Hallo allerseits,
vergangenes Wochenende hatte ich im Schweinsgalopp Frischpilze für die Ausstellung in Ober-Olm bei Mainz eingesammelt. Wegen Zeitnot hatte ich nicht - wie sich das gehört - die Funde ordentlich dokumentiert, sondern ich wollte im Rekordtempo möglichst viel Material einsacken, damit den Besuchern eine ordentliche Pilzvielfalt präsentiert werden kann. Angesichts der Trockenheit und Frischpilzmangel in weiten Teilen Deutschlands und des damit verbundenen Zeitaufwandes bzw. der langen notwendigen Wegstrecken bitte ich diese unprofessionelle Vorgehensweise zu entschuldigen.
Auf einem ehemaligen Bunkergelände in der Nähe von Wetzlar sind mir diese drei Exemplare ins Schleppnetz gegangen, die ich bei extrem flüchtigen Drüberschauen als "Leucocortinarius bulbiger" eingesackt hatte - die Aufnahmen sind leider erst mehr als 48 Stunden nach Fruchtkörperentnahme entstanden und die Fruchtkörper haben dreifache Transportwege und eine Ausstellung hinter sich, die Lamellenfarbe ist deutlich nachgedunkelt und die Ränder angetrocknet.
Auch kam ich mit meiner reichlichen Beute erst kurz vor Ausstellungsöffnung in Ober-Olm an, weshalb weder Zeit noch Sorgfalt in die Überprüfung von mehreren Dutzend Pilzarten investiert werden konnten - mea culpa ![]()
Jedenfalls hatte ich Leucocortinarius bulbiger noch nicht und deshalb die drei Exemplare wieder mitgenommen um sie zu fotografieren und herbarisieren.
Harald zuehli hatte ich per Whatsapp ein paar Fotos geschickt und er meinte, das könnte schon hinkommen mit meinem Arbeitstitel. Diese Art wurde übrigens von Harald ganz in der Nähe schonmal kartiert. Jedenfalls wollte ich diesen persönlichen Erstfund dokumentieren und habe die Fotos in ein dänisches Pilzforum eingestellt, in dem auch Koryphäen wie Thomas Laessoee und Jacob Heilmann-Clausen unterwegs sind und sich die Funde anschauen.
Beide Experten haben sich tatsächlich zu diesem Fund geäußert und Zweifel an meinem Arbeitstitel angemeldet. JHC meinte, der Fund wirke irgendie "lepistoid", er könne aber keine Art benennen, mit der ich meinen Fund abgleichen könnte - Leucocortinarius wurde von beiden Experten angezweifelt. Ob es vielleicht irgendein Cortinarius ist, den ich nicht auf dem Schirm habe? Uwe Cortinarius , gibt es da was optisch passendes?
Das ist wohl ein Fall für Pablo Alvarado, wenn nicht hier irgendjemand im Forum eine zündende Idee hat, die man noch an Herbarmaterial überprüfen kann. Als Mykorrhiza-Partner - sofern es überhaupt ein Mykorrhiza-Pilz ist - kommt so ziemlich alles in Betracht. Schwerpunktmäßig ist die ehemalige Bunkeranlage mit Nadelwald (insbesondere Lärche) bestockt worden, seit Aufgabe der Bunkeranlage vor etwa 35 Jahren hat sich da aber mittlerweile ein bunter Mix angesiedelt. Wie es sich für eine Bunkeranlage gehört, sind da tausende von Tonnen Beton, Stahl und Asphalt und Basaltsplitt verbaut worden - extrem gestörte Bodenverhältnisse also. Manche Pilzarten fruktifizieren in einer dünnen Moosdecke, eine Handbreit darunter befindet sich eine geschlossene (!) Beton und Asphalt-Decke.
Anmerkungen und Namensvorschläge sind willkommen!
Beste Grüße,
Frank
