Beiträge von Tricholomopsis

    Servus Karl,


    ich selber habe bislang auch nur dreimal Protostropharia dorsipora in Händen gehabt - zweimal mittlerweile bei mir: der Fund aus Mammendorf, den ich publiziert habe, wurde offenbar in Pilze-Deutschland eingegeben und den zweiten aus Haspelmoor habe ich ja hier gezeigt - und den dritten hatte ich in Österreich (Steiermark, Semriach, auf Pferdekoppel - leg. Inge Rössl, zusammen mit Protostropharia semiglobata auf Pferdeäpfeln in der Nähe). Ich habe blöderweise erst fotografiert, dann mikroskopiert. Für das Foto habe ich die zwei Äpfel nebeneinander gelegt. Der aufrecht stehende Fruchtkörper mit dem kräftigeren Stiel (noch jung) ist Protostropharia semiglobata, die beiden anderen dünnstieligen sind Protostropharia dorsipora.


    Protostropharia dorsipora (liegend), Protostropharia semiglobata (stehend).


    Damals hatte ich eine Mykologin aus Vorarlberg gebeten, bei sich mal die Protostropharien an Pferdeäpfeln zu prüfen und kurz darauf hatte sie den Erstnachweis für Vorarlberg - seitdem hat sie die Art auch nicht mehr finden können. Vielleicht gibt es gute und schlechte Protostropharia-dorsipora-Jahre. Möglicherweise kann man die Art jetzt wieder öfter finden.


    Hallo Christoph,

    seit 2015 habe ich 10 Funde von Protostropharia auf Pferdedung untersucht und bisher immer P. semiglobata gefunden.


    Auf Pilze-Deutschland sind wie gesagt erst zwei Fundpunkte zu sehen. Ganz so selten kann die Art eigentlich nicht sein, denn soooo viele Pferdeäpfel habe ich jetzt nicht nicht beprobt und wurde dennoch fündig. Daher wünsche ich viel Geduld und viel Erfolg, falls du dich von den 10 Pr. semiglobata hast "frustrieren" lassen.


    Wie gesagt: Stiele recht dünn, Geruch der Lamellen nach Zerdrücken mit Mehlkomponente - will sagen: Suchaufruf an alle, die nicht an Pilzen an Dung vorbeigehen :)


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Gern geschehen, Nobi,


    ich vermute, dass - wie auch bei anderen Dungpilzen - die Voraussetzung des Vorkommens eine Darmpassage der Sporen ist. Pferde, die im Stall stehen und nur zum Ausreiten rauskommen, dürften keine Protostropharia auf ihrem Dung erzeugen.


    Wir haben hier in der Gegend ein paar Pferdekoppeln - ich gehe davon aus, dass von diesen Pferden auch jeweils die Äpfel sind, auf denen dann die Protostropharia wächst. Protostropharia semiglobata geht auch an Pferd, während Protostropharia dorsipora zumindest in Europa nur von Pferd bekannt ist.


    Ich vermute, dass die Dungträuschlinge (wie auch die echten Träuschlinge) nematophag sind, also Fadenwürmer töten und auffressen. Sie haben aber Acanthocystiden anstatt der Acanthocysten der echten Träuschlinge. Das würde auch ein bisserl das Auftraten auf älterem Dung erklären, da ja erstmal genug Nematoden gefangen werden müssen, um genug Stickstoff für die Fruchtkörperbildung aufzubringen. Ist aber nur rein spekulativ.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Jörg,


    ich fürchte, dein Egerling bleibt unbestimmt. Erstmal bräuchte man die Sektion. Sektion Agaricus ist wegen der jung zu blassen Lamellen m.E. draußen (auch da gibt es braunhütige, die etwas röten). Das Velum universale scheint auf den unteren Stielbereich beschränkt zu sein, was in der Tat für die Sektion Sylvatici sprechen würde (im engen Sinn, da sind manche "Blutegerlinge" mittlerweile rausgeflogen) - zusammen mit dem hängenden Ring. Man bräuchte die Form der Cheilocystiden bzw. ob diese mehrzellige Ketten bilden. Und die KOH-Reaktion auf dem Hut. Dann könnte man weiterreden.


    Parra erkennt übrigens Agaricus fuscofibrillosus nicht als eigenständige Art an.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Beli,


    nein, Cyathus!


    (Kleiner Scherz am Rande...)


    Mit Cyathus olla hast du natürlich recht. Der Fund stammt aus der Pfalz - also der Rheinland-Pfalz (nicht der Oberpfalz, aber die Rheinland-Pfalz gehörte auch mal zu Bayern... - die Oberpfalz sowieso). Was ich sagen will: im Vergleich zu hier fast schon "mediterran" (Cyathus olla gibt es aber auch hier in Oberbayern).


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Schupfnudel,


    der erste ist ein Rötling - Entoloma.


    Der zweite, der Ackerling, sieht wirklich wie Agrocybe elatella aus. Ist aber mikroskopierpflichtig, sage ich mal so. Die Lamellenschneide müsste völlig steril sein (bei Agrocybe praecox agg. sind immer wieder fertile Bereiche vorhanden).


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Wutzi,


    Hydropus subalpinus ist ziemlich häufig - ich finde den jedes Jahr in "meinen" Kalkbuchenwäldern.


    Ich habe aber auch erst drei Arten aus der Gattung selbst gefunden, darunter neben H. subalpinus noch Hydropus marginellus (im Bayerischen Wald teils sehr häufig an alten Tannenstubben) und einmal Hydropus atramentarius, den Schwärzenden Wasserfuß (er ist leider vom Aussterben bedroht), im Nationalpark Bayerischer Wald in einem Urwaldrest.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    hier noch ein - wie ich finde - ideales Bild des scheinbar aufsteigenden hängenden Ringes, der in Wirklichkeit nach unten abziehbar ist - aus Parra (2008: 591 - fig. 122). Schön sieht man auch die safranorange Verfärbung des Fleisches.


    Der dicke Pfeil zeigt den kleinen Spalt zwischen Ring und Stiel, der kleine Pfeil zeigt, wie der Ring aus dem von unten kommenden Velum universale gebildet wird. (Pfeile aus dem Original)


    Genau genommen müsste man wohl sagen, dass der kleine Pfeil das Cauloblem zeigt und der dicke Ring aus Cauloblem und Pileoblem zusammengesetzt ist - das Lipsamoblem dürfte fehlen, da sonst der Spalt nicht erklärbar ist bzw. es war in sehr jungen Fruchtkörpern eventuell vorhanden, reißt aber vom Stiel ab...


    Hinsichtlich dieses komplexen Ringaufbaus sind Agaricus subfloccosus und Agaricus bisporus gleich. Daran kann man die beiden innerhalb der Sektion Bivelares gut erkennen. Die Abgrenzung zueinander ist halt etwas schwierig.

    Am Zuchtegerling müsste jeder diesen Ring selbst nachvollziehen können - einfach kaufen und aufschneiden ==Gnolm7


    Die Begriffe Cauloblem, Pileoblem, Lipsanoblem verwende ich nach Clemencon (z.B. im Beiheft 12 zur Z. Mykol., Großpilze im Mikroskop - abolut lesenswert!).


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Jörg,


    was du zeigst, ist eine typische Helvella sulcata. Der sattelförmige Hut passt sehr gut dazu. Ob der Artrang aber berechtigt ist, kann ich nicht beurteilen. Das Fruktifizieren im Frühling ist auch typisch für Helvella sulcata.


    Liebe Grüße

    Christoph

    Servus Pablo,


    ehrlich gesagt sieht für mich ein "Polyporus" arcularius klassischen Lentinus-Arten ähnlicher, als er z.B. den schwarzfüßigen Polypori sieht. Dass "Polyporus" arcularius, "Polyporus" cilitaus/lepideus und "Polyporus" brumale zu Lentinus gehören, empfinde ich als gut nachvollziehbar. Der Unterschied zwischen Lamelle und Pore ist gering und man sieht alle Übergänge.


    Im allgemeinen Sprachgebrauch bin ich auch noch bei "Polyporus lepideus", aber das ist zumindest bei mir reine Faulheit. Genauso sage ich auch noch Phellinus zu allen möglichen Arten dieser ehemals großen Gattung.


    Für den "Hausgebrauch" ist es relativ egal, da sagt man auch noch "Boletus" zu allen dickeren Röhrlingen.


    Taxonomisch... Ja, schon richtig daß es sich genetisch belegen lässt, daß zumindest eine Gruppe aus Polyporus s.l. recht nahe mit zumindest einer gruppe aus Lentinus s.l. zusammen steht. Besonders praktikabel ist es nicht, weil morphologisch die Trennmerkmale halt weniger eindeutig sind (zur Rechtfertigung einer Trennung auf Gattungsebene). Den Gedanken, das einfach als "Polyporus s.l." stehen zu lassen, finde ich im grunde nicht so schlecht.

    Aber gerade hier finde ich es gut nachvollziehbar. Vergleiche mal Lentinus tigrinus und Lentinus arcularius von oben. Und dann dreh mal beide um - Lentinus arcularius hat ja fast Lamellen - die Poren sind langgezogen und schon rautenförmig. Nimmt man den Typ der Behaarung, die Hutrandbewinperung und die Ausprägung des Stiels, dann sind (für mich) die drei Porlinge (Weitlöchriger, Winter- und Maiporling) sogar ziemlich typische Lentinus-Arten.


    Die Neuordnung war überfällig. Und hier wurde ja schon 1993 - damals noch mit RFLPs - diese Zuordnung entdeckt - Hibbet & Vilgalys (1993): Evolutionary Reletionsships of Lentinus to the Polyporaceae: Evidence from Restriction Analysis of Enzymatically Amplified Ribosomal DNA. Mycologa 83(4): 425-439.


    ==Gnolm13


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    bei einem Abendgassigang (Freitag Abend) mit meiner Hündin Tapsie hatte ich eine Gruppe Champignons entdeckt, die am Wegrand fruktifzierten. Grund genug, nochmal mit Kamera und Stativ hinzufahren. Also bin ich gestern los und habe den Fundort aufgesucht. Im Moment herrscht hier eine schwüle Hitze, sodass etwas Eile angesagt war, bevor die Fruchtkörper überaltern oder weggefressen werden.


    Diesen Fund möchte ich gerne vorstellen und die Abgrenzung, soweit möglich, von Agaricus bisporus var. eurotetrasporus diskutieren.


    Die Bestimmung von Egerlingen kann etwas tricky sein. Kommt man aber erstmal in die richtige Sektion, wird die Artenauswahl schnell übersichtlicher. Hier haben wir einen Vertreter von Agaricus sect. Bivelares, zu der auch der Zuchtegerling und der Stadtchampignon gehören.


    Hier erstmal zwei Fotos:



    Man sieht schön die weißen Rhizomorphen am rechten Fruchtkörper


    Das Velum universale ist sehr flockig, aber deutlich ausgeprägt. Es bildet auf dem Hut Hüllreste, die an Amanita erinnern, also kleine Flockenpusteln in cremegelblichweiß:



    Der Hut ist relativ glatt, bildet nur sehr deutlich anliegende, faserige Schuppen, die nicht sehr kontrastieren (etwas Grau ist mit drin bei alten Schlappen).

    Der Stiel ist zylindrisch mit einer kleinen, aber deutlichen Basalknolle, die basal abgerundet ist. Eine Volva ist nicht ausgeprägt, man erkennt aber das Velum universale durch feineflockige Velumgürtel/-zonen. Oberhalb des Rings ist der Stiel relativ glatt.




    Die Stielbasis zeigt teils deutliche, weiße Rhizomorphen.

    Der Ring ist jung scheinbar hängend, aber in Wirklichkeit nach unten abziehbar, also aufsteigend - sprich: das Velum universale ist Hauptanteilsträger des Rings:

    Hier sieht man gut, dass der Ring nach unten abziehbar ist.


    Parra (2008) hat das schön abgebildet - ich zeige das Merkmal an seiner Abbilung von Agaricus bisporus, der den gleichen Ringtyp besitzt:


    Man sieht das auch bei meiner Kollektion (etwas unscharf, weil rausvergrößert):



    Der dicke Ring ist am Stiel innen nach oben gebogen, aber es gibt eine kleine Unterbrechung zwischen Ring und Stiel, die sich beim Ausreifen bildet. Zieht man vorsichtig am Ring, so kann man ihn nur nach unten abziehen, nicht nach oben.


    Das Fleisch verfärbt sich bei jungen Fruchtkörpern safranorange wie der Safranschirmling (habe ich erst gesehen, als ich den Dörrex bestückt hatte; die, die ich für die Fotos aufgeschnitten hatte, waren schon "zu durch" und verfärbten rotbraun. Die mehr safranorange verfärbenden Fruchtkörper dunkeln aber auch zu einem braunrot nach. Weder Fleisch noch Hut reagieren mit KOH.


    (Keine KOH-Reaktion)


    Der Stiel fleckt übrigens auch bei purem Anfassen. Die Stielbasis zeigt teils deutliche, weiße Rhizomorphen.

    Der Geruch ist sehr intensiv, nach Zuchtchampignon mit der üblichen Maggikomponente. Auch die alten Schlappen der Kollektion rochen noch sehr angenehm würzig.


    Aufgrund des nach unten abziehbaren Rings hatte ich im Gelände auf Agaricus bisporus getippt. Wer mit Ludwig (2007) bestimmt, muss aufpassen, denn laut Ludwig (2007) hätte Agaricus bisporus einen hängenden, nach oben abziehbaren Ring, was nicht stimmt. Auch die Abbildungen im Ludwig (2007) sind hier teils zu hinterfragen, da der Ring jeweils (bewusst?) herabhängend gezeichnet wurde.


    Im Mikroskop erkennt man direkt 4-sporige Basidien.


    (Die Basidien ziegen die gleiche Nekropigmentierung wie ich dies von Agaricus bisporus kenne.)


    Also nicht Agaricus bisporus?


    Es gibt aber mit Agaricus bisporus var. eurotetrasporus auch eine viersporige Varietät. Diese teilt sich mit Agaricus subfloccosus so viele Merkmale, dass Parra (2008) die ITS als Beschreibungsmerkmal mit reinnimmt und auch im Schlüssel mit der ITS schlüsselt!

    Kann man die beiden dann überhaupt klassisch trennen?


    Ehrlich gesagt weiß ich es nicht. Ich kann da ja auch nur die Beschreibungen interpretieren. Parra gibt an, die Cheilocystiden seien bei Agaricus subfloccosus länger und breiter als bei A. bisporus var. eurotetrasporus. Ich habe extra einen älteren Fruchtkörper auf die Cheilocystiden hin untersucht... die Schneide ist natürlich steril und komplett mit Cheilocystiden besetzt, aber die Maße schließen A. bisporus var. eurotetrasporus bei meinem Fund nicht aus. Ich messe 28 - 50 x 7- 13 µm bei dem hier vorgestellten Fund.


    Cheilocystide


    Parra (2008) schlüsselt für A. bisporus var. eurotetrasporus: Cheilocystiden 15-48 x 7-13(-19) µm

    und für Agaricus subfloccosus gibt er an: Cheilocystiden 25-58(-77) x 10-17 µm

    Die breite passt also bei meinem Pilz besser auf Agaricus bisporus var eurotetrasporus. Allerdings zweifle ich die Aussagekraft ein wenig - die Größe scheint variabel zu sein - man sehe auch die Klammerwerte... die Form - meist keulenförmig, ist bei beiden gleich.

    Wo aber ist der Unterschied dann festzumachen? Das flockige Velum können beide haben und Agaricus bisporus mit Hüllresten am Hut gibt es...

    Schauen wir die Sporen an:

    Ich messe bei meinem Fund 5,5-6,2-7,0(-7,5) x 4,25-4,75-5,0(-5,75) µm

    Q = 1,15-1,31-1,5


    Sporen


    Auffällig sind die oftmals sehr breitellipsoiden bzw. subglobosen Sporen. Und sie sind ziemlich klein.

    Parra gibt für die beiden Arten an:


    A. bisporus var. eurotetrasporus: 6-6,95-8(-8,5) x 4,2-5-5,5(-6) µm; Q = 1,29-1,38-1,5

    A. subfloccosus: 5,5-6,3-7(-7,5) x 4-4,65-5,2(-5,8) µm; Q = 1,15-1,35-1,56


    Schauen wir in die Originalbeschreibung von Agaricus bisporus var. eurotetrasporus (Callac et al. 2003):


    [Q = (1.2–) 1.36–1.41–1.45 (–1.7)], (5.7–) 6.3–7.5 (–8.5) x (4–) 4.5–5.3 (–6) µm, the mean 6.9 x 4.9 µm, two collections, N = 120 for each.


    Die Sporen sind also einen Tick kleiner bei Agaricus subfloccosus und im Quotienten etwas kleiner - das passt sehr gut zu meinem Fund.

    Die Verfärbung in Richtung safranorange habe ich bei "normalen" Agaricus bisporus var. bisporus noch nicht gesehen, wobei ich da einschränken muss, dass Callac et al. (2003) genau das auch für Agaricus bisporus var. eurotetrasporus so angeben. Das Merkmal kann man also auch nicht zur Trennung heranziehen.


    Zusammengefasst:


    Die Makroskopie mit dem sehr flockigen Velum universale passt sehr gut, schließt aber Agaricus bisporus var. eurotetrasporus nicht aus (nur sollte dieser nur relativ kleine Fruchtkörper ausbilden, während A. subfloccosus auch kräftig sein kann - wie bei meinem Funf mit Hutdruchmesser bis 15 cm - aber auch da befürchte ich eine recht grpße Variatioinsbreite...


    Die Sporenmaße und vor allem die Form (Q-Wert) scheinen allerdings die beiden Taxa aber zutrennen, ohne sequenzieren zu müssen.

    Man muss aber auch auf Agaricus bisporus var. eurotetrasporus achten. Ginge man nach Ludwig (2007), so würde auch jeder Fund von Agaricus bisporus var. eurotetrasporus als Agaricus subfloccosus angesprochen werden, da er hier nach Abziehbarkeit des Rings geht , was Ludwig falsch angegeben bzw. interpretiert hat: die beiden unterscheiden sich hier nicht - beide haben einen nach unten abziehbaren Ring!


    Und wie kommt man überhaupt auf die Sektion, um dann zu schlüsseln?!


    Hier geht es recht einfach... Ich habe die Schaeffer-Reaktion nicht getestet (habe kein Anilin zuhause), aber die Kombination "Ring nach unten abziehbar", "KOH-Reaktion negativ", "Fruchtkörper nicht gilbend", "Fleisch rötend bzw. rotbraun verfärbend", "Velum universale deutlich ausgeprägt, am Stiel mit Bändern" lässt nur noch zwei Sektionen zu: Agaricus sect. Bivelares und Agaricus sect. Chitonioides.


    Letztere enthält Arten mit deutlicher Volva und basaler Stielknolle, die aber nach unten zugespitzt ist und nicht abgerundet oder der Stiel wird nach unten hin immer dünner, der Ring sitzt tief (eben: Volva).


    Der zylindrische Stiel mit der basal gerundeten Knolle und der recht weit oben sitzende Ring führen in die Sektion Bivelares. Hier führt der nach unten abziehbare Ring (und: nur ein Ring) in die Artengruppe um Agaricus bisporus / Agaricus subfloccosus.


    Nebenbei angemerkt: Agaricus subfloccosus bildet zwar viersporige Basidien, soll sich aber nur selbst befruchten, hat also auch keinen (oder kaum) Genaustausch... Daher kann man ihn gut züchten, was auch schon geschehen ist. Ob man ihn auch bei uns als Kulturegerling kaufen kann, weiß ich aber nicht.

    Der Fundort ist östlich von Mammendorf, an der Straße / dem Waldweg von der B2 nach Galgen, direkt am Wegrand.


    Liebe Grüße,

    Christoph


    Literatur:

    Callac P., Jacobé de Haut I., Imbernon M., Guinberteau J., Desmerger C. & Theochari I. (2003): A novel homothallic variety of Agaricus bisporus comprises rare tetrasporic isolates from Europe. Mycologia 95(2): 222-231, DOI: 10.1080/15572536.2004.11833107

    Ludwig E. (2007): Pilzkompendium. Bd. 2. Die größeren Gattungen der Agaricales mit farbigem Sporenpulver (ausgenommen Cortinariaceae). Bild- und Textband.

    Parra L.A.P. (2008): Agaricus L. Allopsalliota Nauta & Bas Tribus Agariceae S. Imai Part I.

    Servus Rotfüßchen,


    es freut mich, dass du durch das Posting den Schiefporigen Dungträuschling kennengelernt hast - wenn man selber von solchen Pilzen begeistert ist, freut es einen immer, wenn auch andere sich davon anstecken lassen. ==Gnolm8 Das geht vermutlich allen so, die hier ihre Pilze vorstellen. Trotz aller "Wissenschaftlichkeit" geht es ja dennoch um Emotion und um das Naturerlebnis.


    Stell dich zudem bitte nicht zu sehr unter den Scheffel. Außerdem kannst du hier auch makroskopisch bzw. olfaktorisch vorgehen. Pferdeäpfel mit solchen Träuschlingen i.w.S. dran, findet man ja immer wieder mal. Und wenn dann die Stiele nicht zu dick sind, sondern eher dünner (also eher 4 mm statt 7-8 mm) und dann noch nach dem Zerdrücken der Lamellen ein Mehlgeruch feststellbar ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit, diese Art gefunden zu haben, sehr groß (sage ich mal so). Und es findet sich dann immer jemand, der per Mikroskop nachbestimmt (kann ich beispielsweise sehr gerne machen).


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Jürgi,


    es gibt soooo viele Lamellenpilze. Nicht jeder, der auf der Wiese wächst, ist ein Wiesenchampignon. Stefan hat ihn bereits richtig bestimmt. Ich empfehle dringend, Gattungsmerkmale zu beachten - Egerlinge / Champignons haben freie Lamellen, also Lamellen, die den Stiel nicht erreichen (eigentlich ist der Stiel "frei von Lamellen", aber im Fachchinesisch sagt an eben "freie Lamellen"). Allein das ist hier ein 100%iges Ausschlusskriterium. Wenn du genau hinschaust (notfalls Lupe, Fruchtkörper durchschneiden), dann wirst du feststellen, dass sie hier am Stiel angewachsen sind.


    Egerlinge haben auch nie diesen Blauton in den Lamellen. Bei Egerlingen wären sie jung graurosalich bis rosa, alt färben sie von den Sporen verursacht in ein dunkles Schokoladenbraun um. Und es gibt auch giftige Egerlinge. Auch da muss man noch aufpassen.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    schon am Montag hatte Boris Zurinski (der mich besucht hat) bei einer gemeinsamen Exkursion einen Pferdeapfel mit Protostropharia erspechtet. Wir haben aber nur von der Sonne ausgedörrte Exemplare gefunden. Natürlich nimmt man auch das mit - das spart Energie für den Dörrex - und schaut mal rein. Und siehe da, der Keimporus war dorsal verschoben, schräg ansitzend. Inosfern klarerweise Protostropharia dorsipora.


    Jetzt hatte es Dienstag und Mittwoch durchgeregnet - und am Vatertag war wieder strahlender Sonnenschein. Also los, hin zum Fundort und nochmal nachgesehen - und ja! Zwei Fruchtkörper sind nachgewachsen. Jetzt waren sie frisch und in bestem Zustand. Ein leichtes Zwerdrücken von Lamellen ergab auch den für die Art typischen Mehlgeruch (nur so dran gerochen hat man den üblichen Pilzgeruch, den auch Protostropharia semiglobata aufweist). Der Stiel ist auch dünner, die Fruchtkörper nicht ganz so kräftig wie der Halbkugelige Dungträuschling. Pr. dorsipora scheint bei uns auch nur an Pferdeäpfeln zu wachsen.


    Es gibt weitere Unterscheidungsmerkmale zu Protostropharia semiglobata und zu den Gattungsgenossen, aber (Stand jetzt) ist es die einzige Art mit einem solch verschobenen Keimporus. Einen Schlüssel und die Beschreibung des Erstnachweises von Pr. dorsipora für Bayern habe ich in der Mycologia Bavarica 15 veröffentlicht (es gibt weitere Arten bei uns). Da die meisten Bücher nur eine einzige Art abbilden, nämlich Protostropharia semiglobata, werden andere Arten vermutlich meist übersehen.


    Für die Dung-Fans: an Hirschdung findet man potentiell Protostropharia alcis - der nicht nur an Elch vorkommt.


    Jetzt aber zurück zur Protostropharia dorsipora...


    Übersichtsfoto mit Substrat (Pferdeapfel)


    Etwas näher betrachtet - man sieht schön das gelbe Velum universale, das auch die Ringzone verursacht.


    Stielbasis mit Velum universale, das fast eine Volva bildet (natürlich verklebt mit dem Stiel)


    Man sieht hier schön, dass auch der Ring gelblich ist - er ist kein Teilvelum,sondern wird von der Gesamthülle gebildet.


    Die Lamellen zeigen diesen schönen graublauen Ton und sind ausgebuchtet angewachsen.


    Nun noch ein paar Sporen, an denen man sehr gut den verschobenen Keimporus erkennen kann. Da die Sporen sehr groß werden (über 20 x 10 µm) ist das leicht zu erkennen, zumal der Porus recht breit ist und die Sporenwand dick. Die Sporen wurden in Wasser untersucht. In KOH quellen die Wände extrem auf - solche Bilder findet man im Netz, aber so sehen die Sporen lebendig nicht aus.



    Hier können nicht nur Dung-Spezialisten zuschlagen, nein, diese großen, auffälligen Pilze kann jeder sammeln. Schaut mal, ob ihr auch Pr. dorsipora finden könnt. Es ist im Moment ziemlich unklar, wie häufig die Art ist. Ich habe nach dem ersten Fund jetzt ein paar Jahre warten müssen, bis ich wieder einen unter der Linse hatte. Es besteht hier noch Kartierungs- bzw. Forschungsbedarf.

    (Können die hiesigen Dung-Experten was dazu sagen oder ist euch der Pilz "zu groß"?)


    Der hier vorgestellte Fund ist aus Oberbayern, Lkr. Fürstenfeldbruck, Gemeinde Hattenhofen, Ortsteil Haspelmoor - direkt südlich der Bahnstrecke.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Rotfüßchen,


    ich kann nur Stefan recht geben - Flämmling ja, aber ob G. penetrans kann auch ich nur anhand des Fotos nicht sagen. Leider sieht man nur einen Fruchtkörper von unten / der Seite und da ist der Stiel ein bisserl verwachsen und vielleicht untypisch. Gymnopilus sapineus kann ähnlich aussehen - hat aber gerne leuchtender gelbe Lamellen. Gymnopilus penetrans ist daher wohl das wahrscheinlichste, aber rein makroskopisch hier für mich nicht klar ansprechbar.


    Wenn du schreibst, welche Recherche du betrieben hast, dann kann man eher einschätzen, wie du auf den Namen gekommen bist. Was Stefan wohl meinte: in den gängigen Pilzbüchern sind meistens nur wenige Gymnopilus-Arten enthalten. In der Gattung ist Spezialliteratur geboten - z.B. die Überarbeitung von Jan Holec oder zumindest sein Schlüssel in der Funga Nordica. Ich würde bei "Recherchen" auch nur von einem Bildvergleich ausgehen. Wenn du aber geschlüsselt hast und auch Mikromerkmale mit einbeziehst, dann sieht es natürlich anders aus. Das 0815 ist - wie Stefan ja selber schreibt - so nicht gemeint gewesen. Es schreibt sich halt schneller als "ohne Spezialliteratur..." - und auch das schließt nicht aus, dass du mit Spezialliteratur arbeitest. In dem Fall würdest du aber eine Bestimmung per Forum erleichtern, wenn du die Merkmale auch beschreibst, die dich zur Bestimmung geführt haben. Nur nach Foto allein ist es meistens schwierig...


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Hier in diesem Rätsel immer die deutschen Namen!

    Ja, leider ==Gnolm6


    ich hatte nämlich sofort eine Lösungsidee, die auf den "schlauen" Artnamen gepasst hätte. Auf schlau wäre es so leicht gewesen. Mit Hilfe des Weihnachtslieds ist es aber wirklich nicht mehr so schwer... man kann es locker-flockig lösen, denke ich. ==Gnolm13==Gnolm10


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Lieber Jörg,


    du kannst mit den Krempling sehr gerne schicken. Und falls das im Moment zu stressig ist: er wächst ja sicher nochmal an der Stelle - läuft alles nicht weg. ;)


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Jörg,


    bei deinem Champi sieht es so aus, als wäre der Ring nach unten abziehbar - der Fruchtkörper erscheint vom Velum universale gestiefelt zu sein. Damit ist Agaricus litoralis raus - da muss der Ring hängend sein, nach oben abziehbar, also aus Velum partiale gebildet sein - falsche Sektion!


    Gehe ich von der Ausprägung des Velum universale und reduzierten Teilvelum aus, gewichte den kompakten, gedrungenen, relativ kurzstieligen Habitus und nehme das Röten dazu, bin ich in der Sektion Chitonioides. Das bedeutet, dass der Fruchtkörper komplett KOH-negativ reagiert (und auch keine Schaeffer-Reaktion zeigt).


    Innerhalb der Sektion Chitonioides finde ich, passt Agaricus bernardii makroskopisch ganz gut. Ich wüsste nicht, was es sonst sein könnte.


    Weitere Arten wären:


    Agaricus bernardiiformis - ist meist dunkler braun am Hut (anliegende Hutschuppen), rötet kaum, dafür in der Stielbasis etwas gilbend

    A. gennadii - hat eine dicke Volva und ist graziler, langstieliger und ist oberhalb der Volva am Stiel schuppig; Fleisch fast gar nicht verfärbend

    A. pearsonii - Volva häutig, an Amanita erinnernd, Stielbasis teils etwas knollig; zeigt Rosatöne am Hut und ist auch graziler (lässt sich anhand der Cheilocystiden mikroskopisch unterscheiden)

    A. pequinii - ist oberhalb der Volva / des Rings schuppig

    A. pilosporus - wird überall rosa, auch auf dem Hut; die Volva erinnert auch an Amanita; ist oft sehr gedrungen; bei langstieligeren Kollektionen mit Stielknolle plus Volva; hat wie A. bernardii polymorphe Cheilocystiden


    Die Artenzahl ist übersichtlich - man sollte zur Sicherheit die Mikromerkmale prüfen, aber ich komme makroskopisch zu nichts anderem als Agaricus bernardii.


    (generell: bei Egerlingen sollte man immer erst versuchen, die Sektion zu bestimmen und erst dann nach Ähnlichkeiten zu suchen - Agaricus litoralis und Agaricus bernardii sind dann nie zu verwechseln)


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Karl,


    das mit der Ammoniakreaktion ist ja spannend. Wie gesagt: ich hatte noch keinen positiven Fall - auch nicht mit Dampf. Geht man davon aus, dass die von dir gezeigten Kollektionen alle die gleiche Art wären, dann hättest du einen Fall mit sehr kurzer, positiver Reaktion gehabt, während alle anderen negativ ausfielen. Zumindest würde das zeigen, dass auch die kräftigen nördlich der Alpen grün werden können (und nicht nur schmächtige südlich der Alpen).


    Als ich Paxillus validus und Paxillus obscurisporus beschrieb, kannte ich Paxillus cuprinus ja nicht bzw. hatte den nie in Händen gehabt. Alle Parkanlagenfunde, die offen waren, waren mit Linde, Pappel usw. aber nicht bei Birke. Und meine Kremplinge unter Birke waren allesamt aus dem Wald, Paxillus involutus s.str. Ich hatte mich folglich nicht mit dem später als Paxillus cuprinus beschriebenen Pilz beschäftigt.


    Was mir damals aber schon klar war: Ich bin nicht oder nur selten in der Lage, Paxillus validus (ich bleibe erstmal bei dem Namen, damit klar, ist, dass ich die großen, kräftigen meine) und Paxillus obscurisporus makroskopisch (ohne Sporenabwurf) zu unterscheiden. Anhand der Rhizomorphen geht es mit dem Mikroskop eindeutig und auch anhand des Sporenpulvers. Seit Paxillus cuprinus beschrieben wurde, ist es noch schwieriger geworden, weil der eben auch wie ein etwas zu kleiner Paxillus validus aussehen kann. Obendrein können die beiden, Paxillus validus und Paxillus cuprinus auch zusammen vorkommen, da sie beide gerne an offenen Stellen wachsen. Ich kann daher nur am Foto auch bei deinen Kollektionen, keine sichere Bestimmung abgeben. Rein makroskopisch und wegen des Farbtons der Lamellen hätte ich die Kollektion vom 28.10.2016 auch als Paxillus validus angesprochen. Das zweite Foto wäre sehr typisch mit den schuppig aufreißenden Hüten und den kompakt kurzstieligen Fruchtkörpern.

    Bei dem letzten Foto ist der Rotton in den Lamellen aber so deutlich, dass ich hier wieder vorsichtig wäre.


    Die Unterscheidung ist im Myzel aber leicht:

    Paxillus validus: Hyphen der Rhizomorphen dicht mit Kristallen besetzt, diese bis zu 2,5 µm im Durchmesser.

    Paxillus cuprinus: Hyphen der Rhizomorphen nur mit Mikrokristallen besetzt, daher punktiert erscheinend (wie bei Paxillus involutus und Paxillus obscurisporus bis 0,5 µm groß).


    Sporenpulver:

    Paxillus involutus: ockelich rostbraun

    Paxillus validus: ockerlich rostbraun (teils mit etwas oliv)

    Paxillus cuprinus: stärker rostbraun mit mehr Rot, etwas dunkler als die vorherigen beiden

    Paxillus obscurisporus: schokoladenbraun mit weinrot gemischt, dunkler


    Nach ein paar Monaten sehen aber alle Abdrücke farblich gleich aus.


    Sporengrößen:

    bei allen relativ ähnlich, Paxillus obscurisporus hat aber den kleinsten Sporenquotienten - das hatte ich beschrieben, aber nicht hoch gewichtet, da es überschneidungen gibt. Deshalb hatte ich dieses Merkmal nicht zur Trennung herangezogen.


    Cystidenmaße:

    romana hatte ja auch nachgefragt...


    Ich hatte am Holotypus von Paxillus vernalis (aus den USA) festgestellt, dass dieser auffallend kurze Hymenialcystiden hat. Bei Paxillus obscurisporus werden sie deutlich länger - Pleurocystiden bis 130 µm lang werdend, meist aber "nur" bis 95 µm lang. Bei Paxillus validus kam ich auf Längen bis 90 µm. Paxillus vernalis: nur bis 72 µm. Selbst bei Paxillus involutus s.str. kam ich auf Längen bis 100 µm. Ich glaube daher nicht, dass Paxillus cuprinus über die Cystiden erkennbar ist.


    Ein bisserl geht was über die Hutdeckschichthyphen, aber auch da gibt es zu viel Überschneidungen. Nur Paxillus vernalis ist da wieder durch besonders schmale Hyphen abgesetzt. Da Paxillus vernalis das gleiche, dunkle, rotbraune Sporenpulver aufweist, habe ich Paxillus obscurisporus nur wegen der Unterschiede in der Mikroskopie (Cystiden, HDS) beschrieben. Die hiesigen Arten des Pax.-involutus-Aggregats sind sich da m.E. aber zu ähnlich.


    Zurückkommend zu Fotobestimmungen von Kremplingen:

    Wenn es nicht völlig typische Exemplare sind, ist es kaum möglich, einen Krempling (auch und gerade die kräftigen) anhand von Fotos auf die Art zu bestimmen. Um Paxillus validus / ammoniavirescens sicher zu bestimmen, sollte man bitte immer die Rhizomorphen mit aufsammeln.

    Es sind zwar nur wenige Arten in der Gattung, die Bestimmung ist aber ein bisserl mühsam - mit der Mühe aber eigentlich leicht umzusetzen. Es gibt in der Kombination genug Merkmale.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus romana


    Das Fehlen von Rottönen im Sporenpulver ist ein Indiz für cuprinus.

    da muss ich leider widersprechen. Paxillus cuprinus ist gerade durch einen deutlichen Rotton im Sporenpulver erkennbar.


    Was die Ammoniakreaktion angeht: ich habe die regelmäßig bei meinen Kremplingsstudien am Frischmaterial getestet. Ich hatte nie eine positive, grüne Reaktion, auch nicht bei Paxillus validus. Der südeuropäische Paxillus ammoniavirescens, der diese Reaktion aufweist, ist ein relativ kleiner Pilz, während Paxillus validus s.str. groß und kräftig ist. Identisch wiederum sind bei bei den beiden, P. validus und P. ammoniavirescens, dass die Rhizomorphen viele, relativ große Kristalle tragen. In der ITS sind sie ununterscheidbar, aber Habitus und Chemiereaktion trennen sie. Deshalb kann ich die Synonymisierung nicht ganz nachvollziehen. Da sie aber sowohl im Myzel als auch in der ITS identisch sind, ist es wohl sinnvoll, sie als Varietäten anzusehen.


    Wie auch immer, zum Sporenpulver:

    Das ist am Foto am PC schwierig (Bildschirmeinstellung etc.). Am besten ist es, den Abdruck physisch zu haben (also Jörg...), im Naturlicht (Schatten) flach auf den Abwurf zu schauen und die Farbnuancen zu interpretieren (ohne vorher zu wissen, was rauskommen soll - damit man unvoreingenommen ist). Ich meine durchaus einen rötlichen Einschlag oben links am Sporenabdurckfoto zu erkennen.


    Paxillus involutus und Paxillus validus haben einen deutlichen ockerfarbenen Abdruck mit etwas oliv drin, aber keine rostroten bis weinroten Töne. Dafür erscheint mir hier das Sporenpulver allgemein zu dunkel, aber eben nicht so dunkel schokoladenbraun (mit weinrot), wie ich es von Paxillus obscurisporus kenne.


    Daher vermute ich anhand des Bildes Paxillus cuprinus. Da Jörg aber von oliv spricht, bin ich da natürlich etwas unsicher. Insofern würde eine Untersuchung der Sporenform helfen. Paxillus cuprinus zeigt ein "Feinmerkmal", das mir bei meinen Kremplingsstudien "durch die Lappen" ging (ich hatte das nicht als griffig angesehen - da die Genetik aber Paxillus cuprinus abgrenzt, kann man so dank der Genetik zeigen, dass das Merkmal doch etwas nutzt - falls es sich nicht auch später bei anderen Arten zeigen sollte).: die Sporen sind am Hinterende angedeutet madelförmig, also mit kleinem Knick und etwas spitzem Ende. Es ista ber recht undeutlich. Deshalb zeige ich hier die Tafel aus der Originalbeschreibung von Jergéat et al. (2014: fig. 4), der ich die ockergelben Pfeile zugefügt habe. Das sollte man zur Absicherung prüfen:



    Liebe Grüße,

    Christoph


    Literatur:

    Patricia JARGEAT, Jean-Paul CHAUMETON, Olivier NAVAUD, Alfredo VIZZINI, Hervé GRYTA (2014): The Paxillus involutus (Boletales, Paxillaceae) complex in Europe: Genetic diversity and morphological description of the new species Paxillus cuprinus, typification of P. involutus s.s., and synthesis of species boundaries. Fungal biology 118: 12-31.

    Servus Jörg,


    an Paxillus involutus s.str. glaube ich auch nicht wirklich - da passt das Habitat nicht und er erscheint mir auch zu kräftig. Ist aber am Foto sehr schwierig.


    Paxillus cuprinus würde vom Standort her genau passen, auch der Habitus. Jung kann die Huthaut noch glatt sein, später dürfte sie dann aufreißen. Allerdings wachsen auch die "ganz großen" Kremplinge gerne an offenen, besonnten Stellen.


    Allerdings bleibt das alles reine Spektulation, wenn kein Sporenabdruck vorliegt. Die exakte Sporenpulverfarbe ist ein sehr wertvolles Bestimmungsmerkmal. Sollte es Paxillus cuprinus sein, kann man noch ein bisserl was mit der Sporenform machen - da geht es um die Ausprägung des dem Apiculus angewandten Endes.


    So und nur nach Foto: schwierig...


    Liebe Grüße,

    Christoph