Ritterlinge, Raslinge und eine Telamonia

Es gibt 8 Antworten in diesem Thema, welches 1.814 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Clavaria.

  • Hallo zusammen


    Ein paar wenige Sachen die ich heute einfangen durfte:


    1:

    Einer der Krokodil-Ritterlinge, vermutlich Trichloma ilkkae.



    2:

    Diese kleine, dunkle Ritterling mit weissem Hutrand und dunkel faserschuppigem Stiel müsste Tricholoma triste sein.


    Die Sporen sind bei Tricholoma meist nutzlos.



    3:

    Ein seeeeehr langsam schwärzender Rasling.


    Sporen rautenförmig, also gehört das ins Aggregat um Lyophyllum deliberatum.




    4:

    Noch ein Lyophyllum. Das hatte ich am gleichen Standort schon mal und damals mit vielen Fragezeichen als Lyophyllum semitale bestimmt.

    Jetzt habe ich einen besseren Namen gefunden, nämlich Lyophyllum maleolens.


    Jetzt wurde mir aber klar, dass die Lamellen bei Berührung zwar langsam bräunen, aber nie schwarz werden.


    Die Sporen sind elliptisch, manche angedeutet spindelförmig mit suprahilarer Depression.


    Eine sehr ähnliche Kollektion gibt es hier:

    Lyophyllum maleolens M. Melis & Contu 2001
    Lyophyllum maleolens M. Melis & Contu 2001 Tassonomia Divisione Basidiomycota Classe Agaricomycetes Ordine Agaricales Famiglia Lyophyllaceae Genere Lyophyllum…
    www.funghiitaliani.it



    5:

    Eine kleine Telamonia mit weisser Ringzone und violettlichem Apex: Cortinarius pseudofallax. (ohne Garantie)



    Sporen klein und stark warzig.


    LG Raphael

  • Hallo Raphael,

    danke für`s Mitnehmen.

    Tolle Funde, bei den Cortinarien tue ich mich immer schwer.

    Der Kokodil Ritterling ist toll - den gibt es hier bei mir nicht - cool ihn wieder mal zu sehen.

    Grüßle

    Hilmi

    Liebe Grüße aus dem Vogtland

    die Schwarzhex

    :gwinken: Sandra

    (PC 100 - 10 (fürs APR 2020) = 90 - 15 (APR 21) = 75-10 (APR22) = 65 + 7 (APR 22 Auflösung) - 5 (Rätsel-Gedicht)= 67 - 10 (APR 23) = 57 + 5 Gnanzierung = 62 - 10 (Ast-Wette gegen Björn) = 52 - 10 (APR 24)- 1 (legaler Bestechungsversuch im Vorfeld des APR zugunsten GI)= 41 + 21 (Thorwulf Spende)= 62 + 38 (Hannes2 Spende) = 100 PC :gbravo: + 3 Gnolmengastfreundlich = 103-15 (APR 25) = 88+ 1 Nannettenrätsel=89 + 3 Jammerei auf hohem SchwarzhexxNiveau = 92+ 3 (Platz 20 APR25)=95

  • Hallo zusammen


    Hier noch ein paar Updates nach der Sequenzierung:


    Nr. 2: Tricholoma triste wurde bestätigt.

    Nr. 4 ist nicht Lyophyllum maleolens, sondern das (auch genetisch) sehr ähnliche Lyophyllum aemiliae.

    Nr. 5 wurde als Cortinarius pseudofallax bestätigt, inzwischen gilt der Name als vermutliches Synonym von C. parvannulatus.


    LG Raphael

  • Tolle Funde

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Servus Raphael,

    sehr interessant! Die "Parvuli" sind ein bisserl unübersichtlich (Kokkonen 2020). Meine beiden ex parvannulati sind inzwichen als C. neofallax bestimmt. So weit ich weiß, gibt's noch keine Typussequenz von C. parvannulatus. Wie war denn die Ökologie bei deiner Aufsammlung? Meine C. neofallax standen beide montan im jungen Fichtenwald über Kalk bzw. Würmmoräne.

    Grüße

    Hias

  • Hallo Hias


    Ja, von C. parvannulatus gibt es leider keine Typussequenz.

    In FAN8 wird trotzdem C. parvannulatus als Name akzeptiert, während C. pseudofallax, C. neofallax und einige andere als Synonyme aufgeführt sind.

    Eine weitere Unterscheidung macht in der Gruppe wohl wenig Sinn, ich bin geneigt mich dieser Meinung anzuschliessen.

    Wenn man es anders macht, muss man den Komplex um etliche (semi)kryptische Arten erweitern und kann C. parvannulatus mangels Typussequenz als nomen confusum verwerfen.

    Naja, ist vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis jemand den Versuch unternimmt.


    Auch morphologisch ist da wenig zu machen. Ich hatte letztes Jahr mehrere pseudofallax-Kollektionen, davon eine als neofallax und eine als cedriolens bestimmt.

    Die ITS ist bei allen praktisch identisch. Habitat von montan (1000m bei Picea, Betula, Salix caprea auf Kalk) bis hochalpin (2600m bei Zwergweiden).

    Was da an Unterschieden im AdC und in anderen Büchern aufgeführt ist, taugt nicht für eine morphologische Abgrenzung.


    1 / 23.058:


    2 / 24.259:


    3 / 24.265:


    4 / 24.269:


    5: 24.289:


    LG Raphael

  • Servus Raphael,


    bei den Parvuli habe ich selbst nur wenig Material und kann das schlecht beurteilen. Aber: Synonymisierungen ganzer Sektionen wie in FAN8 (Decipiens-Gruppe!) sehe ich kritisch. Ich finde, Arten, die morphologisch gut trennbar sind, sollte man nicht zusammenwerfen, nur weil die ITS keine schlüssige Trennung ermöglicht. C. croceocingulatus sieht z.B. völlig anders aus als C. neofallax und hat in Gegensatz zu Letzterem indextrinoide Sporen.

    LG Hias

  • Hallo Hias (und wer sonst Interesse an viel Text über Telamonien hat)


    Ich habe mich heute nochmal mit meinen "pseudofallax" Kollektionen rumgeärgert, weil ich ein ausführliches Portrait darüber schreibe.

    Es ist wieder das gleiche Muster wie bei anderen Telamonien, du kennst das ja schon:


    Die montanen Kollektionen (1 und 5 in meinem vorigen Beitrag) haben Sporenmasse, die recht gut zu den Angaben in der FAN passen:

    6.4-7.1-7.8 (SD 0.3) x 4.1-4.5-5.0 (SD 0.20) µm, Q = 1.33-1.57-1.76 (SD 0.08) [n = 40, 2 Kollektionen]

    Zwischen den beiden Kollektionen gab es kaum Unterschiede in den Sporenmassen.


    Die drei alpinen Kollektionen (2,3,4) haben deutlich grössere Sporen:

    7.3-8.4-10.1 (SD 0.6) x 4.7-5.2-6.2 (SD 0.3) µm, Q = 1.38-1.60-1.84 (SD 0.10) [n = 60, 3 Kollektionen]

    Auch hier: Fast konstante Masse bei allen drei Kollektionen.


    Die Masse überschneiden sich nur knapp, man könnte das durchaus für eine Artunterscheidung verwenden.
    Ob die Unterschiede bei den Sporenmassen wirklich verlässlich sind, müsste man erst mit sehr vielen Kollektionen bestätigen.

    Die HDS scheint mir auch nicht ganz gleich zu sein, das müsste ich aber nochmal gründlich nachuntersuchen.


    Aber die ITS unterscheidet sich nur durch zwei Basenpaare...

    • Die drei alpinen Kollektionen sind untereinander genetisch zu 100% identisch und passen zu vielen Sequenzen unter dem Namen parvannulatus.
      Diese scheinen alle aus Skandinavien oder der alpinen Zone zu stammen.
    • Kollektion 5 entspricht zu 100% dem Holotype von C. pseudofallax, mit passenden Sequenzen aus den Niederlanden.
    • Kollektion 1 unterscheidet sich durch ein Basenpaar und entspricht zu 100% dem Holotype von rigidiannulatus, sowie drei niederländischen Sequenzen als parvannulatus.

    C. parvannulatus taucht im Phylogramm in fast jedem Ast auf.

    Solange es keine Typus-Sequenz davon gibt, sehe ich zwei Möglichkeiten:

    a) parvannulatus als nomen confusum verwerfen, und 5-10 (semi)kryptische Arten akzeptieren

    b) Das ganze Aggregat als eine Art ansehen, wobei parvannulatus dann ein geeigneter Name ist. So wurde das Problem in der FAN8 gelöst.


    Anhand meiner Erfahrungen wäre ich jetzt geneigt, die alpinen Kollektionen als separate Art zu betrachten, trotz nur zwei unterschiedlichen Basenpaaren.

    Aber keine Ahnung, welchen Namen ich verwenden soll.

    Kühner gibt "logischerweise" für seine parvannulatus Sporenmasse an, die genau zwischen meinen Messungen liegen.

    Es gibt noch einige weitere Namen im Aggregat ohne Typussequenz, es bleibt also spannend.


    Phylogramm:


    LG Raphael