Beiträge von Oehrling

    Hallo Ben,

    einer von den vielen rotbraun gefärbten Milchlingen, die ohne das volle Bestimmungsprogramm durchzuziehen nicht zuverlässig benannt werden können: Geruch und Geschmack testen, Baumpartner herausfinden, einen Tropfen Milch auf ein weißes Taschentuch geben und zwei Minuten hinschauen ob sich was tut, eventuell mikroskopieren.

    Zumindest lässt sich mMn sagen, dass es weder der Maggipilz (generell falscher Farbton) noch der Brätling (so gut wie kein Milchaustritt trotz erkennbarer Frische) noch der Rotbraune Milchling (kein Hutbuckel) ist.

    FG

    Oehrling

    Hallo zusammen,

    es gibt zwar schon Gattungen bzw. Gruppen, bei denen Geschmacksproben Sinn machen (z. B. Galli versus Steini, Grünblättriger versus Rauchblättriger Schwefelkopf, scharfe versus milde Täublinge). Bei Amanita wäre das dagegen gefährlicher Unsinn. Was will man denn durch eine solche Probe rausfinden? Der Grüne Knolli schmeckt z. B. nach den Aussagen Vergifteter ziemlich lecker, auch Fliegenpilze haben angeblich einen recht guten Geschmack. Scharfe oder bittere Amaniten gibt es auch nicht, also worin soll der Sinn einer Amanita-Geschmacksprobe liegen?

    FG

    Oehrling

    Hallo Marcel36,

    wir diskutieren hier selbstverständlich nur über den einen Pilz, den wir auf dem Foto sehen, nicht über die anderen, die da möglicherweise auch noch standen. Die roten Fraßstellen im Hut weisen eindeutig Richtung Perlpilz. Leider ist er, wie man sieht, stark verwurmt und meiner Ansicht nach nicht mehr verzehrgeeignet.

    Seltsam übrigens, dass du, wie du sagst, den Geschmack des Pilzes geprüft hattest. Du warst in der Gattung Amanita unterwegs, in der es tödlich giftige Arten gibt, das war dir bei der Geschmacksprobe hoffentlich klar.

    FG

    Oehrling

    Die im letzten Jahr hatten aber graugrüne Farbe an der Stielbasis, oder? Waren dann wohl was anderes.


    Maria

    sind das aktuelle Funde? Wenn ja, würde ich mir am Montag oder Dienstag für einen schnellen Abstecher ins Fränkische Zeit nehmen und mit dir deinen Stachelingsberg anschauen. Vor-Ort-Eindrücke sind allemal besser als Internet-Fotos.


    FG

    Oehrling

    Hallo Maria,


    ganz hervorragende Dokumentation. Der Längsschnitt zeigt das erste wichtige Detail: eine nicht graugrüne Stielbasis.

    Was noch gut wäre zu ermitteln, wäre der Geruch leicht angetrockneter Exemplare, der wird in etlichen Bestimmungsschlüsseln abgefragt (Maggi, Mehl, Bittermandel; Pippiduft soll es laut einem mir vorliegenden Schlüssel auch geben) dann der Geschmack (bitter, bitterlich, evtl. schärflich-prickelnd?), auch das wird abgefragt, und das Verfärbungsverhalten des Fleisches über Nacht, insbesondere ob da etwas violett oder grün wird.

    Und behalte bitte von einem ausgewachsenen, möglichst alten Exemplar ein Stück Hut mit Stacheln auf, es kann sein, dass wir mikroskopieren müssen.


    Nach den bisherigen Informationen würde ich diesen Stacheling so beschreiben:

    Hutfarbe schmutzig und blass ockergraubraun mit blassrosa Stellen (dieses letzte Detail finde ich bestimmungstechnisch äußerst interessant; gibt es diese Kombination laut Schlüssel nicht, haben wir es vielleicht sogar mit zwei vergesellschaftet auftretenden Arten zu tun)

    Hutoberfläche glatt, unbeschuppt (die felderig aufgerissene Huthaut auf Bild 1 sieht mir eher nach Trockenschaden aus)

    Stieloberfläche blass ockergraubraun, könnte man im Schlüsseldeutsch als "weißlich" interpretieren

    Fleisch angedeutet grünlich (muss ich nach den vorliegenden Fotos interpretieren, würdest du sagen, dass das stimmt?)

    keine graugrüne Stielbasis


    erste Ideen:

    wenn angetrocknete Exemplare angenehm maggiartig riechen sollten => Bankera fuligineoalba

    wenn Latrinengeruch oder grünliche Flecken auftreten sollten => Sarcodon leucopus


    Liebe Grüße

    Oehrling

    Hallo Matthias,

    sehr schön, dass du dich noch dank des zusätzlichen Tests mit dem Namen deines Bestimmlinges belohnen konntest. Diese KOH-Reaktion an der Stielbasis hat außerdem noch die grünlichgelbe R. ochroleuca und, da bin ich mir allerdings nicht ganz sicher, eine Art aus der Stinktäublings-Gruppe. Dagegen habe ich bei Täublingen noch nichts von eventuellen KOH-Reaktionen im Fleisch oder auf der weißen Stielrinde gehört.

    FG

    Oehrling

    gerade wohne ich in Gießen, aber ich wollte mal in sowas richtig "uriges" gehen. Ich kenne Wälder aus Österreich die sind so schön da bleibt einem echt der Atem weg. So ohne Menschen, Wertholzlagerstätten und alle 500m Jägersitz. Welches Landkreis/Gemeindebezirk in Dtl würdet ihr empfehlen in dem man massig mit Pilzen rechnen kann? Ich bevorzuge Nadelwälder mit viel Moos. Nichts ausgefallenes, Röhrlinge, Schirmpilze, Hallimasch. Wenn es geht zwischen Hannover und Ulm

    Hallo Andi,


    nichts liegt mir ferner, als dein Weltbild zu zerstören, aber in Deutschland sind die urigsten Wälder nicht die pilzreichsten. Vor allem die vielfach vorhandenen "moosigen Nadelwälder" sind so ziemlich das Gegenteil von urig bzw. naturnah, das sind im Prinzip künstlich angelegte Holzplantagen, die daher auch im naturkundlichen Sinne nicht "Wald", sondern "Forst" genannt werden. Und die vom Klimawandel besonders stark negativ betroffen sind bzw. in denen sich Baumschädlinge rasend schnell verbreiten. Die österreichischen Nadelwälder, die sind wirklich urig, aber aus naturwissenschaftlicher Sicht etwas völlig Anderes als die zwischen Hannover und Ulm.


    Die urigsten Wälder zwischen Hannover und Ulm, die ich gesehen habe, findest du im nördlichsten Zipfel Hessens (google mal nach dem Begriff Sababurg), im westlichen Thüringen (google mal nach den Begriffen Eichsfeld oder Hainich) und auf der Schwäbischen Alb. Es handelt sich um Wälder mit Jahrhunderte alten Buchen und Eichen. Speisepilze gibt es da lange nicht so viele wie in Nadelbaumforsten. Vor allem die Kalkbuchenwälder auf der Schwäbischen Alb sind sehr speisepilzarm, obschon extrem urig und naturnah.


    FG

    Oehrling

    Hallo Ben,

    es gibt so rum fünf, sechs Täublinge mit dieser Hutfarbe. Scharfe oder gar giftige sind nicht darunter. Du könntest auf die Schnelle mal testen, ob die Lamellen beim Darüberfahren verschmieren oder absplittern. Wenn du es noch genauer wissen willst, solltest du die Farbe des Sporenpulvers ermitteln (im Angebot: weiß oder rahmgelb).

    FG

    Oehrling

    Hallo Michael,

    was in die Irre führt, ist der Name des Pilzes, denn in gefühlt 98 % aller Fundfälle hat er weiße Lamellen. Ansonsten erinnert er frappierend an einen Champignon (Hutoberfläche, Stielknolle, Größe...).

    FG

    Oehrling

    Hallo Andi,

    worauf bist du denn genau aus? Speisepilze, Mykologische Raritäten, Erweiterung der persönlichen Artenkenntnis?

    Du kannst auch mal auf die Bodenfeuchteprofil-Karte auf der Seite dwd.de, Rubrik "agrowetter" schauen (am besten drei Tage bevor du losziehen willst), wo es in Deutschland genug Feuchtigkeit hat, dass Pilze wachsen. Die vom Potential besten Wälder sind nix, wenn es nicht genügend Feuchtigkeit hat.

    Edit: z. B. erkennt man, dass es momentan in Südbayern recht gut sein muss, darüberhinaus in der Ulmer Gegend, im ehemaligen Dreiländereck BRD/DDR/CSSR ebenfalls und dann noch im südlichen Bayerwald und ganz im Norden in Schleswig-Holstein. Dagegen herrscht in dem von dir angegebenen Gebiet momentan flächendeckend ziemlich tote Hose. Aber das kann sich bis Oktober ja noch ändern.

    FG

    Oehrling

    Hallo Grüni,


    zu 1> vielleicht an der schon beim Jungexemplar felderig aufgerissenen Huthaut (auf diesem Foto nicht so deutlich erkennbar; wenn du auf die Bildmitte gedanklich eine Uhr legst, so etwa zwischen 12:00 und 12:13 Uhr halbwegs gut zu sehen, wie Habicht sagt; ich selber finde die Stelle Richtung 10:00 Uhr deutlicher) ? Oder daran, dass ein paar Zentimeter außerhalb des Bildrandes ausgewachsene Grüngefelderte, die auch wirklich grün sind, stehen :P?


    zu 2> um die 10 Teilnehmer, ich habe keine Statistik geführt


    zu 3> da wünsche ich dir, das sich das bald ändert, denn der Reifpilz und der Grüngefelderte Täubling schmecken beide ganz hervorragend


    Liebe Grüße

    Oehrling

    Hallo Angelika,

    Gratulation zu deinen tollen Funden. Die Ungleichverteilung von Pilzen über wenige Kilometer Entfernung kann daran liegen, dass zuvor kleinflächige Platz- oder Gewitterregen niedergegangen sind, und da hat das eine Gebiet profitieren können, das andere nicht. In unserer Gegend ist das ähnlich. Wir haben bei unseren Exkursionen schon erlebt, dass es nichts gab, als jemand meinte: lass uns doch noch mal nach ... fahren (10 Minuten weiter), und da gab es dann reichlich.

    FG

    Oehrling

    Hallo Matthias,


    unstrittig dürfte sein, dass es sich um einen Täubling aus der Sektion Ingratulae und hier aus der Gruppe um R. amoenolens, also einen Kammtäubling i. w. S. handelt. Diese haben oft einen markanten Geruch und sind teilweise scharf bzw. kratzend im Geschmack. Dagegen ist R. insignis mild und weitgehend geruchlos, was deinen Angaben entspricht. Die von dir angegebenen bzw. gezeigten Mikromerkmale passen auch sehr gut zu R. insignis, vor allem diese rauen Huthautelemente, die zusätzlich zu den gewöhnlichen Dermatozystiden auftreten. R. pectinatiodes/praetervisa/livescens (Kratzender Kammtäubling) hätte etwas größere Sporen als die von dir gemessenen, dagegen passt die Sporengröße auch bestens zu R. insignis. Die übrigen in dieser Gruppe: R. sororia, R. pectinata und R. amoenolens sind alle fühlbar scharf.

    Leider gibt es aber ein Problem: R. insignis hat laut Literatur gelbliches Velum an der Stielbasis und sogar am Hutrand (das sind diese unter dem Mikroskop rauen Huthautelemente). Beides reagiert mit KOH freudig rostrot. Da du geschrieben hast, dass der gesamte Stiel, also auch die Stielbasis weiß gewesen sei (Edit: stimmt das wirklich? dein Foto suggeriert etwas anderes) und mit KOH gar nicht reagiert hätte, spricht das wiederum gegen R. insignis. Daher kann man das nicht ohne weiteres als R. insignis durchwinken, so naheliegend das hier auch wäre.


    FG

    Oehrling

    Hallo zusammen,


    das Level 3 ist erreicht, nach den sehr guten Ergebnissen auf den ersten beiden Levels dürfte es jetzt (hoffentlich?) etwas ungemütlicher werden. Das soll euch aber nicht davon abhalten, weiter fleißig PN zu verschicken. Schon für die richtige Gattung gibt es einen Punkt, auf die richtige Art dann den zweiten. Man holt also schon Punkte, wenn man die Gattung hat. Und nun die Kandidaten:


    Pilz 1: gewachsen im alpinen Lärchen-/Zirben-Wald auf ca. 1800 m NN; ärgerlicherweise ist er mir beim Herausnehmen zerbrochen, und an diesem Tag gab es partout keinen Besseren; ich hoffe, ihr könnt aus den Bruchstücken das Richtige herausinterpretieren

    pilzforum.eu/attachment/330991/


    Pilz 2: den hingegen habe ich im Ganzen unter einer vorspringenden Baumwurzel einer Buche hervorholen können; die Buche stand auf ca. 500 m NN im Stadtgebiet Klagenfurt

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    Pilz 3: gewachsen im montanen Nadelwald (ca. 800 m NN); korkartig zähes Fleisch, nach Suppengewürz riechend, Grashalme umwachsend (siehe oberes Exemplar)

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    Pilz 4: gewachsen im Lärchen-/Zirben-Wald auf ca. 1800 m NN; achtet auf die Verfärbungen am Hut, die geben einen guten Hinweis

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    Pilz 5: gewachsen im Fichtenwald mit eingestreuten Buchen auf ca. 1200 m NN (einem sogenannten "Stachelings-Hotspot"), zwei Exemplare übereinander (der untere kleinere wuchs im 90-Grad-Winkel zum oberen größeren), der Pilz hatte allerdings keine Stacheln auf der Unterseite, übrigens auch keine Lamellen, und schmeckte nach etwas Kauen bitter

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    Pilz 6: die hingegen schmeckten nicht bitter und landeten infolgedessen in der Pfanne, in der sie durch ihre schöne Farbe herausstachen

    pilzforum.eu/attachment/331016/


    Also dann frohes Weiterraten, die Auflösung dann wieder in zwei Tagen.


    FG

    Oehrling