Zweimal Russula... --> R. cf. cessans und R. badia

Es gibt 9 Antworten in diesem Thema, welches 2.030 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Buntspecht.

  • Hier im Nordosten Niedersachsens ist es nach wie vor ziemlich mau mit Pilzen. Ich versuche es mal wieder mit zwei Täublingen, da ich diese schwierige Gattung besonders faszinierend finde.


    Nummer 1 (R. ionochlora?):

    Standort: Kiefernwald auf Sandboden, im Unterwuchs Fichten, Birken und junge Stieleichen, etwas entfernt auch junge Rotbuchen

    Geschmack mild, Geruch für mich unauffällig

    Huthaut feucht schleimig, trocken fein samtig, Mitte grünlich, Rand blass rosa; etwa 50% bis 2/3 abziehbar

    Stiel weichlich, hohl

    Lamellen cremefarben

    Sporenpulver ockergelblich

    Chemische Reaktionen: FeSO4 anfangs blassrosa, später bräunlich rosa; KOH keine Reaktion; Anilin blass gelb, nach 10 min orangebraun; Guajak olivgrün, rtelativ hell bleibend

    (Fotos: nach ca. 2 min; 4 min; 11 min; 15 min; 5 h)


    Viele Grüße,

    Jann


    Die Fotos wurden, soweit nicht anders vermerkt, im Landkreis Lüneburg aufgenommen (östliches Niedersachsen; TK 2730).

  • Nummer 2 (keine Idee, wirkt aber recht "charakteristisch" )

    Standort: Kiefernwald auf Sandboden, im Unterwuchs Birken; Eichen, Buchen; an offener Stelle (Fahrspur) in Nachbarschaft von Besenheide (Calluna vulgaris)

    Geschmack deutlich scharf, Geruch für mich unauffällig

    Fleisch starr, fest

    Hut anfangs haklbkugelig, bei älterem Exemplar tief eingedrückt, aber am Rand weiterhin nach unten gebogen, bei älterem Ex. am Rand deutlich gerieft; beide Fruchtkörper transportieren viel Erde mit nach oben...

    Huthaut feucht nicht schleimig, trocken etwas rau; hellrot, ockerfarben ausblassend; etwa 50% abziehbar

    Stiel hart, innen wattig ausgestopft, rostfleckig

    Lamellen sahnegelblich, gesägt

    Sporenpulver kräftig dunkelocker

    Chemische Reaktionen: FeSO4 braunrosa; KOH keine Reaktion; Anilin kaum Reaktion (blassgelb), nach 5 h rötlich; Guajak lange braun, später blaugrün

    (Fotos: nach ca. 2 min; 4 min; 11 min; 15 min; 5 h)


    Viele Grüße,

    Jann


    Die Fotos wurden, soweit nicht anders vermerkt, im Landkreis Lüneburg aufgenommen (östliches Niedersachsen; TK 2730).

  • Hallo Jann,


    ich rate bei sowas ja immer gerne mit und gebe mal einen Tip ab was ich zu den zweien denke.

    Beim ersten Täubling komme ich nach deiner sehr guten Beschreibung und Chemie auf R. turci

    Der zweite ist schwieriger einzuschätzen, meine Vermutung nach deiner Beschreibung und Chemie R. badia


    Aber das wären ja nur meine Arbeitsnamen vor einer mikroskopischen Kontrolle.

    Die Chemikalien bitte auf die (Schneckenspur freie) Stielrinde auftragen, das KOH am besten an der Stielbasis,

    denn dort reagieren evtl. R. ochroleuca, R. viscida, R. insignis


    Hat mich gefreut auch wenn ich daneben liegen sollte, Danke

    claus

  • Ach so, noch was

    Nummer 1 (R. ionochlora?):

    ....

    Lamellen cremefarben

    Sporenpulver ockergelblich

    R. ionochlora kann es ja wegen seines cremefarbenen Sporenpulvers IIa nicht sein, da kommt man beim Schlüsseln einfach nicht hin.

    Die Sporenpulverfarbe und der Geschmack sind das A+O zur Bestimmung.

    Nummer 2 (keine Idee, wirkt aber recht "charakteristisch" )

    Standort: Kiefernwald auf Sandboden, im Unterwuchs Birken; Eichen, Buchen; an offener Stelle (Fahrspur) in Nachbarschaft von Besenheide (Calluna vulgaris)

    Geschmack deutlich scharf, Geruch für mich unauffällig

    ...

    Sporenpulver kräftig dunkelocker

    Da kämen schon noch weitere in Betracht, die wären aber für mich zu gewagt.

    Merke: Ein Täubling ist nie charakteristisch, er ist eher wie ein voller Kleiderschrank einer Frau. :cool:


    Grüsse

    claus

  • Hallo Buntspecht,

    meine unmaßgeblichen Tipps zu deinen beiden Täubchen wären R. cessans und R. badia.

    Bei R. turci hättest du einen medizinischen Geruch in der Stielbasis feststellen sollen. Ansonsten ist zu sagen, dass man Nr. 1 unbedingt mikroskopieren müsste, um festzustellen, ob er in der Huthaut Primordialhyphen (R. turci) oder Dermatozystiden (R. cessans) hat. Es ist auch nicht gesagt, das alles unter Nr. 1 Gezeigte dieselbe Art ist. Nr. 2 sieht mMn schon sehr nach R. badia aus.

    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • Hallo Claus,

    Hallo Ohrling,


    vielen Dank für Eure Hinweise und Tipps!

    Die Chemikalien bitte auf die (Schneckenspur freie) Stielrinde auftragen, das KOH am besten an der Stielbasis,

    denn dort reagieren evtl. R. ochroleuca, R. viscida, R. insignis

    Da ich hier vor Ort keinen Experten fragen kann, sind solche Hinweise für mich ausgesprochen hilfreich. Allerdings werde ich auch in Zukunft nicht die Zeit haben, mich wirklich intensiv mit der Materie zu befassen (geht im Moment nur, weil ich ein paar Tage Urlaub habe).

    Eine Frage dazu noch: Wo kann ich eine Sporenstaub-Farbtafel bekommen? Auf russula-micro.com wird wird auf das Werk von Marxmüller (2014) verwiesen. Das Buch ist recht teuer und überdies vergriffen, aber es gibt offenbar seit 2019 eine CD - darin sollte die Sporenstaub-Farbtafel wohl auch enthalten sein?

    Ich habe noch einmal Fotos der Sporenstaubabdrücke vom Sonntag gemacht - einmal bei Kunstlicht (oben) und einmal bei Tageslicht (unten). Der Unterschied ist zwar sichtbar, aber nicht sehr groß, wie ich finde. (Ich habe hier R. badia und R. cessans als Bezeichnungen dazugeschrieben, im Bewusstsein, dass es in beiden Fällen keine sichere Bestimmung ist).

    Viele Grüße,

    Jann


    Die Fotos wurden, soweit nicht anders vermerkt, im Landkreis Lüneburg aufgenommen (östliches Niedersachsen; TK 2730).

  • Hallo Jann,


    das bei Tageslicht aufgenommene Bild der Sporenabwürfe finde ich aufschlussreicher. Der obere ist aus meiner Sicht im weißen Bereich, 1b oder höchstens 2a. Der mittlere ist "sattocker", also 3b oder c. Der dritte geht schon in Richtung dottergelb, also 3c oder 4a.

    Wenn der Sporenabwurf nicht dick genug ist, soll man die Sporen mit einer Rasierklinge, einem Mikroskopier-Deckgläschen oder ähnlichem zu einem Häufchen zusammenschieben und erst danach die Farbe beurteilen.


    Die Original-Sporenpulverfarbentafel stammt aus dem ROMAGNESI (1967). Sie wurde oft (farb-)kopiert, aber fast nie erreicht. Aus der Mitte der Nuller-Jahre habe ich eine von Marc Houben mit einem Farbkopierer erstellte, laminierte Farbtafel erworben, die aber nicht hundertprozentig passt. Vom ROMAGNESI (1967) gibt es auch eine Zweitauflage, in der eine Sporenpulvertafel enthalten war. Mit dieser arbeite ich zur Zeit und finde sie gut. Im SARNARI und im EINHELLINGER gibt es leider keine Sporenpulvertafeln, in MARXMÜLLER, ist da echt eine drin? Die ist mir noch gar nicht aufgefallen.

    Wenn du eine gute Farbtafel brauchst, als echter Täublingscrack, musst du schauen, dass du irgendwo einen ROMAGNESI (1967) in Erst- oder zumindest in Zweitauflage herbekommst. Wenn du zwar auch Täublinge, aber auch andere Pilze genau anschauen willst, genügt oft eine Grobeinteilung weiß, cremegelb, ockergelb und dottergelb, und das lässt sich mit einer halbwegs guten Farbkopie bewerkstelligen. Man müsste also auf eine Tagung/Ausstellung/Seminarveranstaltung fahren, die von Täublingscracks besucht wird und die dich eine Farbkopie von ihrer ROMAGNESI-Tafel ziehen lassen.


    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • Hallo zusammen

    Die Sporenpulvertafel auf dünnem Karton von Frau Marxmüller gibt es jetzt mit der CD zusammen in ihrem hauseigene Anatis Verlag zu kaufen

    Das Angebot kann ich nur empfehlen

    Die CD bringt zum Buch dazu noch zusätzliche neue Seiten und der Schlüssel ist PDF verlinkt, man kann also mit Mausklick von Punkt. zu Punkt springen

    Ich hab beides, die Bücher und die CD

    Gruss

    Uwe

  • Buntspecht

    Hat den Titel des Themas von „Zweimal Russula...“ zu „Zweimal Russula... --> R. cf. cessans und R. badia“ geändert.