Borkum 2020 - Sammelsurium

Es gibt 12 Antworten in diesem Thema, welches 3.808 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von MarionS.

  • Moin!


    Als ich heuer hier ankam, fand ich auf einer ersten Rundfahrt so ziemlich gar nichts. Das ändert sich gerade - alle kommen sie fast gleichzeitig aus den Löchern und wetteifern auf verschiedenste Art und Weise um meine Aufmerksamkeit.

    Die Nelkenschwindlinge nehmen uneinholbar den ersten Platz ein, was die Menge an Pilzchen angeht. Naja, Kunststück. Hier umzingeln sie einen ja gleich.

    Da der beste Spot gerade erwacht, holen die Parasole mit Riesenschritten gewichtsmäßig auf.

    Die Amanitas haben (feuchte) Luft geschnuppert und ploppen hervor, aber meinem geübten Auge entgeht nicht, dass sich da der eine oder andere Panther zwischen die Perlis zu mogeln versucht (nicht mit mir!). Die Gelben Knollis kommen nicht aus den Startlöchern, die roten sind bislang nicht angetreten. Grüne - ach, reden wir nicht davon.

    Bei den Täublingen versuche ich gar nicht erst, die roten von den roten zu unterscheiden.

    Die Raufüße sind außer Konkurrenz. Alle möglichen "Birkenpilze", wie immer. Pappbrötchen, fast weiße, normal aussehende, schwarzhütige, cyanfüßige.

    An verschiedenen Spots lassen sich Spitzbucklige Saftlinge blicken.


    Ein Täubling, der wohl schon das Auge eines anderen Neugierigen auf sich gezogen hatte und am Wegesrand herumlag, darf dann vor die Kamera. Blöderweise habe ich mir keine Notizen gemacht, und jetzt weiß ich nicht mehr 100pro, ob er derjenige ist, den ich angeknabbert hatte. Wenn ja, dann ist er mild bis geschmacklos. Am Stiel zeigte sich eine leichte rötliche (oder rosane) Färbung. Ich vermute, ich hab hier wieder einen lilastieligen Pfirsichtäubling gefunden.

    Bedeutet, er hat hier auch schon mehr als einen Spot im Greune Stee.


    Normalerweise finde ich wegen des hohen Sammlerdrucks nur selten Steinpilze. Diesmal aber waren es sogar schon zwei doppelte.

    Das von den Mini-Fressfeinden umgelegte Mini-Pilzchen fand ich dabei am nettesten.


    Auf meiner ersten Tour über die Insel brachte mein Handy auch gleich mal ein schönes Portrait eines schönen Pilzes zuwege.


    Ein paar Portraitaufnahmen der Fischeierschleimpilze über mehrere Tage zeigten interessante Parallelen zum Blutmilchpilz. Auch der verandelt sich am Ende in sowas wie helles Kakaopulver.



    Edit: noch mal 3 Tage später. Tupft man auf das Gebilde, ziehen Schwaden von Kakaopulver davon.


    ...und ein unbekannter weißer Schleimpilz. Diesmal hat die Handykamera wohl eher versagt. Mit der Fotokamera bewaffnet finde ich den natürlich nicht mehr.

    Der Pilz lag unmittelbar auf dem Boden.


    Hups, ich muss los - es geht auf eine geführte Radtour!

    Fortsetzung folgt - ich hab noch eine schöne Tramete auf Lager in X Fotos

  • Hallo Marion, den orangefarbenen Schleimpilz hast Du gut dokumentiert.

    Lieben Gruß


    Claudia


    ...leben und leben lassen... ;)


    Hier im Forum gibt es grundsätzlich keine Verzehrfreigaben.

    Pilzsachverständige findest du hier.

  • Ich habe oben noch einmal zwei aktuelle Bilder des orangenen Schleimpilzes eingefügt, um die Kontinuität zu erhalten.


    Bei dem Weißen schwant mir so langsam, warum ich ihn nicht mehr gefunden habe (das Ganze kommt mir auch irgendwie bekannt vor, hatte ich das vor 1 oder 2 Jahren schonmal??)

    Die Auflösung ist vermutlich schon im Bild - der Pilz war vermutlich Tags darauf schlicht schwarz!


    Aber wenn ich in der Ecke schon die Nase am Boden hatte, um den Schleimi wiederzufinden, stellten bei der Gelegenheit diese Winzpilzchen meine Kamera und mich vor eine Herausforderung.


    Das Jahr heuer scheint das Jahr des Pfirsichtäublings zu werden. Hatte ich mich letztens noch gefreut, eine zweite Stelle gefunden zu haben, hatte ich ihn beim heutigen Spaziergang eigentlich ständig am Wegesrand sitzen. So langsam bekomme ich ein Gefühl dafür, welche Orange-und-nicht-Rot-Nuance mich anglänzen muss, damit es wieder ein Pfirsich ist.

    Die Färbung am Stiel ist wirklich sehr fein bis nicht vorhanden. Die Haut lässt sich vom Rand fast wie eine Pellkartoffelschale bis auf ein Drittel abziehen, darunter war stellenweise noch eine leichte Färbung. Geschmack mild bis nicht vorhanden.


    Verwachsener Drilling des Pfirsichs:


    Auch der kuschelige Plüschschimmel geht wieder um.


    Dieser weiße Birki hatte sich einen blöden Platz ausgesucht und musste erst mal gut 15cm weit über den Boden wachsen, um unter einem abgeplatzten Stück Birkenrinde hervorkrabbeln zu können.


    Zwei weitere Weiße in Gesellschaft.


    Auf einem Baumstumpf thronte ein winziger bemalter Kiesel.

    Am Samstag hatte ich mir einen Flug nach Helgoland gegönnt und mich oben auf dem Plateau auf dem Weg zur Langen Anna fast wegpusten lassen. Auf den letzten paar 100m dorthin lagen bemalte Kieselsteine an den Wegesrändern. Teils ganze Schulklassen müssen die dort hinterlassen haben - es sind hunderte, wenn nicht mehrere Tausend, die dort den Weg säumen.


    Unter dem Duft vom Kampfermilchlingen versuchte ich ziemlich vergeblich, ein zappeliges, perlenbehangenes Spinnennetz einzufangen.


    Komischerweise milchen die Kampfermilchlinge, die ich finde, kaum, noch duften sie.


    Dafür waren die hier umso schöner aufzunehmen. Auf einem Birkenstumpf. Da kann ich im Laufe der Woche noch ein paar mal vorbeischauen.


    Edit: drei Tage später:

    Gruß,
    Marion


    Nein, ich esse meine Pilze nicht! :gklimper:
    Aber was essen meine Pilze? :gkopfkratz:

    Einmal editiert, zuletzt von MarionS ()

  • Bei den Täublingen versuche ich gar nicht erst, die roten von den roten zu unterscheiden.

    Die Raufüße sind außer Konkurrenz. Alle möglichen "Birkenpilze", wie immer.

    Hallo MarionS,


    schöne Tour danke, nur dein "Pfirsich" gibt mir irgendwie zu denken, mit dem komme ich irgend wie nicht klar. Ich nehme doch an, du meinst R. violeipes, den Violettstieliger Pfirsichtäubling oder?

    Nur kenne ich diese Hut-Farben für R. violeipes nicht. Kann mir von den Spezialisten vielleicht einer sagen, ob diese gezeigten Hutfarben bei violeipes vorkommen können?


    Der einzige Täubling der nach meiner Recherche mit den angegebenen Merkmalen passen würde, wäre

    R. velenovskyi. Eine Birke sieht man auf dem allerersten Bild ja auch, könnte hinkommen. Vielleicht kann mir dazu mal jemand antworten.


    Viele Grüsse

    claus

    Pilzgerichte sind wie Liebschaften, ob sie ungefährlich waren, weiß man erst später. (Heinz Erhardt ╬1979)

  • Hallo Marion,


    schön, wieder von deiner alljährlich Tour nach Ostfriesland zu lesen :thumbup:


    Das Kampfermilchlinge sehr geizig mit ihrer Milch sind kenne ich auch genauso. Und dass der Geruch am Frischpilz mitunter kaum wahrnehmbar ist, auch. Aber falls sie auch beim Antrocknen keinen Suppenwürze-Geruch preisgeben wollen, würden mir Zweifel kommen, ob es wirklich welche sind.


    LG, Craterelle

  • Der einzige Täubling der nach meiner Recherche mit den angegebenen Merkmalen passen würde, wäre

    R. velenovskyi. Eine Birke sieht man auf dem allerersten Bild ja auch, könnte hinkommen.


    Och, Birken hats da satt und genug, der halbe Wald besteht daraus. Als Nordseeinsel ist der Boden Sand mit etwas Humus drauf.

    Ja, ich meinte den lilastieligen. Ich schließe nicht mal aus, dass es auch ein anderer sein kann, die Familie Täubling würde mich nicht das erste Mal verarschen ==19

    Ich hab auch welche mit deutlicher überhauchten Stiel gefunden. Aber das garantiert ja nicht für den Nachbar-Pilz.


    Edit: Teufel auch. Was ich da so an velinovskyi auf Google finde... die gibts da garantiert. Es wimmelt nur so von roten Täublingen hier, mit verschiedensten Mustern, Ausbleichungen und Nuancen. Ich sach doch: die Familie verarscht mich wieder! :D


    Heute fand ich noch einen dritten Standort vom Nördlichen Zinnoberschwamm. Das sieht immer so spektakulär aus, wenn da irgendwo "Lava" aus einem Baumstamm quillt ^^

    Die Perlpilze haben sich inzwischen verabschiedet, alles nur noch Pantherpilze.


    Vielleiiicht bin ich jetzt doch endlich mal nem grünen Knolli begegnet. Er war fast weiß, noch geschlossen, auf dem Hut bestenfalls ein wenig farblich überhaucht und hatte keine Schuppen auf dem Hut. Die Volva fand ich recht stabil, fast ledrig. Nach langem Geschnupper an der Schnittstelle meinte ich einen Geruch Richtung Rettich wahrgenommen zu haben.

    Schwer süßlich und Kartoffelkeller hatte ich auf dem Schirm, aber nicht Rettich. Google belehrte mich vorhin eines Besseren. Da muss ich noch mal hin!

    Gelbe sehe ich nur sporadisch und noch nicht einen einzigen roten (also: mit rotem "Knolli" meine ich den Fliegenpilz. Wie würde der ohne seinen Populärnamen heißen?). Auch die Pantherzeit scheint hier im Anschluss an die Perlizeit zu liegen. Ob die Grünen nach den anderen erst erscheinen?


    Oben hab ich noch mal ein Bild zur Fischeierschleimpilz-Serie hinzugefügt.

    Auch etwas tiefer die Koralle hab ich noch mal ergänzt.


    In einem Hain stehen eine ganze Reihe von Eichen, eine geiler als die andere. Ich besuche sie immer wieder, einfach nur, um sie anzustaunen.

    Diese hier hat 7 Stämme. Eigentlich sind es nur die Sub-Stämme, einen Stamm hat die Eiche so gesehen nicht. Ich vermute, dass der vor etlichen Jahren mal gefällt wurde und aus dem Stumpf nach allen Seiten Triebe hervorschossen, wie ich das auch bei uns auf dem Hof bei einer Eiche beobachtet habe.


    Zoomen wir doch mal etwas ran...


    Und noch etwas.

    Hups, diese kleinen Viecher sind schwer scharf zu kriegen...


    Aber fragil! Gnaaa...


    Ach, da sind noch mehr. Halt ich da drauf...


    Zu Hause am PC: Äh, ist das der Gleiche...? Scheisse, wenn man schlecht sieht...


    ...und wieder unscharf! Menno!


    Hab ich schon gesagt, dass es da wirklich echt geile, schöne Eichen gibt?? (ablenk)

    Gruß,
    Marion


    Nein, ich esse meine Pilze nicht! :gklimper:
    Aber was essen meine Pilze? :gkopfkratz:

    4 Mal editiert, zuletzt von MarionS ()

  • Ich habe mich unter den Täublingen noch einmal umgesehen und gezielt von denen gepflückt, die wirklich auf "ziegelrot" zutreffen, eigentlich schon fast weinrot. Das trifft ausgezeichnet, bis hin zur mandelweißen Färbung der Lamellen und matter Huthaut.

    Der hier scheint ein Musterexemplar zu sein.


    Momentan scheint der Wald nur aus denen zu bestehen.

    Ich müsste mal sehen, wie und ob man sie von den helleren unterscheiden kann, die ich für die violettstieligen Pfirsichtäublinge halte oder hielt (stellen wirs mal in Frage).


    Auf jeden Fall scheinen die helleren ein gewisses Faible für solche Formen zu haben:


    Auf einem liegenden Birkenast fand ich noch diesen hier. Beim drauftupfen fühlte ich mich an einen Marshmallow erinnert.


    Leider werden ich das Täublingsrätsel heuer nicht mehr lösen können (mal sehen, in welchem Zeitfenster des Pilzjahres ich nächstes Jahr eintreffe) und den weiteren Weg des "Marshmallows" nicht mehr beobachten können, da morgen schon wieder Abreisetag ist.

  • Hallo Marion,


    es ist wirklich schade, dass bei dieser herrlichen Dokumentation eines Täublings kein sonstiger Kommentar kommt. Ich selbst habe keine andere Idee dazu. Oehrling oder Climbingfreak oder... könnten mit ihrer Erfahrung bestimmt zu einer Lösung beitragen. Ich danke Dir jedenfalls für den wunderbaren Beitrag, Danke.

    Liebe Grüsse
    claus

    Pilzgerichte sind wie Liebschaften, ob sie ungefährlich waren, weiß man erst später. (Heinz Erhardt ╬1979)

    • Offizieller Beitrag

    Hi,


    ich fühle mich sehr geehrt, da ich mit Öhrling zusammen in Bezug auf Täublinge erwähnt wurde. Ich bin allerdings kein Experte für die Gattung. Ich kenne nur ein paar Standardtäublinge, die ich allerdings im Zweifel dann auch nachmikroskopieren muss. So bald die dann aber kniffliger werden, brauche ich auch Hilfe.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hallo Claus,

    ich falle leider auch aus, da mir die Dokumentationen zu spärlich sind. Rothütige Täublinge, bei denen nicht einmal die Sporenpulverfarbe und in zwei von drei Fällen auch nicht der Geschmack bekannt ist und man zusätzlich noch den Baumpartner raten muss? Hm, vielleicht so viel: R. velenovskyi ist nicht der einzige orangehütige Täubling unter Birke, der mittlere der gezeigten Täublinge erinnert mich entfernt an R. lilacea, und mit dem dritten kann ich leider gar nichts anfangen. Den Violettstieligen Pfirsichtäubling habe ich in der ganzen Dokumentation nirgends gesehen, da liegt scheinbar eine fehlerhafte Artvorstellung zugrunde.

    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • Schau mer mal. Nächstes jahr gehts weiter.


    Der Standort wie gesagt besteht zum Großteil aus Birken, und ansonsten ist das ein ziemlicher Gemischtwarenladen, da der Herr Schaphius mit seinen Schülern vor 100 Jahren alles mögliche angepflanzt hat (musste 1921 aufhören, da man ihm das als Kinderarbeit angekreidet hat). Ich kenne mich mit Pflanzen nun zugegebenermaßen auch nicht gut aus.


    Was ich in den letzten Jahren in meinen 14tägigen Zeitfenstern auf der Insel festgestellt habe, ist, dass die Pilze teilweise so artenweise nacheinander kommen. Manchmal findest du immer wieder nur Art A, obwohl du genau weißt, dass hier sonst auch jede Menge B, C und D wächst.