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letzter Beitrag von Hannes2 am

Russula ?

  • Hallo,


    ich habe heute insgesamt nur zwei Bodenbewohner finden können und einer davon ist ein Täubling unter einer jungen Pinie bei dem aber immer irgendetwas nicht so richtig passt. Sie haben eine recht dezente Schärfe mit einer leichten Bitternote besitzen, die beide aber erst nach längerem Kauen hervortritt. Der Geruch ist ungewöhnlich und ich kann ihn nicht zuordnen und die Huthaut ist kaum abziehbar. Ein Sporenabwurf ist in Arbeit. Bei meiner versuchten Eingrenzung bin ich auf diese möglichen Kandidaten gekommen:


    Russula torulosa - passt optisch am besten soll aber sehr scharf sein, Geruch passt auch nicht

    Russula sardonia - das selbe Problem wie oben

    Russula fuscorubroides - da passt der Geschmack aber nicht der Geruch und das Vorkommen unter Pinie

    Russula badia - könnte der Geruch hinkommen aber wie riecht eine Zigarrenkiste? Geschmack passt nicht




    Da sich hier ja einige User mit Tauben beschäftigen hoffe ich auf sachdienliche Hinweise.


    Vielen Dank im Voraus


    VG Jörg

  • Servus Jörg,


    wer sagt, dass Russula torulosa sehr scharf sei? Im Gegenteil, die typische Russula torulosa ist mild bis leicht scharf. Wenn man Russula fuscorubra mit Russula torulosa synonymisiert, dann wäre der Geschmack von Russula torulosa mild bis sehr scharf (denn Russula fuscorubra ist die "scharfe torulosa").


    Ich habe Russula torulosa aber selber erst einmal in der Hand gehabt (Geschmack war fast mild). Und Russula fuscorubra, so man sie anerkennen will, kenne ich nur aus der Pupplinger Au südlich von München, habe sie auch erst einmal selber in der Hand gehabt. Ich würde da aber dringend anraten, nachzumikroskopieren (Sporenornament etc.).


    Sehe ich auf dem Foto nicht auch Fichtennadeln, oder täuscht das? Wo wachsen denn in Sachsen Pinien?! ;)


    Liebe Grüße,

    Christoph


    P.S.: Russula sardonia hätte zitronengelbe Lamellen (und reagiert mit Ammoniak rosa); Russula badia sieht auch anders aus - die Lamellen sind da fast wie bei einem Ledertäubling (und auffallend ausgebuchtet)

  • Hallo Christoph,


    die beiden wuchsen in einem Vorgarten unter einem Nadelbaum den ich noch nie gesehen hatte. Nach der Gockl-Suche kam ich dann auf eine sehr junge Pinie. Fichten standen erst im übernächsten Grundstück. Über die Schärfe von Russula torulosa gibt es anscheinend unterschiedliche Angaben. Das kann ich also vernachlässigen. Da sehe ich einmal wieder das Tauben ohne Reagenzien und dem scharfen Auge kaum zu knacken sind. Ich wollte es einfach auch einmal ausprobiren und war ja zumindest auch auf dem richtigen Weg.


    Danke für deine Hinweise:daumen:.


    Hallo Harald,


    bei dem soll ja die Huthaut bis über die Hälfte abziehbar und ein Fichtenbegleiter sein. Dazu soll der ja auch sehr scharf schmecken.


    VG Jörg

  • Servus Harald


    Jetzt mal ganz blöd gefragt, warum kann das nicht auch queletii sein?


    Russula queletii ist so eine Sache - laut Hampe in Marxmüller kommt Russula queletii bei Abies alba vor und das, was bei Fichte wächst, sei Russula fuscorubroides. Ich bin da noch nicht überzeugt, denn die typischen, mit grünen Aquarelltönen versehenen, zierlichen Stachelbeertäublinge finde ich auch bei Fichte. Das, was hier aber abgebildet ist, ist kräftig und es fehlen die Grüntöne komplett - der Pilz ist kräftig rot durchgefärbt. Wären die entfernt stehenden Fichten der Symbiosepartner, wäre das eine Russula fuscorubroides. Die sieht Russula torulosa / fuscorubra eben sehr ähnlich (daher auch der Name).


    Mit mildem Geschmack kommt natürlich hier Russula torulosa in Frage, vor allem, wenn ein Vertreter der Gattung Pinus in der Nähe ist. Mit dem Mikroskop könnte man mehr sagen, da die Sporenornamente unterschiedlich sind.


    die beiden wuchsen in einem Vorgarten unter einem Nadelbaum den ich noch nie gesehen hatte. Nach der Gockl-Suche kam ich dann auf ene sehr junge Pinie. Fichten standen erst im übernächsten Grundstück. Über die Schärfe von Russula torulosa gibt es anscheinend unterschiedliche Angaben. Das kann ich also vernachlässigen. Da sehe ich einmal wieder das Tauben ohne Reagenzien und dem scharfen Auge kaum zu knacken sind.

    Servus Hannes,


    solange es irgendeine Kiefer ist, passt es ja. Und ja, die Schärfe der Russula torulosa wird unterschiedlich interpretiert - eben durch das Miteinbeziehen von Russula fuscorubra in das Konzept von Russula torulosa. Leider fehlt mir da auch die Erfahrung. Mich würde nicht wundern, wenn die beiden genetisch doch getrennt wären. Sonst wäre vielleicht eine Varietät o.k. - Russula fuscorubra brennt sehr heftig. Ich kenne sie von Kalkschotter mit sehr flachgründigem Boden, während ich Russula torulosa aus humusreichen Wäldern kenne. Russula torulosa könnte auch etwas ozeanischer verbreitet sein. Durch die Seltenheit ist das halt schwer einzugrenzen. Pidlich-Aigner haut die beiden jedenfalls in seinem letzten Artikel in der ÖZP zusammen.


    Die Richtung stimmt jedenfalls sicher. Und ein paar Reagenzien schaden bei Täublingen natürlich nie.


    Nochmal zu Russula torulosa - auch, wenn man Russula fuscorubra mit reinnimmt, kann man sagen, dass das der einzige "Stachelbeertäubling" i.w.S. ist, der mild schmecken kann. ;-)


    Liebe Grüße,

    Christoph


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo,

    ich lese schon einige Zeit mit und mache mir über den Fund auch so meine Gedanken, gerade weil ich letztes Jahr auch vor dem Problem gestanden habe irgendeinen rauszudeuten.

    Russula queletii ist so eine Sache - laut Hampe in Marxmüller kommt Russula queletii bei Abies alba vor und das, was bei Fichte wächst, sei Russula fuscorubroides. Ich bin da noch nicht überzeugt, denn die typischen, mit grünen Aquarelltönen versehenen, zierlichen Stachelbeertäublinge finde ich auch bei Fichte. Das, was hier aber abgebildet ist, ist kräftig und es fehlen die Grüntöne komplett - der Pilz ist kräftig rot durchgefärbt. Wären die entfernt stehenden Fichten der Symbiosepartner, wäre das eine Russula fuscorubroides. Die sieht Russula torulosa / fuscorubra eben sehr ähnlich (daher auch der Name).

    Christoph hat in meinen Augen mit seinen Kommentaren vollkommen Recht. Auch mir gegenüber hat HAMPE das mit der Fichte so rübergebracht, aber auch dass diese Sache noch nicht ganz abgeschlossen ist. Das ist das Dilemma.


    Hier einen Auszug meiner damaligen Dokumentation queletii versus fuscorubroides:
    - Anderer Fundort 350 müNN, MTB 5726, auch bei Buche und Fichte (aber nicht sonderlich beachtet), neben R. ochroleuca

    - Einzelgänger mit anderen Farben, rauhe Hutoberfläche

    - fellea-Geruch anstelle fruchtig

    - verzögert leicht scharf anstelle sofort scharf

    - SPP-FARBE: nach ROMAGNESI IIc - IId, anstelle IId - (IIIa)

    - Sporen-Mittel 8,4 x 7,3 bei V=234 Q=1,16 (vorher bei qeletii 7,8 x 6,7 bei V=185 Q=1,16)

    - Pileozystiden bis 12µm breit, vorher 9(10)µm breit


    Alles andere an Makro- und Mikrodaten sind für mich fast identisch gegenüber dem ersten Pilz (queletii).

    (Soweit ich das als Laie überhaupt erkennen und beurteilen kann...)

    ENDE Dokumentation


    Ich habe dieses Jahr den damaligen Fundort nochmals besucht, Kiefern standen da auch massig rum, hatte ich nicht bemerkt. Auch sieht man, daß meine Makroangaben sich mit der von Jörg decken.

    Da auch die Mikromerkmale gegenüber queletii verschieden waren, bekam mein Pilz den Namen fuscorubroides.

    Auch Jörg´s Pilz erinnert mich stark an meinen fuscorubroides.


    Chemie allein hilft hier nicht weiter. Wenn, dann sehe ich persönlich eine Unterscheidung einzig und allein im Sporenornament und deren Warzenhöhe.


    Aber gross mitreden kann ich hier nicht, bin nur Russula interessiert und warte ebenso auf die genetischen Untersuchungen die dann irgenwann Klarheit verschaffen sollen.


    R. sardonia und R. badia ist raus, die hätte Jörg nur einmal probiert :-))


    Gruss

    claus

  • Hallo claus,


    vielen Dank für deine Meinung. Da ich weder Chemiekalien noch ein Mikro besitze werden wir hier sicherlich zu keinem endgültigen Ergebnis kommen. Ich freue mich aber dass ich auch ohne ausreichende Gattungskenntnis und Literatur die richtige Richtung erkannt habe. Ich finde es gut Dass Du dich ausführlich mit dieser Gattung beschäftigst und hoffe dass dies auch weiterhin so bleibt. So viele Taubenfans scheint es ja nicht zu geben.


    VG Jörg

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