Beiträge von bwergen

    Hallo nobi,


    anhand der Merkmale, die für C. ancistrocladum gelten sollen, würde ich eher zu Chaetomidium cephalothecoides tendieren. Denn hier sind die Haare komplett glatt und es scheint keinen Ostiolus zu geben, der fk ist de facto also ein Cleistothezium.


    Vielen Dank für deine Hilfe, nobi!


    LG Björn

    Hallo,


    heute hat Eike auf einem Wildschweindung vom Evenser Moor diese kleine "Chaetomium" gefunden, die meines Erachtens in die murorum-Gruppe gehört und aufgrund der fehlenden inkrustierten Haare, die sich bei C. murorum gewöhnlich um die Perithezienmündung herum befinden, als "C. ancistrocladum" bestimmt. Dazu passen auch die Sporenmaße, die Ascusmaße sowie die auffällig uncinaten Haare und die textura cephalothecoidea/epidermoidea. Die Fruchtkörper sind teilweise auch auf dem Plastik der Dose gewachsen, welches mit einem feinen Film aus hyalinen Hyphen und wohl vielen Sporen von diversen Dungbewohnern überzogen ist.

    Reife Sporen wurden als 15,6-17,2x7,5-8,7µm vermessen. Asci mindestens 70µm lang, bisher haben wir keine gefunden, wo schon Sporen drin waren (oder überreif).


    Meine Frage: kann das C. ancistrocladum sein? In Doveri 2011 "Addition to Fungi Fimicoli Italici" ist eine Kollektion dieser Art abgebildet, die unserer sehr ähnlich sieht, wobei aber die Sporen minimal breiter dargestellt werden.


    LG Björn










    Hallo,


    ich greife meine Fragen nochmal auf:
    das ist schwierig (was zu erwarten war). Zunächst müsste man noch folgende Punkte abarbeiten:


    a) Um welche Art Kernpilz handelt es sich bei dem befallenen Pilz? Wirklich um Spl. ampullacea oder vielleicht Hercospora tiliae?
    b) Wie schauen die Asci und vor allem die Apikalapparate aus? Sind sie sichtbar in CB?
    c) Dünnschnitt anfertigen und gucken, ob die Perithezienwand über oder unter 20 µm breit ist.
    d) Perithezienwand in KOH prüfen (violett oder nicht) sowie auch in CB (gewöhnlich wird sie gelb).


    a. Cryptodiaporthe hranicensis oder Hercospora tiliae (Spl. ampullacea ist ausgeschlossen)
    b. leider keine mehr gesehen, die Fruchtkörper waren überaltert.
    c. Perithezienwand ist stellenweise über 20 µm (bis 27 µm).
    d. Perithezienwand ist KOH+ (violett) und CB+ (gelb).














    Sp 15,7-16,8-17,8x9,6-10,6-11,6 µm.



    Spricht alles für Stylonectria wegeliniana, allerdings sind die Sporen um etwa 2 µm breiter als bei der St. wegeliniana auf der Hapalocystis. Möglicherweise liegt das an dem überaltertem Zustand, möglicherweise könnte es aber auch etwas anderes sein, d.h. eine andere (unbeschriebene) Art.



    Sollte das Teil nochmal frisch kommen, unbedingt mal genauer untersuchen.



    LG Björn

    Hallo,


    das ist schwierig (was zu erwarten war). Zunächst müsste man noch folgende Punkte abarbeiten:
    a) Um welche Art Kernpilz handelt es sich bei dem befallenen Pilz? Wirklich um Spl. ampullacea oder vielleicht Hercospora tiliae?
    b) Wie schauen die Asci und vor allem die Apikalapparate aus? Sind sie sichtbar in CB?
    c) Dünnschnitt anfertigen und gucken, ob die Perithezienwand über oder unter 20 µm breit ist.
    d) Perithezienwand in KOH prüfen (violett oder nicht) sowie auch in CB (gewöhnlich wird sie gelb).


    Bis das alles nicht geklärt ist, wage ich keine Aussage zu treffen, denke aber, dass es sich dabei um irgendwas "jenseits" von Stylonectria wegeliniana (an Hapalocystis) und Cosmospora rickii (an Xylariales) handelt, was man kultivieren und genetisch analysieren müsste (die Frage der Anamorphe: Acremonium oder Fusarium?).


    Du kannst mir wie immer das Teil auch zusenden, dann schau ich es mir genauer an, sofern es noch brauchbar ist.


    LG Björn

    Hallo,


    Das sieht aus wie ein Trichterling (Clitocybe). Da gibts im Spätherbst-Winter gleich mehrere in Frage kommende Arten, zb C. vibecina.


    Lg Björn

    Hallo Bernd,


    ich habe mich nun um die Valsa/Leucostoma gekümmert und folgendes ist dabei herausgekommen:


    Valsa (Leucostoma) auerswaldii


    Und zwar richte ich mich nach V. Hayova, die im ascofrance.fr vor einigen Jahren wertvolle Tips gegeben hat, wie man die drei an Prunus vorkommenden Arten unterscheidet:
    Leucostoma cinctum: Sporen von bis über 20 µm Länge und über 4 µm Breite, Anamorphe und Teleomorphe werden im selben Stroma gebildet
    Leucostoma auerswaldii: Sporen über 13 µm lang
    Leucostoma persoonii: Sporen unter 13 µm lang





    Leucostoma auerswaldii


    Sp 14-15,5-17,6x2,44-2,84-3,30 µm





    Leucostoma persoonii


    Sp 9-13,5x1,6-2,3 µm


    Die Bedeutung der Anhängsel, wie sie bei L. auerswaldii zu sehen sind, ist mir noch nicht klar, denn die sehe ich bei Valsa-Leucostoma das erste Mal. Möglicherweise sind sie aber typisch für diese Art. Ich nehme gerne weitere Aufsammlungen dieser Gattungen entgegen.


    LG Björn

    ...


    Es war einmal vor langer Zeit in einem weit, weit entfernten Scheißhaufen.


    Das Reich der coprophilen Ascomyceten wurde von Unruhen erschüttert. Die ständige Beobachtung durch das "Licht" brachte die Gemüter der Bewohner von Exkrementa-546 buchstäblich zum Verzweifeln. A.s. trabte durch die Wildnis aus gegorenen Grashalmen, verdauten Insektenpanzern und Rindenstücken, ständig in Gefahr, mittels vom Himmel erscheinenden, spitzen Gegenständen aus seiner gewohnten Umgebung gerissen zu werden. Er hatte seinesgleichen die Hoffnung verbreitet, sie mögen doch mittels Vortäuschen von Unreife die ungünstige Angelegenheit beseitigen, doch in den letzten Tagen kam es immer häufiger zu Erdbeben, mysteriösen Lichtererscheinungen und vereinzelten Attacken auf vermeintliche mykologische Objekte. A. s. hoffte, dass er seine Sporen bis zur völligen Reife bringen und dann ausstoßen kann, damit seine Kinder in Freiheit leben können.


    Von den Geschehnissen auf Exkrementa-546 nichts bemerkend, schaute der Konstrukteur auch an diesem Tage durch die Stereolupe. Vielleicht gibt es ja heute endlich mal ein paar reife Exemplare der weißlichen "Knubbels", die er vor etwa 5 Tagen das erste Mal erblickte. Er nahm Fotos von insgesamt 3 prächtigen Exemplaren auf und mikroskopierte anschließend einen von ihnen. Die verzweifelten Rufe des Exkrementa-546-Bewohners, der heimlich 4 Sporenschläuche entleeren konnte, bevor es endgültig zu spät war, bemerkte der Konstrukteur nicht.







    ASCOBOLUS SACCHARIFERUS




    Sie schauten einander unverwandt an. A.a., seiner Meinung nach der prächtigste Einwohner von AA, einer kleinen Anscheißung in der Nähe eines Zaunpfahls, betrachtete seinen zu klein geratenen Nachbarn mit Argwohn. 3 Asci, mehr nicht. Das soll ein richtiger Ascobolus sein?, dachte A.a. und schaute voller Stolz auf seine riesenhaften Sporenschläuche, 34 an der Zahl, die er mit voller Energie in die Höhe hat schießen lassen, damit sie die Sporen bis zu den Sternen hinauf tragen.


    Der Konstrukteur war verwundert über die Vielzahl verschiedener Strukturen auf AA. Er hatte nun schon mindestens 10 Präparationen angefertigt, in der stillen Hoffnung, endlich den geheimnisvollen A.st. zu finden. Fortuna schien ihm nicht zur Seite zu stehen, denn in der nächsten Präparation war ein Ascobolus mit 34, zugegeben sehr langen Sporenschläuchen, doch das konnte den Konstrukteur in keinster Weise beeindrucken.






    ASCOBOLUS ALBIDUS



    A.st. war schon immer klein und schmächtig. Hoffnungsvoll schaute er gen Himmel, oder zumindest das, was er dafür hielt. Eines Tages werden seine Nachfahren die armselige Bescheißung AA verlassen und neue Reviere erkunden. Doch bis es soweit ist, wartete A.st. den besten Zeitpunkt ab. Noch war er nicht fertig. Er merkte die drückenden Blicke von A.a. neben ihm, der ihn um 3 Körperlängen überragte und mehr als 4 Mal soviel auf die Waage brachte. Dieser Fettsack, dachte A.st., auf seine schlanke, elegante Gestalt herunterschauend. Nur weil er mehr als 30 Asci hat, sind seine Chancen auf Vermehrung nicht größer als meine, dachte er und zupfte sich ein Haar einer Trichobolus aus dem rechten Ascus.


    Der Konstrukteur hatte genug von den A.a. und legte die Bescheißung AA auf die Seite. Währenddessen machte er sich Gedanken über den Fund eines A.d., den er schon immer haben wollte. A.d. war von geschmeidiger Statur, mit langen Asci und tollen Eigenschaften, wie sonst kaum ein Ascobolus sie hatte. Er nahm noch einmal einen Teil der Bescheißung heran und schaute durch seine Sterolupe. Im gleichen Moment entdeckte er einen winzigen Punkt.







    ASCOBOLUS STICTOIDEUS





    In einem weit entfernten Land dachte A.l. über seine Existenz nach. Das Leben ist ein Scheißhaufen. Und dazu ein mickriger. Wer sollte sich schon für ihn und seine scheiß Umgebung interessieren, fragte er sich. Fäkalia war ein winziger Scheißhaufen am Rande eines Stuhlgangs, nicht wert von irgendwem registriert zu werden. Eines Tages, kurz nach den ersten Sporenreifungen, gab es eine Bewegung, gefolgt von heftigen Erschütterungen. Fäkalia hatte den Stuhlgang verlassen und war nun auf dem Weg in die weite Finsternis.


    Der Konstrukteur schaute sich die Sendung genauer an. Dr. Hagen Gräbner. Der Finder des Erstfundes von A.l., dachte er. Jetzt hielt er ihn selbst in den Händen und war voller Vorfreude, den seltenen Ascobolus zu sehen. Mit seinem nahezu einzigartigen Ornament war A.l. einer der spektakulärsten Ascoboli, die er je zu Gesicht bekommen hat.









    ASCOBOLUS LINEOLATUS




    Der Konstrukteur wusste, dass es gut war. Seine Arbeit ist aber noch lange nicht zuende, denn schon sehr bald wird es weitere Ereignisse auf Exkrementa-546, von der Bescheißung AA und von Fäkalia geben. Er hatte nichts als Scheiße im Kopf.


    Hallo Günter,


    nein, das ist alles unnötig, ich fertige die Schnitte per Hand unter einer starken Vergrößerung an (Stereolupe 75fach, Rasierklingen von Feather). Die sind sogar relativ einfach, wenn man es einmal kann, dann kommt man auf Scheibendicken von ca. 5-10 µm. Wer noch dünner schneiden möchte, und vor allem auf eine größere Fläche möglichst einheitlich dick, der muss zu einem Mikrotom greifen, wo dann die von dir genannten Methoden nötig wären.


    LG Björn
    [hr]
    Ich habe auf die Schnelle mal ein paar Schnitte, die garantiert unter 20 µm dick sind, rausgesucht. Das eigentliche Ziel ist es, einen ganzen Fruchtkörper (der ist normalerweise zwischen 0,1 und 1,0mm im Durchmesser) so gleichmäßig zu schneiden, dass man die komplette Wand sehen kann. Manchmal klappt das nicht, dann schneide ich absichtlich irgendeinen Teil ab, der dann besonders dünn wird (in der Regel unter 10 µm).



    Hallo Pablo,


    sieht aber aus wie Hypoxylon fragiforme, an Betula-Rinde wächst so nur noch Jackrogersella multiforme, den kann man aber ausschließen.


    Jochen : gerne kannst du mir das zukommen lassen, ich schaue es mir dann mal an.


    LG Björn


    Hallo Klaus,


    ich bearbeite gerade Diaporthe, Valsa und "Leucostoma" etwas intensiver, weil ich Material für einen etwas größeren Aufsatz sammle. Na aber ich verrate nicht zuviel jetzt :haue:


    Jedenfalls gibt es in den Substratangaben dieser Arten enorme Unterschiede, sodass man ohne Weiteres keinen Überblick mehr darüber bekommt. Erst wenn man massenhaft Aufsammlungen hat, diese immer wieder durchguckt, vergleicht, hier und da recherchiert, dann gibt es nach 1-2 Jahren ein Gesamtbild, als könnte man die ganzen Arten alle auf einmal bereits beschriebenen Arten zuordnen. Was Valsa angeht, da sind mir bisher die folgenden Arten ziemlich klar:
    Valsa ambiens: Salix, Rosa
    Valsa auerswaldii (ehem. Leucostoma a.): Prunus armeniacus, Prunus spp
    Valsa ceratosperma: Rubus spp
    Valsa dubyi: Thuja
    Valsa friesii: Abies
    Valsa nivea (ehem. Leucostoma n.): Populus, andere Laubhölzer
    Valsa pini: Pinus, Abies, Picea
    Valsa salicina: Salix, Ulmus
    Valsa sordida: Acer


    Unklare Arten:
    Valsa cf. fraxini: Fraxinus
    Valsa intermedia: Prunus spinosa
    Valsa melanodiscus: Fagus
    Valsa pustulata: Fagus
    Valsa sp.: Malus domesticus


    Das sind doch immerhin 14 als voneinander verschieden erkannte Arten, dazu nutze ich allerdings keine Schlüssel, sondern verwende die Originalbeschreibungen aus Nitschke, Fuckel und Co., da es kaum aktuelle Literatur gibt, abgesehen vielleicht von Spielman 1985 (das ennt sich aktuell??) oder Munk 1966, wo etliche Arten drin sind.


    Alternativ kannst du mir die Kollektion auch zukommen lassen, Felli, dann schaue ich sie mir mal genauer an. Ich würde mir auch das Holz angucken, vielleicht lässt sich dazu nochwas sagen.


    LG Björn


    Hallo Günter,


    ja, ich finde die mikroskopischen Strukturen der "ganz kleinen" auch von besonderer Schönheit und Vielfalt, genau deshalb gefallen sie mir auch so sehr und in jedem noch so unauffälligen schwarzen Punkt steckt eine tolle Überraschung. Bei den hier gefundenen Arten konnte ich mit dem Fotografieren gar nicht mehr aufhören.
    Die unter den Sporen der Stylonectria gezeigten Strukturen sind Dünnschnitte der Perithezienwand. Die Schnitte sollten nicht mehr als 10-20 µm dick sein, sonst sieht man die Zellstruktur nicht mehr deutlich genug. Gerade dann kann man mit KOH oder BWB hervorragende Reaktionen verdeutlichen, die man sonst nicht so schön sehen könnte.


    LG Björn

    Hallo Felli,


    das ist Valsa ( = Leucostoma) auerswaldii und das Substrat ist Kirsche (Prunus spp.). Die Art ist vermutlich auf diesem Substrat spezialisiert. Man hat die Valsa-Arten mit scharf abgegrenztem Stroma in die Gattung Leucostoma gepackt, dies wohl aber wieder rückgängig gemacht.


    Die ähnliche Valsa (Leucostoma) nivea wächst bevorzugt auf Pappel und hat längere, schmälere Sporen.


    Die Perithezienmündungen sind bei Kernpilzen außerordentlich variabel, lageabhängig, witterungsabhängig, altersabhängig etc. etwaige Behaarung hat hier gar nichts zu sagen.


    LG Björn

    Guten Abend,


    Der Wind, der Wind, das himmlische Kind. Wer kennt ihn nicht, den berühmten Ausspruch aus Hänsel & Gretel. Gestern und heute hat das himmlische Kind die begehrten, überwiegend abgestorbenen Äste aus der Krone einer mitten in Hornberg stehenden Ulme (Ulmus minor) heruntergerissen. Sturmböen fegten auch über das Gutachtal hinweg, der kleine Fluss Gutach schwillt auf ein scheinbar noch unbedenkliches "Maximum" an, und hoffentlich lässt ein weniger unbedenkliches, noch größeres Maximum die nächsten Tage keine Keller volllaufen.


    Wie dem auch sei, auf dem Weg zur Arbeit habe ich ein paar der Äste eingesammelt und auf kleine unscheinbare Pilzchen untersucht. Eigentlich hatte ich das nicht vor, es hat dann aber doch den ganzen Tag gekostet. 4 Äste durchgucken, 4 Pilze gefunden, und mehrere Stunden Arbeit nur wegen ein paar kleinen schwarzen oder roten Kugeln.


    Die Beschreibungen der Pilze sind reduziert auf die wichtigsten Merkmale, die für die jeweilige Art charakteristisch ist und auf die man zwingend achten sollte. So sind z.B. die Anzahl der Septierungen, die Sporenfarbe oder das Vorhandensein von Schleimhüllen oder Anhängseln oft viel bedeutender als die Sporengröße.
    Die Angaben zu den Sporen sind: Septierungszahl (s) und Farbe (hyalin, phaeo, bicolor).


    Hapalocystis bicaudata Fuckel 1864
    Fk als Perithezien in valsoider Anordnung zwischen Rinde und Bast befindlich eingebettet. Einzelne Perithezien 0,4-0,7mm im Durchmesser, mit zusammenneigenden Perithezienmündungen.
    Sporen 3s (-5s), phaeo, mit auffällig langen, im frischen Zustand aufgedrehten Anhängseln, ohne Schleimhülle. Asci unitunikat, ohne sichtbaren Apikalapparat.
    Substrat vermutlich substratspezifisch an Ulmus spp.
    Verbreitung Europa (Deutschland, Schweden)













    Splanchnonema foedans (Fr.) Kuntze 1898
    Fk als Pseudoperithezien direkt unter der obersten Rinde befindlich, an der Oberfläche der Rinde nur anhand der austretenden reifen Sporenmasse erkennbar, die Oberfläche selbst nur unerheblich anhebend, 0,4-0,5mm im Durchmesser, im Anschnitt mit wenig sichtbarem Mündungsbereich.
    Sporen 2s, phaeo/bicolor, ohne Anhängsel, mit sehr dicker Schleimhülle, die in Wasser nach einiger Zeit zerfließt.
    Substrat substratspezifisch an Ulmus spp.
    Verbreitung Europa (Deutschland, Schweden, Österreich, Schweiz)











    Melanomma sanguinarium Sacc. 1883
    Fk als Pseudoperithezien dem Substrat aufsitzend oder etwas eingebettet (etwa zur Hälfte), einzeln wachsend, kugelrund bis etwas abgeflacht, nicht immer mit deutlich differenziertem Mündungsbereich (oft verformt), 0,2-0,3mm im Durchmesser.
    Sporen 3s (-4s, vereinzelt M), sehr blass phaeo (gelbbraun), ohne Schleimhülle, ohne Anhängsel.
    Perithezienmündung rot.
    Substrat lignicol an berindeten oder unberindeten Ästen verschiedener Laubhölzer, in diesem Fall inmitten der Stylonectria-Fk auf den Mündungen von Hapalocystis bicaudata aufsitzend.
    Verbreitung Europa (Deutschland: Salix, Ulmus an Hapalocystis bicaudata-Überresten; Österreich: Laubholz, Quercus)








    Stylonectria wegeliniana (Rehm) Gräfenhan, Voglmayr & Jaklitsch 2011
    Fk als Perithezien einzeln dem Substrat aufsitzend, birnenförmig mit abgeflachter Mündung, rot, 0,2-0,3mm im Durchmesser.
    Sporen 14,2-16,7-17,8x7,9-8,6-9,1 µm, Q= 1,8-2,0; 1s, phaeo (nur bei Reife hellbraun!), warzig ornamentiert, Warzen bis ca. 0,5 µm hoch; Asci relativ breit, unitunikat, unregelmäßig biseriat, ohne sichtbaren Apikalapparat, 8sp.
    Perithezienwand orangerot, aus flachgedrückten Zellen bestehend, in KOH 3% violett, in CB gelb.
    Substrat spezialisiert auf Hapalocystis bicaudata.
    Verbreitung Europa (Deutschland, Schweiz, Österreich)













    Dank an Hermann Voglmayr für die Hilfe bei der Bestimmung der Stylonectria.


    Bis zum nächsten Mal,
    Björn


    Hallo Christoph,


    das könnte eine endlos lange Diskussion werden, die man lieber vor Ort ausfechtet als über das Internet. Soweit ich weiß, sind wir uns noch nicht über den Weg gelaufen ;)


    Jedenfalls vertrete ich in vielen Punkten die Auffassung und die Probleme, wie du sie auch darstellst. Das Aspergillus-Problem ist mir durchaus bekannt, wenngleich ich kein Spezialist für anamorphe Pilze bin (ich beschäftige mich weitgehend nur mit Teleomorphen).


    Die Sache mit dem Wissenszuwachs und den genetischen Unterschieden teile ich allerdings nicht. Gattungen wie Imperator, Paralepista, Paralepistopsis, das völlige Zerpflücken von Gattungen bishin zur Monotypie, auf dass es bald mehr Gattungen als Arten gibt, ist meines Erachtens unnötig und z.T. durch den Produktivitätsdrang universitärer Personen geschuldet, die auf Teufel-komm-raus irgendwas erbringen müssen, damit sie eine wie auch immer geartete Abschlussarbeit auf den Tisch hauen. Genau da fängt die Diskussion mit dem Art- und Gattungsbegriff an. Das "3-Merkmale"-System verrutscht sich zugunsten der Genetik auf "3-Basenpaare", wobei genetische Unterschiede sich nicht zwangsläufig in morphologische, ökologische etc. Unterschiede widerspiegeln müssen. Es werden neue Arten und Gattungen beschrieben, ohne dass man überhaupt weiß, worin die makro- und/oder mikroskopischen Differenzen liegen. Soll das etwa Fortschritt sein? Eine Disziplin (mykologische Genetik) macht dann andere (Ökologie, Kartierung und ähnliche) unmöglich oder zumindest derart anspruchsvoll, dass sich niemand mehr damit beschäftigt. Warum soll ich denn Nectria-Arten erfassen wenn ich sie alle nur noch mit dem Kürzel "s.l." abheften muss?


    Was die Benennung der Pilze an sich angeht, da bin ich für die "one fungus = one name"-Regel. Warum sollte ich die Hauptfruchtform anders nennen als die Nebenfruchtform, wenn es sich um den gleichen Organismus handelt? Die "Fehler", die in der Vergangenheit bzgl. der Beschreibung von Pilzen zugetan haben, und selbst wenn es sich um Sklerotien handelt, können doch nicht einfach unberücksichtigt weiter existieren, nur weil wir aus Gewohnheit die alten Namen behalten wollen. Also wird auch aus Hypocrea Trichoderma und aus manchen Phaeosphaeria-Arten Stagonospora oder Parastagonospora.


    LG Björn


    Richtig, die Farbe geht im Alter verloren oder wird mehr orangegelblich. Zu beobachten ist eine rötliche Spitze übrigens bei mehreren Arten, darunter sowas wie Teichospora rubriostiolata, Melanomma sanguinarium, Cyclothyriella rubronotata, Cucurbitaria rubefaciens. Um zu bestimmen, braucht man immer ein Gesamtbild von allen Merkmalen, nur eins alleine reicht leider nicht aus ;)


    LG Björn
    [hr]


    Hi Björn,


    schön mal wieder was von dir zu lesen. Danke für die wunderbare Zusammenstellung.


    l.g.
    Stefan


    Hab ich mir für das neue Jahr vorgenommen. Ich hoffe, dass die Zeit für ein paar Beiträge reichen wird :)


    Hallo Nobi,


    noch mehr Fragen ^^


    Also: Funghiparadise wird es bis auf weiteres nicht mehr geben. Um die Seite zu rekonstruieren, brauche ich leider sehr viel Zeit, die ich momentan für andere Dinge verwende (diverse Projekte, Seminarvorbereitungen, das übliche halt).


    An meine Bücher kommst du folgendermaßen:
    einfach bescheid geben, ob du ein Exemplar von 1a und 1b haben willst, dann füge ich dich der Interessentenliste hinzu. Wenn demnächst eine neue Fuhre von 1b eintrudelt (was sich derzeit leider hinzieht), dann sende ich sie dir automatisch zu.


    LG Björn


    Hallo Stefan,


    da stimme ich dir nicht in allen Punkten zu. Um die Sache mit der Helminthosporium zu klären: der Name war zu keiner Zeit für eine Anamorphen-Gattung reserviert, sondern für eine Pilzgattung. Anamorphe Formen von Pilzen sind de facto auch Pilze, Organismen mit einem taxonomischen Rang einer individuellen Art, sofern sie den Regeln für eine eigenständige Art gerecht werden. Die Diskussion, was im Zuge der Genetik eine Art ist, wird aber auf einem anderen Brett ausgefochten, leider wird auch das sehr bald ein größeres Problem darstellen.
    Nun wurden in der Gattung Helminthosporium und dergleichen Arten mit farbigen Phragmokonidien beschrieben. Das ist wahrscheinlich das, was du mit "Anamorphen-Gattung" meinst. Ich sags nochmal: das hat es nie gegeben, anamorphe und teleomorphe Phänotypen von Pilzen hat es immer gegeben, wir haben sie nur nicht erkannt und daher in Gattungen, ja sogar in ganze Systeme aufgesplittet: auf der einen Seite die Ascomyceten und Basidiomyceten, die vollständigen (geschlechtliche Fortpflanzung, also "vollständig"), und auf der anderen die Deuteromyceten, die "Fungi Imperfecti", die unvollständigen, weil sie nicht zur geschlechtlichen Fortpflanzung befähigt sind.


    Helminthosporium oligosporum nehme ich jetzt einfach als Modellorganismus für das Verständnis von mykologischen Organismen, da die Art auf Lindenästen mit genannten Phänotypen auftritt, also auch mit typischen Konidiensporen und eben einer teleomorphen Erscheinung, die erst seit ein paar Jahren als der anamorphen Erscheinung zugehörig erkannt wurde. Ich finde das gut, denn es ist ein Fortschritt in die richtige Richtung. Wie sonst als Helminthosporium oligosporum würdest du denn die Teleomorphe nennen, mit dem Wissen, dass es der gleiche Organismus ist wie der, der die von dir beschriebenen Konidiensporen macht? Ich finde, ein erweitertes Verständnis dieser Zusammenhänge macht die neue, ungewohnte Namensgebung der Pilzarten logischer. Ich bin auch ein Gewohnheitstier und nutze gerne altbewährte Namen wie Hypocrea, Annulohypoxylon (unsere europäischen heißen jetzt Jackrogersella) oder Mycena speirea (ja, Phloeomana speirea). Erst, wenn ich verstanden habe, warum die Änderungen sinnvoll und notwendig sind, dann gehe ich hin und eigne mir die neuen Namen an.


    Möge der Imperator mit dir sein. Torosus, Ende.


    LG Björn


    Edit: Ja, Mycosphaerella. Das ist aber auch ein großes taxonomisches Ungeheuer, das viele anamorphen-Gattungen hinter sich herschleift. Ich zitiere hier gerne die aktuelle Arbeit von Videira et al. 2017 aus der SiM 87:


    Aktueller Name:
    Zymoseptoria tritici (Desm.) Quaedvlieg & Crous, Persoonia 26: 67. 2011.
    Basionym: Septoria tritici Desm., Ann. Sci. Nat., Bot., Ser. 2, 17:107. 1842.


    Dort enthalten ist auch ein, sagen wir, "Versuch" eines phylogenetischen Stammbaums der Familie Mycosphaerellaceae, mit insgesamt 120 verschiedenen Gattungen, deren Arten früher in Mycosphaerella untergebracht waren.


    Und, Phaeosphaeria nodorum heißt schon seit einiger Zeit
    Parastagonospora nodorum (Berk.) Quaedvlieg et al. Stud. Mycol. 75: 363 (2013)


    nachzulesen in der SiM 75, da gibt es gleich zwei größere Artikel über die "Gattung" Septoria.


    Hallo Björn,


    zum Thema: Gibt es mittlerweile brauchbare Literatur, mit der sich diese ganzen aufsitzenden Nectria-, Dialonectria-, Cosmospora-Arten aufschlüsseln lassen?


    LG, Jan-Arne


    Hallo Jan-Arne,


    es gibt bzgl. Cosmospora folgendes:
    Gräfenhan et al. 2011 in SiM Nr. 68, p. 79-113.
    Rossman Genera of Hypocreales


    Nach meinen aktuellen Erkenntnissen ist die Cosmospora auf Hypoxylon fragiforme aus dem C. vilior/ C. viridescens-Komplex, der immer noch nicht offiziell erforscht ist. Ich sammle selbst alle möglichen Cosmosporas die ich nur irgendwo finden kann und könnte auch Material gut gebrauchen, um zu dieser Erforschung beizutragen (bzw. weiterhin beizutragen).


    LG Björn

    Hallo,


    also dein Fund, Thorben, ist wohl keine Sirobasidium, sondern eine Anamorphe, die ich allerdings nicht kenne. Zumindest kenne ich Sirobasidium (die übrigens hier im Süden recht gut verbreitet ist) ganz anders, nämlich viel mehr so wie Thomas sie darstellt.


    Auf den folgenden Bildern ist Sirobasidium brefeldianum dargestellt, die an hängenden, stark vermoosten/veralgten Zweigen von Abies oder Picea wächst und, soweit ich es bisher gesehen habe, an alten Fruchtkörpern von Valsa pini wächst, im Querschnitt deutlich zu erkennen die alten Perithezien dieses Kernpilzes.
    Sirobasidium-Arten haben Schnallen an den Septen und die blasenförmigen Basidien müssten irgendwo Sterigmen zeigen, auf denen dann die Sporen sitzen. Alte Basidien sind in der Mitte geteilt.


    LG Björn




    Hallo,


    aller Voraussicht nach ist das Hypoxylon fragiforme mit einer unbestimmten Cosmospora (wahrscheinlich nicht Dialonectria/Cosmospora episphaeria, die wächst auf Diatrype stigma s.l.). Es gibt auf dem Substrat noch H. howeianum mit einer spinnenartigen Anamorphe und helleren, glatten Fruchtkörpern (die von H. fragiforme sind ein wenig warzig, hier auch gut zu erkennen).


    LG Björn