dein Gedanke, selbst einmal Pilze zu fotografieren, vor allem, weil du dich viel mit Fotografie beschäftigst, ist doch gar nicht so schlecht! Zeig uns doch mal neue Bandbreiten, ich würde mich freuen und glaube, andere auch.
