Daß sich im Klima was verändert ist ja klar, da braucht man nicht mehr drüber zu diskutieren. Daß "Spezies Mensch" ein relevanter Faktor im Muster dieser Veränderungen ist, ist ebenso keine Glaubensfrage, sondern eine Tatsache.
Problematisch wird's dann, wenn Begriffe wie "Klimakatastrophe" ins Spiel kommen, denn das impliziert immer eine naturgemäß subjektive Dramatisierung und ist für die Diskussion nicht unbedingt förderlich. Auch wenn ich deine Ansicht ansonsten in den allermeisten Punkten teile, Magellan. "Klimawandel" ist besser, weil neutraler und sachlicher. Wenn wir die Sachlichkeit verlieren, gerät das in ein emotionales, affektgesteuertes Fahrwasser und es kommt nichts zielführendes mehr raus.
Servus Pablo,
diese Form der Versachlichung erinnert mich ein bisserl an Russland. Dort sagte man nicht "Umweltzerstörung", sondern "Landschaftstransformation". Die Extremform der Landschaftstransformation findet man auf manchen Flächen auf der Kola-Halbinsel, an denen man es geschafft hat, eine völlig abiotische, sprich keimfreie Landschaft zu erzeugen (ob mittlerweile wieder von Bakterien besiedelt, weiß ich nicht - ich habe einen Vortrag darüber in Russland gehört, wo Beispiele für diese extremste Form der Landschaftstransformation gezeigt wurden - ich weiß auch nicht, ob nicht doch das eine oder andere Bakterium dort überleben konnte).
Analog kann man natürlich den Klimawandel immer sachlich neutral Klimawandel nennen. Katastrophe ist reißerisch - aber sie droht uns. Und wenn man das nicht zum Ausdruck bringt, dann klingt es mir zu harmlos, ehrlich gesagt.
Was ist eine Katastrophe? Waldbrände in Brandenburg, Milliardenschäden in der Forstwirtschaft, mehrere Hitzejahre wie 2018 hintereinander? Vielleicht nicht hier für uns. Deutschland hat das Glück, für verschiedene Szenarien ganz gut zu liegen - nicht zu weit weg von den Meeren, Gebirge, die Mischungen zu unterschiedlicher Luftmassen verhindern usw. Aber an anderen Orten der Welt kann es zu katastrophalen Szenarien kommen.
Ausbreitung von Wüsten, mangelndes Trinkwasser, Zusammenbruch der Landwirtschaft. Es kann auch zu einem Krieg um Wasser kommen - wenn schon jetzt über zu viel Migration gemäkelt wird, wie sieht es dann aus, wenn Landstriche für uns nicht mehr wirklich bewohnbar sind (ohne großen technischen Aufwand)?
Es droht eben eine Katastrophe. Man kann es auch pekuniär ausdrücken - die Schäden durch Witterungsextreme nehmen zu, frag mal die Rückversicherungen...
Das Hauptproblem: man weiß nicht, wie die Zukunft aussehen wird. Aber man kann versuchen, zu modellieren. Im Moment ist der Trend in dem Bereich, was die meisten Modelle als "Worst Case" angesetzt hatten. Genauere Messungen der Meerestemperaturen zeigen, dass es schlimmer ist, als gedacht.
Würden wir die ominöse 2-Kelvin-Marke überschreiten, dann ist der weitere Verlauf nicht mehr sauber vorhersagbar. Deshalb warnen die Klimaforscher, hier nicht zu pokern.
Und ja, seit dem Ende der sog. Kleinen Eiszeit steigt die Durchschnittstemperatur global linear an. Grund dafür sind Feed-Back-Schleifen. Aber seitdem wir als Menschheit große Mengen CO2 in die Atmosphäre pusten, steigt die Temperatur exponentiell an. Den Menschen als Auslöser der Verschärfung des natürlichen Klimawandels als unsicher zu bezeichnen (wie es hier in der Diskussion passierte - bezieht sich nicht auf dich, Pablo), widerspricht der Datengrundlage. Beweisbar ist natürlich nichts, aber es ist sehr plausibel, dass die Menschheit hauptverantwortlich ist.
Zur Erklärung zeige ich mal eine natürliche Feed-Back-Schleife:
Angenommen es wird, warum auch immer, wärmer...
daraus folgt: mehr Wasser verdunstet, mehr Wasser ist als Wasserdampf (Gasphase) in der Atmopshäre
Wasserdampf reflektiert einen Teil der Infrarotstrahlung. Trifft Sonnenlicht auf die Planetenoberfläche, so erwärmte sich diese. Einen Teil der Energie gibt sie als Infrarotstrahlung wieder ab. Wird ein Teil davon von der Atmosphäre reflektiert, wärmt sich die Oberfläche so lange auf, bis wieder Abstrahlung und Einstrahlung im Gleichgewicht sind - das nennt sich Treiubhauseffekt.
Zurück zum Wasserdampf - mehr Wasserdampf in der Atmosphäre sorgt für einen stärkeren Treibhauseffekt
die Folge: es wird noch wärmer. Dann verdunstet noch mehr Wasser, was zu einer Verstärkung des Treibhauseffelts führt (undsoweiter).
Nächstes Problem:
Im Wasser ist Kohlenstoffdioxid gelöst (teils als Kohlensäure). Kaltes Wasser kann mehr davon lösen als warmes.
Je stärker der Treibhauseffekt, umso wärmer es wird, umso mehr CO2 wird aus den Ozeanen freigesetzt. Da auch CO2 ein Treibhausgas ist, verstärkt es den Treibhauseffekt.
Die Folge: es wird noch wärmer, das heißt noch mehr Wasserdampf in der Atmosphäre und noch mehr CO2... die Folge: noch stärkerer Treibhauseffekt...
(das geht auch andersherum - das Klima ist selten stabil, es geht immer langfristig bergauf oder bergab mit den Temperaturen, bergab bis zur Eiszeit / Kaltzeit)
Jetzt pumpen wir in diesen bereits ablaufenden Teufelskreis immer mehr CO2 und Methan in die Atmosphäre - was ist die Folge? Der Teufelskreis wird noch verstärkt!
Und was ist jetzt aktuell ein Problem? Der Permafrostboden taut auf und setzt in der Arktis große Mengen Methan frei (das ist nicht umkehrbar, hier haben wir ein echtes Problem) - Methan ist viel treibhauseffektiver als CO2.
Was kann der Einzelne tun? Das ist schwierig. Würde ich ab jetzt nicht mehr mit dem Auto fahren, dann würde man den Effekt nicht bemerken. Wenn aber plötzlich 5 Milliarden Menschen mit dem Auto fahren, ja dann....
Wenn ich eine Öllampe benutzen würde... was soll's? Wenn wir als Gesamtmenschheit mit bald 10 Milliarden Individuen Kohlenstoffdioxid, der in Millionen von Jahren fixiert wurde, in Jahrzehnten freisetzen (Erdöl verarbeiten und verbrennen), dann ist das was anderes.
Negieren wir aber die Treibhauswirkung von CO2 und zweifeln daran, dass die Milliarden an Menschen als Gesamtheit schuld sind, dann werden wir auch gemeinsam so weiter machen wie bisher - dann wird der Klimawandel sehr spannend werden. Ich behaupte mal, dann steht uns eine Katastrophe bevor.
Liebe Grüße,
Christoph