Russula velenovsky?

Es gibt 12 Antworten in diesem Thema, welches 694 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Sebastian_RLP.

  • Hallo zusammen,


    ich habe auf Basalt bei Birke und Pappel diesen MILDEN Täubling gefunden.

    Sporenpulver ist IIIb. Ich habe diesen als Russula velenovsky diskutiert. Der Stiel bräunt. Ein Geruch lässt sich nicht feststellen (wie bei einem Heringstäubling).

    Irritiert hat die dunkle Hutmitte.


    Die Sporen(-größen) können passen, wobei schon gratig verbunden. Aber das kann die Art wohl.

    6,7-8,1 µm (av. 7,5 µm, SD 0,4 µm) x 5,1-5,8 µm (av. 5,5 µm, SD 0,2 µm); Q = 1,2-1,5 (av. 1,4, SD 0,1)(n = 8)


    Mikroskopisch imponieren Pileozystiden. Eine Darstellung inkrustierter Pileozystiden (aufgenommen in Karbolfuchsin und ausgewaschen mit Lactoglycerol) will mir nicht deutlich gelingen. Ggf. sieht man einzelne Inkrustierungen? Abgelöste Inkrustierungen? Jedenfalls keine klare Darstellung.

    Bei den tieferliegenden HDS-hyphen ist die Inkrustierung hingegen deutlich (was vielleicht auch gegen die Art spricht?)


    Habt ihr anhand der Beschreibungen und Bilder eine Idee.

    Mein Guajak ist leider anderthalb Jahre alt, habe versäumt Neues zu bestellen. Eine saubere Aussage dazu kann ich also leider auch nicht liefern, die Reaktion des anderthalb Jahre alten Guajaks war eher schwach.

    FeSO4 zeigt eine rosa-orangliche Verfärbung.




    Pileos in SV


    Inkrustierte Hyphen


    Pileos in KF (Lactoglycerol)



    ?


    Danke für eure Einschätzung, Sebastian

  • Bei den Bildern von R. turci, die du zeigst, sieht man typisch die Inkrustationen auf den Zellwänden aufliegen.

    Bei deinem Präparat sehe ich zwar Pünktchen in den Zellen aber nicht auf den Zellwänden. Vielleicht irre ich mich auch.

    R. velenovsky hab ich bisher auch noch nicht bewusst gesehen.


    Grüße Peter

  • Hallo,


    Meiner Meinung nach ist der Fruchtkörper bereits im Vergehen, was die Interpretation der Farben schwierig macht. Grundsätzlich hätte ich mit diesem verfärbten Stiel zunächst an R.versicolor gedacht, der wäre aber etwas schärflich und ohne Inkrustationen - passt also nicht.


    Vielleicht noch eine Runde Mikroskopie. Wie lange hast du in Salzsäure entfärbt? Hier reichen wirklich nur wenige Sekunden. Vielleicht liegt hier das Problem die oft nur spärlich inkrustierten DCY darzustellen. Ohne die Inkrustationen direkt an der Hyphenwand nachzuweisen, bleibt‘s ungewiss.


    Hier ein altes Bild von mir:

    Täublinge - Mikromerkmale (Dermatozystiden & Inkrustierte Primordialhyphen) - 123Pilzforum
    Hallo, als "Russulaphiler" habe ich mich dieses Jahr mit der Mikroskopie der Täublinge befasst. Hierbei werden für gewöhnlich zwei DInge untersucht: - Die…
    www.123pilzforum.de


    VG Thiemo

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  • Hallo Sebastian,


    falls du noch Appetit auf einen Senf von mir hast:

    Die Hutfarbe passt nicht gut zu R. velenovskyi (Ziegelroter Täubling). Hier ist es aber, soweit sich das unter den Lichtverhältnissen sagen lässt, ein Himbeersaft-/Brombeersaftrot. Zusammen mit der auffälligen Kannelierung des Hutrandes wäre ich eher in der Gegend R. nitida/robertii/pseudorobertii gelandet.


    Jetzt noch die Frage nach dem Geschmack: mild oder vielleicht doch schärflich? In diesem Fall wäre die Thiemos Idee mit R. versicolor eine sehr gute.


    FG

    Oehrling

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  • Hallo zusammen, vielen dank für eure wertvollen Einschätzungen,

    dir Inkrustationen bei der Hyphen sind außerhalb der Zellen.

    Ach so, diese Aussage war nicht auf meine Bilder bezogen, sondern auf Primordialhyphen an sich. Ja, dass ist mir bekannt und das war hier deutlich der Fall, auch wenn man das in den Bildern in der Tat auch nicht gut erkennt. Im Lichtmikroskop war das ganz deutlich auf den Hyphen, nicht darin. Ergänzend kann ich noch sagen, dass diese Hyphen zu sehen sind, wenn die Huthaut falschherum auf dem Objektträger landet. sie sind also im untersten Teil der HDS. Ich bin mir nicht sicher, ob das relevant ist.


    Hallo Thiemo, hallo Oehrling, vielen Dank für eure Beiträge und Verlinkungen:


    Ich habe nicht mit Salzsäure gearbeitet, sondern wie oben angegeben in Lactoglycerol ausgewaschen. Welche Auswirkungen dass auf entsprechende Inkrustinationen von velenovsky haben könnte, ist mir nicht bekannt. Bisher konnte ich damit gute Ergebnisse erzielen.


    Russula versicolor gefällt mir sehr gut. Zum Geschmack kann ich noch sagen, dass ich kurz einen "Anflug" (!) von Schärfe gespürt hatte, der aber auch direkt wieder weg war? "Einbildung" geisterte mir durch den Kopf, weil es wirklich kaum ausgeprägt und nicht konstant/zunehmend war. Das hat mich irritiert und ich habe weiter auf dem Stück Hutfleisch samt Lamelle gekaut, auch nach einer weiteren Minute war das einfach nur mild! Nun habe ich in verschiedenen Quellen gelesen, dass Versicolor scheinbar auch mal eher mild daherkommen kann. Auf Fundkorb.de (Dieter Gewalt) heißt es: "Eine bemerkenswerte Eigenschaft ist bei einer Geschmacksprobe festzustellen: sein Fleisch wird nur langsam scharf, die Schärfe nimmt aber allmählich wieder ab bis zuletzt mild. Eine Varietät intensior soll konstant nahezu mild sein."


    Was mir bei Marxmüller von den Bildern makroskopisch sehr gut gefällt ist Russula versicolor forma macrospora. Der Täubling auf der Tafel sieht genau aus wie mein Fund, dieses gilben/bräunen zeigt er auch wie typisch und er soll mild daherkommen. Allerdings hätte dieser im Schnitt größere Sporen, die bleiben aber eher in der Größenordnung versicolor, hab nochmal 13 Sporen nachgemessen. Die fallen eher (leicht) noch kleiner aus: 6,8-7,9 µm (av. 7,2 µm, SD 0,3 µm) x 5,1-6,0 µm (av. 5,4 µm, SD 0,3 µm); Q = 1,2-1,4 (av. 1,3, SD 0,0)(n = 13)


    Danke, Oehrling, für die spannenden Hinweise auf mögliche "Differentialdiagnosen". Ich bin immer wieder überrascht, wie vielfältig die Gattung ist. Robertii scheint helleres Sporenpulver zu haben. Bei Nitida passt vieles sehr gut, aber die Sporen sprechen dagegen (zu klein und nicht isoliertwarzig).


    Spannend fand ich weiterhin noch Russula arpalices, der bei Pappel vorkommt. Pappel war hier definitiv vorhanden. Am selben Standort hatten wir auch schon den Pappelgrünling (Tricholoma frondosae). Für arpalices könnten die Sporen ganz gut passen. Sporenpulverfarbe wird mit IIIc angegeben. Die Art sei mild. In MXM ist diese nicht dargestellt. Nach Fungi of temperate Europe sollten die Hutfarben von "pale coral to brownish rose" reichen, was hier wiederrum nicht gut passt.


    Nun ja, ich neige dazu, dass Teil unter versicolor abzulegen.


    Danke und liebe Grüße, Sebastian

  • Hallo Sebastian,

    da du zumindest einen Anflug von Schärfe festgestellt hattest, würde ich R.versicolor von meiner Seite für sehr wahrscheinlich halten. Da darf man bei alten durchwässerten Frkp. nicht mehr zu viel erwarten. Die Sporen sind mir tatsächlich zu netzig für R.nitida. R.fusconigra (Syn.robertii) scheidet für mich wegen des zu dunklen Sporenpulvers und auch der Färbung völlig aus.

    VG Thiemo

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  • Danke Thiemo, ich denke auch, dass dies das wahrscheinlichste ist.


    An dich nochmal die Frage, kennst du arpalices? Der passt vermutlich von den Hutfarben gar nicht.


    LG Sebastian

  • Im abgelaufenen zeitigen Sommer fand ich in einer Parkanlage (Neuer Friedhof Stuttgart-Weilimdorf) unter einer großen Solitärpappel (keine Espe, sondern eine Bastardpappel) etwas, das R. arpalices gewesen sein könnte. Es waren winzige Pilzchen mit nur ca. 2 bis 3 cm Hutdurchmesser (ausgereift und mit bereits flachem Hut). Von der Farbe her entsprachen sie dem, was man von einigen Milchlingen der Rotbraun-Sektion kennt, und hatten rotbraun überlaufene Stiele. Ich dachte zuerst an extrem schmächtige Lactarius subdulcis oder decipiens, nur dass eben komplett die Milch fehlte. Die Mikromerkmale passten exakt zu den Angaben im SARNARI.


    Ich habe auf Basis dieses Fundes in meinem Kopf abgespeichert: R. arpalices muss etwas sein, das auf den ersten Blick wie einer der Rotbraun-Milchlinge aussieht. Bei diesem hier diskutierten Fund besteht die Ähnlichkeit ja eher nicht.


    Wenn wir das hier als R. versicolor ablegen, gehe ich mit.


    FG

    Oehrling

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