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letzter Beitrag von Beorn am

Delitschia-Wahn auf Borkum

  • Hallo,


    Eike hat mir heute ein paar Kollektionen aus Borkum zukommen lassen. Darunter sind zwei Delitschia-Arten, die ich hier gerne vorstellen möchte. Bei einer der Arten gibt es noch etwas Unklarheit über die Bestimmung, vielleicht schauen die Dungpilzexperten mal drüber ;)


    Beide Arten sind gefunden worden auf Kaninchenlosung (ich könnte ja das berühmte grüne Kissen wieder hervorholen, wenn ich noch mehr finden sollte).


    1. Delitschia cf. patagonica
    Sporen 45-53x20-24 µm (untersucht von mehreren Fk), mit geraden Keimspalten. Fk ohne sichtbare Behaarung, auch kein Tomentum gefunden. Passt eigentlich gut zu D. patagonica, nur beträgt die Sp-Breite in nobi's Übersicht 16-21 µm, also schmaler als bei diesem Fund. Ähnliche Sp hat noch D. excentrica, da käme die Breite besser hin, allerdings passt da die schräge Septierung wieder nicht.













    2. Delitschia winteri
    Sp 53-64x23-26,5 µm, mit gerader Septierung. Fk kugelig bis langgestreckt, überdeckt mit weißem Filz. Hier bin ich mir eigentlich recht sicher, dass es sich auch um D. winteri handelt. Dazu passt die Sporengröße recht gut.










    Vielleicht folgen noch mehr Arten, ich bin gerade dabei, mir weitere der Kaninchenköttel anzuschauen ;)



    lg björn

    Projekt Fungi: 3277

    [FERTIG] Band 1a: 440 Pyrenomyceten mit 0-1fach sept. Sporen; Band 1b: 380 Pyrenomyceten mit 2-M.

    Band 2a: Pezizomycetes, Hypogäische Eurotiomycetes, Lecanoromycetes, Arthoniomycetes

    Band 2b: Leotiomycetes, Geoglossomycetes, Taphrinomycetes, Laboulbeniales, Orbiliomycetes

    Band 3: Rindenpilze, Heterobasidiomycetes, Cyphelloide Pilze
    Schwarzwälder Pilzlehrschau

  • Vielen Dank Pablo ;)


    Ich habe noch eine weitere Kollektion untersucht, die sich etwas von den beiden anderen unterscheidet.



    Delitschia tomentosa
    Sp. 49-58x19-22(24) µm, Septierung gerade bis angedeutet schräg, etwas mehr an D. insonsa erinnernd. Im Vergleich zur D. cf. patagonica sind die Sporen deutlich mehr spindelförmig und daher auch etwas schlanker. Das fällt vor allem im direkten Vergleich auf, beim flüchtigen Drübergucken würde man es aber wahrscheinlich nicht wahrnehmen. Sp liegen uniseriat im Ascus und die Fruchtkörper sind deutlich weißfilzig, auch an der Perithezienmündung (ähnlich D. griffithsii, aber stärker). Steinigt mich, wenns nicht D. tomentosa ist, aber ich behaupte jetzt mal, dass das recht gut passt. Ich versuche gerade, einen Überblick über die Gattung zu bekommen, was sehr mühsam ist.







    Projekt Fungi: 3277

    [FERTIG] Band 1a: 440 Pyrenomyceten mit 0-1fach sept. Sporen; Band 1b: 380 Pyrenomyceten mit 2-M.

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    Band 2b: Leotiomycetes, Geoglossomycetes, Taphrinomycetes, Laboulbeniales, Orbiliomycetes

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  • Hallo.


    Eine Zwischenfrage, wenn's ok ist:
    Die unterschiedliche Sporenform ist hier mal klar.
    Aber: Schräge Septierung? Es fällt mir schwer, das einzuordnen, so völlig erfahrungsfrei. Für mich siehts eher gerade aus.
    Schräge Keimspalten: check!
    Schräge Septierungen: Öhm... Was interpretiere ich da falsch?



    LG; pablo.


  • Hallo Pablo,


    dazu hab ich natürlich ein paar Vergleichsfotos, da wird der Übergang von "sehr schräg" bis zu "schräg" bis hin zu "gerade" etwas deutlicher.

    Delitschia didyma
    hat sehr schräge Septierungen, dementsprechend auch asymmetrische Sporen.





    Delitschia intonsa
    hat wenig asymmetrische Sporen, die Septierung ist etwas schräg, manchmal deutlich, manchmal weniger deutlich.




    Delitschia sp. (an Holz) hat nahezu gerade Septierungen, die Sporen sind fast symmetrisch




    Delitschia griffithsii hat sehr gerade Septierungen, die Spore ist absolut symmetrisch.




    Siehst du den Zusammenhang zwischen der Symmetrie der Spore und der Lage der Septierung? Je asymmetrischer die Zellen zueinander sind, desto schräger ist die Septierung. Delitschia didyma hat mit D. nephrospora eine ähnliche Art mit stark eingeschnürter Septierung, die aber eher gerade ist und die Zellen sind auch entsprechend symmetrisch.


    lg björn

    Projekt Fungi: 3277

    [FERTIG] Band 1a: 440 Pyrenomyceten mit 0-1fach sept. Sporen; Band 1b: 380 Pyrenomyceten mit 2-M.

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  • Hallo ihr beiden,


    danke für die tolle Diskussion und die tolle Erklärung Björn. :alright:


    l.g.
    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hallo, Björn!


    Da schließe ich mich an, danke für die Extrembeispiele. So ist das besser nachzuvollziehen, wenn man die Symmetrie der Sporen berücksichtigt. Das ist ja allgemein eine Schwierigkeit, wenn man sich durch eine Gattung schlüsselt: Man muss Merkmale auch beurteilen können.
    Dazu muss man aber auch schon vergleichbares Material gesehen haben, eine Vorstellung davon haben, wie was aussehen muss.
    Das ist oft nicht einfach. Umso besser, wenn es gutes Bildmaterial und Erklärungen gibt, an denen man sich orientieren kann.



    LG, Pablo.

  • Tja, Kaninchendung in naturbelassenen Landschaften.
    Nach meinen bisherigen Erfahrungen sehr artenreich mit immer wieder herausragenden Funden, was dein Beitrag bestätigt.
    Delitschia ist auf Grund der wunderschönen Sporen eine meiner Lieblingsgattungen, was nicht heißen soll, dass ich mich besonders gut auskenne.
    Zu selten findet man die einzelnen Arten und zu wenige Pilzfreunde gibt es, mit denen man sich darüber austauschen und Material vergleichen könnte.



    1. Delitschia cf. patagonica
    Sporen 45-53x20-24 µm (untersucht von mehreren Fk), mit geraden Keimspalten. Fk ohne sichtbare Behaarung, auch kein Tomentum gefunden. Passt eigentlich gut zu D. patagonica, nur beträgt die Sp-Breite in nobi's Übersicht 16-21 µm, also schmaler als bei diesem Fund.


    Etwas besseres als D. patagonica fällt mir da auch nicht ein. Doveri gibt zwar etwas kürzere Sporen an, aber geht in der Breite bis 23 µm.
    Die Werte aus meiner Übersichtstabelle habe ich übrigens von Luck-Allen & Cain "Additions to the genus Delitschia", 1975, übernommen.
    Ich denke, dass die Sporenmaße variabler sind, als von Luck-Allen & Cain notiert.
    Einfach, weil sie zu vielen Arten nur wenige Aufsammlungen auswerten konnten.



    2. Delitschia winteri
    Sp 53-64x23-26,5 µm, mit gerader Septierung. Fk kugelig bis langgestreckt, überdeckt mit weißem Filz. Hier bin ich mir eigentlich recht sicher, dass es sich auch um D. winteri handelt. Dazu passt die Sporengröße recht gut.


    Ja sicher, die ist's! Wenn sie irgendwo gefunden wird, dann meist als Massenaspekt.



    Delitschia tomentosa
    Steinigt mich, wenns nicht D. tomentosa ist, aber ich behaupte jetzt mal, dass das recht gut passt. Ich versuche gerade, einen Überblick über die Gattung zu bekommen, was sehr mühsam ist.


    Luck-Allen & Cain geben die Sporen mit 50-52 x 19-22 µm an.
    Ich kann mir durchaus vorstellen, dass sie auch größer werden! Siehe meine Anmerkungen zu D. cf. patagonica.
    Auf Grund des ausgeprägten Tomentums sehe ich ebenfalls D. tomentosa.


    Man wird nicht umhin kommen, hin und wieder das Typusmaterial zum Vergleich hinzuzuziehen, wenn man Gewissheit haben will.


    Ach ja, wegen der Qualität deines Beitrages (nicht nur der Fotos) habe ich diesen soeben mit der maximalen Sternenzahl bewertet.
    Hervorragend, wie du die Sporentypen beschreibst und illustrierst!


    LG Nobi

    Hier geht es zu meinen Themen.

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  • Hallo nobi,


    vielen Dank für die abschließende Revision der Delitschia-Ausarbeitungen, die von Eike auf Borkum eingesammelt und dann zu mir verschickt wurden. Ich hab mir das mit der Variabilität der Sporen bei diesen Arten schon gedacht: Doveri et al. 1999 (in Doc. Mycol. 29) beschreibt D. winteri auch mit bis 73 µm langen Sporen, was deutlich über dem liegt, was du in deiner Übersicht schreibst (55-62 µm). Ich hab für D. winteri ähnliche Werte gemessen, z.T. in einigen Fruchtkörpern nachträglich aber noch bis 68 µm große Sporen festgestellt.


    Dann hefte ich die Funde jetzt als D. patagonica, D. winteri und D. tomentosa ab. Auf einer anderen Kaninchenlosung gab es noch Hypocopra brefeldii zu vermelden.







    lg björn

    Projekt Fungi: 3277

    [FERTIG] Band 1a: 440 Pyrenomyceten mit 0-1fach sept. Sporen; Band 1b: 380 Pyrenomyceten mit 2-M.

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    Band 3: Rindenpilze, Heterobasidiomycetes, Cyphelloide Pilze
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  • [font="Times New Roman"]Hallo Björn, ohne Frage schöne Darstellung der Gattung Delitschia. Hast du meinen Schlüssel nicht? Siehe Anhang[/font]


    [font="Times New Roman"] [/font]
    [font="Tahoma"]Delitschia cf. patagonica[/font][font="Tahoma"]
    Sporen 45-53x20-24 µm (untersucht von mehreren Fk), mit geraden Keimspalten. Fk ohne sichtbare Behaarung, auch kein Tomentum gefunden. Passt eigentlich gut zu D. patagonica, nur beträgt die Sp-Breite in nobi's Übersicht 16-21 µm, also schmaler als bei diesem Fund.[/font]

    [font="Times New Roman"] [/font]
    [font="Times New Roman"]Würde ich auch hierher stellen, ich bin mir aber nicht wirklich sicher, ob die Art wirklich von D. winteri zu trennen ist, oder die Art einfach so plastisch ist. Der Herr Spegnatzi (oder so ähnlich) hat doch viel Mist beschrieben. [/font]
    [font="Times New Roman"] [/font]
    [font="Tahoma"]Delitschia tomentosa[/font][font="Tahoma"]
    Sp. 49-58x19-22(24) µm, Septierung gerade bis angedeutet schräg, etwas mehr an D. insonsa erinnernd. Im Vergleich zur D. cf. patagonica sind die Sporen deutlich mehr spindelförmig und daher auch etwas schlanker. Das fällt vor allem im direkten Vergleich auf, beim flüchtigen Drübergucken würde man es aber wahrscheinlich nicht wahrnehmen. Sp liegen uniseriat im Ascus und die Fruchtkörper sind deutlich weißfilzig, auch an der Perithezienmündung (ähnlich D. griffithsii, aber stärker). Steinigt mich, wenns nicht D. tomentosa ist, aber ich behaupte jetzt mal, dass das recht gut passt. Ich versuche gerade, einen Überblick über die Gattung zu bekommen, was sehr mühsam ist.[/font]

    [font="Times New Roman"] [/font]
    [font="Times New Roman"]Hier gehe ich nicht mit, ist das Selbe wie oben. Das ist kein Tomentum sondern irgendwelche Not- o. Stresshaare. Ein Tomentum kennst du doch von Lasio. ovina. [/font]
    [font="Times New Roman"] [/font]
    [font="Tahoma"]Delitschia sp. [/font][font="Tahoma"](an Holz) hat nahezu gerade Septierungen, die Sporen sind fast symmetrisch[/font]
    [font="Times New Roman"] [/font]
    [font="Times New Roman"]Interessant ist die Art auf Holz. Die passt nicht so richtig in eine der beschrieben Arten. Ich würde sie dennoch zu Delitschia palmietensis Hyde & Steinke stellen, auch wenn die Sporen kleiner angegeben sind. Man muss bedenken, alle Arten auf Holz sind nur wenige mal belegt. Wo hast du denn den Ast gefunden?[/font]
    [font="Times New Roman"] [/font]
    [font="Times New Roman"]Gruß Peter[/font]

  • Hallo Peter,


    danke für deine Meinung zu den Funden. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, wie das mit dem "Tomentum" bei Delitschia zu interpretieren ist. Klar gibt es eines bei Lasiosphaeria ovina, nur sehen die besagten "Stresshaare" manchmal in der Gesamtansicht so aus wie ein Tomentum oder eben das, was darunter zu verstehen ist.


    Hast du ein aussagekräftiges Foto von einem Delitschia-Fk mit Tomentum? Das würde die Sache für mich einfacher machen.


    Zu der Delitschia an Holz: die hat Maren Kamke doch mal gefunden damals, ich glaube darüber hatten wir schonmal diskutiert, Peter. Damals hatten wir dafür aber keinen Namen. Soll ich dir dazu weitere Bilder vorlegen, damit sie vielleicht doch noch einen Namen bekommt? ;)


    lg björn

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    Band 2b: Leotiomycetes, Geoglossomycetes, Taphrinomycetes, Laboulbeniales, Orbiliomycetes

    Band 3: Rindenpilze, Heterobasidiomycetes, Cyphelloide Pilze
    Schwarzwälder Pilzlehrschau

    Einmal editiert, zuletzt von bwergen ()

  • Hallo.


    Ich will ja nicht stören, Peter & Björn, aber muss noch kurz los werden:
    Die Schnittbilder und die Bilder vom Ascusporus bei der Hypocopra sind der absolute Hammer! :eek:
    Das sind Ansichten, die nahezu unmöglich scheinen, wenn man sich mal klar macht, wie groß diese Strukturen sind.


    OK, bin fertig. Bitte weiter machen. :)



    LG, pablo.

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