Hallo Henry,
wie es scheint, kennst du ja ein paar Pilzarten und hast auch schon mal ein Pilzbuch in der Hand gehabt. Das ist ja schon mal nicht nichts. Ganz wichtig ist es beim Pilze sammeln, dass man die tödlich giftigen Arten erkennt und meidet. Ferner sollten einem die giftigen "Doppelgänger" essbarer Arten bekannt sein. Es gibt aber einige Arten, die relativ leicht erkennbar sind und wo die Verwechslungsmöglichkeiten gering sind. Plattes Beispiel: der Riesenbovist.
Ganz wichtig ist auch, dass man nicht nur nach dem oberflächlichen Aussehen geht. Bei Pilzen muss man etwas genauer sein: Wie riecht der Pilz? Ist der Hut schuppig oder glatt? Fühlt er sich rau an oder schleimig? Hat er einen Ring? Sind die Lamellen angewachsen oder herablaufend oder ...? Wie ist die Farbe der Lamellen, das Fleisch im Schnitt oder das Sporenpulver? Und: welche Bäume stehen am Fundort? Wächst der Pilz aus der Erde oder doch vielleicht auf Holz? Bei Röhrlingen ist es ähnlich. Wichtig ist, dass man einige Arten (möglichst viele) kennt und nicht nur die, die man (vermeintlich) sammelt.
Beim Parasol ist z. B. ein entscheidendes Merkmal, ob der Ring verschiebbar ist und das kugelige Aussehen des noch nicht geöffneten Hutes. Es gibt aber auch einige andere, sehr ähnlich aussehende Pilze (also Lepiota), die zum Teil essbar sind, aber teilweise eben auch giftig.
Ich bin jetzt auch nicht der Spezialist schlechthin und sammle eigentlich weniger, ich fotografiere meist lieber nur und kultiviere Pilze im Garten. Aber wenn du sammeln willst, würde ich dir empfehlen, dich nicht nur nach Büchern zu gehen, sondern eventuell mal eine Pilzwanderung mitzumachen. Die sind meist nicht teuer und finden in kleinen Gruppen statt. Da kann man einiges lernen und auch Fragen stellen. Und vor allem hat man da die Gelegenheit, mal selbst die sicher bestimmten Pilze live und 3D zu sehen, auch mal dran zu riechen und sie anzufassen. So kriegt man ein besseres Gefühl dafür. Solche Pilzwanderungen werden in vielen Orten angeboten, meistens natürlich saisonal.
Zu guten Büchern für Einsteigern kann dir hier bestimmt der ein oder andere Tipp gegeben werden. Ich fühle mich da nicht so berufen, weil ich keinen so guten Überblick über die existierenden Bücher habe. Ein paar habe ich auch, z. B. den Kosmos Pilz-Atlas von vor etwa 20 Jahren und der gibt schon mal keinen so schlechten Einblick in die Artenvielfalt. Heute gibt es aber sicherlich auch bessere Bücher, mit vielleicht besseren Fotografien. Aber immerhin sind im Kosmos Pilzatlas schon mal Bilder von Fruchtkörpern in verschiedenen Stadien und auch längs aufgeschnitten und die Merkmale und das Substrat werden dort auch genannt.
Viele Grüße
Oliver
