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letzter Beitrag von Matsutake am

Hebeloma sp.

  • Liebe Pilzexpert*innen,


    ich stehe auf dem Schlauch und brauche Hilfe:


    An einem Waldweg neben Kiefern, Birken und Weiden habe ich an einer Stelle größere Mengen eines Pilzes gefunden, siehe Bilder unten.

    Auffällig ist die starke faserige Bereifung des Stiels (mit Ausnahme des obersten Teils), die sich auf dem Hut fortsetzt. Eine Cortina oder einen Ring findet man aber nicht.


    Vom Standort und dem ersten Eindruck her kam ich erstmal auf den Tränenden Saumpilz. Aber da passt einiges nicht:

    Die Lamellen werden bei alten Pilzen nicht schwärzlich, sondern nur graubraun (genaue Sporenpulverfarbe habe ich dann morgen).

    Eine Ringzone gibt es nicht, genauso wenig irgendwelche Tränen oder Behänge am Hutrand.


    Ich habe schön mit dem Gattungsschlüssel in Guthmann/Hahn geschlüsselt, wo ich aber bei Alnicola rauskomme. Da bin ich wohl irgendwo falsch abgebogen.


    Ich bin recht zuversichtlich, dass hier jemand auf Anhieb zumindest die Gattung erkennt.


    Lg

    Lars





  • Hallo Lars, ich bin bei Fälblingen. Hast du mal dran gerochen? Vielleicht nach Rettich?

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


    Hier im Forum gibt es grundsätzlich keine Verzehrfreigaben.

    Pilzsachverständige findest du hier.

  • Hallo Stefan und Claudia,

    Danke für Eure Einschätzungen.

    Das Sporenpulver ist tabakbraun. Einen besonderen Geruch habe ich aber trotz vieler Versuche nicht wahrnehmen können. Ihr habt aber sicherlich recht mit der Einordnung in Hebeloma.

    Bei der Gattung hänge ich leider ziemlich in der Luft, aber werde mal in der Funga Nordica nach möglichen Kandidaten stöbern. Ohne Mikro wird's aber wohl keine genaue Bestimmung geben.


    Lg

    Lars

  • So, nach Schlüsseln mit der Gattungsmonographie der Funga Nordica (ohne Mikromerkmale) erscheint mir Hebeloma cylindrosporum, der Walzensporige Fälbling, als gut passend.


    Dafür spricht u.a.:

    Habitus (recht schlank)

    Habitat (bei Kiefern auf Sand)

    Fehlender auffälliger Geruch

    Fehlende Cortina

    Hut und seine Hygrophanität (beim Trocknen verschwindet der Kontrast zw. Hutmitte und Rand, der Hut wird einfarbig gelbbraun)

    Flockig an Stielspitze, filzfaserig darunter


    Die Art scheint in der Gegend um Berlin laut Pilze-Deutschland-Kartierung auch ein Verbreitungszentrum zu haben.


    Als solchen (cf) lege ich den für mich nun ab, solange hier kein Protest kommt.


    Lg

    Lars

  • Matsutake

    Hat den Titel des Themas von „Saumpilz passt nicht ganz, aber welche Gattung dann?“ zu „Hebeloma cylindrosporum cf, Walzensporiger Fälbling cf“ geändert.
  • Hallo Lars,

    die Funga Nordica ist ein Bestimmungsschlüssel und keine Gattungsmonographie. Die aktuelle Monographie hat mit Ergänzungsband wahrscheinlich mehr Seiten über die Gattung Hebeloma, als die gesamte Funga Nordica über alle Agaricales. Ich würden den als Hebleoma spec. ablegen ;)

    LG Karl

    PS. selbst mit Mikroskop ist die Bestimmung von Fälblingen sehr anspruchsvoll und oft ohne sicheres Ergebnis

  • Hallo Lars,


    ich würden den sicher nicht bei cylindrosporum verorten. Das wäre eine Art ohne Velum. Dein Pilz hat aber ganz deutlich ein Velum und gehört mit hoher Wahrscheinlichkeit in die mesophaeum-Verwandtschaft. Auch dort gibts etliche Arten und auch in dem Verwandtschaftskreis geht nix ohne Mikroskop - und selbst dann nicht immer was eindeutiges.


    Hübsche Kollektion, aber ohne Mikros unbestimmbar. Wenn Du eine Kollektion gesammelt hast und die Begleitbäume weißt, dann kann man aus dem Exsikkat noch nachbestimmen, denn deine Bilder sind gut und die Mikromerkmale gehen bei Hebeloma am Exsikkat genausogut wie am Frischmaterial.


    beste Grüße,

    Andreas

  • Matsutake

    Hat den Titel des Themas von „Hebeloma cylindrosporum cf, Walzensporiger Fälbling cf“ zu „Hebeloma sp.“ geändert.
  • Hallo Karl und Andreas,

    Danke für Euren Einspruch. Das hilft auf jeden Fall, um mit der Gattung etwas vertrauter zu werden.

    Beeindruckend, dass die 150 S. zur Gattung in der Funga Nordica nicht einmal als Monographie gelten und es da weit Detailliertes gibt. Jetzt weiß ich's besser, Danke.

    Die Art wäre bei mir ohnehin nur als Hebeloma sp. abgelegt worden, weil eben ohne Mikro nix Sicheres geht. Aber ich hab dazu gerne einen Hinweis, in welche Richtung es artmäßig gehen könnte, um ein bisschen eine Vorsortierung unter meinen Hebeloma spec. zu haben.

    Leider lag ich mit meiner Richtungsvermutung wohl auch makroskopisch schon daneben, wie Andreas schreibt.

    Velumreste v.a. in Form von Stielbefaserung haben diese FK natürlich. Im Schlüssel war jedoch nach Cortina gefragt worden, die ich nicht sehe. Da gäbe es für mich noch viel zu lernen.

    Ich steck die Kollektion gleich mal in den Trockner, für alle Fälle...

    So long,

    Lg

    Lars

  • Beeindruckend, dass die 150 S. zur Gattung in der Funga Nordica nicht einmal als Monographie gelten und es da weit Detailliertes gibt.

    Hallo Lars

    Warscheinlich meinst Du nicht die Funga Nordica sondern FUNI OF NORTHERN EUROPE - VOL. 3 In diesem Werk werden wesentliche Vorarbeiten für die spätere Monogrophie FUNGI EUROPAEI Vol. 14 & 14 a geleistet. Es sind halt bei weitem nicht alle Arten enthalten und molekulare Ergebnisse wenig berücksichtigt.
    Noch eine Anmerkung zu Deinem Fund. Am unteren Fruchtkörper im letzten Bild sieht man, das der Hutrand behangen ist. Beim Aufschirmen der Fruchtkörper, löst sich die Corina natürlich vom Stiel und schwindet bei älteren Frk. (fast) vollständig.

    LG Karl

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