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letzter Beitrag von Beorn am

Austernpilze in diese Jahreszeit oder doch etwas anders

  • Hallo Tina,


    das ist der Lungenseitling - Pleurotus pulmonarius, der Austernseitling - Pleurotus ostreatus hat mehr grautöne im Hut.


    LG, Chris

  • Hallo, Tina & Chris!


    Ich finde die Farbe hier schon grenzwertig für Lungenseitlinge (Pleurotus pulmonarius), wogegen sie gut zu Austernseitlingen (Pleurotus ostreatus) passen würde. Schaut mal in einer Gemüseabteilung der Wahl die Zuchtformen an: Die sind ebenfalls so hell und sehr oft völlig ohne Grautöne.

    Selbstverständlich bildet Pleurotus ostreatus in Mitteleuropa ganzjährig Fruchtkörper: Die Art braucht keinen Frostreiz. Wenn's im Sommer nachts mal kühl wird (~ 10/15°) reicht das völlig aus, um mit der Fruchtkörperbildung zu beginnen.


    Allerdings: Die Wuchsform, also die Form der Fruchtkörper mit deutlichen, langen Stielen, fehlendem oder schwach ausgeprägtem Basisfilz und den im Jungstadium krass "löffelförmig" ausgeprägten Fruchtkörpern wären aus meiner Sicht wiederum deutliche Hinweise für Pleurotus pulmonarius. Die Wuchsform halte ich persönlich für das signifikanteste Trennmerkmal, zusammen mit der Dicke von Hutfleisch und Huthaut, sowie eventuell dem Gilbungsverhalten: Pleurotus pulmonarius läuft beim Trocknen an verletzten Stellen gerne sehr auffällig schwefelgelb an (die anderen beiden Arten gilben auch aber in einem etwas anderen Farbton). Hutfarben sind dann gut, wenn sie wirklich sehr dunkel und graubraun sind (dann wohl immer ostreatus - wenn Habitus nicht völlig anders).

    Weniger sichere Merkmale sind aus meiner Sicht die Reaktion mit Sulfovanillin, Geruch und Substrat (incl. Substratzustand) sowie die Mikroskopie (Ausbildung von sklerifizierten Hyphen scheint vor allem Altersabhängig zu sein).

    Das alles ist aber nur eine Theorie, zusammengeschraubt aus eigenen Beobachtungen und ein wenig Literaturstudium.

    Generell müsste man das mal wirklich erforschen und einige Dutzend Kollektionen ausführlich dokumentieren und sequenzieren.

    Kritisch sind aus meiner sicht vor allem wild wachsende Zuchtformen von Pleurotus ostreatus (wegen den hellen Fruchtkörpern), sowie deren Kreuzungen mit einheimischen "Urformen" (dunkle, fette Fruchtkörper und Fruchtkörperbildung nur bei wirklich niedrigen Temperaturen).
    Bei Ansicht solcher Kollektionen wie hier (Hutfarbe ---> Pleurotus ostreatus & Habitus ---> Pleurotus pulmonarius) drängt sich zudem die Frage auf, ob nicht Pleurotus ostreatus und Pleurotus pulmonarius in der Lage sind, Hybriden zu bilden. Auch das wäre mal interessant zu untersuchen (genetisch sowie Kreuzungstests in Kultur).

    Denn solche Kollektionen, wo Merkmale, die man eigentlich für recht wichtig hält, kunterbunt durcheinander gewürfelt sind, finde ich leider viel zu häufig.



    LG; Pablo.

  • Hallo Pablo,


    bis jetzt dachte ich, dass das was uns da im Supermarkt als Austernpilz angeboten wird eigentlich Lungenseitlinge sind, nur Lungenseitling halt nicht so appetitlich klingt wie Austernseitling und der Lungenseitling auch keine niedrige Temperatur braucht um zu fruktifizieren also besser kultivierbar ist.


    LG, Chris

  • Hallo Chris,

    Die Austernseitling - Zuchtformen stammen ursprünglich aus Florida - deshalb brauchen sie keinen Frost.

    Aber da sind schon soviel Sporen aus den Zuchtbetrieben entschwunden (man muss ja mal Lüften) , dass die Kollektionen in unseren Wäldern oft kaum bestimmbar sind.

    Gruß

    Norbert

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    Pilzchips = 100 -5 APR 2015 +12 APR 2016 = 107 -7 Für APR 2017 = 100 + 5 APR 2018 =105
    Pilzbestimmung im Netz ist keine Essfreigabe

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  • Servus Chris,


    doch doch, es werden auch Lungenseitlinge gezüchtet und als Austernpilze verkauft, wie du geschrieben hast.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo.


    Ach? Das ist natürlich gut, denn das macht die Sache ja noch mal deutlich komplizierter. :thumbup:

    Ich hatte schon überlegt, ob man nicht ein paar Züchter mal fragt, ob sie Lust auf ein paar Kreuzungsexperimente hätten, nur wenn die dann selbst keine Ahnung haben, was sie da eigentlich machen, macht das wiederum weniger Sinn. Andererseits muss man ja eh jede für so eine Studie berücksichtige Kollektion auch sequenzieren.



    LG; Pablo.

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