Kleine Myxo-Story

Es gibt 9 Antworten in diesem Thema, welches 4.381 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von lamproderma.

  • Hallo Ihr Myxo-Freunde!


    Nachdem ich seit einigen Wochen ein gute, altes Zeiss-Mikroskop habe und mir ein Pilzvereinskollege seine 3 Bände "Die Myxomyceten" geliehen hat, versuche ich mich in der Schleimi-Bestimmung. Hier die Story von meinem Myxo-Nr. 16:


    (14.07.13) Was leuchtet da so herrlich orange aus dem grünen Moos einer final morschen Fichtenstubbe?

    Näher betrachtet waren es drei Häufchen, die daran waren, Sporenkörper auszubilden - hier das "Schönste":

    ... und das "Reifeste":

    Erinnert mich ja an Queller, habe aber noch keine wirkliche Idee, was das war bzw. werden wird. Beim ersten Bild hatte ich noch eine Idee, aber diese einzelnen, z.T. gegabelten Würste lassen mich bei näherer Betrachtung völlig im Dunkeln tappen.


    Das Reifeste schnitt ich großräumig aus dem faulenden Holz und nahm es zur weiteren Beobachtung mit nach Hause.


    (16.07.13) Wieder am Fundort, um die Entwicklung in freier Wildbahn zu dokumentieren - so sieht inzwischen das oberste Häufchen vom ersten Foto aus:

    Manchmal dauert die Entwicklung vom Plasmodium bis zu reifen Sporenkörpern ja nur 24 Stunden, mein Myxo-Nr. 16 hat sich dazu aber Zeit gelassen.


    (21.07.13) Gehegt und gepflegt auf feuchtem Moos hat sich der Zuhause-Haufen fertig umgebildet. Die vorher einzelnen "Wurst"-Körper waren fast auf die Hälfte ihrer vorherigen (plasmioden) Größe geschrumpft und hatten sich an ihren Wänden so verbunden, dass im Schnitt ein Wabenmuster entstand (Pseudoaethalium). Die einzelne Sporocarpie ist nun ca. 2,5 mm lang und hat 0,3 - 0,4 mm im Ø.


    Das ist leider das letzte Bild, weil ich das Fotografieren am Mikro erst noch lernen/ausprobiern/üben muss. Auch mit dem Messen hapert es noch: ich verwende einen Messobjektträger mit einer 0,01 mm Teilung...


    Da ich kein Bino habe, gestaltet sich das Präparieren von so kleinen Teilen etwas komplizierter: mit einer LED-Leiste erzeuge ich mir am Mikro Auflicht. So kann ich mit 30x und 125x zumindest sehen, was ich tu. Jetzt kommt das Gehirnjogging, weil hier ja rechts = links und oben = unten ist. Alles klar?


    Unter Auflicht schillert die Röhrenwand (Peridie) irisierend, oben drauf sind eine Art dunkle Deckelchen. Die Sporen sind ca. 6 µm und rund, sie haben ein feines Netz aus kleinen Erhebungen.


    Hätte ich das unreife Plasmodium gesehen, so wäre mir der Namen sofort klar gewesen. So aber irrte ich eine Weile durch die Schlüssel, bis ich auf den Lachsroten Schleimpilz - Tubifera ferruginosa kam... oder sollte ich mich doch verlaufen haben?


    Mein (derzeitiger) Ehrgeiz bei den Myxos ist (neben der Bestimmung), möglichst durchgängig die ganzen Entwicklungsstadien einer Art zu dokumentieren. Vielleicht schaffe ich es auch noch, mit wenig Aufwand einigermaßen informative Mikro-Bilder hinzubekommen...


    Habt/macht Ihr solche Entwicklungsdokus?


    Ich hoffe, Ihr hattet ein wenig Spaß bei meinem ersten Beitrag in diesem Forum!


    Viele Grüße - Rika

  • Hallo Rika,



    So aber irrte ich eine Weile durch die Schlüssel, bis ich auf den Lachsroten Schleimpilz - Tubifera ferruginosa kam... oder sollte ich mich doch verlaufen haben?


    das lässt sich m. E. mit einem sicheren Nein beantworten.


    Zitat


    Ich hoffe, Ihr hattet ein wenig Spaß bei meinem ersten Beitrag in diesem Forum!


    Ein klares Ja. :)


    Viele Grüße
    Toffel

  • Hallo Rika,
    Mit Tubifera ferruginosa liegst Du ganz richtig.
    Allerdings hattest Du Glück, daß die Fruchtkörper einigermaßen ausgereift sind. Das klappt nicht immer wenn man unreife Schleimis sammelt. Durch Veränderung der äußeren Bedingungen (durch Entnahme aus der Natur) reagieren die Schleimis auch oft so, daß sie nicht mehr ausreifen. Man muß auch einen gewisses Reifestadium abpassen. Auch brauchen manche Arten relativ lange und Ungestörtheit um auszureifen.
    Am besten kann man die einzelnen Entwicklungstadien beobachten, wenn man Feuchtkammerkulturen mit geeigneten Substraten anlegt und diese regelmäßig kontrolliert. Das bietet sich vor allem im Winterhalbjahr an, wo es sowieso nicht viel gibt.
    Schönen Abend
    Ulla

  • Hallo Rika,


    erst einmal ein herzliches Willkommen hier im Forum !
    Die Schleimpilzexperten vermehren sich zumindest prozentual gesehen gerade gigantisch :thumbup:


    Was mich besonders freut, das werde ich auch an Pablo weiterleiten, dass wir für Tubifera ferruginosa - Lachsroter Schleimpilz, nun auch einen deutschen Namen haben.


    Weiter so ! Wenn es zu viel wird und ihr weiterhin so zulegt, muss ich meinen fast Nachbarn (15 km) , Karlheinz Baumann um Nachhilfe bitten. :D


    Viele Grüße,
    Markus

  • Hallo Toffel, Ulla, Markus (und alle anderen Mitleser)!


    Herzlichen Dank für Euer Feedback!


    Was das Mit-Nach-Hause-Nehmen betrifft: Wichtig ist, dass man weiß, wo das Ding anfängt und aufhört! Wenn man es dann komplett mit genug Substrat mitnimmt, geht das schon - berührungsfreien Transport vorausgesetzt. Zuhause bemühe ich mich um eine möglichst naturnahe Unterbringung, z.B. ein schattiges Plätzchen auf dem Westbalkon. Bei der Tubifera war die morsche Holzpyramide in reichlich Moos gebettet, befeuchtet habe ich nur das Moos - nicht den Myxo.


    Dadurch entfällt die tägliche und manchmal aufwändige Anreise - falls man die Stelle überhaupt wiederfindet, wenn sich das buntleuchtende Plasmodium bereits in einen unscheinbaren braunen Haufen verwandelt hat. Und man kann die Entwicklung zuhause gut beobachten + fotografieren.


    Hier noch ein Beispiel vom Rotköpfigen Schleimpilz - Trichia decipiens. Die leuchtend orangerote Gruppe vom ersten Bild hatte ich auch ausgeschnitten und zuhause fertig reifen lassen (2. Bild). Die nahm ich dann mit zum Myxo-Kurs von Lothar Krieglsteiner Ende Juni. Leider hatte ich nur für einen Kurstag von dreien Zeit, aber enorm viel gelernt und auch anschließend noch so manchen guten Tipp von Lothar erhalten (Danke!!!).


    Viele Grüße - Rika


  • Hallo Rika,


    auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum.
    Was das Mitnehmen von Schleimis angeht, da belasse ich es meistens dabei, reife Exemplare mitzunehmen und zu bestimmen.
    Oft wird das sonst ein ganz ordentlicher Aufwand, um die komplette Entwicklung zu dokumentieren. Sowas wie eine feuchte Kammer hab ich bei mir nicht, da reicht dann einfach die Zeit für mich nicht mehr, ich befasse mich ja auch noch z.B. mit winzigen Ascomyceten und studieren muss ich so nebenbei auch noch. Manchmal findet man ja die Schleimis auch vor Ort in verschiedenen Stadien, da kann ich dann die Entwicklung besser fotografieren ohne für mich zu großen Aufwand.
    Versucht hab ich schon mal unreife Exemplare mitzunehmen, der Erfolg war aber eher bescheiden, da hätt ich mehr Zeit investieren müssen, was aber wiederum schwierig war.
    Freut mich natürlich umso mehr dass du dich so intensiv mit den Kleinen beschäftigst. :thumbup:


    Viele Grüße,
    Matthias

    Je intensiver man sich mit Pilzen beschäftigt, desto komplizierter wird es, sie zu bestimmen.

  • Hallo Matthias,


    ich finde das "Züchten" nicht so aufwändig. Ich habe eine Keksschachtel aus Plaste, die ich ein wenig mit Wasser fülle. Wenn ich die unreifen Schleimpilze hineinlege, befeuchte ich erst das Substrat mit dem Wasser und lege es dann an eine Stelle in der Schachtel, wo kein Wasser ist. Dann lege ich den Deckel locker drauf und warte etwa einen Tag. Das klappt meistens, wenn die Fruktifikationen zumindest ihre Form schon haben.


    Viele Grüße
    Toffel

  • Hallo Toffel,


    wieso legst Du einen Deckel auf Deine feuchte Box? In der Natur fruktifizieren die Myxos auch ohne Treibhaus?! Ehm - wir haben doch gerade Sommer ... :-))


    Hallo Matthias,


    danke für Dein herzliches Willkommen!


    Auf die Schleimis bin ich auch nur deswegen gekommen, weil
    (a) ich so ein feines Mikro geschenkt bekommen habe, und
    (b) im Wald dauernd verschiedene Myxos (und fast keine Großpilze) fand,
    (c) Lothar gerade eine Myxo-Kurs hatte, und
    (d) mir die drei Myxo-Bände geliehen wurden.


    Wie Du siehst, eine unglückliche Verkettung glücklicher Umstände - oder war es umgekehrt? ;-))


    Noch vor 6 Wochen hatte ich gemeint, dass mich so kleiner Fuzzelkram nicht interessieren würde. Letzthin war ich völlig entzückt vom Aufsitzenden Pustelpilz - Dialonectria episphaeria auf dem Flächigen Eckenscheibchen - Diatrype stigma. Diese leuchtend roten Kugeln auf tiefem Schwarz ... in die ausgesporten, nun oben offenen Kugeln kann man reinschauen ... nur habe ich bisher keinen Schnitt durch die nur 0,2 mm großen Kugeln hinbekommen.


    Viele Grüße - Rika

  • Hallo Toffel,


    wieso legst Du einen Deckel auf Deine feuchte Box? In der Natur fruktifizieren die Myxos auch ohne Treibhaus?! Ehm - wir haben doch gerade Sommer ... :-))


    Hallo Matthias,


    danke für Dein herzliches Willkommen!


    Auf die Schleimis bin ich auch nur deswegen gekommen, weil
    (a) ich so ein feines Mikro geschenkt bekommen habe, und
    (b) im Wald dauernd verschiedene Myxos (und fast keine Großpilze) fand,
    (c) Lothar gerade eine Myxo-Kurs hatte, und
    (d) mir die drei Myxo-Bände geliehen wurden.


    Wie Du siehst, eine unglückliche Verkettung glücklicher Umstände - oder war es umgekehrt? ;-))


    Noch vor 6 Wochen hatte ich gemeint, dass mich so kleiner Fuzzelkram nicht interessieren würde. Letzthin war ich völlig entzückt vom Aufsitzenden Pustelpilz - Dialonectria episphaeria auf dem Flächigen Eckenscheibchen - Diatrype stigma. Diese leuchtend roten Kugeln auf tiefem Schwarz ... in die ausgesporten, nun oben offenen Kugeln kann man reinschauen ... nur habe ich bisher keinen Schnitt durch die nur 0,2 mm großen Kugeln hinbekommen.


    Viele Grüße - Rika

  • Hallo Rika,
    falls Du es doch mal mit einer Feuchtkammer-Kultur versuchen willst, das ist wirklich einfach:
    Ich nehme eine flache Plastikdose, lege sie mit angefeuchtetem Küchenpapier oder Zellstoff (nicht zu naß, sonst schimmelts) aus und breite darauf das Substrat aus: Rindenstücke von verschiedenen Bäumen, Erlenzapfen, Ästchen oder auch Laub (meist ohne darauf schon unreife Myxos zu sehen). Für coprophile Pilze (es gibt aber nur wenige Myxos, die auf diesem Substrat wachsen) eignet sich auch natürlich auch irgendwelche "Kacke" (frag mal Nobi). Dann Deckel drauf wegen des gleichmäßigen Mikroklimas (zu Hause ist die Luftfeuchtigkeit meist zu niedrig, auch stören stärkere Luftbewegungen). Dann heißt es warten und hoffen, daß was dran kommt ;)und man kann dann die Entwicklung vom Plasmodium-Stadium (das sollte man dann möglichst nur wenig stören) bis zum reifen Fruchtkörper beobachten. So kann man vor allem sehr kleine Arten nachweisen wie z.B. Licea, Paradiacheopsis, sehr kleine Cribrarien etc. Jetzt im Sommer werden diese Kulturen aber oft nichts, da das Substrat schnell an zu schimmeln anfängt. Besser ist es im Winterhalbjahr. Da findet man ja draußen sowieso weniger und hat mehr Zeit. Vielleicht hast Du Lust bekommen? Viel Glück und viele Grüße
    Ulla